Les vêpres siciliennes

Verdi, Giuseppe

Die sizilianische Vesper

GUIDO DE MONTFORT, Gouverneur von Sizilien (Bariton)

SIRE DE BÉTHUNE, Französischer Offizier (Bass)

GRAF VAUDEMONT, Französischer Offizier (Bass)

ARRIGO, ein junger Sizilianer (Tenor)

GIOVANNI DA PROCIDA, ein sizilianischer Arzt (Bass)

HERZOGIN ELENA, Schwester des Herzogs Friedrich von Österreich (Sopran)

NINETTA, ihre Dienerin (Alt)

DANIELI, Sizilianer (Tenor)

MANFREDO, Sizilianer (Tenor)

TEBALDO, Französischer Soldat (Tenor)

ROBERTO, Französischer Soldat (Bass)

Ein SIZILIANISCHES MÄDCHEN (Sopran)

CHORSizilianer und Sizilianerinnen - Französische Soldaten und Offiziere - Der Hofstaat des Montfort

CHORGefangene - Priester - Aufständische

SYSTEMERSTER AUFZUG

Der grosse Platz in Palermo. Französische Soldaten sitzen vor der Kaserne, singend und trinkend. Sizilianer und Sizilianerinnen gehen in Gruppen vorüber und betrachten die Fremden mit Hass.

SYSTEMERSTE SZENE

SYSTEMChor

FRANZOSENFröhlich füllt die Becher

FRANZOSENAls sorgenlose Zecher!

FRANZOSENFüllt die Becher bis zum Rand

FRANZOSENStosst an! Hoch, das Vaterland!

FRANZOSENAls Herren lasst uns leben!

FRANZOSENDem Wein, der Lieb' ergeben!

FRANZOSENDem Herren winkt als Siegersold,

FRANZOSENDie Frau, der Wein, das gelbe Gold!

SIZILIANERHört die Becher klingen,

SIZILIANERHört die Frechen singen!

SIZILIANERSie preisen ihre Heimat

SIZILIANERBei Spiel und Wein!

SIZILIANERKomm, o Tag der Rache,

SIZILIANERGib uns Kraft und Stärke,

SIZILIANERGib uns allen,Kraft zum Werke,

SIZILIANERTag der Rache stähle uns!

TEBALDOEs lebe der Feldherr, der Sieger von Palermo!

ROBERTODer Stolz seines Volkes und Frankreichs kühnster Held!

TEBALDODer Schrecken seiner Feinde!

ROBERTOStark wie Stahl und Eisen

ROBERTOUnd der Sodaten grosser Freund!

fängt an betrunken zu lallen

ROBERTOEr sagte, hier in der sogenannten Stadt Palermo

ROBERTOSind wir die Herren!

ROBERTOSo sagt der General …Nicht wahr, Herr Graf?

lachend

BÉTHUNENa, na! Stolzer Herr du schwankst ja -

BÉTHUNEMir scheint, du bist berauscht!

ROBERTOIst's wahr, dass alle Frauen

ROBERTOHier zu Lande unser sind?

BÉTHUNEGanz ohne Zweifel! Zum mind'sten die,

BÉTHUNEDie sich in euch verlieben!

ROBERTOAh ba! Keine kann dem Anblick eines Helmes widerstehen!

zu Tebaldo

ROBERTONicht wahr?

TEBALDOUnd ihre Männer?

ROBERTOIst's nicht Pflicht, dass die Sieger

ROBERTODen Männern bei der süssen Arbeit helfen?

SYSTEMWiederholung des Chores

SYSTEMZWEITE SZENE

Herzogin ELENA kommt mit NINETTA und DANIELI aus ihrem Palast, mit Ehrfurcht von den Sizilianern begrüsst

GRAF VAUDEMONTWer ist die stolze Schöne?

GRAF VAUDEMONTWie brennt ihr dunkles Auge!

GRAF VAUDEMONTPalermos schönste Frau,

GRAF VAUDEMONTWer mag die Holde sein?

BÉTHUNEElena heisst die Schöne,

BÉTHUNEDie Schwester jenes Fürsten,

BÉTHUNEDen mit dem Hohenstaufen

BÉTHUNEMontfort enthaupten liess.

BÉTHUNEIm Trauergewande beweint sie den Bruder!

VAUDEMONTGraf Friedrich, den Helden,

VAUDEMONTDes Conradin Freund?

VAUDEMONTEr büsste seine Treue

VAUDEMONTMit schmählichem Tod!

BÉTHUNEHeut denkt sie jenes Tages;

BÉTHUNEDer ihr den Bruder raubte.

VAUDEMONTSie betet für die Seele

VAUDEMONTDes vieIgeIiebten Bruders.

lachend

BÉTHUNEUnd fIeht auf unser Haupt

BÉTHUNEDie schwersten Höllenstrafen!

VAUDEMONTMit Recht wohI darf sie klagen,

VAUDEMONTZu grausarn war der Tod!

BÉTHUNESchweig still! Was sagst du? Bist doch Soldat,

BÉTHUNEUnd der führt nicht solche Reden.

DANIELIO Schreckenstag! Furchtbarer Tag!

DANIELIDa unser Heimatboden das Blut in sich trank

DANIELIDes besten seiner Söhne!

ELENAO mein Bruder, teurer Bruder!

ELENABlühend in Jugendkraft

ELENATraf dein edles Leben

ELENADer Todesstreich des Henkers!

ELENATod treffe dich, Tyrann,

ELENADer die Jugend ruchIos fällte!

ELENADoch dumpf und fühllos blieb das Volk,

ELENATrotz der Freveltat!

ELENADie Rache steht bei mir.

ELENAIch allein, o Bruder, räche dich!

erhebt sich schwankend

ROBERTODa wir brav nun getrunken

ROBERTOSoll ein Lied uns erfreun!

ROBERTODer Sizilianer

ROBERTOSoll unsern Ruhm besingen!

TEBALDOWas, bist du toll?

ROBERTOToll ? Warum ?

zu den Frauen

ROBERTOWelche von euch, ihr Schönen,

ROBERTOSingt zu unserm Ruhm?

zu Elena

ROBERTOHerrlichste Frau, du bist’s!

ROBERTODu, sollst uns singen!

NINETTAWas wird aus uns?

ROBERTODie Herren sind wir -

ROBERTOIhr müsst gehorchen!

ROBERTOSinge, singe nun,

ROBERTOHörst du, du Stolze?

ROBERTOIch will es!

ROBERTOHoho? Du willst nicht?

NINETTAWas wagst du, kecker Franke?

ELENASchweige!

ROBERTODu singst sofort, denn sonst …

stolz und ruhig

ELENAJa, ich singe!

ELENAAuf hohem Meer, in den brausenden Wellen -

ELENASiehst du das Schiff? Im Sturm muss es zerschellen!

ELENASchon senkt es sich zur Seite.

ELENAO hör' den Schrei des Schiffers so bang!

ELENAEr klagt um das Verlor'ne.

ELENAO hör’ die Klage, hör', wie er ruft!

ELENAHör', o Herr, meine Stimme!

ELENAGütig glätte du das wogende Meer.

ELENAHöre, o Herr, mein heisses Flehen -

ELENASieh, er hofft auf dich, o Herr!

ELENAUnd Gott, der Herr, verkündet seinen Willen:

ELENAWer sich selbst hilft, dem helfe ich, der Herr!

ELENAIhr Sterblichen, euer Schicksal steht nur bei euch!

ELENAIn eurer Hand liegt das Geschick.

ELENAWas zagt ihr, was zagt ihr, des. Meeres kühne Söhne!

ELENAIn Stürmen, in Wettern frommt feiges Klagen nicht.

ELENADer Himmel zürnt dem Feigen, der schwächlich klagend leidet.

ELENAErhebt euch! Auf zum Kampf! Für die Freiheit,

ELENAFür unser Land! Gott, der Herr, ist mit uns!

CHOR DER SIZILIANERWelche Sprache! Welche Glut!

ELENADoch warum dies bange Zagen?

ELENAKönnt ihr zittern nur und klagen?

ELENAVon Gefahren rings umgeben

ELENAWollt ihr seufzen nur und beben?

ELENAZum Kampf, zum Kampf!

ELENAHört des Donners grollenden Ton,

ELENADas Branden der heulenden rollenden Wogen!

ELENAZum Kampf, zum Kampf!

ELENASteh auf, mein Volk! Voran!

ELENADann hilft dir Gott!

CHOR DER SIZILIANERHört, o hört, wollt ihr zagen?

CHOR DER SIZILIANERHört den Ruf, wolIt ihr klagen?

CHOR DER SIZILIANERBesser dient wohl das SchIagen.

CHOR DER SIZILIANERMann an Mann, auf zur Wehr!,

CHOR DER SIZILIANERAuf den Feind! Löst die Bande

CHOR DER SIZILIANERUnsrer Schmach, unsrer Schande!

CHOR DER SIZILIANERJagt sie fort aus dem Lande!,

CHOR DER SIZILIANERUnd mit uns ist der Herr!

CHOR DER SIZILIANERVoran! Voran! Zur Rache!

ELENAHeil’ge Stimme meines Volkes

ELENATönst du endlich aus der Nacht?

ELENAJa, mit uns ist der Herr!

zugleich mit den anderen

CHOR DER FRANZOSENDie vollen Becher leeren,

CHOR DER FRANZOSENDie Liebe keck begehren,

CHOR DER FRANZOSENWer will es uns verwehren?

CHOR DER FRANZOSENDie Schönheit lebe hoch!

CHOR DER FRANZOSENStosst an, stosst an die Becher!

CHOR DER FRANZOSENDoch was ist?

CHOR DER FRANZOSENWas für ein Lärmen?

CHOR DER FRANZOSENWas will das Volk?

CHOR DER FRANZOSENEs ruft nach Rache!

SYSTEMDRITTE SZENE

Das Volk rottet sich drohend zusammen. In diesem Augenblick

erscheint ohne Waffen Montfort. Alles flieht auseinande

CHOR DER FRANZOSEN.

CHOR DER SIZILIANERWeh'! Montfort!

sie fliehen

ELENAWelche Schmach! Die Feigen zittern!

ELENASein Anblick jagt sie in die Flucht!

ELENAO Schande!

SYSTEMQuartett

ELENADiese Schmach zu erleben!

ELENABebend verlassen uns alle!

ELENADie Feigen! Weh der Schande!

ELENAVor dem Mörder zu beben!

ELENADer den Bruder mir raubte,

ELENAWeh der Schande!

ELENAKlagend denk' ich deines Todes,

ELENAIn Trauer denk ich nur an dich,

ELENAAn die Rache an dem, der dich traf!

ELENAIch wein' um dich, o Teurer,

ELENAIn Wehmut, in Trauer um dich!

ELENADoch ich denk' an die Rache!

ELENANINETTA und DANIELI

ELENAWie sie zittern und beben,

ELENASie verlassen uns alle.

ELENAWeh' der Schande!

ELENAVor dem Mörder zu beben,

ELENADer den Bruder erschlagen,

ELENAWeh' der Schande!

ELENAEr erschlug ihren Bruder,

ELENADen heiss sie geliebt

MONTFORTWie sie schmachvoll entfliehen

MONTFORTVor mir ohne Waffen und Wehr!

MONTFORTHa der Schande!

