Friedenstag

Strauss, Richard

KOMMANDANT der belagerten Stadt (Bariton)

MARIA, sein Weib (Sopran)

WACHTMEISTER (Bass)

SCHÜTZE (Tenor)

KONSTABEL (Bariton)

MUSKETIER (Bass)

HORNIST (Bariton)

FRONTOFFIZIER (Bariton)

Ein PIEMONTESER (Tenor)

Der HOLSTEINER, Kommandant der Belagerungsarmee (Bass)

BÜRGERMEISTER (Tenor)

PRÄLAT (Bariton)

FRAU aus dem Volk (Sopran)

Soldaten des Kommandanten der belagerten Stadt und des Holsteiners

Stadtobere und Frauen aus der Deputation an den Kommandanten

Volk

Die Werke von Richard Strauss geniessen bis auf weiteres den Schutz des Copyrights

© 1933 Richard Strauss

© 1994 Fürstner Musikverlag GmbH, Mainz

Die nachfolgende Wiedergabe des Librettos geschieht mit freundlicher Genehmigung

der Urheberrechtsgemeinschaft Dr. Richard Strauss

(für die Gebiete Deutschland, Danzig, Italien, Portugal und die Nachfolgestaaten der UdSSR ausser Estland, Lettland und Litauen)

for all other countries: Boosey & Hawkes Music Publishers Ltd.

SYSTEMEINZIGER AKT

Kreisrunder Saal in der Zitadelle. Den Raum umschliesst in Manneshöhe ein Gang, in dem die Schiessscharten liegen. Eine Treppe führt zum höheren Stockwerk der Feste empor, eine zweite in die Tiefe. Überall Riesenmauern, mittelalterlich, neu bezogen zum Zwecke des neuen Krieges. Wo das Gemäuer klafft, ist es flüchtig mit Stein und Holz wiederhergestellt. Die Wache an einem grossen Eichentisch. Verwitterte, mar-tialische Gestalten in Lederkollern und Helm. Sie sind regungs-los, man weiss nicht, ob sie schlafen oder nur erstarrt sind vor Müdigkeit und Entbehrung. Auf dem Tisch Zinnkrüge, aber kein Becher. Das Feuer, ihnen im Rücken, beleuchtet sie mit schwachem Schein. Sie sind von ihren gewaltigen Waffen um-geben, Musketen, Schwertern, Bihändern, einige haben den Kürass abgelegt. Anbrechender Morgen. Erstes Blau aus den Schiessscharten, seltsam vermischt mit dem dunkelroten Schein des ersterbenden Feuers

alter, grauhaariger Soldat in voller Waffenrüstung, auf seiner Runde oben an den Scharten. Bei einem Schützen macht er halt, der tief in die Nische gedrückt ist und hinausspäht

WACHTMEISTERHast was gesehn?

jüngerer Mann, ohne Gewehr

SCHÜTZEMorgen dämmert. Verblasst die rote Säule weit im Osten. Flamme zerstiebt in Rauch und Staub.

WACHTMEISTERBedeutet nichts. Nur Feuer ward gelegt an ein Gehöft.

SCHÜTZEBedeutet nichts ...

WACHTMEISTERNein, nein. Der Feind will sagen: bin noch da. Will zeigen: hab noch Macht, da draussen.

SCHÜTZEVerbrannt ward ein Gehöft. Aus flammendem Tor, geblendet, stürzt das Vieh, der Bauer folgt, gebeugt am Stock, ohne Laut der Klage. Sie ziehen übers leere Feld und in die Nacht.

hört kopfschüttelnd und missbilligend zu. Mit Beziehung auf die unten Sitzenden

WACHTMEISTERDas - soll Wache sein?

SCHÜTZEWache ohne Ablösung mehr. Ohne Ruh und Rasttag. Kein Trunk mehr in der Kann. Kein Futter mehr für Mann und Tier. Wie soll das enden?

WACHTMEISTERAuf Seine Gnaden acht, den Herrn und Kommandanten! In voller Rüstung blieb er heut die ganze Nacht an seinem Tisch. Die Kerzen sind längst herabgebrannt, ich sahs auf meiner Runde. Und regungslos blickt er auf Karte und Papier. Tu deine Pflicht wie er - so endet das.

Wachtmeister setzt seinen Rundgang fort. Der Schütze wendet sich wieder den Scharten zu und sieht durch diese und jene ins Freie. Zunehmende Morgenbläue

ganz junger Bursch, singt unten bei der Wache aus dem Schlaf

PIEMONTESERLa rosa, che un bel fiore

PIEMONTESERcome la gioventù,

PIEMONTESERnasce, fiorisce, more,

PIEMONTESERe non ritorna più.

bartlos, Mitte der Vierzig, fährt unten auf

KONSTABELWer singt da?

SCHÜTZEDer junge Bursch, der Italiener, der heute nacht sich einschlich mit des Kaisers Brief. - Hat seinen Weg gemacht durch fünfzigtausend Mann! Durch Sturmböck, Pulverkörb und schwere Stücke! Durch des Holsteiners ganze Belagerungsarmee.

PIEMONTESERE non ritorna piü.

weich

KONSTABELWächst, blüht und kehrt nicht wieder? Diese Nacht träumte mir, ich wär in einem Garten.

derber

MUSKETIERIch hab vom Wein geträumt.

SCHÜTZEDer Piemonteser hat euch behext. Hat nie was vom Krieg gesehn.

PIEMONTESERLa piccola Pedretta

PIEMONTESERcantava dolce assai ...

PIEMONTESERPoi se n'andò solett

PIEMONTESERe non tornò più mai.

MUSKETIERWas singst du, fremder Bursch?

PIEMONTESERCosì dolce fanciulla

PIEMONTESERcantando se non sta.

KONSTABELVom Mädel in der Heimat. Kein Lied für uns. Wie lang ists her, dass wir nicht Frauen sahn?

lachend

MUSKETIERSo lang, als uns der Wein fehlt! - Länger!

KONSTABELNichts als hohlwangig Volk da unten in der Stadt. Vetteln, verhungert wie der Tod.

rüttelt den Italiener

MUSKETIERDu, reiz uns nicht mit deinem Liedel! Wir haben Durst!

PIEMONTESERA sera poi più nulla

PIEMONTESERun bacio e se ne va…

KONSTABELEin Kuss, o Gott!

SCHÜTZEHat nie was vom Krieg gesehn. In seiner Heimat ist Friede.

MUSKETIERWas ist das: Friede?

HORNISTWer soll das wissen? In meinem zehnten Jahr lief ich den Soldaten nach.

verschiedene

SOLDATENUnd ich! Und ich! Und ich!

böse züm Italiener

SCHÜTZEHe du, was ist das: Friede? Dreissig Jahr will man es wissen!

PIEMONTESERO madre santissima, a casa, a casa!

KONSTABELVon seiner Mutter redt er - nicht vom Frieden.

roh

MUSKETIERWenn Friede Wein ist und Weiber in einer reichen, frisch eroberten Stadt, dann soll er mir gefallen!

mit Solisten

CHORIn deiner Heimat ist Friede, sag?

CHORWovon leben die Menschen, wenn nicht von Sold?

CHORWas begehren die Menschen, wenn nicht das Gold?

CHORZiehn die Scharen nicht durchs Land?

CHORSind Feuer und Schwert dort unbekannt?

