Elektra
Strauss, Richard
KLYTÄMNESTRA (Mezzosopran)
ELEKTRA, ihre ältere Tochter (Sopran)
CHRYSOTHEMIS, ihre jüngere Tochter (Sopran)
AEGISTH (Tenor)
OREST (Bariton)
DER PFLEGER DES OREST (Bass)
DIE VERTRAUTE (Sopran)
DIE SCHLEPPENTRÄGERIN (Sopran)
EIN JUNGER DIENER (Tenor)
EIN ALTER DIENER (Bass)
DIE AUFSEHERIN (Sopran)
FÜNF MÄGDE (1 Alt, 2 Mezzosopran, 2 Sopran)
DIE WERKE VON RICHARD STRAUSS GENIESSEN BIS AUF WEITERES DEN SCHUTZ DES COPYRIGHTS© 1916 Adolph Fürstner, Berlin
DIE NACHFOLGENDE WIEDERGABE DES LIBRETTOS GESCHIEHT MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG© 1987 Fürstner Musikverlag GmbH, Mainz
für die Gebiete Deutschland, Danzig, Italien, Portugal und die Nachfolgestaaten der UdSSR ausser Estland, Lettland und Litauen
DIE NACHFOLGENDE WIEDERGABE DES LIBRETTOS GESCHIEHT MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNGfor all other countries: © 1943 Boosey & Hawkes Music Publishers Ltd.
SYSTEMEINZIGER AKT
Der innere Hof, begrenzt von der Rückseite des Palastes und niedrigen Gebäuden, in denen die Diener wohnen. Dienerinnen am Ziehbrunnen, links vorne. Aufseherinnen unter ihnen
ihr Wassergefäss aufhebend:
ERSTE MAGDWo bleibt Elektra?
ZWEITE MAGDIst doch ihre Stunde,
ZWEITE MAGDdie Stunde, wo sie um den Vater heult,
ZWEITE MAGDdass alle Wände schallen.
Elektra kommt aus der schon dunkelnden Hausflur gelaufen. Alle drehen sich nach ihr um. Elektra springt zurück wie ein Tier in seinen Schlupfwinkel, den einen Arm vor dem Gesicht
ERSTE MAGDHabt ihr gesehn, wie sie uns ansah?
ZWEITE MAGDGiftig wie eine wilde Katze.
DRITTE MAGDNeulich lag sie da und stöhnte --
ERSTE MAGDImmer, wenn die Sonne tief steht, liegt sie und stöhnt.
DRITTE MAGDDa gingen wir zuzweit und kamen ihr zu nah --
ERSTE MAGDsie hält's nicht aus, wenn man sie ansieht.
DRITTE MAGDJa, wir kamen ihr zu nah. Da pfauchte sie wie eine katze uns an. "Fort, Fliegen!", schrie sie, "fort!"
VIERTE MAGD"Schmeissfliegen, fort!"
DRITTE MAGD"Sitzt nicht auf meinen Wunden!" und schlug nach uns mit einem Strohwisch.
VIERTE MAGDSchmeissfliegen, fort!"
DRITTE MAGD"Ihr sollt das Süsse nicht abweiden von der Qual. Ihr sollt nicht schmatzen nach meiner Krämpfe Schaum."
VIERTE MAGD"Geht ab, verkriecht euch," schrie sie uns nach. "Esst Fettes, und esst Süsses und geht zu Bett mit euren Männern" schrie sie, und die --
DRITTE MAGDich war nicht faul --
VIERTE MAGDdie gab ihr Antwort!
DRITTE MAGDJa: "wenn du hungrig bist," gab ich zur Antwort, "so isst du auch," da sprang sie auf und schoss grässliche Blicke, reckte ihre Finger wie Krallen gegen uns und schrie: "Ich füttre mir einen Geier auf im Leib."
ZWEITE MAGDUnd du?
DRITTE MAGD"Drum hockst du immerfort," gab ich zurück, "wo Aasgeruch dich hält und scharrst nach einer alten Leiche!"
ZWEITE MAGDUnd was sagte sie da?
DRITTE MAGDSie heulte nur und warf sich in ihren Winkel.
ERSTE MAGDDass die Königin solch einen Dämon frei in Haus und Hof sein Wesen treiben lässt.
ZWEITE MAGDDas eigne Kind!
ERSTE MAGDWär' sie mein Kind, ich hielte, ich -- bei Gott! -- sie unter Schloss und Riegel.
VIERTE MAGDSind sie dir nicht hart genug mit ihr? Setzt man ihr nicht den Napf mit Essen zu den Hunden? Hast du den Herrn nie sie schlagen sehn?
ganz jung, mit zitternder erregter Stimme
FÜNFTE MAGDIch will vor ihr mich niederwerfen und die Füsse ihr küssen. Ist sie nicht ein Königskind und duldet solche Schmach! Ich will die Füsse ihr salben und mit meinem Haar sie trocknen.
DIE AUFSEHERINHinein mit dir!
Stösst sie
FÜNFTE MAGDEs gibt nichts auf der Welt, das königlicher ist als sie. Sie liegt in Lumpen auf der Schwelle, aber niemand, niemand ist hier im Haus, der ihren Blick aushält!
DIE AUFSEHERINHinein!
Stösst sie in die offene niedrige Tür links vorne
in die Tür geklemmt
FÜNFTE MAGDIhr alle seid nicht wert, die Luft zu atmen, die sie atmet! O, könnt' ich euch alle, euch, erhängt am Halse, in einer Scheuer Dunkel hängen sehn um dessen willen, was ihr an Elektra getan!
schlägt die Tür zu
DIE AUFSEHERINHört ihr das? wir, an Elektra! die ihren Napf von unserm Tische stiess, als man mit uns sie essen hiess, die ausspie vor uns und Hündinnen uns nannte.
ERSTE MAGDWas? Sie sagte: keinen Hund kann man erniedern, wozu man uns hat abgerichtet: dass wir mit Wasser und mit immer frischem Wasser das ewige Blut des Mordes von der Diele abspülen --
DRITTE MAGDund die Schmach, so sagte sie, die Schmach, die sich bei Tag und Nacht erneut, in Winkel fegen...
ERSTE MAGDunser Leib, so schreit sie, starrt von dem Unrat, dem wir dienstbar sind!
Die Mägde tragen die Gefässe ins Haus links
die ihnen die Tür aufgemacht
DIE AUFSEHERINUnd wenn sie uns mit unsern Kindern sieht,
DIE AUFSEHERINso schreit sie: nichts kann so verflucht sein, nichts,
DIE AUFSEHERINals Kinder, die wir hündisch auf der Treppe
DIE AUFSEHERINim Blute glitschernd, hier in diesem Haus
DIE AUFSEHERINempfangen und geboren haben. Sagt sie
DIE AUFSEHERINdas oder nicht?
im Abgehen
DIENERINNENJa! ja!
DIE AUFSEHERINSagt sie das oder nicht?
Alle schon drinnen
DIENERINNENJa, ja.
innen
DIE EINESie schlagen mich!
Die Aufseherin geht hinein. Die Tür fällt zu. Elektra tritt aus dem Hause
ELEKTRAAllein! Weh, ganz allein. Der Vater fort,
ELEKTRAhinabgescheucht in seine kalten Klüfte.
gegen den Boden
ELEKTRAAgamemnon! Agamemnon!
ELEKTRAWo bist du, Vater? Hast du nicht die Kraft,
ELEKTRAdein Angesicht herauf zu mir zu schleppen?
ELEKTRAEs ist die Stunde, unsre Stunde ist's!
ELEKTRADie Stunde, wo sie dich geschlachtet haben,
ELEKTRAdein Weib und der mit ihr in einem Bette,
ELEKTRAin deinem königlichen Bette schläft.
ELEKTRASie schlugen dich im Bade tot, dein Blut
ELEKTRArann über deine Augen, und das Bad
ELEKTRAdampfte von deinem Blut, da nahm er dich,
ELEKTRAder Feige, bei den Schultern, zerrte dich
ELEKTRAhinaus aus dem Gemach, den Kopf voraus,
ELEKTRAdie Beine schleifend hinterher: dein Auge,
ELEKTRAdas starre, offne, sah herein ins Haus.
ELEKTRASo kommst du wieder, setzest Fuss vor Fuss
ELEKTRAund stehst auf einmal da, die beiden Augen
ELEKTRAweit offen, und ein königlicher Reif
ELEKTRAvon Purpur ist um deine Stirn, der speist sich
ELEKTRAaus des Hauptes offner Wunde.
ELEKTRAAgamemnon! Vater!
ELEKTRAIch will dich sehn, lass mich heute nicht allein!
ELEKTRANur so wie gestern, wie ein Schatten, dort
ELEKTRAim Mauerwinkel zeig dich deinem Kind!
ELEKTRAVater! Agamemnon, dein Tag wird kommen! Von den Sternen
ELEKTRAstürzt alle Zeit herab, so wird das Blut
ELEKTRAaus hundert Kehlen stürzen auf dein Grab!