MONTFORTFeige Sklaven sind alle,

MONTFORTDieses Volk verdient nur Verachtung!

MONTFORTDass sie knirschen in Ketten,

MONTFORTDass schweigend sie zerbrechen,

MONTFORTIst der Elenden Lohn.

MONTFORTVerachtung den Feigen.

MONTFORTIn Ketten halten wir,

MONTFORTZu Sklaven machen wir

MONTFORTDies Volk!

SYSTEMVIERTE SZENE

SYSTEMFinale

ARRIGO tritt auf. Er erkennt zunächst MONTFORT nicht

MONTFORT.

ARRIGOElena!

ELENAO Gott, was seh' ich? Arrigo! So bist du frei?

ELENAFrei seh' ich dich?

ARRIGOIch kehr' zu euch zurück, ihr Lieben,

ARRIGODie so lang mein Geschick beweinten,

ARRIGOFrei aller Fesseln!

ARRIGOELENA und NINETTA

ARRIGOO welches Glück!

ARRIGODenn meine Richter, die sonst

ARRIGOVor dem Tyrannen bebten,

ARRIGOEin ehrlich Urteil wagten sie zu fällen!

ARRIGOELENA und NINETTA

ARRIGOSo ist es wahr?

ARRIGOWie wär' ich sonst bei euch?

ARRIGOSie sprachen mich frei von aller Strafe!

hinter ihm, lächelnd

MONTFORTDas nenn' ich Glück!

MONTFORTDu entgingst dem sichern Tod!

MONTFORTSo dank dem Tyrannen für so viel.

MONTFORTVerzeihende Güte!

ohne ihn zu erkennen

ARRIGOOder sag' lieber Schwäche!

ARRIGODenn als Montfort dies Urteil unterschrieb,

ARRIGOVom Morden war er müd’. Nun ruht er aus,

ARRIGOUm härter nur zu schIagen!

ARRIGOELENA und NINETTA

ARRIGOO schweige still!

ARRIGOEi, warum? Hah! Träf' ich ihn hier,

ARRIGOMann gegen Mann,

ARRIGORächte ich blutig unsere Leiden!

mit ruhiger Ironie

MONTFORTEr ist nicht weit.

MONTFORTBezähme deinen Eifer!

lebhaft

ARRIGOWo ist er?

MONTFORTEr steht vor dir!

ARRIGODu?

beiseite

ELENAGott, das ist sein Ende!

ironisch

MONTFORTUnd nun, Rächer, beginne dein Werk!

ARRIGOWeh mir, ich kann nicht.

ARRIGOMan nahm mir ja die Waffe!

zu den anderen

MONTFORTEntfernt euch!

Sie gehen ab zu Arrigo

MONTFORTDu bleibst hier, denn ich befehl' es!

MONTFORTWie ist dein Name?

ARRIGOArrigo.

MONTFORTUnd weiter?

ARRIGODem Freunde nenn’ ich ihn,

ARRIGODem Feind genüge der eine!

MONTFORTWer ist dein Vater?

ARRIGOIch hab ihn nie gesehn! Von Missgeschick

ARRIGOWard er verfogt. Geächtet

ARRIGOOhne Freund zog er fort

ARRIGOAus seiner Heimat. Er starb

ARRIGOIn weiter Ferne.

MONTFORTDoch deine Mutter kanntest du?

ARRIGOWohl kannt’ ich meine Mutter.

ARRIGOAch, es verging schon ein Jahr,

ARRIGODass ich die Teure verlor.

ARRIGODoch bald seh' ich sie wieder!

Er weist zum Himmel

MONTFORTDoch eh' sie starb, führte sie dich

MONTFORTZum Schwabenherzog Friedrich,

MONTFORTDu folgtest seinen Scharen.

ARRIGOJa, ich folgte dem Banner des Helden!

MONTFORTDes Rebellen!

ARRIGODen Weg des Ruhmes lehrte er mich schreiten

ARRIGOOhne Furcht!

ARRIGODie Treue ihm zu halten,

ARRIGOKann kein Gebot mir wehren.

ARRIGOIch hielt sie ihm im Leben,

ARRIGOIch halt' sie ihm im Tod!

ARRIGOWie er starb, so lebe und sterbe auch ich!

ARRIGONun triff mich, wie du willst!

ARRIGOBestrafe den Kühnen,

ARRIGODer keck dich bedroht

ARRIGODich hassen und sterben,

ARRIGOIst seligster Tod!

MONTFORTIch Iiebe den Kühnen

MONTFORTDer keck mich bedroht,

MONTFORTDer stolz und verwegen

MONTFORTVerachtet den Tod!

MONTFORTStrafe verdienst du, doch Gnade will ich üben!

ARRIGOGnade von dir?

MONTFORTJa! Höre mich, du töríchter Knabe!

MONTFORTDen Weg will ich dir weisen,

MONTFORTDen Tapfere beschreiten.

MONTFORTDas Ziel will ich dir zeigen,

MONTFORTDas der Edle ersehnt.

MONTFORTDes Ruhmes Siegfanfare

MONTFORTSoll festlich dir erschallen.

ARRIGODes Ruhmes? Wo fänd’ ich Ruhm?

MONTFORTBei uns findest du ihn!

MONTFORTO komm zu uns, in unsre Reihen!

MONTFORTHier winkt dir Ehre!

MONTFORTWinkt dir Ruhm!

MONTFORTDies sei der Gnade Preis!

ARRIGODas wäre Schmach! Nein!

ARRIGOBestrafe den Kühnen,

ARRIGODer keck dich bedroht!

ARRIGODich hassen und sterben

ARRIGOIst seligster Tod.

MONTFORTDer so tapfer mich bedroht,

MONTFORTAchten muss ich seinen Mut.

MONTFORTEdel wahrIich ist sein Blut,

MONTFORTEr verachtet stolz den Tod!

MONTFORTNun gut, so geh!

MONTFORTDie Freiheit geb' ich dir,

MONTFORTWeil ich dich achte!

MONTFORTDoch eines höre!

MONTFORTFoIge meinem Rat!

auf Elenas Palast deutend

MONTFORTSiehst du dort den Palast?

ARRIGOWas soll’s?

MONTFORTMeide jenes Hauses Schwelle!

ARRIGOUnd warum?

MONTFORTöre mich!

geheimnisvoll

MONTFORTDein Herz ist entbrannt

MONTFORTIn unheilvoller Liebe!

bestürzt

ARRIGOWas sagst du?

MONTFORTGlaube mir, die Liebe

MONTFORTIst dein Tod!

verwirrt

ARRIGOWie weiss du dies?

MONTFORTDu siehst, für mich

MONTFORTGibt’s kein Geheimnis!

MONTFORTIch kenne deine Seele,

MONTFORTWeiss, dass dein Herz in Liebe brennt!

sehr eindríngIich

MONTFORTO flieh', o fliehe!

MONTFORTIch befehI' es!

ARRIGOMit welchem Recht?

MONTFORTIch wiII es! Geh!

wieder ganz sicher

ARRIGOWas kümmert mich dein Wille!

ARRIGODas Herz lässt sich nicht zwingen!

IeidenschaftIich

MONTFORTVerwegner Tor! Verblendeter!

MONTFORTDu wagst es, keck zu trotzen!

MONTFORTWeh’ dir, wenn mein Zorn dich trifft,

MONTFORTWehe dir und deinen Freunden!

MONTFORTFürchte meinen Zorn!

MONTFORTWenn er dich trifft,

MONTFORTIst es dein Tod!

in Begeisterung

ARRIGOFreudig will ich alles tragen,

ARRIGOMeine Liebe kennt kein Zagen,

ARRIGOHöchsten Glückes heller Born

ARRIGOMeine Liebe höchste Wonne,

ARRIGOHöchstes Glück!

ARRIGOIch trotze deinem Zorn!

MONTFORTVerwegner Tor! Verblendeter!

MONTFORTDu wagst mir keck zu trotzen?

MONTFORTWeh' dir, wenn mein Zorn dich trifft!

MONTFORTWehe dir und deinen Freunden!

MONTFORTWenn er euch trifft,

MONTFORTSo trifft euch auch der Tod!

MONTFORTTrotziger Tor! Halt ein!

MONTFORTBetritt die Schwelle jenes Hauses nie!

MONTFORTDenn ich verbiet’ es!

ARRIGODu?

MONTFORTJa! Wen ich hasse,

MONTFORTDem droht Verderben!

ARRIGOIch wag' es doch – für sie!

ARRIGODer Tod für sie ist

ARRIGOHöchstes Glück!

Er stürmt in Elenas Palast

mehr traurig als zornig

MONTFORTZum Tod führt der Weg!

SYSTEMZWEITER AUFZUG

MONTFORTEin Tal in Frühlingspracht bei Palermo. Im Hintergrund die Küste.

SYSTEMERSTE SZENE

Procida tritt auf

PROCIDAO Heimat o teure Heimat,

PROCIDAVerbannt, in weiter Ferne,

PROCIDAKannte ich nur die Sehnsucht,

PROCIDADich wieder zu sehn!

PROCIDABlütenreicher Heimatboden,

PROCIDAIn Ehrfurcht küss ich dich!

PROCIDAHöre du meinen Schwur:

PROCIDANur für dich leb' ich noch,

PROCIDANur für dich und deine Freiheit!

PROCIDADu mein Palermo,

PROCIDAdas so heiss ich liebe,

PROCIDAEinst so stolz, so mächtig

PROCIDAHeut dem Feinde ein Spott!

PROCIDAWeh' dir Armen!

PROCIDAHebe die Stirne,

PROCIDADie so tief du senktest,

PROCIDASei Siziliens Königin

PROCIDAWie in alter Zeit.

PROCIDALass des alten Ruhmes Sterne leuchten,

PROCIDASei unser Königin!

PROCIDAÜberall sucht' ich, Hilfe zu finden

PROCIDABei den Edlen, zu Stadt und zu Land -

PROCIDADoch ungerührt erwiderten alle:

PROCIDA"Sizilianer, was kämpft ihr nicht selbst

PROCIDAFür den Ruhm, für die Ehre,

PROCIDAFür das Recht, für den Sieg?"

PROCIDADu, mein, Palermo …

wie oben - Sizilianer treten auf

zu einem

PROCIDADu gehst zu unsern Freunden

PROCIDAUnd meldest meine Ankunft.

PROCIDAHoffnung und Freude soll ihr Herz erfüllen!

zu einem anderen

PROCIDADu gehst zum edlen Arrigo, bring ihm die Kunde,

PROCIDAIhm und der Fürstin Elena, dass ich hier ihrer warte

PROCIDAZu dieser Stunde.

PROCIDAPROCIDA und CHOR

PROCIDAIm Schatten tief verborgen rüsten wir

PROCIDAZur Vergeltung!

PROCIDANur leise, dass kein Späher uns entdeckt!

PROCIDAGebet acht!

PROCIDAHeil'ge Flamme meiner Sehnsucht

PROCIDASchlag in ihre dumpfen Seelen,

PROCIDADass sie fühlen, was ich fühle.

PROCIDADass sie wollen, was ich will!

PROCIDAIst erfüllt, was ich ersehne,

PROCIDAIst befreit unser heiliger Boden,

PROCIDAWill ich gern von dieser Erde scheiden,

PROCIDADann grüss ich als Freund den Tod!