CHORIst der Bischof nicht Feind der freien Stadt?

CHORUnd neidet nicht jeder, was keiner hat?

wimmernd

PIEMONTESERE non ritorna più.

MUSKETIERWeiss nichts. Versteht uns nicht. Ein feiger Bursch.

MUSKETIERDie Soldaten sind jetzt vollkommen munter, rühren sich, putzen sich, sehen nach Rüstung und Gewehr. Keiner beachtet mehr den Piemonteser

SCHÜTZEWas weiss denn der? Was wissen wir? Kirchen gesprengt, Häuser verbrannt ...

mit Solisten, Soldaten beginnen summend

CHORDer Hinz schwört auf die Bibel,

CHORder Kunz schwört aufs Gewehr,

CHORdie haben sich verloren

CHORund finden sich nicht mehr.

CHORHat nur aufs Wort geschworen -

CHORwir aber auf die Ehr!

CHORSo schlagen wir ihn nieder,

CHORals wenns der Teufel wär.

Volksmenge, aussen, sehr entfernt hinter der Szene

CHORHunger!

SCHÜTZEIch höre was.

KONSTABELNur Widerhall von eurem dummen Singen !

CHORBrot!

erscheint oben wieder

WACHTMEISTERWache! Eure Pflicht!

näher

CHORHunger!

WACHTMEISTERDa singt ihr! Aber meine alten Augen müssen sehn ...

HORNISTIch sehe nichts.

MUSKETIERIch sehe ein paar graue Ratten wimmeln.

WACHTMEISTERZweitausend, dreitausend stürmen das Festungstor!

WACHTMEISTERHer von der Stadt!

SCHÜTZEDer Feind?

WACHTMEISTERÄrger. Der Feind im Land. An die Gewehre!

MUSKETIERWer schiesst auf Ratten!

WACHTMEISTERIst aber verboten, dass ein andrer als des Soldaten Fuss die Bastion betritt.

KONSTABELDas Karlstor hält.

aussen, sehr stark

CHORHunger! Brot!

WACHTMEISTERIst offne Rebellion! Laden!

lacht

HORNISTAm Karlstor stehn die kaiserlichen Jäger und schlagen sich mit Ratten!

MUSKETIEREiner tritt vor mit der Piken. Das ist der Veitenburger.

SCHÜTZESchäm dich, Veitenburger!

WACHTMEISTERNimm dich in acht, Schütz!

MUSKETIERBravo, hat schon geschlagen!

Von fern allgemeiner Aufschrei des Volkes. Unmässiges Gelächter der Soldaten

MUSKETIERDas Karlstor biegt sich mächtig ...

WACHTMEISTERDas wird doch nicht…

dumpfer Knall und unklares Stimmengewirre

SOLDATENDas Tor ist auf! Sie kommen! Sie kommen! Sie kommen!

WACHTMEISTERZielen!

alle Soldaten folgen

immer deutlicher

CHORHunger! Hunger!

springt die Treppe herauf

OFFIZIERHalt! Wer kommandiert?

meldet

WACHTMEISTERHauptwache, vierzehn Mann. Es ist verboten, dass ein andrer als des Soldaten Fuss ...

winkt ab

OFFIZIERDer Bürgermeister dieser Stadt mit seinen Obern, der Prälat mit seiner Geistlichkeit erbitten sich Gehör mit allem Volk.

WACHTMEISTERErzwingen sich Gehör.. . das Haupttor aber hält.

zu den Soldaten

WACHTMEISTERWegtreten von den Scharten! An die Stufen!

Die Soldaten flankieren als Wache die aus der Höhe herabführende Treppe

SYSTEMTrauermarsch

Wie eine Gespensterschar heben sich die Mitglieder der Deputation aus der Tiefe. Der Bürgermeister, alt, rüstig, mit ver-wirrtern Haar. Der Prälat, sehr alt, gestützt. Die Stadtobern , armselige Gestalten, und ein paar Weiber. Sie sind verwirrt durch die Umgebung und sehen sich ängstlich um. Die Soldaten, auf ihrer Seite, blicken neugierig auf die traurige Gruppe. Plötzliches Aufstossen der Waffen auf den Boden. Offizier und Wachtmeister reissen die Hüte ab. Der Kommandant auf der Höhe der Treppe. Ein schöner Mann, etwa fünfzig, schwarzes Kleid, darüber schwarzes Koller und Kette. Seine Rechte hält ein Dokument fest an die Brust gepresst

aussen, nah und stark

CHORHunger - Brot! Hunger - Brot!

KOMMANDANTHier ist des Kaisers Boden. Was verlangt ihr?

aussen

CHORBrot! Brot! Übergabe! Übergabe!

KOMMANDANTDie Gnade meines Herrn und Kaisers

KOMMANDANThat euch durch mich erlaubt, zu reden.

KOMMANDANTRuft ihr euch aber alle die zu Hilfe,

KOMMANDANTwollt mit Gewalt ihr meinen Willen brechen,

Er ergreift mit der freien Linken die Muskete eines Soldaten, hebt sie hoch und schmettert sie der Deputation vor die Füsse

KOMMANDANTdann werd nicht ich die Antwort geben -

KOMMANDANTsondern das!

Absolute Stille

BÜRGERMEISTERIn aller pflichtgen Demut bitten wir,

BÜRGERMEISTERdie Stadt dem Feinde aufzutun.

KOMMANDANTSo kurz, Hans Stoss? In aller pflichtgen Demut

KOMMANDANTreiss ich das Herz dir aus, vergiesse dein Blut

KOMMANDANTund auf den Anger werf ich deine Ehre!

BÜRGERMEISTERVergebt mir, Herr, wenn ich es wage:

BÜRGERMEISTERBin nur ein Bauer, kaum des Lesens kundig -

BÜRGERMEISTERallein - verzeiht - wen wollt Ihr denn besiegen? -

BÜRGERMEISTERIch hab den Feind gesehn,

BÜRGERMEISTERsind Menschen so wie wir,

BÜRGERMEISTERsie leiden Not, draussen in ihren Gräben,

BÜRGERMEISTERgenau wie wir -

BÜRGERMEISTERWenn sie getreten, ächzen sie wie wir -

BÜRGERMEISTERund wenn sie beten, flehn auch sie zu Gott.

DIE DEPUTATIONNot kämpft wider Not.

DIE DEPUTATIONNot siegt über Not.

BÜRGERMEISTERO Herr, die Not ist nicht zu überstehn.

KOMMANDANTIst sie mir fremd? Hab ich euch nicht geschützt?

KOMMANDANTIst euer Hunger anders als der meine?

zum Prälaten

KOMMANDANTAuch Ihr, ehrwürdger Herr, auch Ihr?

KOMMANDANTSo schnell verlasst Ihr Euren Gott?

KOMMANDANTSchenkt den Altar dem andern Glauben?

KOMMANDANTSo nah dem Richter - denkt an Eure Jahre!

PRÄLATIch tu nach Eurem Wort:

PRÄLATin pflichtger Demut

PRÄLATreiss ich mir selbst das Herz auf

PRÄLATund gebe den Verschmachtenden zu trinken!

PRÄLATNur wer sich demütigt - gewinnt den Sieg!

KOMMANDANTSieg! Welch ein Fanal entfährt

KOMMANDANTdem schwachen Munde!