ELEKTRASo wie aus umgeworfnen Krügen wird's
ELEKTRAaus den gebunden Mördern fliessen,
ELEKTRAund in einem Schwall, in einem
ELEKTRAgeschwollnen Bach wird ihres Lebens Leben
ELEKTRAaus ihnen stürzen -- und wir schlachten dir
ELEKTRAdie Rosse, die im Hause sind, wir treiben
ELEKTRAsie vor dem Grab zusammen, und sie ahnen
ELEKTRAden Tod und wiehern in die Todesluft
ELEKTRAund sterben, und wir schlachten dir die Hunde,
ELEKTRAdie dir die Füsse leckten, die mit dir gejagt, denen du
ELEKTRAdie Bissen hinwarfst, darum müss ihr Blut
ELEKTRAhinab, um dir zu Dienst zu sein, und wir, wir,
ELEKTRAdein Blut, dein Sohn Orest und deine Töchter,
ELEKTRAwir drei, wenn alles dies vollbracht und Purpur-
ELEKTRAgezelte aufgerichtet sind, vom Dunst
ELEKTRAdes Blutes, den die Sonne nach sich zieht,
ELEKTRAdann tanzen wir, dein Blut, rings um dein Grab:
in begeistertem Pathos
ELEKTRAund über Leichen hin werd' ich das Knie
ELEKTRAhochheben Schritt für Schritt, und die mich werden
ELEKTRAso tanzen sehn, ja, die meinen Schatten
ELEKTRAvon weiten nur so werden tanzen sehn,
ELEKTRAdie werden sagen: einem grossen König
ELEKTRAwird hier ein grosses Prunkfest angestellt
ELEKTRAvon seinem Fleisch und Blut, und glücklich ist,
ELEKTRAwer Kinder hat, die um sein hohes Grab
ELEKTRAso königliche Siegestänze tanzen!
ELEKTRAAgamemnon! Agamemnon!
die jüngere Schwester, steht in der Haustür
CHRYSOTHEMISElektra!
Elektra fährt zusammen und starrt zuerst wie aus einem Traum erwachend auf Chrysothemis
ELEKTRAAh, das Gesicht!
steht an die Tür gedrückt
CHRYSOTHEMISIst mein Gesicht dir so verhasst?
ELEKTRAWas willst du? Rede, sprich, ergiesse dich,
ELEKTRAdann geh und lass mich!
hebt wie abwehrend die Hände
ELEKTRAWas hebst du die Hände?
ELEKTRASo hob der Vater seine beiden Hände,
ELEKTRAda fuhr das Beil hinab und spaltete
ELEKTRAsein Fleisch. Was willst du, Tochter meiner Mutter,
ELEKTRATochter Klytämnestras?
CHRYSOTHEMISSie haben etwas Fürchterlichtes vor.
ELEKTRADie beiden Weiber?
CHRYSOTHEMISWer?
ELEKTRANun, meine Mutter
ELEKTRAund jenes andre Weib, die Memme, ei,
ELEKTRAAegisth, der tapfre Meuchelmörder, er,
ELEKTRAder Heldentaten nur im Bett vollführt.
ELEKTRAWas haben sie denn vor?
CHRYSOTHEMISSie werfen dich
CHRYSOTHEMISin einen Turm, wo du von Sonn' und Mond
CHRYSOTHEMISdas Licht nicht sehen wirst.
lacht
CHRYSOTHEMISSie tun's, ich weiss es,
CHRYSOTHEMISich hab's gehört.
ELEKTRAWie hast denn du
ELEKTRAes hören können?
CHRYSOTHEMISAn der Tür, Elektra.
ELEKTRAMach keine Türen auf in diesem Haus!
ELEKTRAGepresster Atem, pfui! und Röcheln von Erwürgten,
ELEKTRAnichts andres gibt's in diesen Mauern.
ELEKTRAMach keine Türen auf! Schleich nicht herum.
ELEKTRASitz an der Tür wie ich und wünsch den Tod
ELEKTRAund das Gericht herbei auf sie und ihn.
CHRYSOTHEMISIch kann nicht sitzen und ins Dunkel starren
CHRYSOTHEMISwie du. Ich hab's wie Feuer in der Brust,
CHRYSOTHEMISes treibt mich immerfort herum im Haus,
CHRYSOTHEMISin keiner Kammer leidet's mich, ich muss
CHRYSOTHEMISvon einer Schwelle auf die andre, ach!
CHRYSOTHEMIStreppauf, treppab, mir ist, als rief' es mich,
CHRYSOTHEMISund komm ich hin, so stiert ein leeres Zimmer
CHRYSOTHEMISmich an. Ich habe soche Angst, mir zittern
CHRYSOTHEMISdie Knie bei Tag und Nacht, mir ist die Kehle
CHRYSOTHEMISwie zugeschnürt, ich kann nicht einmal weinen,
CHRYSOTHEMISwie Stein ist Alles! Schwester, hab Erbarmen!
ELEKTRAMit wem?
CHRYSOTHEMISDu bist es, die mit Eisenklammern
CHRYSOTHEMISmich an den Boden schmiedet. Wärst nicht du,
CHRYSOTHEMISsie liessen uns hinaus. Wär nicht dein Hass,
CHRYSOTHEMISdein schlafloses, unbändiges Gemüt,
CHRYSOTHEMISvor dem sie zittern, ah, so liessen sie
CHRYSOTHEMISuns ja heraus aus diesem Kerker, Schwester!
CHRYSOTHEMISIch will heraus! Ich will nicht jede Nacht
CHRYSOTHEMISbis an den Tod hier schlafen! Eh ich sterbe,
CHRYSOTHEMISwill ich auch leben! Kinder will ich haben,
CHRYSOTHEMISbevor mein Leib verwelkt, und wärs ein Bauer,
CHRYSOTHEMISdem sie mich geben, Kinder will ich ihm
CHRYSOTHEMISgebären und mit meinem Leib sie wärmen
CHRYSOTHEMISin kalten Nächten, wenn der Sturm die Hütte
CHRYSOTHEMISzusammenschüttelt!
CHRYSOTHEMISHörst du mich an? Sprich zu mir, Schwester!
ELEKTRAArmes Geschöpf!
CHRYSOTHEMISHab Mitleid mit der selber und mit mir!
CHRYSOTHEMISWem frommt denn solche Qual?
CHRYSOTHEMISDer Vater, der ist tot. Der Bruder kommt nicht heim.
CHRYSOTHEMISImmer sitzen wir auf der Stange
CHRYSOTHEMISwie angehängte Vögel, wenden links
CHRYSOTHEMISund rechts den Kopf und niemand kommt kein Bruder --
CHRYSOTHEMISkein Bote von dem Bruder, nicht der Bote
CHRYSOTHEMISvon einem Boten. Nichts -- Mit Messern
CHRYSOTHEMISgräbt Tag um Tag in dein und mein Gesicht
CHRYSOTHEMISsein Mal und draussen geht die Sonne auf
CHRYSOTHEMISund ab, und Frauen, die ich schlank gekannt hab',
CHRYSOTHEMISsind schwer von Segen, mühn sich zum Brunnen
CHRYSOTHEMISheben kaum die Eimer, und auf einmal
CHRYSOTHEMISsind sie entbunden ihrer Last kommen
CHRYSOTHEMISzum Brunnen wieder und aus ihnen selber
CHRYSOTHEMISquillt süsser Trank und säugend hängt ein Leben
CHRYSOTHEMISan ihnen, und die Kinder werden gross --
CHRYSOTHEMISNein, ich bin
CHRYSOTHEMISein Weib und will ein Weiberschicksal.
CHRYSOTHEMISViel lieber tot als leben und nicht leben.
CHRYSOTHEMISSie bricht in heftiges Weinen aus
ELEKTRAWas heulst du? Fort, hinein! Dort ist dein Platz.
ELEKTRAEs geht ein Lärm los. Stellen sie vielleicht
ELEKTRAfür dich die Hochzeit an? Ich hör sie laufen.
ELEKTRADas ganze Haus ist auf. Sie kreissen oder
ELEKTRAsie morden. Wenn es an Leichen mangelt,
ELEKTRAdrauf zu schlafen, müssen sie doch morden!
CHRYSOTHEMISGeh fort, verkriech dich! dass sie dich nicht sieht.
CHRYSOTHEMISStell dich ihr heut' nicht in den Weg: sie schickt
CHRYSOTHEMISTod aus jedem Blick. Sie hat geträumt.
CHRYSOTHEMISDer Lärm von vielen Kommenden drinnen, allmählich näher
CHRYSOTHEMISGeh fort von hier. Sie kommen durch die Gänge.
CHRYSOTHEMISSie kommen hier vorbei. Sie hat geträumt:
CHRYSOTHEMISSie hat geträumt,
CHRYSOTHEMISich weiss nicht, was, ich hab' es von den Mägden gehört,
CHRYSOTHEMISsie sagen, dass sie von Orest, von Orest geträumt hat,
CHRYSOTHEMISdass sie geschrien hat aus ihrem Schlaf,
CHRYSOTHEMISwie einer schreit, den man erwürgt.
CHRYSOTHEMISFackeln und Gestalten erfüllen den Gang links von der Tür.
CHRYSOTHEMISSie kommen schon. Sie treibt die Mägde alle
CHRYSOTHEMISmit Fackeln vor sich her. Sie schleppen Tiere
CHRYSOTHEMISund Opfermesser. Schwester, wenn sie zittert,
CHRYSOTHEMISist sie am schrecklichsten, geh ihr nur heut,
CHRYSOTHEMISnur diese Stunde geh aus ihrem Weg!
ELEKTRAIch habe eine Lust, mit meiner Mutter
ELEKTRAzu reden wie noch nie!
An den grell erleuchteten Fenstern klirrt und schlürft ein hastiger Zug vorüber: es ist ein Zerren, ein Schleppen von Tieren, ein gedämpftes Keifen, ein schnell ersticktes Aufschreien, das Niedersausen einer Peitsche, ein Aufraffen, ein Weitertaumeln
CHRYSOTHEMISIch will's nicht hören.