PROCIDAIm Schatten …

wie oben

SYSTEMZWEITE SZENE

ELENA und ARRIGO treten auf

ihnen entgegen

PROCIDAIhr teuren Freunde, seh' ich euch denn wieder!

PROCIDAHerzogin, Arrigo!

PROCIDAARRIGO und ELENA

PROCIDAEr ist's, Procida, der Treue!

PROCIDAJa! Und euer Diener!.

lebhaft

ELENAUnsre einzige Hoffnung!

PROCIDAIn Spanien und Byzanz, überall' sucht' ich um Hilfe!

ELENAWas sagt der Aragonier? Will er für uns kämpfen?

ARRIGOSteht er zu uns?

ELENA,Hat er versprochen ... ?

PROCIDANichts bis zur Stund'.

PROCIDABevor er seine Krieger

PROCIDAUnd seine Schiffe rüstet,

PROCIDAMuss ganz Sizilien

PROCIDAWie ein Mann sich erheben.

PROCIDAUm diesen Preis ist er unser!

PROCIDAWie steht es hier?

PROCIDAO sagt mir doch: seid ihr bereit?

PROCIDAWas darf ich hoffen?

niedergeschlagen

ARRIGOWas hoffen? Wir hoffen nichts

ARRIGOVon diesem schwachen Volke,

ARRIGODas nur zagt und zweifelt

ARRIGOUnd stumpfen Sinnes leidet!

PROCIDASo gilt es, sie zu wecken!

PROCIDADas sei unser Ziel!

ARRIGOEin edles Ziel! Auch wir versuchten's oft,

ARRIGODoch stets vergebens!

PROCIDANun denn: nur starke Mittel helfen!

PROCIDAWir wagen, was

PROCIDAKeiner noch gewagt:

PROCIDAWir reizen unsern Feind

PROCIDAZu neuen Freveltaten,

PROCIDAWir schüren die Begierden

PROCIDADer wilden Horden,

PROCIDABis hoch die Flamme zum Himmel lodert!

ARRIGODoch wie das Werk vollenden ?

ELENALasst heute uns beginnen!

ELENADer Tag ist günstig,

ELENADenn zwölf Hochzeitspaare

ELENAStehen heut am Altar.

ELENADas reizt die Franken!

ARRIGOGross wird die Menge werden ...

PROCIDAUm so kleiner die Gefahr.

PROCIDADie Kraft des einen

PROCIDAWird gross und stark im ganzen!

PROCIDAWas ihm nur ein schwacher Funke,

PROCIDAWird allen zur Flamme!

PROCIDAAns Werk! Wir wollen Grosses!

PROCIDAUnd gross muss der auch sein,

PROCIDADem wir alles vertrauen,

PROCIDADer Führer!

ARRIGOWer ist's?

PROCIDADu selber!

ARRIGOVertrau' auf mich!

geht ab

SYSTEMDuett

ELENAWie soll ich danken dir,

ELENAFür so viel Mut und Treue,

ELENAJunger Held?

ARRIGOMein einz'ger Lohn sei

ARRIGODir zu dienen,

ARRIGODir zu Füssen, dein Vasall!

ELENADes Tyrannen wilde Drohung

ELENASchreckt dein tapfres Herze nicht?

ARRIGOMutig lacht' ich seiner Drohung -

ARRIGONun beb' ich, nun zittr' ich,

ARRIGOO Fürstin - vor dir!

für sich

ELENAWas hör' ich?

ARRIGOMein Herz, es zittert, es bebt

ARRIGOVor dir!

für sich

ELENAWas hör' ich?

ARRIGOEin Blick aus deinen Augen

ARRIGOIst milder als Frühlingssonne,

ARRIGOEr gibt mir Mut und Kraft,

ARRIGODass ich dir sage, was dies Herz empfindet.

ARRIGOO Fürstin, höre:

ARRIGOIch liebe dich! Doch dies begehr' ich nur:

ARRIGODas Recht, für dich zu kämpfen,

ARRIGODas Recht, für dich zu sterben,

ARRIGOFür dich zum Tod zu gehen.

ARRIGOO Fürstin, ich schwöre dir:

ARRIGONur dieses ist mein heisser Wunsch:

ARRIGOFür dich zum Tod zu gehn!

ELENAWas sag' ich, was tu' ich?

ELENASoll ich den Wunsch versagen,

ELENADa schon das Grab sich öffnet?

ELENASoll ich mich kalt verschliessen

ELENAVor so viel treuer Liebe?

ELENANein!

ELENABruder, blick' vom Himmel nieder,

ELENAFühle mit mir, was ich fühle!

ELENAO verzeih' mir, wenn ich fehle!

ELENAWas mich so tief bewegt,

ELENAIst Liebe nur allein!

ARRIGOWie? Darf ich hoffen?

ARRIGOWie? Du zürnst mir nicht?

ARRIGOMir, der zu dir wagte

ARRIGOKühn den Blick zu erheben?

ARRIGOMich, ohne Wappen und Zier?

ARRIGOMich, ohne Ansehn und Gut,

ARRIGODer nichts als Liebe dir gibt,

ARRIGOMich willst du Hohe erhören ?

ARRIGOMich willst du liebend erhöh'n?

ELENAO räche meines Bruders Tod,

ELENAUnd höher stehst du

ELENAAls der reichste König mir!

ARRIGOIch, Armer, der allein und

ARRIGOOhne Ruhm im Dunkel lebt?

ELENARäche meines Bruders Tod,

ELENADann bin ich ewig dein!

ARRIGOJa! Rächen, will ich ihn!

ELENADu schwörst den Eid?

ARRIGOBei dem Haupte meiner Mutter

ARRIGOSchwör' ich diesen Eid!

ELENADu schwörst den Eid?

ARRIGOJa! Rache schwöre ich dir!

ARRIGOBei Gott!

ELENAIch halte mein Wort!

SYSTEMDRITTE SZENE

BÉTHUNE tritt auf mit Soldaten. Er reicht ARRIGO einen Brief

BÉTHUNEHerr Ritter, diesen Brief schickt Euch der Gouverneur.

nachdem er gelesen, erstaunt

ARRIGOFür heut Abend zum Tanze?

BÉTHUNEGrosse Ehre fürwahr!

ARRIGOIch komme nicht!

BÉTHUNEWas denkt Ihr? Solche Ehre

BÉTHUNESchlägt kein Kluger aus!

trotzig

ARRIGOIch wag' es doch!

in herrischem Ton

BÉTHUNEDann bittet Montfort nicht, dann befiehlt er!

BÉTHUNEIhr folgt sofort dem Gebot!

er winkt den Soldaten

mit gezogenem Degen

ARRIGODie Schmach soll ich ertragen?

ARRIGO,

zu den Soldaten

BÉTHUNEErgreift ihn!

Arrigo wird entwaffnet und abgeführt

ELENAzu Béthune

ELENAWas tut Ihr?

kalt und höflich

BÉTHUNEIch folge meinem Auftrag.

BÉTHUNEEr geht ab

ELENAO Schmach, die wir erdulden!

ELENAErst Hohn und dann Gewalt!

ELENAArrigo!

tritt auf

PROCIDAWas soll der Ruf?

ELENAO Gott! Er ist in Montforts Händen!

schmerzvoll

PROCIDAWeh uns! Alles bricht zusammen!

PROCIDAAuf ihn, auf seine Kühnheit

PROCIDABaut' ich alles!

PROCIDADas ist sein sichrer Tod!

sich mutig erhebend

ELENAO nein! Ihn zu befrein

ELENAHeischt unsre Ehre!

PROCIDAStille! Schon strömt das Volk herbei!

SYSTEMVIERTE SZENE

SYSTEMFinale

Die Jugend von Palermo als Begleitung der zwölf Hochzeitspaare. Unter ihnen NINETTA und ihr Verlobter DANIELI. Sie tanzen eine Tarantella. Als der Tanz am 1ebhaftesten wird, kommt ein Trupp französischer Soldaten, geführt von TEBALDO und ROBERTO über die Bühne. Sie betrachten mit wachsender Lüsternheit die Bräute. Der folgende Dialog ist in die Tarantella einkomponiert

ROBERTOO seht, ein Hochzeitsfest!

ROBERTODie schönen Mädchen!

immer im gemütlichen Ton

PROCIDADie gefall'n dir?

ROBERTONicht übel!

lachend

PROCIDAGelt, alter Freund, ich kenn' dich!

erstaunt

ROBERTOWer bist denn du?

PROCIDATreu'ster Freund der Franzosen!

schlägt ihm auf die Schulter

TEBALDOGut gesprochen! Bravo!

ROBERTOSieh, wie reizend sie tanzen!

TEBALDODas wär' ein guter Bissen!

ROBERTOZur Hochzeit geht's - o weh!

PROCIDAWas tut's?

TEBALDOUnd ihre Männer?

PROCIDAWas fragst du? Du weisst, dem Sieger …

ROBERTONun?

PROCIDAIst alles erlaubt!

zu Roberto

TEBALDOIch kenn ein schönes Gemälde …

auflachend

ROBERTOHa! Du meinst den Raub der Sabiner Frauen!

grimmig für sich

PROCIDADas waren Römer!

ROBERTOWer gleicht auf Erden wohl

ROBERTOIm Liebeskampf

ROBERTOUns, den lustigen Franzosen.

Die Soldaten stürzen sich plötzlich auf die Mädchen und reissen sie mit sich fort. ROBERTO ergreift NINETTA. Die Sizilianer suchen den Raub zu hindern, weichen aber vor den Schwertern angstvoll zurück

FRANZOSENHei, ihr schönen Frauen,

FRANZOSENRundlich und fein;

FRANZOSENEi, lasst euch doch beschauen,

FRANZOSENIhr sollt unser sein!

FRANZOSENWir sind hier die Sieger,

FRANZOSENWir nur allein,

FRANZOSENDes stolzen Frankreichs Krieger.

FRANZOSENIhr müsst unser sein!

SIZILIANERNach wehrlosen Frauen

SIZILIANERIn schamloser Gier

SIZILIANERWie lüstern sie schauen

SIZILIANERBeim frohen Feste hier.

SIZILIANEROb kühn sie sich wehre,

SIZILIANERIn angstvoller Wut,

SIZILIANERSie rauben die Ehre,

SIZILIANERDas Weib, das Land, das Gut.

erhaschend

NINETTAHalt, du Schöne, du sollst mich küssen!

NINETTALass mich gehen!

ROBERTONein, du sollst mein Liebchen sein!

ROBERTOLass dich küssen!

auf DANIELI zeigend

ROBERTOIch bin doch schöner als jener Bauer da!

zu Soldaten, die auf ELENA eindringen

ROBERTOHalt da! Respekt vor dieser!

auf PROCIDA weisend

ROBERTODenn sie gehört ja dem dort!

ROBERTODem guten Freund, der uns so gut geraten.

ROBERTORespekt! Die ist nicht für uns.

ROBERTOSie bleibe bei ihm.

SYSTEMWiederholung des Doppelchores

Die Franzosen stürmen mit den geraubten Mädchen ab. Die Sizilianer bleiben in Niedergeschlagenheit zurück. ELENA und PROCIDA beobachten sie gespannt

CHOR DER SIZILIANERDiese Schmach, die uns traf,

CHOR DER SIZILIANERWeckt die Scham in der Brust.