KOMMANDANTSieg! Welch eine Fackel

KOMMANDANTpflanzt ihr vor mir auf!

KOMMANDANTDas Wort, das mich

KOMMANDANTzum höchsten Sternenfluge stachelt!

KOMMANDANTSieg! Unfasslich, herrlicher

KOMMANDANThimmelgeborner Gedanke: Sieg!

KOMMANDANTWie leuchtest du vor mir

KOMMANDANTund willst nicht, dass ich dein vergesse!

KOMMANDANTSieg, ich folge dir

KOMMANDANTin meiner trübsten Stunde,

KOMMANDANTSieg, mein herrlich unnahbarer Gott!

aussen, ganz nahe

CHORBrot! Brot!

CHORHunger, Hunger!

begeistert

SOLDATENIn die Schlacht! In die Schlacht!

aussen

CHORJammer, Jammer, Brot!

CHORWeh, weh, weh, Hunger.

DEPUTATIONNot kämpft wider Not.

DEPUTATIONNot siegt über Not!

aussen

CHORJammert Weh' Hunger! Krieg!

Signal. Alles einen Augenblick still. Offizier eilt zur Treppe. Ihm entgegen ein anderer, über und über mit Schmutz bedeckt, zerfetzt, den Kopf zum Teil verbunden

FRONTOFFIZIERMein Kommandant!

KOMMANDANTRede!

FRONTOFFIZIERReine Kugel im Rohr,

FRONTOFFIZIERdas Pulver durchnässt!

FRONTOFFIZIERRostig die Waffen!

FRONTOFFIZIERNoch hält der Feind zurück,

FRONTOFFIZIERdoch greift er an - hilft nichts mehr!

FRONTOFFIZIERWir sind verloren wie die Stadt ...

aussen

CHORBrot! Brot!

DEPUTATIONSie siegen nicht,

DEPUTATIONsie schützen uns nicht,

DEPUTATIONsie quälen uns zu Tod.

FRONTOFFIZIERUnter dieser Zitadelle,

FRONTOFFIZIERwir wissen es, liegt alle Munition ...

FRONTOFFIZIERGib sie uns! Hilf uns!

KOMMANDANTMein ist zu helfen! Mein ist zu gebieten:

KOMMANDANTSie bleibt am Platz.

FRONTOFFIZIERWeh! Das ist der Untergang,

FRONTOFFIZIERzerfressen von Krankheit -

FRONTOFFIZIERdem Tod entgegen

FRONTOFFIZIERund wehrlos!

sinkt in die Knie

reisst ihn auf

KOMMANDANTSchweige! Hier in meiner Hand, sieh,

KOMMANDANTder Brief des Kaisers:

KOMMANDANTEr ist mein Herr,

KOMMANDANTwie deiner, wie aller!

KOMMANDANTSein herrlicher Wille

KOMMANDANTfand den Weg zu mir.

Er entfaltet das Schreiben, alles tritt näher, allgemeine Spannung

KOMMANDANT"Behalten muss ich die Stadt,

KOMMANDANTwas immer geschehe!

KOMMANDANTFür mein gesalbtes Haupt,

KOMMANDANTfür den höchsten Wert

KOMMANDANTfalle sie in die Schale!

KOMMANDANTMit Eurer Ehre bürgt Ihr mir:

KOMMANDANTFällt die Stadt - sei sie ausgelöscht."

Eine Frau aus der Deputation, vollkommen bleich, kommt langsam aus der Gruppe der andern bis zum Kommandanten

DIE FRAUDer Kaiser hat recht:

DIE FRAUSoldat, du stirb!

DIE FRAUNicht recht hat der Kaiser:

DIE FRAUBauer, verdirb!

DIE FRAUDreissig Jahre lang:

DIE FRAUgepflanzt kein Acker,

DIE FRAUdreissig Jahre lang:

DIE FRAURaub und Mord!

DEPUTATIONWir wissen nicht mehr,

DEPUTATIONwas Friede heisst!

aussen

CHORMord und Hass! Hass und Mord!

FRAUSagt ihm, was Krieg ist,

FRAUdem Mörder meiner Kinder!

wirft sich zu Boden

EIN EINZELNERMeine Söhne sind tot,

EIN EINZELNERmeine Enkel wimmern um Brot!

ebenso

ZWEITERUm zerschossene Häuser, um Kasematten

ZWEITERgeht Jagd nach Ratten!

ebenso

DRITTERMehr als des Hungers Qual

DRITTERbrennt des Hasses, des Argwohns Mal!

fanatisch

ERSTERTöte erst mich und die und die,

ERSTERbevor noch ein Schuss fällt!

DEPUTATIONTöte uns alle! Töte uns!

aussen

CHORMörder - alle!

zum Kommandanten

DIE FRAUJetzt schrei nach Sieg, Mann!

Die Sonne ist aufgegangen und leuchtet rot aus den Scharten. Kommandant verändert, erschüttert. Sieht nach seinen Sodaten. Auch dort knien einige. Er wendet sich rasch ab. Lange Pause

KOMMANDANTEs sei! Doch hört:

KOMMANDANTDie Sonn, im Frührot prunkend,

KOMMANDANTnoch nicht erblicke sie Verrat!

KOMMANDANTGeht all an euer Werk,

KOMMANDANTund ihr an das Gewehr!

KOMMANDANTUnd du, Hans Stoss -

KOMMANDANTsag deinen Leuten: ich bedinge Zeit,

KOMMANDANTbis dass die Sonn im Mittag steht.

KOMMANDANTEin Zeichen wird euch werden bis dahin,

KOMMANDANTein Zeichen, ein deutlich sichres Zeichen,

KOMMANDANTnicht einem wird es unklar sein - ein grosses Zeichen!

KOMMANDANTDann tut die Tore auf! Geht! Geht!

Deputation, langsam abgehend

CHORSegen über Euch, geliebter Herr!

CHORIhr gabt uns Leben, Hoffnung, Leben!

aussen, antwortend

CHORBrot! Hoffnung! Leben!

KOMMANDANTEin einzges Wort der Feigheit

KOMMANDANTweckt Siegesjubel?

KOMMANDANTSprach ich von Unterwerfung,

KOMMANDANTdass ihr mich segnet?

KOMMANDANTErkauf ich euren Frieden

KOMMANDANTmit meiner Schande?

aussen

CHORLeben, Hoffnung, Mut!

KOMMANDANTNur sich erretten?

KOMMANDANTNur sich erhalten?

KOMMANDANTNiedriges Leben!Winselndes Leben!

Alles ist abgegangen, bis auf die Wache; zu den Soldaten

KOMMANDANTIhr Alten habt in mancher Schlacht

KOMMANDANTmir treu gedient,

KOMMANDANTihr Jungen glaubt an mich.

KOMMANDANTIhr andern auch, die meinem Drängen

KOMMANDANTnur kalte Mienen zeigten in dem Krieg:

KOMMANDANTIch liebe euch nicht minder!

KOMMANDANTHört ihr den Jubel? Dachtet ihr,

KOMMANDANTich hätte meinen Herrn verraten? Nein!

KOMMANDANTUnd ich befehle euch:

KOMMANDANTHinab, ihr alle, in der Zitadelle Keller! -

KOMMANDANTGutes Pulver, Pech

KOMMANDANTund griechsches Feuer schichtet auf

KOMMANDANTgrad unter meinen Füssen! Ich spart es auf

KOMMANDANTzu bessrem Zwecke und zum Sieg!,

KOMMANDANTVorwärts, Männer!