Stürzt ab durch die Hoftür
In dem breiten Fenster erscheint Klytämnestra. Ihr fahles, gedunsenes Gesicht, in dem grellen Licht der Fackeln, erscheint noch bleicher über dem scharlachroten Gewand. Sie stützt sich auf eine Vertraute, die dunkelviolett gekleidet ist, und auf einen elfenbeinernen, mit Edelsteinen geschmückten Stab. Eine gelbe Gestalt, mit zurückgekämmtem schwarzem Haar, einer Egypterin ähnlich, mit glattem Gesicht einer aufgerichteten Schlange gleichend, trägt ihr die Schleppe. Die Königin ist über und über bedeckt mit Edelsteinen und Talismanen, die Arme sind voll von Reifen, ihre Finger starren von Ringen. Die Lider ihrer Augen scheinen übermässig gross und es scheint ihr eine furchtbare Anstrengung zu kosten, sie offen zu halten. Elektra richtet sich hoch auf. Klytämnestra öffnet jäh die Augen, zitternd vor Zorn tritt sie ans Fenster und zeigt mit dem Stock auf Elektra
KLYTÄMNESTRAWas willst du? Seht doch, dort! so seht doch das!
KLYTÄMNESTRAWie es sich aufbäumt mit geblähtem Hals
KLYTÄMNESTRAund nach mir züngelt! und das lass ich frei
KLYTÄMNESTRAin meinem Hause laufen!
KLYTÄMNESTRAWenn sie mich mit ihren Blicken töten könnte!
KLYTÄMNESTRAO Götter, warum liegt ihr so auf mir?
KLYTÄMNESTRAWarum verwüstet ihr mich so? warum
KLYTÄMNESTRAmuss meine Kraft in mir gelähmt sein, warum
KLYTÄMNESTRAbin ich lebendigen Leibes wie ein wüstes
KLYTÄMNESTRAGefild und diese Nessel wächst aus mir
KLYTÄMNESTRAheraus, und ich hab' nicht die Kraft zu jäten!
KLYTÄMNESTRAWarum geschieht mir das, ihr ew'gen Götter?
ELEKTRADie Götter! bist doch selber eine Göttin!
ELEKTRAbist, was sie sind.
KLYTÄMNESTRAHabt ihr gehört? habt ihr
KLYTÄMNESTRAverstanden, was sie redet?
DIE VERTRAUTEDass auch du
DIE VERTRAUTEvom Stamm der Götter bist.
zischend:
DIE SCHLEPPENTRÄGERINSie meint es tückisch.
KLYTÄMNESTRAKlytämnestras schwere Augenlider fallen zu
KLYTÄMNESTRADas klingt mir so bekannt. Und nur als hätt ich's
KLYTÄMNESTRAvergessen, lang und lang. Sie kennt mich gut.
KLYTÄMNESTRADoch weiss man nie, was sie im Schilde führt.
KLYTÄMNESTRADie Vertraute und die Schleppträgerin
flüstern miteinander
nähert sich langsam Klytämnestra
ELEKTRADu bist nicht mehr du selber. Das Gewürm
ELEKTRAhängt immerfort um dich. Was sie ins Ohr
ELEKTRAdir zischen, trennt dein Denken fort und fort
ELEKTRAentzwei, so gehst du hin im Taumel, immer
ELEKTRAbist du als wie im Traum.
KLYTÄMNESTRAIch will hinunter.
KLYTÄMNESTRALasst, lasst, ich will mit ihr reden.
Sie geht vom Fenster weg und erscheint mit ihren Begleiterinnen in der Türe von der Türschwelle aus
KLYTÄMNESTRASie ist heute
KLYTÄMNESTRAnicht widerlich. Sie redet wie ein Arzt.
DIE VERTRAUTESie redet
DIE VERTRAUTEnicht, wie sie's meint.
DIE SCHLEPPENTRÄGERINEin jedes Wort ist Falschheit.
auffahrend
KLYTÄMNESTRAIch will nichts hören. Was aus euch herauskommt,
KLYTÄMNESTRAist nur der Atem des Aegisth.
KLYTÄMNESTRAUnd wenn ich nachts euch wekke, redet ihr
KLYTÄMNESTRAnicht jede etwas andres? Schreist nicht du,
KLYTÄMNESTRAdass meine Augenlider angeschwollen
KLYTÄMNESTRAund meine Leber krank ist, und winselst
KLYTÄMNESTRAnicht du ins andre Ohr, dass du Dämonen
KLYTÄMNESTRAgesehen hast mit langen spitzen Schnäbeln,
KLYTÄMNESTRAdie mir das Blut aussagen? zeigst du nicht
KLYTÄMNESTRAdie Spuren mir an meinem Fleisch, und folg' ich
KLYTÄMNESTRAdir nicht und schlachte, schlachte, schlachte Opfer
KLYTÄMNESTRAum Opfer? Zerrt ihr mich mit euren Reden
KLYTÄMNESTRAund Gegenreden nicht zu Tod? Ich will nicht
KLYTÄMNESTRAmehr hören: das ist wahr und das ist Lüge.
KLYTÄMNESTRAWas die Wahrheit ist, das bringt kein Mensch heraus.
KLYTÄMNESTRAWenn sie zu mir redet, was mich zu hören freut,
KLYTÄMNESTRAso will ich horchen, auf was sie redet.
KLYTÄMNESTRAWenn einer etwas Angenehmes sagt,
KLYTÄMNESTRAund wär' es meine Tochter, wär es die da,
KLYTÄMNESTRAwill ich von meiner Seele alle Hüllen
KLYTÄMNESTRAabstreifen und das Fächeln sanfter Luft,
KLYTÄMNESTRAvon wo es kommen mag, einlassen, wie
KLYTÄMNESTRAdie Kranken tun, wenn sie der kühlen Luft,
KLYTÄMNESTRAam Teiche sitzend, abends ihre Beulen
KLYTÄMNESTRAund all ihr Eiterndes der kühlen Luft
KLYTÄMNESTRApreisgeben abends, und nichts andres denken,
KLYTÄMNESTRAals Linderung zu schaffen.
KLYTÄMNESTRALasst mich allein mit ihr.
Ungeduldig weist sie mit dem Stock die Vertraute und die Schleppträgerin ins Haus. Diese verschwinden zögernd in der Tür. Auch die Fackeln verschwinden und nur aus dem Innern des Hauses fällt ein schwacher Schein durch den Flur auf den Hof und streift hie und da die Gestalten der beiden Frauen Klytämnestra kommt herab
KLYTÄMNESTRAIch habe keine guten Nächte. Weisst du
KLYTÄMNESTRAkein Mittel gegen Träume?
näher rückend
ELEKTRATräumst du, Mutter?
KLYTÄMNESTRAWer älter wird, der träumt. Allein es lässt sich
KLYTÄMNESTRAvertreiben. Es gibt Bräuche.
KLYTÄMNESTRAEs muss für alles richtige Bräuche geben.
KLYTÄMNESTRADarum bin ich so
KLYTÄMNESTRAbehängt mit Steinen. Denn es wohnt in jedem
KLYTÄMNESTRAganz sicher eine Kraft. Man muss nur wissen,
KLYTÄMNESTRAwie man sie nützen kann. Wenn du nur wolltest,
KLYTÄMNESTRAdu könntest etwas sagen, das mir nützt.
ELEKTRAIch, Mutter, ich?
KLYTÄMNESTRAJa, du! denn du bist klug.
KLYTÄMNESTRAIn deinem Kopf ist alles stark.
KLYTÄMNESTRADu könntest vieles sagen, was mir nützt.
KLYTÄMNESTRAWenn auch ein Wort nichts weiter ist! Was ist denn
KLYTÄMNESTRAein Hauch! und doch kriecht zwischen Tag und Nacht,
KLYTÄMNESTRAwenn ich mit offnen Augen lieg', ein Etwas
KLYTÄMNESTRAhin über mich, es ist kein Wort, es ist
KLYTÄMNESTRAkein Schmerz, es drückt mich nicht, es würgt mich nicht,
KLYTÄMNESTRAnichts ist es, nicht einmal ein Alp, und dennoch
KLYTÄMNESTRAes ist so fürchterlich, dass meine Seele
KLYTÄMNESTRAsich wünscht, erhängt zu sein, und jedes Glied
KLYTÄMNESTRAin mir schreit nach dem Tod, und dabei leb' ich
KLYTÄMNESTRAund bin nicht einmal krank; du siehst mich doch:
KLYTÄMNESTRAseh' ich wie eine Kranke? Kann man denn
KLYTÄMNESTRAvergehn, lebend, wie ein faules Aas?
KLYTÄMNESTRAkann man zerfallen, wenn man garnicht krank ist?
KLYTÄMNESTRAzerfallen wachen Sinnes, wie ein Kleid,
KLYTÄMNESTRAzerfressen von den Motten? Und dann schlaf' ich
KLYTÄMNESTRAund träume, träume! dass sich mir das Mark
KLYTÄMNESTRAin den Knochen löst, und taumle wieder auf,
KLYTÄMNESTRAund nicht der zehnte Teil der Wasseruhr
KLYTÄMNESTRAist abgelaufen, und was unter'm Vorhang
KLYTÄMNESTRAhereingrinst, ist noch nicht der fahle Morgen, nein,
KLYTÄMNESTRAimmer noch die Fackel vor der Tür,
KLYTÄMNESTRAdie grässlich zuckt wie ein Lebendiges
KLYTÄMNESTRAund meinen Schlaf belauert.