CHOR DER SIZILIANEROhne Mut liess ich ziehn,

CHOR DER SIZILIANEROhne Kampf meine Braut.

CHOR DER SIZILIANERFühlst du nicht, wie das Herz

CHOR DER SIZILIANERVoller Wut sich erregt,

CHOR DER SIZILIANERDass der Zorn wie ein Sturm

CHOR DER SIZILIANERIn der Brust sich erhebt?

auf PROCIDA zeigend

ELENANur er hat mich verteidigt!

PROCIDAVor mir nur wich der Feind!

ELENASie achten nur die Tapfern!

PROCIDAUnd spotten eurer Furcht!

niedergeschlagen

CHOR's ist wahr!

zu DANIELI

ELENAUnd du, Feigster aller Feigen!

PROCIDAErrötest nicht vor Scham?

ELENALässt dir die Braut entführen …

PROCIDAUnd tötest den Räuber nicht!

in tiefer Verachtung

PROCIDASie stehn und zagen …

PROCIDAUnd ihre Frauen küsst der rohe Feind!

ELENADie achten ihn wohl mehr als ihre Männer,

ELENADie erduldet solche Schmach!

in wildem Ausbruch

CHORAh! Diese Schmach... usw.

CHORHeiaha! Heiaha!

CHORWir stürmen zur Rache,

CHORWir rächen die Schmach!

CHORAuf zur Rache, zur Tat!

Im Hintergrunde fährt ein reichgeschmücktes Schiff vorbei. An seinem Bord französische Offiziere; darunter Graf VAUDEMONT, elegante Frauen. Alles in fröhlichster Laune

CHOR AUF DEM SCHIFFAuf den weichen sanften Wellen

CHOR AUF DEM SCHIFFWiegt sich wonnig unserKiel,

CHOR AUF DEM SCHIFFSingt, ihr fröhlichen Gesellen,

CHOR AUF DEM SCHIFFSingt zur Arbeit, singt zum Spiel!

CHOR AUF DEM SCHIFFHolde Frauen blicken munter,

CHOR AUF DEM SCHIFFNeigen lieblich Mund und Ohr.

CHOR AUF DEM SCHIFFSinkt die Sonne mild hinunter,

CHOR AUF DEM SCHIFFSteigt für uns der Tag empor.

CHOR AUF DEM SCHIFFWir grüssen dich mit Wonne,

CHOR AUF DEM SCHIFFFreudenvolle Nacht!

CHOR AUF DEM SCHIFFO Mond, sei unsre Sonne

CHOR AUF DEM SCHIFFIn deiner Silberpracht!

Die Sizilianer sind zunächst neugierig dazugelaufen. Dann sammeln sie sich um ELENA und PROCIDA

PROCIDAer sind die Laffen, die üppigen Weiber?

PROCIDAWohin geht die Fahrt?

ELENAZum Maskenfest bei Montfort!

PROCIDADank dir, Geschick,

PROCIDADu gibst sie in unsre Hand!

PROCIDAELENA und CHOR

PROCIDAWas meinst du?

PROCIDAUnter Masken versteckt

PROCIDADringen wir in den Palast.

PROCIDAWie fröhliche Gäste umringen wir sie

PROCIDAUnd alle müssen fallen!

PROCIDAAls erster der Tyrann!

ängstlich zitternd

DANIELISie führen Degen!

ihn wild anfahrend

PROCIDADen Dolch führen wir!

PROCIDADoppelchor

Texte wie oben

SYSTEMDRITTER AUFZUG

SYSTEMERSTE SZENE

Das Kabinett des Guy de Montfort in Palermo

SYSTEMRezitativ

am Schreibtisch sitzend

MONTFORTJa - ich gesteh' es,

MONTFORTIch war in Schuld!

MONTFORTIch entführte sie, die Stolze!

MONTFORTUnd ich raubt' ihr die Ehre.

MONTFORTDoch sie entfloh.

MONTFORTFür lange Jahre

MONTFORTMeinen zärtlichen Armen

MONTFORTEntriss sie den Sohn

MONTFORTUnd erzog ihn im Hass

MONTFORTGegen mich, seinen Vater!

MONTFORTGrausamer doch als ich

MONTFORTIst sie, die das verschuldet!

MONTFORTErst in der Todesstunde

MONTFORTVerriet sie, wer er ist.

MONTFORTUnd nun enthüllt sich mir

MONTFORTDas furchtbare Geheimnis.

MONTFORTEr zieht einen Brief hervor und liest

MONTFORT"O du, der keinen schont,

MONTFORTWenn das Schwert des Henkers

MONTFORTArrigo Nota droht,

MONTFORTDem Stolze seines Landes ..

MONTFORTSein schuldlos Haupt doch schone,

MONTFORTEs ist das Haupt deines Sohnes."

MONTFORTMein Sohn, mein teurer Sohn!

BÉTHUNE tritt auf

BÉTHUNEDer Kavalier trotzte dem strengen Befehl,

BÉTHUNESo brauchten wir Gewalt!

MONTFORT's ist gut!

BÉTHUNEUnd welche Strafe trifft den Kühnen!

MONTFORTWas Strafe? Die grösste Ehre

MONTFORTSoll man ihm erweisen.

MONTFORTFührt ihn zu mir, allein will ich ihn sprechen.

BÉTHUNE ab

SYSTEMArie

MONTFORTIn Glanz und Pracht gebiet ich hier,

MONTFORTAls Herrscher über dieses Land,

MONTFORTUnd doch, wie brennt im Herze mir

MONTFORTDie Sehnsucht nach einer Seele,

MONTFORTDie mich liebt.

MONTFORTAllein bin ich

MONTFORTIm Prunkgemach,

MONTFORTIch bin allein -

MONTFORTIn Herrscherglanz und Fürstenpracht

MONTFORTAllein!

MONTFORTUnd niemand weiss, wie leer dies Herz,

MONTFORTWie kalt und schwer!

MONTFORTAllein - auf Gottes Erde allein!

MONTFORTNun leuchtet mild mir Armen

MONTFORTEin Licht, ein freundliches Licht!

MONTFORTMit dir zu leben nun für alle Zeit,

MONTFORTTrauter, lieber Sohn!

MONTFORTDer so lang meiner Liebe verloren,

MONTFORTDer so lang nur Hass empfand,

MONTFORTFreudig soll er heut mich Vater nennen!

MONTFORTFreudig grüss ich dich!

MONTFORTIn trauter Liebe halt ich dich nun fest,

MONTFORTMein teurer Sohn!

MONTFORTIn Glanz und Pracht …

wie oben

MONTFORTGlücklich bin ich,

MONTFORTSo froh und glücklich!

MONTFORTDen Sohn, den verlornen,

MONTFORTNun halt' ich ihn für alle Zeit!

SYSTEMZWEITE SZENE

ARRIGO wird von zwei Pagen hereingeführt

ARRIGOWach' oder träum' ich?

ARRIGOMit Ehrfurcht begegnet mir alles.

ARRIGOGefangen wähnt' ich mich,

ARRIGOFrei darf ich gehen, wie ein edler Gast?

zu MONTFORT

ARRIGOWarum spielst du mit mir?

ARRIGOWas sollen diese Ehren für den Feind,

ARRIGODen bei dir der Tod nur erwartet?

MONTFORTDer Tod? O nein! Dein Leben

MONTFORTWill ich nicht.

MONTFORTFrei bist du wie ich selbst.

MONTFORTNun magst du ohne Zagen

MONTFORTDas Messer zücken

MONTFORTAls feiger Verschwörer …

ARRIGOWer den Tyrannen schlägt,

ARRIGOIst kein Feiger!

ARRIGOIch kämpfe für mein Land!

MONTFORTAls schlechter Kämpfer!

MONTFORTWir führen das Schwert,

MONTFORTIhr zuckt den Dolch!

MONTFORTIhr wagt ja nicht, ins Auge mir zu sehn.

MONTFORTBlick auf! Hier steht der Feind!

MONTFORTOhne Schwert, ohne Dolch!

ARRIGOZu deinem Glück!

MONTFORT,Ist dies der Dank für meine Güte?

MONTFORT,Ich schenkte dir das Leben,

MONTFORT,Du willst meinen Tod!

MONTFORT,Deinen Dank durft' ich erwarten,

MONTFORT,Undank nur find' ich.

ARRIGOWarum Dank?

MONTPORTAls ich mein Herz dir zugewendet,

MONTPORTAls mich dein Schicksal innig bewegt',

MONTPORTAls den Rebellen mild ich schonte,

MONTPORTHat kein Gefühl das Herz dir erregt?

für sich

ARRIGOWas soll die Frage?

ARRIGOWie mild und freundlich

ARRIGOKlingt diese Stimme mir in die Seele!

ARRIGOWas bewegt ihn?

MONTFORTSo kennst du nicht der Liebe Stimme,

MONTFORTdie auch den strengen Sinn bewegt?

MONTFORTDu siehst im Auge Tränen blinken,

MONTFORTUnd kein Gefühl hat das Herz dir erregt?

für sich

ARRIGOZu neuer Qual, zu neuem Kampf

ARRIGOHat ein. hartes Geschick

ARRIGOMich Armen verdammt!

MONTFORTNun denn, du Harter,

MONTFORTWenn keine Bitte

MONTFORTDein kaltes Herz zu rühren vermag,

MONTFORTRuf ich als Zeugin -

MONTFORTDeine Mutter!

ARRIGOMeine Mutter?

gibt ihm den Brief

MONTFORTHier, lies!

SYSTEMDuett

ihn betrachtend

MONTFORTSeh ich vor mir dieses Antlitz, die Züge,

MONTFORTFühl ich, wie hoch mein Herz in Freude schlägt!

MONTFORTEndlich blüht mir dies höchste Glück auf Erden:

MONTFORTEinen gibt es nun, den froh als Sohn ich grüssen darf!

ARRIGOMutter? Ist's wahr?

ARRIGOWach' ich oder träum' ich?

ARRIGODer Mutter Hand ... ?

er liest

ARRIGOO Gott, was seh' ich -

ARRIGOEr mein Vater?

ARRIGOJammer und Schande

ARRIGOWird nun mein Los.

ARRIGOEr mein Vater? Unser Feind?

ARRIGONun fällt auf mich

ARRIGODes Schicksals harte,

ARRIGOSchwere Faust!

ARRIGOAlles Glück verloren,

ARRIGOAller Mut dahin,

ARRIGOMein Heldentum dahin!

MONTFORTDoch wie, du wendest dich von mir, mein Sohn?

MONTFORTSo weisst du nicht, wer ich bin?

in tiefem Schmerz für sich

ARRIGOWeh', dich muss ich lassen.

ARRIGOElena, auf ewig verloren!

MONTFORTKennst du nicht meine Macht?

MONTFORTMächtiger als ein König - ich bin Montfort!

MONTFORTWas du verlangst, es soll dein eigen sein.

MONTFORTWas du nur willst, ich kann es dir gewähren.

MONTFORTAnsehn, Waffenruhm, Reichtum und Ehre,

MONTFORTWas nur der Stolz ersehnt, es liegt in meiner Hand!

ARRIGOWas frommt mir Ruhm?

ARRIGOWas frommt mir die Macht,

ARRIGODem alles Glück entschwand?