KOMMANDANTDer ist des Todes, der nicht gehorcht,

KOMMANDANTdes Todes, wer gehorcht! -

KOMMANDANTSchlechte Fackel meines Siegs,

KOMMANDANTraucht ohne Flamme, russt ohne Schein…

KOMMANDANTGebt mir die Lunte!

verstehend

CHOR DER SOLDATENHerrgott im Himmel!

zum Wachtmeister, wie ein Reiterlied

KOMMANDANTZu Magdeburg in der Reiterschlacht,

KOMMANDANTda glomm es von Schwertern und Helmen,

KOMMANDANTda hat der Tod ins Aug gelacht

KOMMANDANTo Herren wie armen Schelmen.

KOMMANDANTZu Magdeburg in der Reiterschlacht,

KOMMANDANTda gab es viel Stöhnen und Klagen!

KOMMANDANTDa hat es ein alter Dragoner vollbracht,

KOMMANDANTden Herrn auf dem Rücken zu tragen!

KOMMANDANTNun schreitet heute der Tag heran,

KOMMANDANTdie alte Schuld zu begleichen:

KOMMANDANTund hast du drunten das Werk getan,

KOMMANDANTdann magst du schnell entweichen ...

WACHTMEISTERZu Magdeburg in der Reiterschlacht

WACHTMEISTERtrug ich Euch, Herr, auf den Händen:

WACHTMEISTERhab ichs begonnen und recht gemacht,

WACHTMEISTERso lasst michs mit Euch auch beenden!

Kommandant sieht ihm wortlos ins Auge und küsst ihn

zum Konstabel

KOMMANDANTDie Jäger standen im böhmschen Land,

KOMMANDANThart und verwegen!

KOMMANDANTDa schlug dem einen der Schwed aus der Hand

KOMMANDANTden Degen!

KOMMANDANTBin ich nun tot, bin ich entehrt ?

KOMMANDANTBleibt nicht mehr Wahl!

KOMMANDANTDa reicht dem Mann sein eignes Schwert

KOMMANDANTder General!

KOMMANDANTViel Zeit ging seit dem Tage hin -

KOMMANDANTgib es zurück!

KOMMANDANTIch weiss, es träumt des Jägers Sinn

KOMMANDANTvon Friedensglück!

im gleichen Ton

KONSTABELWeg mit dem Traum! Ich halte fest

KONSTABELan Treu und Ehr!

KONSTABELMein General - der Jäger lässt

KONSTABELEuch niemals mehr ...

Der Kommandant sieht ihn lange wortlos an, drückt ihm die Hand, wendet sich weiter zum Schützen

SCHÜTZENie war ich Kämpfer, nie ein Held,

SCHÜTZEfremd blieb mir Tat und Sieg!

SCHÜTZEDie Zeit nur hat mich hingestellt:

SCHÜTZEich hasse Schlacht und Krieg!

SCHÜTZENach Orten, die es fernwo gibt,

SCHÜTZEtreibt es mich sehnsuchtvoll,

SCHÜTZEwo mich ein Herz unsagbar liebt,

SCHÜTZEdass ich es finden soll.

SCHÜTZEDoch blickt Ihr fragend stumm auf mich,

SCHÜTZEdie Trän ins Aug mir bricht -

SCHÜTZEo Herr, so gross und ritterlich,

SCHÜTZEo Herr - von Euch scheid ich mich nicht!

KOMMANDANTMein bester Krieger - auch ohne Heldentat! - Und ihr, Haudegen und Söldner: Bleibt ihr bei mir? Geht ihr ?

MUSKETIERHab richtig Sold bekommen, zu schlagen und zu stechen! Aber für das, was Ihr verlangt, Herr ... keinen Pfennig Sold.

HORNISTLauf brav dem Kriege nach, wo die Trompete schallt, aber nicht des Todes Fiedel! Ich geh!

in verschiedenen Einzelstimmen, auch mehrere gleichzeitig

CHOR DER SOLDATENIch geh, ich bleib!

CHOR DER SOLDATENIch bleib, ich geh!

CHOR DER SOLDATENDas ist Soldatenlos!

KOMMANDANTGeht, geht alle!

KOMMANDANTDu kühner Junge,

KOMMANDANTdir danke ich dies letzte Wunder -

KOMMANDANTden Brief, von dem die Kraft

KOMMANDANTmir durchs Blut strömt,

KOMMANDANTwo jeder Buchstab Feuerzeichen

KOMMANDANTmir ward für meinen Tod.

KOMMANDANTAntwort wird diesem Brief -

KOMMANDANTgewaltige Antwort, Herr und Kaiser!

Er reisst sich los und geht, den Brief in der hocherhobenen Rechten, die Treppe hinauf. Die Soldaten noch immer starr. Kommandant wendet sich an der Treppe noch einmal und ruft in einfachem Kommandoton

KOMMANDANTBefehl! Ans Werk! Die Pulverfässer!

KOMMANDANTUnd: Feuer!

Die Soldaten erwachen aus ihrer Faszination und poltern durcheinander die Treppe hinab. Kommandant nach oben ab. Die Bühne bleibt leer. Die Sonne scheint mächtig durch die Scharten. Des Kommandanten Weib kommt scheu, verstört die Treppe herauf. Bedeutend jünger als er, halb kriegerisch gekleidet. Sie ist erstaunt, den Raum leer zu finden, und sieht sich befremdet, aber nicht erschrocken um

MARIAWie? Niemand hier? Herabgebrannt das Feuer,

MARIAverwirrt die Waffen, nutzlos, unbedient,

MARIAwie fortgeschleudert von erschrockner Hand?

MARIAVon unten welches Dröhnen? Wühlen sie

MARIAsich dort geheime Gänge, um die Burg

MARIAzu stürzen? Reissen Stein für Stein

MARIAaus ihrem Körper, der uns alle schützt?

MARIAWie leer und schaurig! Wie umfängt es mich

MARIAmit kalten Armen, wie Totengruft!

MARIADu Totenuhr da unten, kündest du

MARIAin düstrem Schlagen uns die letzte Stunde?

MARIAHohl wie der Tod der Männer Schreckensblicke.

MARIASie meiden mich. Trotz schweren Grams und Not

MARIAerhellten sie sich einst, wenn sie mich sahn.

MARIASie lächelten, die Rauhen, ihres Leidens,

MARIAmein Aug schien ihnen Hoffnung, Himmelslicht.

MARIAHeut aber sah ich ein geheimes Leuchten stehn

MARIAin jedes Unbekannten Auge auf den Strassen!

MARIAEs war, als winkten sie verheissungsvoll

MARIAmir zu, als dankten sie für etwas mir,

MARIAwas ich nicht gab, was wie ein grosses Lächeln

MARIAvon allen Seiten mir entgegenkam

MARIAvoll Frieden und Geheimnis.

sie versinkt in tiefes Sinnen

MARIANur einer hier in diesem wilden Turm

MARIAhat nie gelächelt. Nur dem Befehl, der Pflicht

MARIAdient seine Lippe manches harte Jahr. -

MARIAUnd dennoch warb um diesen Einzgen

MARIAmein Auge stets mit seiner tiefsten Liebe,

MARIAmehr als um all die Leidenden des Krieges,

MARIAdie ich getröstet. Warum, geliebter Mann,

MARIAeröffnete sich mir das Herz des armen Volkes

MARIAmit seinem Leuchten - du aber, du

MARIAhältst so tief dich verborgen?

