Allerseelen

W. Eisenmann

I

Rings liegt der Tag von Allerseelen

voll Wehmut und voll Blütenduft,

und hundert bunte Lichter schwelen

vom Feld des Friedens in die Luft.

Sie senden Palmen heut und Rosen;

der Gärtner ordnet sie mit Sinn –

und kehrt zum Eck der Glaubenslosen

die alten, welken Blumen hin.

II

»Jetzt beten, Willy, – und nicht reden!«

Mit großem Aug gehorcht der Knab.

Der Vater legt den Kranz Reseden

auf seines armen Weibes Grab.

»Die Mutter schläft hier! Mach ein Kreuz nun!«

Klein-Willy sieht empor und macht

wie ihm befohlen. Ach, ihn reuts nun,

daß er am Weg heraus gelacht!

Es sticht im Auge ihn – wie Weinen …

Dann gehn sie heimwärts durch die Nacht;

ganz ernst und stumm. Da lockt den Kleinen

beim Ausgang jäh der Buden Pracht.

Es blinkt durch den Novembernebel

herüber lichtbeglänzter Tand;

er sieht dort Pferdchen, Helme, Säbel

und küßt dem Vater leis die Hand.

Und der versteht. Dann gehn sie weiter …

Der Vater sieht so traurig aus. –

Doch einen Pfefferkuchenreiter

schleppt Willy selig sich nach Haus.