MONTFORTDu weisst nicht, was du sagst -

MONTFORTDu, eines Mannes Sohn,

MONTFORTDess' ruhmgekrönter Name ...

in höchster Leidenschaft

ARRIGODein Name sei verflucht!

SYSTEMDuett

MONTFORTFluch aus Sohnesmunde!

MONTFORTTiefe Herzenswunde

MONTFORTSchlägt mir diese Stunde,

MONTFORTZugrunde muss ich gehn!

MONTFORTHat Gott mich so geschlagen?

MONTFORTAch, nimmer kann ich's wagen,

MONTFORT"Mein Sohn" zu ihm zu sagen,

MONTFORTNein, nie wird das geschehn!

ARRIGOFluch der bösen Stunde,

ARRIGOFluch der schlimmen Kunde!

ARRIGOSie schlug mir diese Wunde -

ARRIGOZugrunde muss ich gehn.

ARRIGOHat Gott mich geschlagen?

ARRIGOWie soll ich es tragen?

ARRIGOAch, nie kann ich's wagen,

ARRIGOVor der Teuren zu stehn!

MONTFORTArrigo, bleibe!

ARRIGOOh, lass mich gehen!

MONTFORTAll meine Bitten,

MONTFORTAll meine Klagen,

MONTFORTAll meine Tränen

MONTFORTKönnen das Herz, das harte, nicht rühren?

ARRIGO,Wenn wahrhaft du mich liebst,

ARRIGO,So lass mich fliehen von hier,

ARRIGO,Wo schwerstes Leid mich traf,

ARRIGO,Lass mich fliehn in die Ferne!

MONTFORTAll meine Bitten

MONTFORTll meine Tränen,

MONTFORTGrausamer,

MONTFORTDringen sie nicht in dein Herz?

MONTFORTLässt du den Vater flehn?

er reicht ihm die Hand hin

ARRIGOAch, wie gern fasst ich deine Hand,

ARRIGOWeh', ich kann nicht!

MONTFORT,Was hält dich zurück?

ARRIGODas Bild meiner Mutter!

ARRIGOEs steht zwischen Sohn und Vater!

ARRIGOSie war dein Opfer,

ARRIGODeiner Leidenschaften Opfer.

ARRIGOWie kann ich schwanken

ARRIGOZwischen dir und ihr?

ARRIGOMutter, dir gehört dein Sohn!

MONTFORT,O Sohn! Weh'! Mein Sohn!

SYSTEMDuett

MONTFORTO hör mich flehen!

MONTFORTDu Undankbarer!

MONTFORTDen Vater, der bittet,

MONTFORTHörst du ich nicht?

MONTFORTÖffne die Arme dem Vater,

MONTFORTDer bittet!

MONTFORTKomm zu mir, o Sohn!

ARRIGOTeuerste Mutter, so segne mich Armen,

ARRIGODir schlägt dies Herz,

ARRIGOUnd dir gehör' ich an.

ARRIGOSei du mein Schutz,

ARRIGOMein Schirm in allen Leiden!

ARRIGOTeure Mutter, steh' zu mir

ARRIGOUnd bete du für mich!

SYSTEMDRITTE SZENE

SYSTEMVERWANDLUNG

Die Szene stellt einen grossen Festsaal im Palast Montforts dar

SYSTEMGrosse Pantomime ohne Text

SYSTEMVIERTE SZENE

CHORLasst froh uns geniessen die festlichen Stunden

CHORIn fröhlichem Tanze, der festlich uns vereint.

CHORWir singen und jauchzen in Liebe verbunden,

CHORBis hell am Morgenhimmel der bleiche Tag erscheint.

Die Menge verteilt sich in die anderen Räume. Die Bühne bleibt kurze Zeit leer. ARRIGO erscheint, von zwei Masken gefolgt

maskiert

PROCIDASei unbesorgt, die Freunde sind dir nah.

heftig erschreckend

ARRIGOO Gott, sie wagen sich hierher?

ELENASei unbesorgt, die Freunde sind dir nah.

ARRIGODiese Stimme! O Gott!

Die beiden nehmen die Masken ab

ARRIGODu Herrin, du selbst, Elena?

ARRIGOIm Palaste eures Feindes?

ARRIGODoch warum kommt ihr hierher?

ELENADich zu retten…

PROCIDAUnd uns zu rächen an dem Feind!

erschrickt heftig

ARRIGOGott! Nur leise, leise

ARRIGOFür mich selbst …

ARRIGOHab' nichts zu fürchten -

ARRIGOIch bin frei!

ARRIGODoch ihr - ihr seid seinem Grimm verfallen,

ARRIGOFlieht ihr eilig nicht von hier.

PROCIDAOhne Sorge, keín Feind wird uns …

da einige Franzosen sich nähern

ARRIGOLeise, leise!... Welche Qual!

FröhIichkeit heuchelnd

ALLE DREILasst froh uns geniessen …usw.

Die Franzosen haben sich entfernt

ELENAIn diesen weiten Räumen,

ELENAWo die Paare froh sich drehen.

PROCIDAVerstecken sich die unsern,

PROCIDAWohl verborgen, unter Masken.

Arrigo ein farbiges Band anheftend

ELENAUnd all tragen dieses Band,

ELENADass sie sich schnell erkennen …

PROCIDAUnd all die tapfern Herzen

PROCIDADenken nur an ihr Gelöbnis!

ELENAIn wenig Augenblicken blitzen hier

ELENADie scharfen Dolche!

PROCIDAIn Mitten seiner Schergen

PROCIDATrifft Montfort der Tod!

für sich

ARRIGOGrosser Gott, wer rettet ihn?

betroffen

PROCIDAWas soll das Zagen?

verlegen

ARRIGOWenn jemand dich gehört? …

ARRIGOMontfort mit Gefolge tritt auf

ELENASeht dort!

PROCIDAMontfort!

ARRIGOTag des Schreckens!

sehr bestimmt

PROCIDAIn kurzer Frist - Hier!

sie verlìeren sich in die Menge

CHORLasst froh uns geniessen usw.

trìtt zu Arrigo

MONTFORTWohl ungewohnt ist dir dies Treiben.

MONTFORTGefällt es dir?

leise

ARRIGOBleib' fern dem Fest, denn dir droht Gefahr!

MONTFORTWas sagst du? Gefahr? Hier in meinem eignen Hause?

ARRIGOIch darf nicht sprechen und doch - ich bitt' dich, fliehe!

ARRIGOMir bangt es um dein Leben!

freudig bewegt

MONTFORTO Freude! Zum ersten Male hör ich ein liebes Wort!

MONTFORTDu bangst um mich, du bangst um deinen Vater?

MONTFORTDu liebst mich doch, mein Sohn?

MONTFORTDu willst mich Vater nennen?

heftig

ARRIGONein, o nein!

MONTFORTDann bleib' ich hier!

ARRIGOO glaube meinem Wort, sie wollen deinen Tod!

verächtlich

MONTFORTWollen? Sie wagen's nicht!

auf das Band zeigend

ARRIGOBei diesem Zeichen hab' ich selbst geschworen ...

MONTFORTDu selber?

MONTFORTDieses Zeichen der Schande ist kein Schmuck für Tapfre!

MONTFORTBebst du? Fühlst du die Schmach?

er reisst ihm das Band ab

MONTFORTEin feiger Verschwörer?

MONTFORTDu bebst bei diesem Wort?

MONTFORTDu bist kein feiger Mörder!

ARRIGOZu kämpfen für sein Land ist ehrenvoll und gut!

ARRIGODoch du … o fliehe! Rette dich!

ARRIGOLass mich umsonst nicht bitten, geh!

stolz

MONTFORTIch weiche nicht!

Die Verschworenen nähern sich von hinten

ARRIGOSchon schleichen sie dir näher,

ARRIGOSie drängen sich zu ...

ARRIGOSchon seh' ich Dolche blitzen …

Die Verschworenen umringen MONTFORT

mit gehobenem DoIch

PROCIDAAuf, Freunde, auf!

PROCIDAFrankreichs letzter Tag!

PROCIDAZu mir Sizilianer!

ELENA ist als erste auf MONTFORT eingedrungen. ARRIGO springt dazwischen und schützt ihn

ARRIGOHaltet ein!

MONTFORTFrankreich zu mir!

Die französischen Ritter stürzen vor und umgeben ihn mit gezückten Degen. Die Verschwörer weichen zurück

zu VAUDEMONT und BÉTHUNE

MONTFORTWer dieses Verräterzeichen trägt,

MONTFORTDen trifft des Henkers Schwert!

MONTFORTFür sie der Tod!

auf ARRIGO weisend

MONTFORTDer sei verschont! Er rettete mein Leben!

für sich

PROCIDAEr - ein Verräter!

MONTFORTDìeser ehrliche Feind,

MONTFORTEr warnte mich vor jenen!

MONTFORTDen feigen Mörderplan

MONTFORTHat der EdIe verraten!

SYSTEMDoppelchor der Sizilianer und Franzosen

ELENA, PROCIDA UND DIE SIZILIANEREr, dem alles wir vertrauten,

ELENA, PROCIDA UND DIE SIZILIANEREr, auf den wir alles bauten,

ELENA, PROCIDA UND DIE SIZILIANERDer als Führer vor uns stand,

ELENA, PROCIDA UND DIE SIZILIANEREr verriet sein Vaterland!

ELENA, PROCIDA UND DIE SIZILIANERO heilige Flamme, die hell im Herzen mir loht,

ELENA, PROCIDA UND DIE SIZILIANERnun bist du erdrückt und dein helles Licht

ELENA, PROCIDA UND DIE SIZILIANERLeuchtet nimmer mir!

in hoher Begeisterung

ELENA, PROCIDA UND DIE SIZILIANERDoch stolz will ich zurn Tode gehn,

ELENA, PROCIDA UND DIE SIZILIANERFür dich, o teures Heimatland,

ELENA, PROCIDA UND DIE SIZILIANERFür dich will gern ich sterben,

ELENA, PROCIDA UND DIE SIZILIANERFür dich zum Tode gehn!

zugleich

ARRIGOSchande mir, dem sie vertrauten,

ARRIGOMir, auf den sie alles bauten,

ARRIGODen zum Führer sie ernannt,

ARRIGOIch verriet mein Vaterland!

ARRIGOIch ward zum Verräter

ARRIGOAm eigenen Lande,

ARRIGOO Jammer, o Schande,

ARRIGOO furchtbares Los!

ARRIGOIhr Hass muss mich treffen,

ARRIGOSie muss mich verachten,

ARRIGODie einst mich geliebt!

ARRIGOIch wollte sie rächen,

ARRIGONun bin ich ihr Mörder!

ARRIGODie Hohe, die Edle -

ARRIGOUnsagbarer Jammer,

ARRIGOUnsagbarer Schmerz!

ARRIGODurch mich muss sie zu Tode gehn!

ARRIGOMONTFORT und DIE FRANZOSEN

zugleich

ARRIGOEr, dem alles sie vertrauten,

ARRIGOEr, auf den sie alles bauten,

ARRIGODen zum Führer sie ernannt,

ARRIGOSchützte mich (ihn) vor ihrer Hand!

ARRIGOIn Frankreichs lachenden Fluren

ARRIGOFindest du nun ein neues Vaterland.

ARRIGOO komm mit mir (uns),

ARRIGOAls mein (sein) lieber Sohn!

