Du hast so grosse Augen, Kind

W. Eisenmann

Du hast so grosse Augen, Kind.

Du siehst gewiss oft nachts Gestalten,

Die, fremd und bleich, in marmorkalten

Traumhänden rothe Kronen halten,

Um die ein Leuchten leise rinnt.

Dann ist Dein Blick am Tag wie blind,

Und Deine Seele wie zerspalten,

Dann bangt Dir vor dem Alltagsalten,

Wenn Wünsche sich in Dir entfalten,

Die Allen andern Wahnsinn sind.

Dann ist die Sehnsucht Dir erwacht,

Stolz zu entfliehn den eitlen Schreiern

Die plump, mit Händen, blöd und bleiern,

Auf Deiner Silberseele leiern

Das irre Lied, das sterblich macht.

Zu fliehn in eine blaue Nacht,

Drin alle Wipfel lauschend feiern,

Der Glieder Hymne zu entschleiern

Und scheu im Schooss von weissen Weihern

Zu finden ihre nackte Pracht.