Ein Fund

T. Gaugler

Um's offne Grab stellt sich der Kreis,

Ein junges Leben liegt im Schreine,

Kein Auge, das nicht brennend heiß

Des Scheidens helle Zähren weine.

Und Einer aus der dichten Schaar

Bückt plötzlich haftig sich zur Erde,

Ein starker Mann mit dunkelm Haar,

Gar tiefes Weh in der Geberde.

Was wühlt im feuchten Modergrund

Die Hand mit zitterndem Verlangen,

Von Gold ist's wohl ein reicher Fund,

Dran seine Augen gierig hangen?

'Nen rost'gen Knopf nur hebt er auf

Tief seufzend, aus der Todtenasche,

-- Zwei große Thränen fallen drauf,

Und burgt ihn sorgsam in der Tasche.

Und leis zum Nachbarn flüstert er,

Der nach ihm seine Blicke lenket,

"Hier, dreißig Jahre sind es her,

Hier ward mein Vater hingesenket."