ARRIGOGeehrt und gepriesen, von allen erhoben,

ARRIGOAls Ritter und Held wirst du bei mir (ihm) stehn!

nähert sich flehend ELENA und PROCIDA

ARRIGOElena! Lass dich erflehn …

ARRIGOO Freunde, hört nur ein Wort …

ARRIGOPROCIDA und SIZILIANER

ARRIGOZurück, Verräter! Zurück!

ARRIGOKeiner von uns glaubt deinem Wort!

zu ARRIGO

MONTFORTIch kann dich schützen vor jenen,

MONTFORTSicher bist du bei mir!

ARRIGODeinen Schutz veracht' ich!

ARRIGOCHOR und PROCIDA

ARRIGOFeiger Verrräter, Hass und Verachtung

ARRIGOSei dein Los!

ARRIGOHass und Verachtung auf sein Haupt!

ARRIGOFür uns díe Ehre, der Tod für uns!

ARRIGOFür dich die Schmach!

SYSTEMSchlusschor

ARRIGOO heilige Flamme …

usw.

ARRIGOFür uns die Ehre!

ARRIGOFür dich die Schmach!

Auf eine gebietende Geste von MONTFORT werden díe Verschworenen abgeführt. ARRIGO will ihnen nach, sie weisen ihn mit Verachtung zurück. Voller Verzweiflung schwankt er zurück und fällt in dìe Arme des Vaters

SYSTEMVIERTER AUFZUG

Im Hof der Festung von Palermo. Das vergitterte Tor im Hintergrunde wird von Soldaten bewacht

SYSTEMERSTE SZENE

SYSTEMRezitativ und Arie

am Tor, den Soldaten ein Papier zeigend

ARRIGODies Blatt mit Montforts Siegel

ARRIGOGibt Zutritt mir zur Festung

ARRIGOUnd auch zu den Gefang'nen.

ARRIGOFührt sie zu mir!

er tritt in den Hof

ARRIGOIhr verschmachtet in Ketten,

ARRIGOIn düstrer Kerkergruft

ARRIGODurch meine,Schuld!

ARRIGOUnd ich, der euch

ARRIGODies Elend brachte,

ARRIGOBin frei aller Bande!

ARRIGOEhrlos erschein ich euch - doch weh -

ARRIGOIch kann rnich nicht Iösen von den Ehren,

ARRIGODie mich erdrücken!

ARRIGOO unglücksel'ge Güte,

ARRIGODie das Leben mir schenkt

ARRIGOUnd die Ehre mir raubt!

ARRIGOO rätselvolles Schicksal!

ARRIGONur Schicksal ist's, nicht Schuld -

ARRIGOSie sollen's nun erfahren!

ARRIGOWas kann ich ihnen sagen,

ARRIGOIch, des Verrates schuldig,

ARRIGODer ins Elend sie stiess,

ARRIGOIch, den sie hassen,

ARRIGOUnd der für sie sein Leben liess!

ARRIGOWem soll ich sagen,

ARRIGOWas mich betroffen?

ARRIGOLieben und Hoffen

ARRIGODarf ich nicht mehr!

ARRIGOGoldene Träume,

ARRIGODie mich beglückten,

ARRIGODie mich entzückten,

ARRIGOIhr kommt nicht mehr!

ARRIGOKeiner von ihnen

ARRIGOWird zu mir stehen,

ARRIGOIch muss vergehen

ARRIGOVor ihrer Wut!

ARRIGOVor dir, Elena,

ARRIGOSoll ich erbeben?

ARRIGONimmer zumLeben

ARRIGOFind' ich den Mut!

er schrickt auf

ARRIGOWer kommt? Ich zittre ...

ARRIGOKaum wag' ich zu atmen!

ARRIGOSie ist es! Nun wird ihr Hass

ARRIGOMich ganz vernichten!

ARRIGOSie wird mir fluchen,

ARRIGOMir, der so innig sie liebt!

ARRIGOWohin entfliehen vor solcher Schande?

ARRIGOKann ich sie sehen; kann ich's ertragen?

ARRIGOUnd doch, ich muss es wagen -

ARRIGODas erheischt die Mannesehre!

wird hereingeführt. Sie tritt empört zurück

ELENAWagst du vor mir zu stehen,

ELENADer dies alles verschuldet?

ELENADu, ein feiger,Verräter

ELENAAm eigenen Vaterland?

ARRIGOElena, Geliebte, o höre mein Bitten!

ARRIGOHöre mich an! Dunkles Schicksal lastet auf mir,

ARRIGODen du des feigen Verrates zeihst!

verächtlich

ELENALiegst du nun zitternd im Staube vor mir?

ELENAFrag' dein Gewissen nach deiner Schuld! .

ELENADu flehst? Zitterst? O Schmach!

ELENASchmach und Schande falle auf dein Haupt!

richtet sich stolz auf

ARRIGOMein Gewissen ist rein

ARRIGOVor der Welt: und vor Gott!

ARRIGODes Geschickes Macht

ARRIGOSchuf dieseTat!

ARRIGOVor dem Höchsten allein

ARRIGOWill ich Rede stehn -

ARRIGOMein Herz weiss nichts

ARRIGOVon Verrat!

zugleich mit der Wiederholung

ELENAKeine Schuld? Du beklagst dein Schicksal?

ELENAUnd bist doch schuld an der Freunde Tod?

ELENADu allein, du bist schuldig!

ELENAWas klagst das Schicksal du an?

ELENAWas wir leiden, was uns trifft,

ELENAAlles ist nur deine Schuld!

ELENAWarst du es nicht, Unsel'ger,

ELENADer die Hand mir entwaffnet,

ELENADa den Dolch sie stiess

ELENAGegen das Herz des Tyrannen?

ARRIGOMeines Vaters!

tritt entsetzt zurück

ELENADeines Vaters?

ARRIGOFluch dem Band, das mich fesselt

ARRIGOAn den Vater, an ihn, der unser Land

ARRIGOIn Ketten schlug! Verflucht das Schicksal,

ARRIGODas all mein Glück in Stücke schlägt,

ARRIGOEwig dich mir raubt!

ARRIGOIn schwer Schicksalsstunde.

ARRIGOWie sollt' ich mich entscheiden?

ARRIGODes Bruders Tod zu rächen

ARRIGOHast du dich selbst geopfert -

ARRIGOIch tat mehr:

ARRIGOIch opferte dem Vater meine Ehre!

ELENAO unbegreiflich Schicksal!

ELENAO doppelt bittrer Schmerz!

ELENASeine Seele ist rein

ELENAVor der Welt und vor Gott.

ELENADes Geschickes

ELENAMacht schuf diese Tat.

ELENAVor dem Höchsten allein

ELENAHat er Rede zu stehn,

ELENASein Herz weiss nichts

ELENAVon Verrat.

ELENAUnglücksel'ger, deine Qualen

ELENAKenn' ich' nun. Ich weiss,

ELENADass keine Schuld dich drückt,

ELENADass deine Ehre noch rein!

ARRIGOWelche Qualen mich zerreissen,

ARRIGOSieht allein der höchste Gott.

ARRIGOWeisst du nun,

ARRIGOWas mich traf?

ARRIGOKennst du nun meineQual?

ARRIGODass grundlos euer harter Sinn

ARRIGOVerräter mich genannt -

ARRIGOWeisst du's nun?

ELENADoch das Band, das dich kettet ... ?

ARRIGOIch hab' es schon zerrissen!

ARRIGODas Leben gab er mir, ich rettete das seine!

ARRIGOSo hab' ich mich gelöst!

ARRIGOWach auf, o alter Hass!

ELENADoch Name, Rang und Macht?

ARRIGOAlles will ich gern verlieren

ARRIGOGewährt er mir um was ich

ARRIGOIhn bitten will,

ARRIGOGewährt er mir den heissen Wunsch:

ARRIGOMit dir vereint zu leben -

ARRIGOWill er den Tod - dann zu sterben mit dir!

hingebend

ELENAO Teurer, nun ist mein Herz befreit!

ELENABefreit von aller Qual!

ELENAIch darf den Edlen achten,

ELENADen ich ja lieben muss!

ELENAO glückliche Stunde,

ELENADie mir den Teuren wiedergab!

ELENAMit dir will gern, ich sterben,

ELENASeligen Tod sterb' ich vereint mit dir!

ELENADes Schicksals harte Hand

ELENAVersagt uns hier das Glück -

ELENANie wird der Liebe Band

ELENAIm Leben uns vereinen!

ELENADoch seliges Sterben

ELENAIst hohes, heil'ges Liebesglück!

ELENAArrigo, o Teurer, mit dir will

ELENAGern ich sterben,

ELENASeligen Tod sterb' ich vereint mit dir!

BEIDEO himmlisches Licht

BEIDELeuchte freundlich uns Armen.

BEIDEDu leuchtest so hell

BEIDEAuf unser Leid,

BEIDEAuf unser Glück!

BEIDEVor deinem Glanze

BEIDEErlischt alles Leid!

BEIDELeuchte uns uns himmlisches Licht,

BEIDEDass wir zur Heimat finden den Weg!

BEIDESo sterb ich denn vereint mit dir!

SYSTEMZWEITE SZENE UND FINALE

PROCIDA wird hereingeführt

ohne ARRIGO zu bemerken, zu ELENA

PROCIDAEin guter Freund, dem listig es gelang,

PROCIDAUnsre Schergen zu täuschen,

PROCIDAStellt' heut dies Schreiben mir zu.

liest leise

ELENA"Aragon schickt ein Schiff

ELENAZu eurer Hìlfe,

ELENASchon líegt es vor dem Hafen

ELENASchwer von Gold und Waffen.

verzweifelt

PROCIDAUnd ich schmachte in Ketten!

PROCIDAAh! Könnt ích nur entweichen

PROCIDAAus diesen Mauern!

PROCIDAEínen Tag nur - eine Stunde!

PROCIDAGrosser Gott! Làss das Wunder geschehen,

PROCIDADann will ích sterben.

er bemerkt ARRIGO

PROCIDADoch was ist das?

PROCIDADen Elenden seh' ich bei dir?

ELENAUns zu retten, kam er her!

PROCIDAO trau dem Lügner nicht!

MONTFORT mit BÉTHUNE und anderen Offizieren tritt auf

PROCIDAHa! Sieh da! Sein Beschützer!

zu MONTFORT

BÉTHUNEUnd was befiehlt der Herr?

MONTFORTHolt einen Priester zur letzten Beichte.

leise

BÉTHUNEDas Volk sammelt sich drohend …

MONTFORTDie Truppen sind bereit an den bestìmmten Plätzen.

MONTFORTSie harren der Befehle.

MONTFORTBeim ersten Zeichen der Empörung

MONTFORTErheben sie die Waffen! Dies mein Wille!

sich verneigend

BÉTHUNESoll geschehen!

zu MONTFORT

ARRIGOWas willst du tun?

MONTFORTWen'ge Augenblicke,

MONTFORTUnd ihre letzte Stunde schlägt -

MONTFORTZum Tod!

ARRIGOZum Tod?

für sich

PROCIDAO teure Heimat! Ich sterbe

PROCIDAUnd sollte für dich leben!

PROCIDAMit mir stirbst auch du!

zu MONTFORT

ARRIGOIch fleh' um Gnade für die Gefangenen!