KLYTÄMNESTRADiese Träume müssen
KLYTÄMNESTRAein Ende haben. Wer sie immer schickt:
KLYTÄMNESTRAein jeder Dämon lässt von uns, sobald
KLYTÄMNESTRAdas rechte Blut geflossen ist.
ELEKTRAEin jeder!
KLYTÄMNESTRAUnd müsst' ich jedes Tier, das kriecht und fliegt,
KLYTÄMNESTRAzur Ader lassen und im Dampf des Blutes
KLYTÄMNESTRAaufsteh'n und schlafen gehn wie die Völker
KLYTÄMNESTRAdes letzten Thule in blutroten Nebel:
KLYTÄMNESTRAich will nicht länger träumen.
ELEKTRAWenn das rechte
ELEKTRABlutopfer unter'm Beile fällt, dann träumst du
ELEKTRAnicht länger.
KLYTÄMNESTRAAlso wüsstest du, mit welchem
KLYTÄMNESTRAgeweihten Tier --
ELEKTRAMit einem ungeweihten!
KLYTÄMNESTRADas drin gebunden liegt?
ELEKTRANein! es läuft frei.
KLYTÄMNESTRAUnd was für Bräuche?
ELEKTRAWunderbare Bräuche,
ELEKTRAund sehr genau zu üben.
KLYTÄMNESTRARede doch!
ELEKTRAKannst du mich nicht erraten?
KLYTÄMNESTRANein, darum frag' ich.
KLYTÄMNESTRADen Namen sag des Opfertiers.
ELEKTRAEin Weib.
hastig
KLYTÄMNESTRAVon meinen Dienerinnen eine sag!
KLYTÄMNESTRAein Kind? ein jungfäuliches Weib? ein Weib,
KLYTÄMNESTRAdas schon erkannt vom Manne?
ELEKTRAJa! erkannt!
ELEKTRAdas ist's!
KLYTÄMNESTRAUnd wie das Opfer? und welche Stunde,
KLYTÄMNESTRAund wo?
ELEKTRAAn jedem Ort, zu jeder Stunde
ELEKTRAdes Tags und der Nacht.
KLYTÄMNESTRADie Bräuche sag!
KLYTÄMNESTRAWie brächt' ich's dar? ich selber muss --
ELEKTRANein. Diesmal
ELEKTRAgehst du nicht auf die Jagd mit Netz und mit Beil.
KLYTÄMNESTRAWer denn? wer brächt es dar?
ELEKTRAEin Mann.
KLYTÄMNESTRAAegisth?
lacht:
ELEKTRAIch sagte doch: ein Mann!
KLYTÄMNESTRAWer? gib mir Antwort.
KLYTÄMNESTRAVom Hause jemand? oder muss ein Fremder
KLYTÄMNESTRAherbei?
zu Boden stierend, wie abwesend:
ELEKTRAJa, ja, ein Fremder. Aber freilich
ELEKTRAist er vom Haus.
KLYTÄMNESTRAGib mir nicht Rätsel auf.
KLYTÄMNESTRAElektra, hör mich an. Ich freue mich,
KLYTÄMNESTRAdass ich dich heut einmal nicht störrisch finde.
ELEKTRALässt du den Bruder nicht nach Hause, Mutter?
KLYTÄMNESTRAVon ihm zu reden hab' ich dir verboten.
ELEKTRASo hast du Furcht vor ihm?
KLYTÄMNESTRAWer sagt das?
ELEKTRAMutter,
ELEKTRAdu zitterst ja!
KLYTÄMNESTRAWer fürchtet sich
KLYTÄMNESTRAvor einem Schwachsinnigen.
ELEKTRAWie?
KLYTÄMNESTRAEs heisst,
KLYTÄMNESTRAer stammelt, liegt im Hofe bei den Hunden
KLYTÄMNESTRAund weiss nicht Mensch und Tier zu unterscheiden.
ELEKTRADas Kind war ganz gesund.
KLYTÄMNESTRAEs heisst, sie gaben
KLYTÄMNESTRAihm schlechte Wohnung und Tiere
KLYTÄMNESTRAdes Hofes zur Gesellschaft.
ELEKTRAAh!
mit gesenkten Augenlidern
KLYTÄMNESTRAIch schickte
KLYTÄMNESTRAviel Gold und wieder Gold, sie sollten ihn
KLYTÄMNESTRAgut halten als ein Königskind.
ELEKTRADu lügst!
ELEKTRADu schicktest Gold, damit sie ihn erwürgen.
KLYTÄMNESTRAWer sagt dir das?
ELEKTRAIch seh's an deinen Augen.
ELEKTRAAllein an deinem Zittern seh' ich auch,
ELEKTRAdass er noch lebt. Dass du bei Tag und Nacht
ELEKTRAan nichts denkst als an ihn. Dass dir das Herz
ELEKTRAverdorrt vor Grauen, weil du weisst: er kommt.
KLYTÄMNESTRAWas kümmert mich, wer ausser Haus ist.
KLYTÄMNESTRAIch lebe hier und bin die Herrin. Diener
KLYTÄMNESTRAhab ich genug, die Tore zu bewachen,
KLYTÄMNESTRAund wenn ich will, lass ich bei Tag und Nacht
KLYTÄMNESTRAvor meiner Kammer drei Bewaffnete
KLYTÄMNESTRAmit offenen Augen sitzen. Und aus dir
KLYTÄMNESTRAbring' ich so oder so das rechte Wort
KLYTÄMNESTRAschon an den Tag. Du hast dich schon verraten,
KLYTÄMNESTRAdass du das rechte Opfer weisst und auch
KLYTÄMNESTRAdie Bräuche, die mir nützen. Sagst du's nicht
KLYTÄMNESTRAim Freien, wirst du's an der Kette sagen.
KLYTÄMNESTRASagst du nicht satt, so sagst du's hungernd. Träume
KLYTÄMNESTRAsind etwas, das man los wird. Wer dran leidet
KLYTÄMNESTRAund nicht das Mittel findet, sich zu heilen,
KLYTÄMNESTRAist nur ein Narr. Ich finde mir heraus,
KLYTÄMNESTRAwer bluten muss, damit ich wieder schlafe.
mit einem Sprung aus dem Dunkel auf sie zu, immer näheran ihr, immer furchtbarer anwachsend:
ELEKTRAWas bluten muss? Dein eigenes Genick,
ELEKTRAwenn dich der Jäger abgefangen hat!
ELEKTRAIch hör ihn durch die Zimmer gehn, ich hör ihn
ELEKTRAden Vorhang von dem Bette heben:
ELEKTRAWer schlachtet
ELEKTRAein Opfertier im Schlaf! Er jagt dich auf,
ELEKTRAschreiend entfliehst du. Aber er, er ist hinterdrein,
ELEKTRAer treibt dich durch das Haus! willst du nach rechts,
ELEKTRAda steht das Bett! nach links, da schäumt das Bad
ELEKTRAwie Blut! das Dunkel und die Fakkeln werfen
ELEKTRAschwarzrote Todesnetze über dich --
von sprachlosem Grauen geschüttelt
KLYTÄMNESTRAHinab die Treppen durch Gewölbe hin,
KLYTÄMNESTRAGewölbe und Gewölbe geht die Jagd
KLYTÄMNESTRAUnd ich, ich, ich, ich, ich, die ihn dir geschickt,
KLYTÄMNESTRAich bin wie ein Hund an deiner Ferse, willst du
KLYTÄMNESTRAin eine Höhle, spring ich dich von seitwärts
KLYTÄMNESTRAan. So treiben wir dich fort, bis eine Mauer
KLYTÄMNESTRAAlles sperrt, und dort -- im tiefsten Dunkel,
KLYTÄMNESTRAdoch ich seh ihn wohl, ein Schatten, und doch Glieder
KLYTÄMNESTRAund das Weisse von einem Auge doch, da sitzt
KLYTÄMNESTRAder Vater, er achtet's nicht, und doch muss es geschehn,
KLYTÄMNESTRAzu seinen Füssen drücken wir dich hin.
KLYTÄMNESTRADu möchtest schreien, doch die Luft erwürgt
KLYTÄMNESTRAden ungebornen Schrei und lässt ihn lautlos
KLYTÄMNESTRAzu Boden fallen, wie von Sinnen hälst du
KLYTÄMNESTRAden Nacken hin, fühlst schon die Schärfe zukken
KLYTÄMNESTRAbis an den Sitz des Lebens, doch er hält
KLYTÄMNESTRAden Schlag zurück: die Bräuche sind noch nicht erfüllt.
KLYTÄMNESTRAalles schweigt, du hörst dein eignes Herz
KLYTÄMNESTRAan deinen Rippen schlagen: diese Zeit
KLYTÄMNESTRA-- sie dehnt sich vor dir wie ein finstrer Schlund
KLYTÄMNESTRAvon Jahren -- diese Zeit ist dir gegeben
KLYTÄMNESTRAzu ahnen, wie es Scheiternden zu Mute ist,
KLYTÄMNESTRAwenn ihr vergebliches Geschrei die Schwärze
KLYTÄMNESTRAder Wolken und des Tods zerfrisst, diese Zeit
KLYTÄMNESTRAist dir gegeben, alle zu beneiden,
KLYTÄMNESTRAdie angeschmiedet sind an Kerkermauern,
KLYTÄMNESTRAdie auf dem Grund von Brunnen nach dem Tod
KLYTÄMNESTRAals wie nach Erlösung schrei'n -- denn du,
KLYTÄMNESTRAdu liegst in deinem Selbst so eingekerkert,
KLYTÄMNESTRAals wär's der glühnde Bauch von einem Tier
KLYTÄMNESTRAvon Erz -- und so wie jetzt kannst du nicht schrein!