MARIAWohl durft ich dir den Harnisch lösen,

MARIAkamst du aus wilder Schlacht, allein das Erz,

MARIAdas unsichtbar die Brust umspannt,

MARIAdurchdrang ich nie!

MARIANicht dir ward ich, mein Gatte, nur dem Krieg vermählt. -

MARIADas Donnern der Geschütze

MARIAsang einst mein Brautlied. Und da bat ich dich

MARIAauf meinen Knien um die Gnade,

MARIAbei dir zu bleiben, wenn es auch der Krieg verwehrt.

MARIADu lächeltest. Es war das einzge Lächeln,

MARIAund es erstarb an diesem Hochzeitstag!

MARIANiemals sah ich dieses Lächeln wieder,

MARIAdenn es hiesse Friede.

MARIADer Himmel teilte dieser Zeiten Sturm

MARIAmit wochenlangem Stürmen. Finsternis

MARIAund Nebel schlossen mich in meine Einsamkeit.

MARIADas düstre Bild fiel ab, und hoch,

MARIAhoch übers wilde Feld, vom Krieg zerwühlt,

MARIAhoch über diese Stadt der Qual, des Hungers,

MARIAhebt strahlend sich die Sonne! Sie gibt mir

MARIAnoch einmal Kraft! Rührt meine Hoffnung auf

MARIAund führt mich her zu dir!

MARIAIch kann nicht warten mehr - und seis der Leid Ende!

MARIASoll ich nie mehr dich lächeln sehn? Nie mehr,

MARIAdu teurer Mann? Geliebter, sieh: des Herbstes Sonne mahnt!

MARIAO komm in letzter Stunde Seligkeit!

sie sinkt ergriffen in sich, der Kommandant erscheint oben; heftig erschreckend

MARIANein - leere Hoffnung alles!

MARIAErnst und starr das Aug!

KOMMANDANTMaria, du? Verbieten musste ich

KOMMANDANTum diese Stunde dir die Zitadelle.

KOMMANDANTHart ist der Krieg, Ablösung kommt,

KOMMANDANTdie grosse Wachablösung!

MARIAWas für ein Klang

MARIAin deiner Stimme?

MARIAWarum die Öde hier?

MARIAWelch Poltern in der Tiefe?

MARIAUnd Fieberschauer

MARIAin allen Gassen?

MARIAEs ängstigt mich.

sie will zu ihm

KOMMANDANTVerlass mich jetzt, Maria!

KOMMANDANTDer Brief des Kaisers

KOMMANDANTheischt Entschluss.

MARIAIst es nur das? Dann Wahrheit!

MARIAGeliebter, gib mir Wahrheit! -

MARIAVerzeih mir, ich war dir Last

MARIAim Krieg, doch härtere

MARIAertrug mein Herz.

MARIASchweigen, bittres Schweigen

MARIAward dir auferlegt,

MARIAdoch auch meine Zunge

MARIAvereist der Krieg.

MARIAAber ein Tag muss kommen,

MARIAda ist des Wartens Ende,

MARIAda drängt es sich ans Licht

MARIAmit dieser Sonne:

MARIAGeliebter, ich will Wahrheit

MARIAund dich!

KOMMANDANTMaria! Wahrheit,

KOMMANDANTbittre, kalte Wahrheit

KOMMANDANTin einer Stunde

KOMMANDANTverschwindet diese Stad

KOMMANDANTin den Wogen des Feindes!

KOMMANDANTIn einer Stunde

KOMMANDANTzu Ende meine Macht,

KOMMANDANTzu Ende das Werk,

KOMMANDANTdas mein Herr mir befahl.

MARIAEs kann nicht sein!

MARIASo spricht mein Gatte nicht!

KOMMANDANTMehre nicht, Geliebte,

KOMMANDANTdie Schmach des Gefangenen,

KOMMANDANTwenn sie dich finden!

KOMMANDANTFlieh vor den Fremden!

MARIAMich stärkte die Sonne,

MARIAgab mir die Hoffnung,

MARIAgibt mir auch Kraft,

MARIAalles zu tragen!

MARIAHerrliche Sonne, Stern der Wahrheit,

MARIAhilf ihm mich halten bis in den Tod!

KOMMANDANTMaria, Geliebte, sahst du die Sonne?

KOMMANDANTZum letztenmal erhellt sie die Nacht!

KOMMANDANTDer Turm versinkt in Nichts. Hinab zur Stadt!

KOMMANDANTDer Arm, der dich hält, umfasst dich im Grab! '

MARIADank dir, Sonne: sein Auge leuchtet,

MARIADank dir, Morgen, du trogst mich nicht.

MARIASieh, du erschienest mir,

MARIAgütige Spendrin,

MARIAhöchstes Sinnbild der Liebe!

MARIAJetzt erleuchte das Herz des Geliebten,

MARIAKraft verleihe dem mächtigen Arm

MARIAmich zu fassen, vereint zur Liebe,

MARIAmich zu halten bis in den Tod.

MARIASonne, Sonne, seliges Ende,

MARIAnie mehr getrennt - willkommener Tod!

zugleich mit ihr

KOMMANDANTBei deiner Jugend schweigendem Opfer

KOMMANDANTohne Bedenken nahm es der Krieger -

KOMMANDANTbei deiner Liebe schmerzvollem Entsagen

KOMMANDANTstrenge Pflicht weiss nur schweigenden Dank.

KOMMANDANTNie mehr leuchtet die Sonne dem Müden

KOMMANDANTnie mehr spendet Trost diese Stimme,

KOMMANDANTwas allen Erquickung - des Auges Schimmer,

KOMMANDANTfür ihn, den du liebtest, verlischt es bald

KOMMANDANTGenug der Opfer - genug der Leiden -

KOMMANDANTEwiggeliebte, rette dich!

MARIANeue Trennung? Ewiger Schmerz!

MARIAUm unserer Liebe:

MARIAentrinne mit mir!

KOMMANDANTDer Kaiser stand im Saal.

KOMMANDANTDer Kaiser hielt das Kreuz.

KOMMANDANTUmarmte mich wie du -

KOMMANDANTda schwor ich auf das Kreuz.

KOMMANDANTUnd wieder diese Nacht

KOMMANDANTgemahnt er an den Schwur:

KOMMANDANT"Haltet mir diese Stadt - Ihr wisst nicht, was ich weiss!

KOMMANDANTHaltet mir meine Stadt - kostbar ist jede Stunde.

KOMMANDANTUnd haltet Ihr sie nicht - so lösch ich Eure Ehre!"

MARIAFurchtbar ist der Ehre Gebot.

MARIAGar nichts gilt der Liebe Gebot!

MARIAFurchtbar ist das Gebot, das du geschworen -

MARIAkeiner hört das Flehn des tiefsten Herzens!

zugleich

KOMMANDANTHerrlich ist der Ehre Gebot.

KOMMANDANTNichts Höheres

KOMMANDANTauf dieser Erde!

