Spielmann und Zither

Strauss, Richard

Der Spielmann saß am Felsen

Und blickte hinunter in's Meer

Und sah die Wogen sich wälzen

Und fluthen um sich her.

Die Zither lag zur Seite,

Die Luft war rein und mild;

Und wie aus ferner Weite

Kam ihm manch' liebes Bild.

Kam auch der Schlummer treulich,

Spielt' um das Silberhaar

Und schloß so still und heilig

Das müde Augenpaar.

Und mit dem Kreis der Träume

Kam Jugendlust herauf;

Und viel zerknickte Keime

Blühten lebendig auf.

Und alte schöne Stunden

Wurden ihm wieder neu,

Als hätt' er Liebchen gefunden

Und Liebchen wär' ihm treu.

Da faßt' ein plötzlich Grausen

Ihn wie mit Sturmesweh'n,

Und Wogen hört er brausen,

Sah Liebchen untergeh'n.--

Und jetzt aus seinen Traümen

Der Spielmann schnell erwacht,

Und sieht die Wogen schäumen

Und sieht der Wellen Nacht.

Und hört die Winde pfeifen

Und stürmen um sich her,

Thät nach der Zither greifen,

Fand keine Zither mehr.

Die Zither schwimmt in den Wellen,

Der Sturm riß sie hinab,

Und seine Thränen quellen

Bei seiner Liebsten Grab.

Da wird's ihm, als ob sie riefe,

Als klängen die Saiten an;

Und er stürzt sich hinab in die Tiefe

Und bricht durch die Wellen sich Bahn.

Und von Weitem sieht er sie blinken

Und kämpft sich zu ihr her,

Und hält sie empor, dann versinken

So Zither wie Spielmann in's Meer.