Liebeslied

Kienzl, Wilhelm

Komm zur Quelle, die im Walde

Leise über Kiesel rauscht,

Wo die Rasenbank im Dickicht

Liegt versteckt und unbelauscht.

Komm und sinke in die Arme,

Die nach dir ich ausgestreckt,

Daß den Schleier ich dir löse,

Der dein Antlitz mir verdeckt!

Wirst auf meinen Knieen ruhen,

Wir sind Beide ganz allein,

Und der Linde Blüthenschauer

Wird dein duftig Haar beschnei'n.

Weiße Stirn in gold'nen Haaren,

Ruh' dich aus an meiner Brust;

Lippen ihr, laßt meinem Munde

Süßen Raub nach Herzenslust!

Träumen wollen wir vom Glücke,

Wiegen wird mit ihrem Klang

Einsam murmelnd uns die Quelle

Und des Windes weicher Sang.

Und der Wald, der nachdenkliche,

Lullt uns ein durch seine Lieder -

Nur der Linde Blüthen fallen

Unaufhörlich auf uns nieder.