KOMMANDANTHerrlich ist das Gebot,

KOMMANDANTdas ich geschworen,

KOMMANDANTmächtig erhebt es sich zu göttlichen Höhn!

ganz gross und hymnisch beschwörend

MARIAKrieg, furchtbarer Würger Krieg,

MARIAsind alle Opfer dir nicht genug?

MARIABorgst du auch noch den Schein der Ehre,

MARIAum ihn zu töten, der mir alles ist?

MARIAHör es, Krieg: auch ich war Soldat!

MARIADich selbst hab ich bekriegt

MARIAum meiner Liebe willen!

MARIAVerflucht seist du, Krieg!

MARIAHör es, Krieg!

MARIAMein ist der letzte, ewige Sieg!

MARIASonne, sie rief mich mit ihrem Licht!

MARIAGeliebter, ich folge des Lichtes Werben,

MARIAGeliebter, ich komme, mit dir zu sterben.

zugleich mit ihr, ebenso

KOMMANDANTKrieg, herrlicher Gedanke, Krieg,

KOMMANDANTwo immer sich dein mächtig Haupt erhebt,

KOMMANDANTda beugt Gehorsam jede niedere Regung,

KOMMANDANTund Leben selbst ward Preis der Mannesehre!

KOMMANDANTHör es, Krieg:

KOMMANDANTIch war nur Soldat!

KOMMANDANTNur Treue kenne ich, weisend übers Leben,

KOMMANDANTTreue ihm, der mein Herr war!

KOMMANDANTGesegnet, Krieg!

KOMMANDANTTreue, sie rief mich mit ihrem Licht!

KOMMANDANTGeliebte, wir folgen dem ewigen Werben,

KOMMANDANTGeliebte, ich komme, mit dir zu sterben.

Der Kommandant hebt sie in tiefster Ergriffenheit zu sich. Lange Umarmung. Das Licht hat sich während der Beschwörung des Krieges verändert: Trübe. Langsam, einer nach dem andern, steigen die Soldaten aus der Tiefe. Als letzter der Wachtmeister mit der brennenden Lunte. Der Kommandant reisst sich für einen Augenblick aus der Umarmung und weist ihn mit grosser Gebärde in die Tiefen des Turms. Wachtmeister mit der Lunte schrittweis die Stufen hinab. Die Soldaten knien nieder, einige verhüllen das Gesicht. Kommandant und Maria wieder ganz in der Umarmung versunken.Tiefe Stille. - Kanonenschuss von ferne

fährt auf

KOMMANDANTErwünschtes Zeichen!

Zweiter Schuss. Die Soldaten erwachen aus ihrer Lethargie und stürzen an die Scharten. Wachtmeister zurück. Steht fragend mit der Lunte. Kommandant reisst ihm die Lunte aus der Hand und zertritt sie. Wachtmeister eilt hinauf zu den Scharten

KOMMANDANTAuf eure Posten! Angriff!

Dritter Schuss

KOMMANDANTKampf und Untergang - endlich - mein Gott!

Tiefe Stille

an einer der Scharten

WACHTMEISTERIch sehe nichts ...

KOMMANDANTDer Angriff, der Angriff - woher?

WACHTMEISTERNirgends Angriff - leer das Feld.

SOLDATENGrau bleicht der Tag. Stille alles. Nebelmeer ...

Glocke von ferne

sich erhebend, ganz leise

MARIANein, nicht Todesnebel -

MARIAEin heller Strahl der ewgen Sonne

MARIAdringt her zu mir !

MARIAO tönende Hoffnung!

WACHTMEISTERDie Glocke! So klingt nicht eine in dieser Stadt!

MARIAUnd kennt sie keiner, die Stimme des Lichts,

MARIAund nennt sie keiner - ich preise sie!

KONSTABELJetzt läuten sie

KONSTABELvom Marienturm:

KONSTABELverboten wars

KONSTABELan Festtagen selbst!

SCHÜTZEUnd drüben läutet

SCHÜTZEdie Magdalen!

SCHÜTZEWir hörten nur

SCHÜTZEvon ihrer Stimme,

SCHÜTZEsie selber nie.

WACHTMEISTERDer Stadtturrn jetzt!

WACHTMEISTERWie sie sich eilen!

WACHTMEISTERAn harten Strängen

WACHTMEISTERreissen und hängen!

SCHÜTZEDer Dom setzt ein!

SCHÜTZEGewaltges Dröhnen!

SCHÜTZEUnd unser Turm schwingt mit im Jubel -

SCHÜTZEschwingt mit im Sturm!

MARIADie mich beglückte -

MARIAtönt nun die Sonne ?

MARIAGlocken, sie singen,

MARIAmachen uns frei!

MARIASeliges Schwingen,

MARIAleuchtendes Klingen -

MARIAgesegnet sei!

hart hinein

KOMMANDANTDer Feind, der Feind!

KOMMANDANTWo steht sein Angriff?

WACHTMEISTERBewegung beim Feinde!

KOMMANDANTEndlich! Schütze, was siehst du?

hinausblickend

SCHÜTZEIn langen Reihen:

SCHÜTZEdie Reiter zuerst,

SCHÜTZEdie Fusstruppen folgen,

SCHÜTZEdoch nicht zur Schlacht.

SCHÜTZEGenommen die Gräben,

SCHÜTZEbald sind sie nah, sie schliessen uns ein!

wiederholt dazwischen

KOMMANDANTDie Reiter zuerst -

KOMMANDANTdie Fusstruppen folgen -

KOMMANDANTgenommen die Gräben -

KOMMANDANTsie schliessen uns ein ...

auf den Knien

MARIALicht, das mich geleitet,

MARIALicht, das uns errettet,

MARIAlass es nicht wahr sein!

SCHÜTZESie ordnen sich, stehen,

SCHÜTZEsie folgen Befehlen

SCHÜTZEder Hauptleute drüben

SCHÜTZEwie zur Parade.

KOMMANDANTWahnsinn! Du bist blind!

Offizier stürmt die Treppe herauf

KOMMANDANTMacht fertig zum Feuer!

KOMMANDANTWaffen! Waffen - hieher!

OFFIZIERWachtposten meldet:

OFFIZIERAnmarsch des Feindes

OFFIZIERmit geschmückten Standarten,

OFFIZIERmit bekränzten Geschützen,

OFFIZIERmit weissen Fahnen!

KOMMANDANTKriegslist!

KOMMANDANTDie Stadttore schliessen!

OFFIZIERZu spät! Die Unsern

OFFIZIERumarmen die Feinde!

OFFIZIERAuf allen Bastionen!

OFFIZIERIn allen Gräben!

KOMMANDANTIch hab geschworen:

KOMMANDANTkein feindlicher Fuss

KOMMANDANTbetritt diese Stadt!

KOMMANDANTUnd müsst ich selber

KOMMANDANTdem Feinde stehn,

KOMMANDANTein einziger Mann!

KOMMANDANTNiemals Frieden!

Die Glocken beginnen wieder zu läuten. Bürgermeister kehrt mit der Deputation zurück, vollkommen verändert, erfrischt, beglückt

BÜRGERMEISTERDas Zeichen, das Zeichen,

BÜRGERMEISTERdas Ihr uns verhiesset -

BÜRGERMEISTERbeglückerides Zeichen ,

BÜRGERMEISTERvon Turm zu Turm!

PRÄLATDie Glocken der Kirchen,

PRÄLATdie Diener Gottes,

PRÄLATverkünden die grosse,

PRÄLATdie göttliche Botschaft!