KLYTÄMNESTRAda steh' ich
KLYTÄMNESTRAvor dir, und nun liest du mit starrem Aug'
KLYTÄMNESTRAdas ungeheure Wort, das mir in mein
KLYTÄMNESTRAGesicht geschrieben ist:
KLYTÄMNESTRAerhängt ist dir die Seele in der selbst-
KLYTÄMNESTRAgedrehten Schlinge, sausend fällt das Beil,
KLYTÄMNESTRAund ich steh' da und seh' dich endlich sterben!
KLYTÄMNESTRADann träumst du nicht mehr, dann brauche ich
KLYTÄMNESTRAnicht mehr zu träumen, und wer dann noch lebt,
KLYTÄMNESTRAder jauchzt und kann sich seines Lebens freun!
Sie stehn einander, Elektra in wilder Trunkenheit, Klytämnestra grässlich atmend vor Angst, Aug' in Aug'. In diesen Augenblick erhellt sich die Hausflur. die Vertraute kommt hergelaufen. Sie flüstert Klytämnestra etwas ins Ohr. Diese scheint erst nicht recht zu verstehen. Allmählich kommt sie zu sich. Sie winkt: Lichter! Es laufen Dienerinnen mit Fackeln heraus, und stellen sich hinter Klytämnestra. Sie winkt: Mehr Lichter! Nun verändern sich ihre Züge allmählich und die Spannung weicht einem bösen Triumph. Es kommen immer mehr Dienerinnen heraus, stelle sich hinter Klytämnestra, so dass der Hof voll von Licht wird undrotgelber Schein um die Mauern flutet. Klytämnestra lässt sich die Botschaft abermals zuflüstern und verliert dabei Elektra keinen Augenblick aus dem Auge. Ganz bis an den Hals sich sättigend mitwilder Freude, streckt Klytämnestra die beiden Hände drohend gegen Elektra. Dann hebt ihr die Vertraute den Stock auf und, auf beide sich stützend, eilig, gierig, an den Stufen ihr Gewand aufraffend, läuft sie ins Haus. Die Dienerinnen mit den Lichtern, wie gejagt, hinter ihr drein
ELEKTRAWas sagen sie ihr denn? sie freut sich ja!
ELEKTRAMein Kopf! Mir fällt nichts ein. Worüber freut sich
ELEKTRAdas Weib?
Chrysothemis kommt, laufend, zur Hoftür herein, laut heulend wie ein verwundetes Tier
schreiend:
CHRYSOTHEMISOrest!
CHRYSOTHEMISOrest ist tot!
ELEKTRAwinkt ihr ab, wie von Sinnen:
ELEKTRASei still!
CHRYSOTHEMISOrest ist tot!
bewegt die Lippen
CHRYSOTHEMISIch kam hinaus, da wussten sie's schon! Alle
CHRYSOTHEMISstanden herum und alle wussten es schon,
CHRYSOTHEMISnur wir nicht.
ELEKTRANiemand weiss es.
CHRYSOTHEMISAlle wissen's!
ELEKTRANiemand kann's wissen: denn es ist nicht wahr.
wirft sich verzweifelt auf den Boden
Chrysothemis emporreissend
ELEKTRAEs ist nicht wahr!
ELEKTRAEs ist nicht wahr! ich sag' dir doch!
ELEKTRAes ist nicht wahr!
CHRYSOTHEMISDie Fremden standen an der Wand, die Fremden,
CHRYSOTHEMISdie hergeschickt sind, es zu melden: zwei,
CHRYSOTHEMISein Alter und ein Junger. Allen hatten
CHRYSOTHEMISsie's schon erzählt, im Kreise standen alle
CHRYSOTHEMISum sie herum und alle, Alle, wussten es schon.
mit höchster Kraft
ELEKTRAEs ist nicht wahr.
CHRYSOTHEMISAn uns denkt niemand. Tot! Elektra, tot!
CHRYSOTHEMISGestorben in der Fremde! Tot! Gestorben
CHRYSOTHEMISdort in fremdem Land. Von seinen Pferden
CHRYSOTHEMISerschlagen und geschleift.
kommt eilig aus dem Haus, stolpert über die vor der Schwelle Liegende hinweg:
EIN JUNGER DIENERPlatz da! wer lungert so vor einer Tür?
EIN JUNGER DIENERAh, konnt' mir's denken! Heda, Stallung! he!
finsteren Gesichts, zeigt sich an der Hoftür:
EIN ALTER DIENERWas soll's im Stall?
EIN JUNGER DIENERGesattelt
EIN JUNGER DIENERsoll werden, und so rasch als möglich! hörst du?
EIN JUNGER DIENERein Gaul, ein Maultier, oder meinetwegen
EIN JUNGER DIENERauch eine Kuh, nur rasch!
EIN ALTER DIENERFür wen?
EIN JUNGER DIENERFür den,
EIN JUNGER DIENERder dir's befiehlt. Da glotzt er! Rasch, für mich!
EIN JUNGER DIENERSofort! für mich! Trab, trab! Weil ich hinaus muss
EIN JUNGER DIENERauf's Feld, den Herren holen, weil ich ihm
EIN JUNGER DIENERBotschaft zu bringen habe, grosse Botschaft,
EIN JUNGER DIENERwichtig genug, um eine eurer Mähren
im Abgehen
EIN JUNGER DIENERzu Tod zu reiten.
auch der Alte verschwindet
ELEKTRAvor sich hin, leise und sehr energisch:
ELEKTRANun muss es hier von uns geschehn.
verwundert fragend
CHRYSOTHEMISElektra?
ELEKTRAWir!
ELEKTRAWir beide müssen's tun.
CHRYSOTHEMISWas, Elektra?
ELEKTRAAm besten heut', am besten diese Nacht.
CHRYSOTHEMISWas, Schwester?
ELEKTRAWas? Das Werk, das nun auf uns
ELEKTRAgefallen ist, weil er nicht kommen kann
angstvoll steigernd
CHRYSOTHEMISWas für ein Werk?
ELEKTRANun müssen du und ich
ELEKTRAhingehn und das Weib und ihren Mann
ELEKTRAerschlagen.
CHRYSOTHEMISSchwester, sprichst du von der Mutter?
ELEKTRAVon ihr. Und auch von ihm. Ganz ohne Zögern
ELEKTRAmuss es geschehn.
ELEKTRASchweig still. Zu sprechen ist nichts.
ELEKTRANichts gibt es zu bedenken, als nur: wie?
ELEKTRAwie wir es tun.
CHRYSOTHEMISIch?
ELEKTRAJa. Du und ich.
ELEKTRAWer sonst?
CHRYSOTHEMISWir, wir beide sollen hingehn? Wir? wir zwei?
CHRYSOTHEMISmit unsern beiden Händen?
ELEKTRADafür lass
ELEKTRAdu mich nur sorgen.
ELEKTRADas Beil! das Beil, womit der Vater --
CHRYSOTHEMISDu?
CHRYSOTHEMISEntsetzliche, du hast es?
ELEKTRAFür den Bruder
ELEKTRAbewahrt' ich es. Nun müssen wir es schwingen.
CHRYSOTHEMISDu? diese Arme den Aegisth erschlagen?
ELEKTRAerst sie, dann ihn, erst ihn, dann sie, gleichviel.
CHRYSOTHEMISIch fürchte mich.
ELEKTRAEs schläft niemand in ihrem Vorgemach.
CHRYSOTHEMISIm Schlaf sie morden!
ELEKTRAWer schläft, ist ein gebundnes Opfer. Schliefen
ELEKTRAsie nicht zusamm', könnt' ich's allein vollbringen.
ELEKTRASo aber musst du mit.
abwehrend:
CHRYSOTHEMISElektra!
ELEKTRADu! Du!
ELEKTRAdenn du bist stark!
ELEKTRADicht bei Chrysothemis
ELEKTRAWie stark du bist! dich haben
ELEKTRAdie jungfräulichen Nächte stark gemacht.
ELEKTRAÜberall ist so viel Kraft in dir! Sehnen
ELEKTRAhast du wie ein Füllen. Schlank sind deine Füsse.
ELEKTRAWie schlank und biegsam leicht umschling ich sie deine Hüften sind!
ELEKTRADu windest dich durch jeden Spalt, du hebst dich
ELEKTRAdurch's Fenster! Lass mich deine Arme fühlen:
ELEKTRAwie kühl und stark sie sind! Wie du mich abwehrst,
ELEKTRAfühl' ich, was das für Arme sind. Du könntest
ELEKTRAerdrükken, was du an dich ziehst. Du könntest
ELEKTRAmich, oder einen Mann in deinen Armen
ELEKTRAersticken, Überall
ELEKTRAist so viel Kraft in dir! Sie strömt wie kühles
ELEKTRAverhaltnes Wasser aus dem Fels. Sie flutet
ELEKTRAmit deinen Haaren auf die starken Schultern
ELEKTRAherab.
ELEKTRAIch spüre durch die Kühle deiner Haut
ELEKTRAdas warme Blut hindurch, mit meiner Wange
ELEKTRAspür ich den Flaum auf deinen jungen Armen.
ELEKTRADu bist voller Kraft, du bist schön,
ELEKTRAdu bist wie eine Frucht an der Reife Tag.