ARRIGOHör' mich an:

ARRIGOBegnad'ge sie,

ARRIGOSonst töte mich mit ihnen!

freudig zu PROCINA

ELENAHast du gehört?

hart und stolz

PROCIDADer feige uns verraten,

PROCIDAWohl verdient er den Tod.

PROCIDADoch nícht fürs Vaterland!

zu ARRIGO

PROCIDAHinweg!

PROCIDAUnwürdig bist du

PROCIDASolcher hohen Ehre!

empörter Aufschrei

ARRIGOAh!

zu ARRlGO

MONTFORTDu siehst nun, wie hoch sie dich achten,

MONTFORTArrigo, dich, meinen Sohn!

PROCIDAWas?

ELENASein Sohn!

MONTFORTDas tun sie dir, dem süsser der Tod mit ihnen

MONTFORTAls der Ruhm mit uns!

SYSTEMEnsemble

PROCIDAEr, sein Sohn?

PROCIDANun erfüllt sich unser Schicksal!

PROCIDAHeimat, o Heimat, muss ich dich nun verlassen

PROCIDAMitten im Kampf um die Freiheit, das Glück?

PROCIDAIn meinem Grabe ruht deine Freiheit!

PROCIDAWeh! Mein Sizilien - ohne Hoffnung lass ich dich!

MONTFORTWenn erst der Tod uns befreit von diesen Rebellen,

MONTFORTKehrt der Friede zurück!

ARRIGOAh! Dein Grab, Elena, es ist die Heimat nun für mich,

ARRIGOHeimat und Glück!

ARRIGOIch sterbe gern mít dir, Geliebte!

ARRIGOMit dir zu sterben ist süsser Tod!

MONTFORTVon Krieg und Hass íst befreit

MONTFORTDas schöne Sizilien, dein Land!

PROCIDASiegreich zu sterben, welch hohes Glück -

PROCIDADoch, dích so zu verlassen - o welche Qual!

ELENALeb' wohl, du teure Heimat,

ELENAMein sonnentrunk'nes Vaterland!

ELENAIm Meeresrauschen leuchtet

ELENADein heller Felsenstrand!

ELENALeb' wohl!

ELENABlaues Meer, dein mächtig Rauschen

ELENAHör' ich nun zum letztenmal.

ELENABlaues Meer,

ELENADich seh' ich nicht mehr!

zu ELENA gewendet

ARRIGOSeh' ich dich zum letztenmal?

ARRIGOIch trag' es nicht, ich geh' mit dir,

ARRIGOMit dir zum Tod! Ich folge dir,

ARRIGOLeben, Sterben mit dir!

MONTFORTOhne ihr Haupt, ohne íhn,

MONTFORTIst ihre beste Kraft gebrochen,

MONTFORTIhr Stolz vernichtet.

MONTFORTOhne diesen Rebellen,

MONTFORTOhne seinen Dolch

MONTFORTSind wir alle befreit

MONTFORTVon Empörung und Krieg!

MONTFORTOhne ihn findet díe Ruh'

MONTFORTUnser schönes Land!

PROCIDAMein armes Land, ohne mich

PROCIDAIst deine beste Kraft dahin.

PROCIDAMuss ich dich Iassen, grausam geknechtet?

PROCIDAKann ich es fassen, dies schwere Los?

PROCIDAMein armes Land!

unsichtbar

CHORDe profundìs clamavi a te, domine!

CHORExaudi orationem meam!

PROCIDAKnie nieder, o Tochter,

PROCIDAWir stehen bald vor Gott!

PROCIDASchon fühl' ich Himmelsglanz um mich!

ELENAIch seh' den Bruder wieder!

zu MONTFORT

ARRIGOHalt ein! Ich flehe!

ARRIGOO, lass sie leben, sonst sterb' ich

ARRIGOHier mit ihnen!

hart abwehrend

MONTFORTDu wagst, für sie zu bitten?

MONTFORTDu, der du selber schuldig?

MONTFORTMit welchem Recht wagst du

MONTFORTFür die Verschworenen zu sprechen?

milde und zärtlich

MONTFORTDoch fragst du mich als Sohn ...

MONTFORTDem Sohn gewähr' ich alles!

MONTFORTNenne mich Vater, Arrigo,

MONTFORTUnd Gnade gewähr' ich ihnen!

auf das andringende Volk weisend

MONTFORTVergebens wird dies Volk

MONTFORTVor mir im Staube knien.

MONTFORTNenne mich deinen Vater, o Sohn -

MONTFORTUnd sie sind frei!

leidenschaftlich

ELENAHalt ein, Arrigo!

ELENASag' es nicht und lass mich sterben!

ELENATodgeweihten versagt man keinen Wunsch!

drängend

MONTFORTNenne mich Vater

MONTFORTUnd jene dort sind frei!

MONTFORTSag': "Mein Vater", Sohn!

ELENAHalt ein, Arrigo,

ELENASag' es nicht und lass mich sterben!

in höchster Verzweiflung

ARRIGOO Gott, wo find' ich Hilfe?

Im Hintergrund öffnet sich ein breìtes Portal, zu dem Stufen emporführen, dahinter ein düsterer Saal. Mönche und Soldaten. Auf den Stufen steht der Henker

ARRIGOWas seh' ich?

kalt

MONTFORTDu siehst den Henker dort,

MONTFORTBereit zum Werke!

ARRIGOO harter Spruch! O schreckensvoller Anblick!

zwei Mönche treten zu ELENA und PROCIDA

ARRIGOWir sind bereit zum Opfertode!

ekstatisch

ELENAZur Glorie!

ELENAO teure Heimat, lebe wohl!

Der Henker berührt ELENA. In diesem Augenblick stürzt ARRIGO vor MONTFORT auf die Knie

ARRIGOMein Vater, o Vater!

in freudigster Bewegung

MONTFORTO freudevoller Tag!

zum Henker

MONTFORTLass sinken das Beil, halt' ein!

MONTFORTSie mögen leben!

MONTFORTUnd nicht genug der Gnade:

MONTFORTDass Freundschaft nun vereine

MONTFORTSizilien und Frankreich,

MONTFORTSei heut' der Bund geschlossen

MONTFORTZwischen ihr und Arrigo!

mit verhaltener Stimme

ELENANein! Nein!

leise zu ihr

PROCIDADu musst! Die Heimat Sizilien,

PROCIDADein Bruder gebiet't's,

PROCIDADu gehorche!

zum Volk

MONTFORTFriede sei nun zwischen uns!

MONTFORTIch fand den Sohn!

SYSTEMEnsemble

Chor und Solisten

MONTFORTARRIGO und ELENA

MONTFORTO Freudentag, der uns zusammenführt

MONTFORTZu ew'gem Bunde!

MONTFORTDem Höchsten sei gedankt

MONTFORTIn dieser hohen Feierstunde!

MONTFORTNun senkt sich hell des Lebens Sonne

MONTFORTTìef in unsre Herzen.

MONTFORTIn hellem Glanze strahlt derTag,

MONTFORTDer uns Erlösung gab.

MONTFORTHoIder Friede, komm, o komm!

MONTFORTO Freudentag, der mir den Sohn geschenkt,

MONTFORTZu trautem Bunde!

MONTFORTDer Frieden gab dem Land

MONTFORTIn dieser hohen Feierstunde!

MONTFORTDer Friede kehrt dem Land zurück,

MONTFORTNun komm, o Friede, komm in unsre Brust!

PROCIDAIhr Toren glaubt an Frieden, an Glück

PROCIDABei diesem Bunde?

PROCIDADas GIück ist falsch, denn bald

PROCIDASchIägt uns der Rache heil'ge Stunde!

PROCIDAIhr Toren traut dem falschen Glück?

PROCIDAKein Friede kehrt zu euch zurück!

PROCIDAFür euch nur Hass, kein Frieden,

PROCIDASo lang ihr lebt!

PROCIDANie sei Friede zwischen uns!

SYSTEMRezitativ

ARRIGOAh! Tag der Freude, heller Tag,

ARRIGODer nach dem Leid

ARRIGOUns glücklích macht!

ARRIGOSchon morgen stehn wir festlich am Altar?

MONTFORTNícht morgen, heute!

MONTFORTIm sanften Hauch der Abendluft,

MONTFORTIm Strahl der Abendsonne,

MONTFORTBeim hellen Klang der Vesperglocke!

ARRIGOO Freude ohnegleichen!

für sich

PROCIDADie Vesperglocke!

PROCIDADas sei das Zeichen -

PROCIDASie läute euch zum Tod!

SYSTEMEnsemble

PROCIDAELENA und ARRIGO

PROCIDAMit, dir vereint!

PROCIDANun leuchte hell des Lebens Sonne

PROCIDATief in unsre Herzen.

PROCIDAIn hellem Glanz erstrahlt der Tag,

PROCIDADer uns Erlösung gab.

PROCIDAGlanzvoll lichter Tag des Glücks.

PROCIDAVesperglocke Iäute uns,

PROCIDALäute uns zu ew'gem Glück!

MONTFORTDer Friede kehrt zurück

MONTFORTKein Neid, kein Hass

MONTFORTKann uns verderben.

MONTFORTZu End' aller Streit.

MONTFORTDie Vesperglocke läute euch,

MONTFORTSie läute euch zu ew'gem Glück!

PROCIDAIhr vertraut dem falschen Glücke,

PROCIDAToren seid ihr, blinde Toren,

PROCIDAUnser Hass wird euch verderben,

PROCIDAWird den Jubel blutig enden,

PROCIDAWenn die Vesperglocke schallt.

PROCIDADer heil'ge Tag der Rache naht!

PROCIDAVesperglocke läute nur!

PROCIDANicht zum Glück, nein zum Tod!

PROCIDADu läutest Rache, läutest Tod!

AlIgemeine Verbrüderung zwischen den Franzosen und SiziIianern.

MONTFORT führt ELENA und ARRIGO bei der Hand. PROCIDA abseits mit seinen Freunden denen er seinen Plan zu erklären scheint

SYSTEMFÜNFTER AUFZUG

Im Garten des Palastes von Montfort

SYSTEMERSTE SZENE

Man hört von ínnen Gesang. Auf der Bühne Mädchen, die Kränze flechten

von innen

MÄNNERCHORZu fröhlichem Spiel - Hei!

MÄNNERCHORZu fröhlichem Tanz -

MÄNNERCHORNun schlingt um die Stirn - Hei!

MÄNNERCHORDen festlichen Kranz!

MÄNNERCHORDer Frìede ist da - Hei!

MÄNNERCHORNun, droht uns kein Feind.

MÄNNERCHORHoch Frankreich - Sizilien

MÄNNERCHORAuf ewig vereint!

MÄNNERCHORHeil dem Paar, das solches Wunder schuf,

MÄNNERCHORHeil euch, Glückliche, seid uns gegrüsst!

auf der Bühne

CHOR DER MÄDCHENHeil dir, glückliche Stunde,

CHOR DER MÄDCHENHeil dir, glücklicher Tag,

CHOR DER MÄDCHENDer uns Sonne,

CHOR DER MÄDCHENDer uns Freude,

CHOR DER MÄDCHENDer uns Frieden gebracht!

ELENA tritt auf, als Braut geschmückt. Die Mädchen ihr entgegen mit Blumen

ELENAWie soll ich euch, ihr Treuen, danken?

ELENAFrühlingsgrüsse bringt ihr mir!