DEPUTATION UND SOLDATENO Tag des Friedens!

DEPUTATION UND SOLDATENDer erste wart Ihr,

DEPUTATION UND SOLDATENder ihn verkündet,

DEPUTATION UND SOLDATENgeliebter Herr!

DEPUTATION UND SOLDATENEuch sei der höchste,

DEPUTATION UND SOLDATENder ewige Dank!

Das Läuten hört auf

KOMMANDANTNichts weiss ich von Frieden!

KOMMANDANTVerschliesse mein Ohr

KOMMANDANTdem wüsten Dröhnen!

KOMMANDANTDer Wille des Kaisers

KOMMANDANTgebot mir Ausharren,

KOMMANDANTgebot mir Sieg!

BÜRGERMEISTERDer Glocken Stimme

BÜRGERMEISTERfand keinen Gegner,

BÜRGERMEISTERauf springen die Tore,

BÜRGERMEISTERsie ziehen ein.

BÜRGERMEISTERGeschmückt die Stadt

BÜRGERMEISTERmit Laub und Kranz

BÜRGERMEISTERund Fahnenglanz !

BÜRGERMEISTEREs hat ein Wunder sich vollbracht,

BÜRGERMEISTERnicht auf Befehl, nicht auf Geheiss,

BÜRGERMEISTERdie Mannschaft trägt frischgrünes Reis,

BÜRGERMEISTERbekränzt strömt sie zum Tor herein,

BÜRGERMEISTERvon Ruf umwogt, von Willkommschrein, -

BÜRGERMEISTERals hätte eine Himmelsmacht

BÜRGERMEISTERdas schwere Bild der Zeit getauscht.

Die Glocken beginnen wieder zu läuten, sich steigernd bis zum Eintritt des Holsteiners

BÜRGERMEISTERUnd Jubel rauscht

BÜRGERMEISTERund Jauchzen geht

BÜRGERMEISTERund winkt und weht

BÜRGERMEISTERvon Mund zu Mund,

BÜRGERMEISTERvon Hand zu Hand,

BÜRGERMEISTERdurch Gassen hin,

BÜRGERMEISTERvon Ort zu Ort,

BÜRGERMEISTERdurch alles Land!

BÜRGERMEISTERO selges Wort!

BÜRGERMEISTERO schönster Sinn!

BÜRGERMEISTERGlanzvoller Tag, der das gebracht -

BÜRGERMEISTERo ewgen Wunders Macht!

Herannahen und allmählicher Eintritt der Truppen des Holsteiners

noch ausserhalb

HOLSTEINERWo ist der Mann,

HOLSTEINERdes Krieges bester Held?

HOLSTEINERWo ist der Kämpfer,

HOLSTEINERder löwengleich sich hiel

HOLSTEINERgegen zehnfache Übermacht?

Eintritt des Holsteiners, des feindlichen Kommandanten, mit seiner Suite. Viel jüngerer Mann als der Kommandant der Festung, seine Leute viel besser gepflegt und bewaffnet

KOMMANDANTWo ist der Mann,

KOMMANDANTder tollkühne Feind,

KOMMANDANTder sich vermass,

KOMMANDANThier einzudringen

KOMMANDANTgegen meines Kaisers Willen

KOMMANDANTund gegen den meinen?

Holsteiner schreitet näher, nimmt feierlich den Hut ab

HOLSTEINERHör, Kommandant,

HOLSTEINERgewaltiger Held:

HOLSTEINERZu Münster sie sassen,

HOLSTEINERGesandte des Kaisers,

HOLSTEINERGesandte der Fürsten,

HOLSTEINERder Bischöfe, Städte

HOLSTEINERund allen Landes.

HOLSTEINERGediehn das Werk:

HOLSTEINERKriegerisch Wüten

HOLSTEINERvon dreissig Jahren ...

HOLSTEINERzu Ende ists

HOLSTEINERmit dem heutigen Tag!

aussen

CHORFriede! Friede! Friede!

MARIAUnendliche Botschaft!

MARIADu ewige Sonne,

MARIAso brachtest du Wahrheit,

MARIAmit heilendem Lichte

MARIAerfüllest die Welt!

reisst sie an sich

KOMMANDANTTrau nicht den bösen

KOMMANDANTden tückischen Worten, Weib!

KOMMANDANTGeliebte, zu mir!

HOLSTEINERHarter Willkomm

HOLSTEINERdem offenen Herzen!

HOLSTEINERSchon rollen die Wagen,

HOLSTEINEREuch Hilfe zu bringen:

HOLSTEINERFriede und Freundschaft,

HOLSTEINERZehrung und Brot!

Tritt näher und versucht, ihm die Hand zu reichen

stark hinein

KOMMANDANTVerflucht Versprechen!

KOMMANDANTVerfluchter Bote,

KOMMANDANTder das Land verheerte,

KOMMANDANTdie Kirchen zertrümmert,

KOMMANDANTverbrannt die Gehöfte ...

HOLSTEINERLass, was gewesen!

HOLSTEINERFeinde von gestern,

HOLSTEINERBrüder von heute.

KOMMANDANTFeinde von gestern!

KOMMANDANTehrliche Feinde,

KOMMANDANTVerräter heute,

KOMMANDANTLüge und Trug!

weicht zurück

HOLSTEINERWer fiel noch gestern

HOLSTEINERdrachengleich aus

HOLSTEINERund traf die Bekenner

HOLSTEINERdes neuen Glaubens

HOLSTEINERmit Feuer und Schwert?

KOMMANDANTWer drang von Norden

KOMMANDANTverheerend ins Land,

KOMMANDANTein giftges Feuer?

HOLSTEINERWer mähte die Jugend

HOLSTEINERund stiess sie in Nacht?

KOMMANDANTKetzer zertrat ich!

HOLSTEINERWer sperrte den Weg mir

HOLSTEINERund dem Glauben im ganzen Reich?

KOMMANDANTDes Kaisers Stadt und meine Feste für ewig, Ketzer!

HOLSTEINERDen Ruf kenn ich!

KOMMANDANTUnd ich den Arm!

HOLSTEINERDu böser Schirmer

HOLSTEINERuralter Macht,

HOLSTEINERmit leeren Befehlen,

HOLSTEINERmit knöchernen Worten,

HOLSTEINERhohl und gespenstisch

HOLSTEINERund schattengleich

HOLSTEINERhältst du den Geist,

HOLSTEINERdas göttliche Wort,

HOLSTEINERdie Kraft der Jugend

HOLSTEINERnieder im Land!

KOMMANDANTIrrglauben hass ich,

KOMMANDANTIrrglauben tötet

KOMMANDANTdies mein Schwert!

Er zieht das Schwert, der Holsteiner greift nach dem seinen, aber ohne es zu entblössen. Maria wirft sich zwischen die Männer

MARIAGeliebter, nicht das Schwert!

MARIANicht mehr das Wort

MARIAvon Unfrieden, Feindschaft!

MARIAWas ist ein Wort ?

MARIAWas ist ein Bote?

MARIASieh hinter ihm

MARIAdie glanzvolle Strasse,

MARIAsieh hinter ihm

MARIAden grossen Herrn,

MARIAden leuchtenden Herrscher,

MARIAder ihn beschattet,

MARIAder ihn gesendet,

MARIAmehr als der Kaiser,

MARIAmehr als wir alle!