CHRYSOTHEMISLass mich!
ELEKTRANein: ich halte dich!
ELEKTRAMit meinen traurigen verdorrten Armen
ELEKTRAumschling ich deinen Leib, wie du dich sträubst,
ELEKTRAziehst du den Knoten nur noch fester, ranken
ELEKTRAwill ich mich rings um dich versenken meine Wurzeln
ELEKTRAin dich und mit meinem Willen
ELEKTRAdir impfen das Blut!
CHRYSOTHEMISLass mich!
Flüchtet ein paar Schritte. Elektra wild ihr nach, fasst sie am Gewand:
CHRYSOTHEMISNein!
ELEKTRAIch lass dich nicht.
CHRYSOTHEMISElektra, hör mich.
CHRYSOTHEMISDu bist so klug, hilf uns aus diesem Haus,
CHRYSOTHEMIShilf uns ins Freie. Elektra, hilf uns,
CHRYSOTHEMIShilf uns in's Freie...
ELEKTRAVon jetzt an will ich deine Schwester sein,
ELEKTRAso wie ich niemals deine Schwester war!
ELEKTRAGetreu will ich mit dir in deiner Kammer sitzen
ELEKTRAund warten auf den Bräutigam, für ihn
ELEKTRAwill ich dich salben und ins duftige Bad
ELEKTRAsollst du mir tauchen wie der junge Schwan
ELEKTRAund deinen Kopf an meiner Brust verbergen
ELEKTRAbevor er dich, die durch die Schleier glüht
ELEKTRAwie eine Fackel, in das Hochzeitsbett
ELEKTRAmit starken Armen zieht.
schliesst die Augen:
CHRYSOTHEMISNicht, Schwester, nicht.
CHRYSOTHEMISSprich nicht ein solches Wort in diesem Haus.
ELEKTRAO ja! weit mehr als Schwester bin ich dir
ELEKTRAvon diesem Tage an: ich diene dir
ELEKTRAwie deine Sklavin. Wenn du liegst in Weh'n,
ELEKTRAsitz ich an deinem Bette Tag und Nacht,
ELEKTRAwehr' dir die Fliegen, schöpfe kühles Wasser,
ELEKTRAund wenn auf einmal auf dem nackten Schoss
ELEKTRAdir ein Lebendiges liegt, erschreckend fast,
ELEKTRAso heb' ich's empor, so hoch! damit
ELEKTRAsein Lächeln hoch von oben in die tiefsten
ELEKTRAgeheimsten Klüfte deiner Seele fällt
ELEKTRAund dort das letzte, eisig Grässliche
ELEKTRAvor dieser Sonne schmilzt und du's in hellen
ELEKTRATränen ausweinen kannst.
CHRYSOTHEMISO bring' mich fort!
CHRYSOTHEMISIch sterb' in diesem Haus!
an den Knieen der Chrysothemis:
ELEKTRADein Mund ist schön,
ELEKTRAwenn er sich einmal auftut um zu zürnen!
ELEKTRAAus deinem reinen starken Mund muss furchtbar
ELEKTRAein Schrei hervorsprüh'n, furchtbar wie der Schrei
ELEKTRAder Todesgöttin, wenn man unter dir
ELEKTRAso daliegt, wie nun ich.
CHRYSOTHEMISWas redest du?
aufstehend:
ELEKTRADenn eh du diesem Haus
ELEKTRAund mir entkommst, musst du es tun!
will reden
hält ihr den Mund zu
ELEKTRADir führt
ELEKTRAkein Weg hinaus als der. Ich lass' dich nicht,
ELEKTRAeh du mir Mund auf Mund es zugeschworen,
ELEKTRAdass du es tun wirst.
windet sich los:
CHRYSOTHEMISLass mich!
fasst sie wieder:
ELEKTRASchwör', du kommst
ELEKTRAheut Nacht, wenn alles still ist, an den Fuss
ELEKTRAder Treppe.
CHRYSOTHEMISLass mich!
hält sie am Gewand:
ELEKTRAMädchen, sträub' dich nicht!
ELEKTRAes bleibt kein Tropfen Blut am Leibe haften:
ELEKTRAschnell schlüpfst du aus dem blutigen Gewand
ELEKTRAmit reinem Leib ins hochzeitliche Hemd.
CHRYSOTHEMISLass mich!
ELEKTRASei nicht zu feige! Was du jetzt
ELEKTRAan Schaudern überwindest, wird vergolten
ELEKTRAmit Wonneschaudern Nacht für Nacht --
CHRYSOTHEMISIch kann nicht!
ELEKTRASag, dass du kommen wirst!
CHRYSOTHEMISIch kann nicht!
ELEKTRASieh,
ELEKTRAich lieg' vor dir, ich küsse deine Füsse!
ins Haustor entspringend:
CHRYSOTHEMISIch kann nicht!
ELEKTRASei verflucht!
mit wilder Entschlossenheit
ELEKTRANun denn allein!
Sie fängt an der Wand des Hauses, seitwärts der Türschwelle, eifrig zu graben an, lautlos, wie ein Tier. Elektra hält mit Graben inne sieht sich um, gräbt wieder. Elektra sieht sich von Neuem um und lauscht. Elektra gräbt wieder. Orest steht in der Hoftür, von der letzten Helle sich schwarz abhebend. Er tritt herein. Elektra blickt auf ihn. Er dreht sich langsam um, so dass sein Blick auf sie fällt. Elektra fährt heftig auf
zitternd
ELEKTRAWas willst du, fremder Mensch? was treibst du dich
ELEKTRAzur dunklen Stunde hier herum, belauerst,
ELEKTRAwas andre tun!
ELEKTRAIch hab' hier ein Geschäft. Was kümmert's dich!
ELEKTRALass mich in Ruh!
ORESTIch muss hier warten.
ELEKTRAWarten?
ORESTDoch du bist
ORESThier aus dem Haus? bist eine von den Mägden
ORESTdieses Hauses?
ELEKTRAJa, ich diene hier im Haus.
ELEKTRADu aber hast hier nichts zu schaffen. Freu dich
ELEKTRAund geh.
ORESTIch sagte dir, ich muss hier warten,
ORESTbis sie mich rufen
ELEKTRADie da drinnen?
ELEKTRADu lügst. Weiss ich doch gut, der Herr ist nicht zu Haus'.
ELEKTRAUnd sie, was sollte sie mit dir?
ORESTIch und noch einer,
ORESTder mit mir ist, wir haben einen Auftrag
ORESTan die Frau.
ORESTWir sind an sie geschickt,
ORESTweil wir bezeugen können, dass ihr Sohn
ORESTOrest gestorben ist vor unsern Augen.
ORESTDenn ihn erschlugen seine eignen Pferde.
ORESTIch war so alt wie er und sein Gefährte
ORESTbei Tag und Nacht.
ELEKTRAMuss ich dich
ELEKTRAnoch sehn? Schleppst du dich hierher
ELEKTRAin meinen traurigen Winkel,
ELEKTRAHerold des Unglücks! Kannst du nicht die Botschaft
ELEKTRAaustrompeten dort, wo sie sich freu'n!
ELEKTRADein Aug' da starrt mich an und seins ist Gallert.
Dein Mund geht auf und zu und seiner ist
ELEKTRAmit Erde vollgefropft.
ELEKTRADu lebst, und er, der besser war als du
ELEKTRAund edler tausendmal, und tausendmal
ELEKTRAso wichtig, dass er lebte. er ist hin!
ORESTLass den Orest. Er freute sich zu sehr
ORESTan seinem Leben, die Götter droben
ORESTvertragen nicht den allzuhellen Laut
ORESTder Lust. So musste er denn sterben.
ELEKTRADoch ich! doch ich! da liegen, und
ELEKTRAzu wissen, dass das Kind nie wieder kommt,
ELEKTRAnie wieder kommt. Dass das Kind da drunten
ELEKTRAin den Klüften des Grausens lungert,
ELEKTRAdass die da drinnen leben und sich freuen,
ELEKTRAdass dies Gezücht in seiner Höhle lebt
ELEKTRAund isst und trinkt und schläft und ich hier droben
ELEKTRAwie nicht das Tier des Waldes einsam
ELEKTRAund grässlich lebt ich hier droben allein.
ORESTWer bist denn du?
ELEKTRAWas kümmert's
ELEKTRAdich, wer ich bin.
ORESTDu musst verwandtes Blut zu denen sein,
ORESTdie starben, Agamemnon und Orest.
ELEKTRAVerwandt? ich bin dies Blut! ich bin das hündisch
ELEKTRAvergossene Blut des Königs Agamemnon!
ELEKTRAElektra heiss' ich.
ORESTNein!
ELEKTRAEr leugnet's ab.
Er bläst auf mich und nimmt mir meinen Namen.
ORESTElektra!
ELEKTRAWeil ich nicht Vater hab',
ORESTElektra!
ELEKTRAnoch Bruder,
ELEKTRAbin ich der Spott der Buben!
ORESTElektra! Elektra!
ORESTSo seh' ich sie? ich seh' sie wirklich? du?
ORESTSo haben sie dich darben lassen oder --
ORESTsie haben dich geschlagen?
ELEKTRALass mein Kleid, wühl nicht mit deinem Blick daran.
ORESTWas haben sie gemacht mit deinen Nächten!
ORESTFurchtbar sind deine Augen.
ELEKTRALass mich!
ORESTHohl sind deine Wangen!