ELENADoch frischer als die Blumenranken,

ELENAFrischer, lieblicher seid ihr.

ELENAIhr schlingt um meine Liebe

ELENADen duft'gen Kranz der frohen Frühlingskìnder -

ELENADie grünen zarten Triebe

ELENASind hoffnungsfrohe, helle Glückesfinder.

ELENAie selig fühl' mein Herz ich schlagen,

ELENADas schwer in dunklen Banden lag,

ELENANur einem will ich alles sagen.

ELENAAn diesem hellen Frühlingstag.

CHORMit duftigen Kränzen umweben wìr dich,

CHORIn lustigen Tänzen umschweben wir dich!

CHORHeil sei dem Tag, der dieses Glück gebracht!

SYSTEMZWEITE SZENE

ARRIGO tritt auf, ohne zunächst ELENA zu bemerken

ARRIGOIn leisem Wehen streicht der West

ARRIGOUm Baum und Strauch,

ARRIGOEr führt mit sich der Blütendüfte

ARRIGOZarten Hauch!

ARRIGODie Brunnen rauschen leiser heut,

ARRIGOIhr nimmermüdes Lied -

ARRIGOUnd Gottes Odem mild und rein

ARRIGODurchs Herz mir zieht.

ARRIGORings wonnevolles Schweigen,

ARRIGODie Bäume still sich neigen,

ARRIGOAls wüssten sie, dass dìeses Herz

ARRIGOIn heisser Liebe aufgebIüht.

ELENAAuf ewig bin ich dein,

ELENAIn Tod und Leben dein!

ELENAARRIGO und ELENA

ELENAO heil'ges Glück, das nun mein Herz

ELENAMit Sonne füllt.

ELENAWie lange, ach, war mein Geschick

ELENAIn Nacht verhüllt.

ELENANun atmet froh und tief die Brust

ELENADas Liebesglück.

ELENAKein Leid, kein Kummer stösst mich in

ELENADie Nacht zurück,

ELENADa du mich liebst!

Einige Offiziere treten auf, um ARRIGO abzuholen

ARRIGOBereit bin ich zu folgen!

ARRIGOZum Vater lass mich eilen,

ARRIGODoch bald seh' ich dich wieder!

SYSTEMDRITTE SZENE

ELENA und PROCIDA

PROCIDA tritt auf

PROCIDADeiner Grossmut und Treue, o Herrin,

PROCIDADankt die Heimat heute alles!

ELENAWarum Dank?

freudig bewegt

PROCIDADie Feinde haben alle Plätze verlassen,

PROCIDAIn unserer Hand sind nun Tore und Wälle.

PROCIDAIn Festtagskleidern, geschmückt zu frohem Tanze

PROCIDABereiten sie sich auf das Fest, ohne Wehr und Waffe.

erregt

ELENAWas willst du damit sagen?

PROCIDAVor dir sei nichts verborgen:

PROCIDAIst deinen Lippen entfloh'n

PROCIDADas schicksalsschwere: Ja!

PROCIDAUnd künden laut von den Türmen

PROCIDADie Glocken, dass euer Bund geschlossen,

PROCIDADann ist es Zeit!

PROCIDAPalermo erhebt sich und das Morden beginnt!

in höchster Erregung

ELENAIm Gotteshaus - wie?

ELENAVor Gottes Altar?

ELENAUnd die gelobte Treue …?

PROCIDADie Treue gìlt dir mehr als deine Heimat?

PROCIDAFür sie gäb' ich alles!

ELENAAuch die Ehre?

PROCIDAAuch sie!

ELENANein! Nein!

PROCIDABist du so schwach?

PROCIDAIst aller Hass verglommen?

PROCIDAHat dem Lande dich geraubt

PROCIDADer Kuss des schönen Franken?

PROCIDAWählst den Sohn unsres Feindes zum Geliebten?

empört

ELENA's ist mein Gatte!

PROCIDADu wagst ihn zu schützen?

ELENAJa!

PROCIDADu wagst es?

ELENAIch wage es!

ARRIGO wird sichtbar

ELENASieh ihn dort - er kommt!

PROCIDAWas zagst du? Geh zu ìhm - geh, geh!

PROCIDAVerrat' uns alle - was gilt dir noch mein Haupt?

PROCIDAVerrate die Deinen und dein Land!

für sich

ELENAIch die Freunde verraten? Nein - doch,

ELENAWelche Qual! Ich töte meinen Gatten

ELENADurch meinen Treueschwur! Ich kann nicht …

in freudiger Erregung

ARRIGOHoch flattern nun im SonnengIanz

ARRIGODie Banner keck im Winde

ARRIGOUnd lauten Jubels Widerhall

ARRIGOTönt fröhlich durch die Gassen!

zugleich

für sich

ELENA"Ist deinen Lippen entfloh'n

ELENADas schicksalsschwere: Ja!

ELENAUnd künden laut von den Türmen

ELENADie Glocken, dass euer Bund

ELENAAm Altar ward geschlossen, beginnt das Morden -"

ELENAO Gott, wie soll ich mich entscheiden!

ELENAFurchtbares Los! Was soll ich wählen?

ELENAGattentreue? Freundesverrat?

ELENABruder, o Bruder, sieh meine Qualen,

ELENAHilf mir, o Bruder, in meiner Not!

ELENASteh' mir bei!

für sich

ARRIGODoch was seh' ich? Wie sie zittert!

ARRIGOWie bleich sind ihre Wangen?

ARRIGOIhr Blick ist starr...

zu ELENA

ARRIGOWas kann dich so erregen?

ARRIGOO rede!

PROCIDAJa rede - wenn du's wagst!

ARRIGORede, o rede, ende die Qualen,

ARRIGOEnde die Pein!

PROCIDAWas dich einst trieb, mit uns zu sterben,

PROCIDAWas du so kühn uns einst gelobt,

PROCIDAWeisst du's nicht mehr?

PROCIDADenk' an dein Land, an deinen Schwur!

PROCIDAAn deine Treue, an deine Ehre!

PROCIDADenk' an ihn, der schmählich den Bruder erschlug!

ARRIGOEin einz'ger Blick aus deinen Augen

ARRIGOKann mich erlösen aus schwerer Qual -

ARRIGOEin einz'ges Wort von deinen Lippen

ARRIGOIst für mich ein tröstender Sonnenstrahl!

SYSTEMRezitativ

blickt zuerst PROCIDA an, dann ARRIGO

ELENAZwìschen uns beiden hebt sich drohend

ELENAEin blut'ger Schatten.

ELENAMeines Bruders im Tod erstarrtes Antlitz! Ja, ich seh' es!

ELENAWehe!

ELENAEs steht vor mir! Vergib, Arrìgo -

ELENANie kann ich dir gehören.

ELENAARRIGO und PROCIDA

ELENAWas sagst du?

ELENAMeine Liebe ist dein -

ELENADoch uns trennt das Geschick!

ELENAGeh! Geh! Mich lieben, heisst sterben,

ELENAHeisst Tod! Flieh'! O flieh' dem Schicksal!

für sich

ELENADass er dem Tod entrinne,

ELENAIst alles, was ich hoffe.

ARRIGOO Gott, was muss ich hören?

ARRIGODu raubst mir Leben und Glück!

PROCIDANun ist alles verlorenl

PROCIDAMeine Rache mir rauben!

SYSTEMEnsemble

ARRIGO, ELENA, PROCIDA

ARRIGODu betrogst mich Ahnungslosen -

ARRIGOFalsche Treue, falsche Braut!

ARRIGONur ein Spiel war deine Liebe,

ARRIGOFalsch der Schwur, dem ich vertraut!

ARRIGODu verhöhnst mein treues Lieben!

ARRIGODu zerstörst mein Lebensglück!

ARRIGOSei verflucht, du falsche Schönheit,

ARRIGODie mir Seligkeit und Schmerzen,

ARRIGODie mir Seligkeit und Tod gebracht.

ELENAWeh mir, Armen! Nein, Arrigo!

ELENAMeine Treue brach ich nicht.

ELENAWas mir bleìbt, ist ihn zu retten

ELENAUnd dann still zum Tod zu gehn!

PROCIDADu verrietest deine Freunde,

PROCIDADie zur Rache für dich bereit,

PROCIDADu verrietest die teure Heimat,

PROCIDATreulos brachst du deinen Eid!

PROCIDASchande über dich!

PROCIDASo lang ich lebe, ruf' ich:

PROCIDASchande über dich!

PROCIDAFluch dir, Verräterin!

PROCIDASo land ich lebe, fluch' ich dir!

PROCIDADu hast dein Land dem Feind verkauft!

ELENAMeine Treue brach ich nicht,

ELENAMeine Lieb ist treu und wahr,

ELENAUnd kann doch nie dìe Deine werden!

ELENANun verstummt, ihr Schicksalsglocken,

ELENAEuer Erz wird nie den Liebesbund verkünden,

ELENAEuer Mund bleibt stumm!

ELENAO tönet nicht, ihr Schicksalsglocken!

SYSTEMRezitativ

ELENANein, nicht länger kann ich die Verachtung dulden!

ELENASo wisse denn: für dich nur trag' ich alles!

PROCIDAEw'ge Schande, wenn du redest!

ARRIGONun denn, so sprich - ich will es wissen!

PROCIDASo rede!

PROCIDADem Mörder seines Bruders

PROCIDAVerkaufe die Heimat, das Leben deiner Freunde!

ELENANein, nein, nein, ich kann nicht!

SYSTEMWiederholung des Ensembles

MONTFORT mit grossem Gefolge tritt auf. Alle ohne Waffen

auf MONTFORT zueilend

ARRIGOMein Vater, o höre mich

ARRIGOUnd fühl' meine bittern Schmerzen!

ARRIGOSie weigert sich, den Liebesbund zu schliessen,

ARRIGOWeil den Bruder du getötet.

MONTFORTSei ruhig!

zu ELENA

MONTFORTWas wilIst du fruchtlos kämpfen gegen dein Herz?

MONTFORTIch kenn' dich besser, ich weiss es:

MONTFORTDu liebst ihn!

lächelnd

MONTFORTUnd ich, den Tyrannen du genannt,

MONTFORTFür euch will ich's noch einmal werden,

MONTFORTDoch nur zu eurem Besten!

legt ihre Hände zusammen

triumphierend

PROCIDAUnd ihr, ersehnte Glocken, tönet nun zum Feste!

in höchstem Schrecken

ELENANein, nein, lasst die Glocken schweigen!

gibt ein Zeichen

MONTFORTIhr Klang verkünde,

MONTFORTDass euer Bund geschIossen vor Gott!

ELENANein, nein, o lass sie schweigen!

man hört die Glocken

ELENAGott! Nun seid ihr verloren!

ELENARettet euch! FIieht!

MONTFORTWarum fliehn?

ELENASo hört ihr nícht die Rufe?

MONTFORTSie gelten unserm Feste!

ELENASo hört ihr nicht die Glocken?

ARRIGODer Freude!

PROCIDADer Rache!

Die Sizilianer stürzen mit Dolchen und Schwertern bewaffnet in grosser Menge herein

SCHLUSS-CHORZur Rache! Zum Kampf!

SCHLUSS-CHORTag der Rache, nun steígst du empor!

SCHLUSS-CHORZur Rache!

Während sie sich auf MONTFORT und die Seinen stürzen,

fällt der Vorhang