MARIAMann, es ist Friede!

MARIASieh mich doch an,

MARIAsieh mir ins Auge,

MARIAverhärte dich nich

MARIAund glaube auch ihm!

Der Kommandant sieht sie lange an, dann gleitet sein Blick auf den Holsteiner. Sie stehen einander wortlos gegenüber. Plötzlich wirft der Kommandant sein Schwert weit von sich - sie sinken einander ergriffen in die Arme. - Während dieser Szene hat sich der Raum allmählich mit Volk und Soldaten beider Parteien gefüllt

aussen

CHORSei uns gegrüsst,

CHORdu neuer Herrscher,

CHORdu junger König,

CHORglückselger Friede,

CHORwir neigen uns dir!

CHORNicht Fremde mehr,

CHORnicht Feinde mehr!

CHORGlückselger Friede,

CHORbist du nun Wahrheit?

MARIAGlocken! Glocken,

MARIAleuchtende Wunder!

MARIAMenschlichen Herzen

MARIATodesboten des Kriegs -

MARIALebensglocken der Wiedergeburt.

MARIAWas die Sonne begann,

MARIAweisend die klaren,

MARIAunsichtbar

MARIAluftgen Pfade,

MARIAselige Glocken,

MARIAda vollendet in Gnade!

MARIALeuchtende Wunder,

MARIALebensglocken der Wiedergeburt,

MARIAhört zu tönen nicht auf!

MARIANiemals! Niemals!

DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTENHört ihr die Stimmen?

DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTENSind es die Unsern?

DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTENSind es die Fremden?

DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTENFremdartig klingt es

DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTENwie Geistergetön.

DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTENWas umklammern uns

DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTENuralte Mauern?

DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTENDort, selig wandeln

DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTENsie dort im Licht,

DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTENdort draussen sind Grenzen gefallen!

DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTENSeht, sie umarmen sich schon!

DEPUTATION, SOLDATEN UND SOLISTENSei uns gegrüsst, glückseliger Friede!

aussen, gleichzeitig

CHORUralte Last

CHORvon uns genommen,

CHORleicht hebt sich die Brust!

CHORSelig zittert das Herz!

CHORGeblendet das Auge,

CHORdu mächtger König,

CHORdu junger Herrscher,

CHORhebst uns empor

CHORin bessere Welten!

CHORSelig zittert das Herz!

aussen, näher

FRAUENCHORIhr Kinder, wagt es,

FRAUENCHORwaget den Schritt!

FRAUENCHORDunkel waren

FRAUENCHORdie früheren Jahre,

FRAUENCHORdoch jetzt umfängt uns

FRAUENCHORseliges Licht.

FRAUENCHORIhr Kinder, wagt es,

FRAUENCHORglaubet dem Glanz -

FRAUENCHORwas Schreiten erst war,

FRAUENCHORschon ist es Tanz!

ALTE MÄNNERUnser Schritt ist zagend,

ALTE MÄNNERunser Aug ist bang:

ALTE MÄNNERWir sehen den Frieden -

ALTE MÄNNERaber nicht lang.

ALTE MÄNNERWir wandeln zu anderen Orten -

ALTE MÄNNERaber wir wandeln

ALTE MÄNNERdurch leuchtende Pforten!

BÜRGERMEISTERWie uns das aufruft,

BÜRGERMEISTERviel tausend Münder,

BÜRGERMEISTERwie uns das mahnt,

BÜRGERMEISTERviel tausend Stimmen!

BÜRGERMEISTERIst dies noch die Festung,

BÜRGERMEISTERdie uns umklammert

BÜRGERMEISTERmit schattiger, lastender,

BÜRGERMEISTERschwarzer Faust ?

BÜRGERMEISTEROder hebt uns schon

BÜRGERMEISTEReine lichte Wolke

BÜRGERMEISTERdorthin, Brüder, zu euch?

PRÄLATIch aber preise

PRÄLATErfüllung des Wortes,

PRÄLATGeschenk deiner Gnade

PRÄLATDu Gott des Friedens!

BEIDESei uns gegrüsst

BEIDEleuchtender Friede!

aussen

CHORNoch dies Umarmen,

CHORnoch diesen Kuss!

CHORDann aber hebet

CHORdie feiernden Hände

CHORzu besserem Werke,

CHORzum Werke des Friedens!

auf der Bühne

MÄNNERCHORDann aber fort

MÄNNERCHORmit den engenden Wänden!

MÄNNERCHORNicht Fremde mehr,

MÄNNERCHORnicht Feinde mehr!

MÄNNERCHORGlückselger Friede,

MÄNNERCHORsei uns gegrüsst!

auftretend

FRAUENCHORWir kommen, wir kommen!

FRAUENCHORFort mit den drängenden,

FRAUENCHORlastenden Mauern!

ALLEGlückseliger Friede,

ALLEbist du nun Wahrheit?

Gewaltiger Lärmder Menschenmasse von aussen. Glocken und Kanonendonner

alles übertönend, als wollten sie die Masse noch zurückhalten

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,Warum kämpften wir

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,Jahre um Jahre?

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,War es des Kaisers

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,uralte Macht?

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,Des neuen Glaubens

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,kräftiger Wille ?

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,War es nur Hass,

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,der uns geschieden?

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,Glocken, Glocken,

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,leuchtende Stimmen -

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,aber mehr noc

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,der jubelnden Menschen

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,glückselige Stimmen!

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,Nur um dieser Stunde

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,Glück des Umarmens,

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,nur um der Treue

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,Sieg oder Untergang,

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,nur um der Freundschaft

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,strahlende Wiedergeburt,

KOMMANDANT UND HOLSTEINER ,das nur, das unser Sieg!

zugleich

MARIASonne, Sonne, ewige Sonne!

MARIAWas du begannst,

MARIAvollende das Wunder!

MARIAÖffne die Arme,

MARIAverbrenne die Mauern,

MARIAschliesse uns ein!

MARIADass wir uns finden,

MARIAuntrennbar, unendlich,

MARIAnimm uns zu dir!

Die Mauern öffnen sich, der Turm versinkt. Sonnige Helle dringt ein, es ist alles ein einziges wogendes Menschenmeer

CHORSei uns gegrüsst,

CHORleuchtender König,

CHORherrlicher Herrscher,

CHORewiger Friede, sei uns gegrüsst!

ZWEITER CHORSeid uns gegrüsst,

ZWEITER CHORihr neuen Brüder,

ZWEITER CHORnichts trenne uns mehr -

ZWEITER CHORewiger Friede - gegrüsst!

ALLEWagt es zu denken,

ALLEwagt zu vertrauen,

ALLEwagt in das göttliche

ALLELeuchten zu schauen!

ALLEDie uns erschüttern,

ALLEdie uns noch blenden,

ALLEZeichen sind es,

ALLEdie niemals enden!

ALLEBrücken, die wir

ALLEzu beschreiten nicht wagen,

ALLEleicht werden sie

ALLEdie Zukunft ertragen.

ALLEWagt es zu denken,

ALLEwagt zu vertraun,

ALLEschwelgt in gewaltgem

ALLELiebesumfassen!

ALLEStröme des Herzens,

ALLEendloser Jubel!

ALLEFlamme der Liebe,

ALLEaufwärts, aufwärts -

ALLEHerrscher Geist, zu dir!