ELEKTRAGeh ins Haus,
ELEKTRAdrin hab' ich eine Schwester, die bewahrt sich
ELEKTRAfür Freudenfeste auf!
ORESTElektra, hör mich.
ELEKTRAIch will nicht wissen, wer du bist.
ELEKTRAIch will niemand sehen!
ORESTHör mich an, ich hab' nicht Zeit. Hör zu.
ORESTOrestes lebt.
wirft sich herum
ORESTWenn du dich regst,
ORESTverrätst du ihn.
ELEKTRASo ist er frei? wo ist er?
ORESTEr ist unversehrt
ORESTwie ich.
ELEKTRASo rett ihn doch! bevor sie ihn
ELEKTRAerwürgen.
ORESTBei meines Vaters Leichnam! dazu kam ich her!
von seinen Ton getroffen:
ELEKTRAWer
ELEKTRAbist denn du?
Der alte finstre Diener stürzt, gefolgt von drei andern Dienern, aus dem Hof lautlos herein, wirft sich vor Orest nieder, küsst seine Füsse, die andern Orests Hände und den Saum seines Gewandes
kaum ihrer mächtig:
ELEKTRAWer bist du denn? Ich fürchte mich.
sanft:
ORESTDie Hunde auf dem Hof erkennen mich,
ORESTund meine Schwester nicht?
aufschreiend:
ELEKTRAOrest!
ganz leise, bebend:
ELEKTRAOrest! Orest! Orest!
ELEKTRAEs rührt sich niemand. O lass deine Augen
ELEKTRAmich sehn! Traumbild, mir geschenktes
ELEKTRATraumbild, schöner als alle Träume.
ELEKTRAHehres, unbegreifliches, erhabenes Gesicht,
ELEKTRAo bleib bei mir! Lös nicht
ELEKTRAin Luft dich auf, vergeh mir nicht, vergeh mir nicht,
ELEKTRAes sei denn, das ich jetzt gleich
ELEKTRAsterben muss und du dich anzeigst
ELEKTRAund mich hollen kommst: dann sterb ich
ELEKTRAseliger als ich gelebt. Orest! Orest! Orest!
ELEKTRANein, du sollst mich nicht umarmen!
ELEKTRATritt weg, ich schäme mich vor dir. Ich weiss nicht,
ELEKTRAwie du mich ansiehst.
ELEKTRAIch bin nur mehr der Leichnam deiner Schwester,
ELEKTRAmein armes Kind. Ich weiss, es schaudert dich
ELEKTRAvor mir. Und war doch eines Königs Tochter!
ELEKTRAIch glaube, ich war schön: wenn ich die Lampe
ELEKTRAausblies vor meinem Spiegel, fühlt ich
ELEKTRAes mit keuschem Schauer.
ELEKTRAIch fühlt' es, wie der dünne Strahl des Mondes
ELEKTRAin meines Körpers weisser Nacktheit badete
ELEKTRAso wie in einem Weiher, und mein Haar
ELEKTRAwar solches Haar, vor dem die Männer zittern,
ELEKTRAdies Haar, versträhnt, beschmutzt, erniedrigt,
ELEKTRAverstehst du's, Bruder? Ich habe alles, was ich war,
ELEKTRAhingeben müssen. Meine Scham hab' ich geopfert,
ELEKTRAdie Scham, die süsser als Alles ist, die Scham,
ELEKTRAdie wie der Silberdunst, der milchige des Monds,
ELEKTRAum jedes Weib herum ist und das Grässliche
ELEKTRAvon ihr und ihrer Seele weghält,
ELEKTRAVerstehst du's, Bruder! diese süssen Schauder
ELEKTRAhab' ich dem Vater opfern müssen. Meinst du,
ELEKTRAwenn ich an meinem Leib mich freute, drangen
ELEKTRAseine Seufzer, drang nicht sein Stöhnen
ELEKTRAan mein Bette? Eifersüchtig sind
ELEKTRAdie Toten: und er schickte mir den Hass,
ELEKTRAden hohläugigen Hass als Bräutigam.
ELEKTRASo bin ich eine Prophetin immerfort gewesen
ELEKTRAund habe nichts hervorgebracht aus mir
ELEKTRAund meinem Leib als Flüche und Verzweiflung.
ELEKTRAWas schaust du ängstlich um dich? sprich zu mir!
ELEKTRAsprich doch! Du zitterst ja am ganzen Leib!
ORESTLass zittern diesen Leib.
ORESTEr ahnt welchen Weg ich ihn führe.
ELEKTRADu wirst es tun? Allein? Du armes Kind.
ORESTDie diese Tat mir auferlegt,
ELEKTRADu wirst es tun!
ORESTdie Götter, werden da sein, mir zu helfen.
ORESTIch will es tun,
ORESTich will es eilig tun.
ELEKTRADer ist selig,
ELEKTRAder tun darf! Die Tat ist wie ein Bette,
ELEKTRAauf dem die Seele ausruht, wie ein Bett
ELEKTRAvon Balsam, drauf die Seele ruhen kann,
ELEKTRAdie eine Wunde ist, ein Brand, ein Eiter
ELEKTRAund eine Flamme!
ORESTIch werde es tun! Ich werde es tun!
ELEKTRADer ist selig, der seine Tat zu tun kommt,
ELEKTRAselig der, der ihn ersehnt, selig der ihn erschaut!
ELEKTRASelig, wer ihn erkennt, selig, wer ihn berührt!
ELEKTRASelig, wer ihm das Beil aus der Erde gräbt,
ELEKTRAselig, wer ihm die Fakkel hält, selig,
selig, wer ihm öffnet die Tür.
Der Pfleger Orests steht in der Hoftür, ein starker Greis mit blitzenden Augen
DER PFLEGER DES ORESTSeid ihr von Sinnen, dass ihr euren Mund
DER PFLEGER DES ORESTnicht bändigt, wo ein Hauch, ein Laut, ein Nichts
DER PFLEGER DES ORESTuns und das Werk verderben kann --
Zu Orest in fliegender Eile
DER PFLEGER DES ORESTSie wartet drinnen. Ihre Mägde suchen
DER PFLEGER DES ORESTnach dir. Es ist kein Mann im Haus. Orest!
Orest reckt sich auf, seinen Schauder bezwingend. Die Tür des Hauses erhellt sich. Es erscheint eine Dienerin mit einer Fackel, hinter ihr die Vertraute. Elektra ist zurückgesprungen, steht im Dunkel. Die Vertraute verneigt sich gegen die beiden Fremden, winkt, ihr hinein zu folgen. Die Dienerin befestigt die Fackel an einem eisernen Ring im Türpfosten. Orest und der Pfleger gehen hinein. Orest schliesst einen Augenblick, schwindelnd, die Augen, der Pfleger ist dicht hinter ihm, sie tauschen einen schnellen Blick. Die Tür schliesst sich hinter ihnen
allein, in entsetzlicher Spannung. Sie läuft auf einem Strich vor der Tür hin und her, mit gesenkten Kopf, wie das gefangene Tier im Käfig. Steht plötzlich still
ELEKTRAIch habe ihm das Beil nicht geben können!
ELEKTRASie sind gegangen und ich habe ihm
ELEKTRAdas Beil nicht geben können. Es sind keine
ELEKTRAGötter im Himmel!
Abermals ein furchtbares Warten. Von ferne tönt drinnen, gellend, der Schrei Klytämnestras.
schreit auf wie ein Dämon:
ELEKTRATriff noch einmal!
Von drinnen ein zweiter Schrei. Aus dem Wohngebäude links kommen Chrysothemis und eine Schar Dienerinnen heraus. Elektra steht in der Tür, mit dem Rücken an die Tür gepresst
CHRYSOTHEMISEs muss etwas geschehen sein.
ERSTE MAGDSie schreit
ERSTE MAGDso aus dem Schlaf.
ZWEITE MAGDEs müssen Männer drin sein.
ZWEITE MAGDIch habe Männer gehen hören.
DRITTE MAGDAlle Türen sind verriegelt.
VIERTE MAGDEs sind Mörder!
VIERTE MAGDEs sind Mörder im Haus!
schreit auf:
ERSTE MAGDOh!
ERSTE MAGDZWEITE und DRITTE MAGD, sechs andere DIENERINEN
ERSTE MAGDWas ist?
ERSTE MAGDSeht ihr denn nicht: dort in der Tür steht einer!
CHRYSOTHEMISDas ist Elektra! das ist ja Elektra!
CHRYSOTHEMISERSTE, ZWEITE, DRITTE und VIERTE MAGD
CHRYSOTHEMISElektra, Elektra!
ZWEITE MAGDWarum spricht sie denn nicht?
CHRYSOTHEMISElektra,
CHRYSOTHEMISwarum sprichst du denn nicht?
VIERTE MAGDIch will hinaus
VIERTE MAGDund Männer holen.
VIERTE MAGDLäuft rechts hinaus
CHRYSOTHEMISMach uns doch die Tür auf,
CHRYSOTHEMISElektra! Elektra!
DIENERINNENElektra, lass uns in's Haus!
zurückkommend:
VIERTE MAGDZurück!
VIERTE MAGDAegisth! Zurück in unsre Kammern! schnell!
VIERTE MAGDAegisth kommt durch den Hof! Wenn er uns findet
VIERTE MAGDund wenn im Hause was geschehen ist,
VIERTE MAGDlässt er uns töten.
DIENERINNENAegisth!
DIENERINNENERSTE, ZWEITE und DRITTE MAGD
DIENERINNENAegisth!
CHRYSOTHEMISZurück!
ALLEzurück! zurück!
Sie verschwinden im Hause links. Aegisth tritt rechts durch die Hoftür auf
an der Tür stehend bleibend:
AEGISTHHe! Lichter! Lichter!
AEGISTHIst niemand da, zu leuchten? Rührt sich keiner
AEGISTHvon allen diesen Schuften? Kann das Volk
AEGISTHmir keine Zucht annehmen!
nimmt die Fackel von dem Ring, läuft hinunter, ihm entgegen, und verneigt sich vor ihm
erschrickt vor der wirren Gestalt im zuckenden Licht, weicht zurück:
AEGISTHWas ist das für ein unheimliches Weib?
AEGISTHIch hab' verboten, dass ein unbekanntes
AEGISTHGesicht mir in die Nähe kommt!
AEGISTHErkennt sie, zornig.
AEGISTHWas, du?
AEGISTHWer heisst dich, mir entgegentritten?
ELEKTRADarf ich
ELEKTRAnicht leuchten?
AEGISTHNun, dich geht die Neuigkeit
AEGISTHja doch vor allen an. Wo find' ich
AEGISTHdie fremden Männer, die das von Orest
AEGISTHuns melden?
ELEKTRADrinnen. Eine liebe Wirtin
ELEKTRAfanden sie vor, und sie ergetzen sich
ELEKTRAmit ihr.
AEGISTHUnd melden also wirklich, dass er
AEGISTHgestorben ist, und melden so, dass nicht
AEGISTHzu zweifeln ist?
ELEKTRAO Herr, sie melden's nicht
ELEKTRAmit Worten bloss, nein, mit leibhaftigen Zeichen,
ELEKTRAan denen auch kein Zweifel möglich ist.
AEGISTHWas hast du in der Stimme? Und was ist
AEGISTHin dich gefahren, dass du nach dem Mund
AEGISTHmir redest? Was taumelst du so hin
AEGISTHund her mit deinem Licht!
ELEKTRAEs ist nichts anderes,
ELEKTRAals dass ich endlich klug ward und zu denen
ELEKTRAmich halte, die die Stärkern sind. Erlaubst du,
ELEKTRAdass ich voran dir leuchte?
etwas zaudernd
AEGISTHBis zur Tür.
AEGISTHWas tanzest du? Gib Obacht.
indem sie ihn, wie in einem unheimlichen Tanz, umkreist, sich plötzlich tief bückend:
ELEKTRAHier! die Stufen,
ELEKTRAdass du nicht fällst.
an der Haustür:
AEGISTHWarum ist hier kein Licht?
AEGISTHWer sind die dort?
ELEKTRADie sind's, die in Person
ELEKTRAdir aufzuwarten wünschen, Herr. Und ich,
ELEKTRAdie so oft durch freche unbescheidne Näh'
ELEKTRAdich störte, will nun endlich lernen, mich
ELEKTRAim rechten Augenblick zurückzuziehen.
Aegisth geht ins Haus. Stille. Lärm drinnen.
erscheint an einem kleinen Fenster, reisst den Vorhang weg, schreiend:
AEGISTHHelft! Mörder! helft dem Herren! Mörder, Mörder!
AEGISTHSie morden mich!
AEGISTHHört mich niemand? hört
AEGISTHmich niemand?
Er wird weggezerrt. Noch einmal erscheint Aegisths Gesicht am Fenster
reckt sich auf:
ELEKTRAAgamemnon hört dich!
er wird fortgerissen:
AEGISTHWeh mir!
Elektra steht, furchtbar atmend, gegen das Haus gekehrt. Die Frauen kommen von links herausgelaufen, Chrysothemis unter ihnen. Wie besinnungslos laufen sie gegen die Hoftür. Dort machen sie plötzlich Halt, wenden sich
CHRYSOTHEMISElektra! Schwester! komm mit uns! O komm
CHRYSOTHEMISmit uns! es ist der Bruder drin im Haus!
CHRYSOTHEMISes ist Orest, der es getan hat!
Stimmen hinter der Scene im Hause Orest! Orest! Orest! Getümmel im Hause, Stimmengewirr, aus dem sich ab und zu die Rufe des Chors: "Orest" bestimmter abheben
CHRYSOTHEMISKomm!
CHRYSOTHEMISEr steht im Vorsaal, alle sind um ihn,
CHRYSOTHEMISund küssen seine Füsse, alle, die
CHRYSOTHEMISAegisth von Herzen hassten, haben sich
CHRYSOTHEMISgeworfen auf die andern, überall
CHRYSOTHEMISin allen Höfen liegen Tote, alle,
CHRYSOTHEMISdie leben, sind mit Blut bespritzt und haben
CHRYSOTHEMISselbst Wunden, und doch strahlen alle, alle
CHRYSOTHEMISumarmen sich --
Draussen wachsender Lärm, der sich jedoch, wenn Elektra beginnt, mehr und mehr nach den äusseren Höfen rechts und im Hintergrunde verzogen hat. die Frauen sind hinausgelaufen, Chrysothemis allein, von draussen fällt Licht herein
CHRYSOTHEMISund jauchzen, tausend Fackeln
CHRYSOTHEMISsind angezündet. Hörst du nicht, so hörst du
CHRYSOTHEMISdenn nicht?
auf der Schwelle kauernd:
ELEKTRAOb ich nicht höre? ob ich die
ELEKTRAMusik nicht höre? sie kommt doch aus mir.
ELEKTRADie Tausende, die Fackeln tragen
ELEKTRAund deren Tritte, deren uferlose
ELEKTRAMyriaden Tritte überall die Erde
ELEKTRAdumpf dröhnen machen, alle warten
ELEKTRAauf mich: ich weiss doch, dass sie alle warten,
ELEKTRAweil ich den Reigen führen muss, und ich
ELEKTRAkann nicht, der Ozean, der ungeheure,
ELEKTRAder zwanzigfache Ozean begräbt
ELEKTRAmir jedes Glied mit seiner Wucht, ich kann mich
ELEKTRAnicht heben!
fast schreiend vor Erregung:
CHRYSOTHEMISHörst du denn nicht, sie tragen ihn,
CHRYSOTHEMISsie tragen ihn auf ihren Händen,
springt auf. Vor sich hin, ohne auf Chrysothemis zu achten
ELEKTRAWir sind bei den Göttern, wir Vollbringenden.
ELEKTRASie fahren dahin wie die Schärfe des Schwerts
ELEKTRAdurch uns, die Götter,
CHRYSOTHEMISallen
CHRYSOTHEMISsind die Gesichter verwandelt, allen
CHRYSOTHEMISschimmern die Augen und die alten Wangen
CHRYSOTHEMISvon Tränen! Alle weinen, hörst du's nicht?
ELEKTRAaber ihre Herrlichkeit
ELEKTRAist nicht zu viel für uns! Ich habe Finsternis
ELEKTRAgesät und ernte Lust über Lust.
CHRYSOTHEMISGut sind die Götter,
CHRYSOTHEMISgut!
ELEKTRAIch war ein schwarzer Leichnam unter Lebenden,
CHRYSOTHEMISEs fängt ein Leben für dich und mich und alle Menschen an.
ELEKTRAund diese Stunde bin ich das Feuer des Lebens,
ELEKTRAund meine Flamme verbrenn die Finsternis der Welt.
CHRYSOTHEMISDie über schwänglich guten Götter sind's,
CHRYSOTHEMISdie das geben haben.
ELEKTRAMein Gesicht muss weisser sein
ELEKTRAals das weissglüh'nde Gesicht des Monds.
CHRYSOTHEMISWer hat uns je geliebt?
ELEKTRAWenn einer auf mich sieht,
ELEKTRAmuss er den Tod empfangen oder muss vergehn
ELEKTRAvor Lust.
CHRYSOTHEMISWer hat uns je geliebt?
ELEKTRASeht ihr
ELEKTRAdenn mein Gesicht? Seht ihr das Licht,
ELEKTRAdas von mir ausgeht?
CHRYSOTHEMISNun ist der Bruder da,
CHRYSOTHEMISund Liebe fliesst über uns wie Öl und Myrrhen.
CHRYSOTHEMISLiebe ist Alles! Wer kann leben ohne Liebe?
ELEKTRAAi! Liebe tötet, aber keiner fährt dahin
ELEKTRAund hat die Liebe nicht gekannt!
CHRYSOTHEMISElektra,
CHRYSOTHEMISich muss bei meinem Bruder stehn!
Sie läuft hinaus
Elektra schreitet von der Schwelle herunter. Sie hat den Kopf zurückgeworfen wie eine Mänade. Sie wirft die Kniee, sie reckt die Arme aus, es ist ein namenloser Tanz, in welchem sie nach vorwärts schreitet
erscheint wieder an der Tür, hinter ihr Fackeln, Gedräng, Gesichter von Männern und Frauen:
CHRYSOTHEMISElektra!
bleibt stehen, sieht starr auf sie hin:
ELEKTRASchweig, und tanze. Alle müssen
ELEKTRAherbei! hier schliesst euch an! Ich trage die Last
ELEKTRAdes Glückes, und ich tanze vor euch her.
ELEKTRAWer glücklich ist wie wir, dem ziemt nur eins:
ELEKTRAschweigen und tanzen!
Sie tut noch einige Schritte des angespanntesten Triumphes... Elektra stürzt zusammen. Chrysothemis zu ihr. Elektra liegt starr
läuft an die Tür des Hauses, schlägt daran:
CHRYSOTHEMISOrest! Orest!
Stille
Vorhang