Sturmflut

W. Rabl

Die Wogenrosse schaumen in's Gebiß

Und bäumen auf, mit angstgeblähten Nüstern

Flieh'n sie an's Land,

Ein Dämon hält die feuerfarb'nen Zügel

In harter Hand.

Wenn er die Peitsche zückt, zerreißt die Nacht,

Und über ihn und seine Rosse taumelt

Ein blauer Schein,

Dann stürzen sich die Möven von den Felsen

Herab und schrei'n.

Am Ufer steht seit langen Stunden schon,

Wahnsinn'ge Angst in den erlosch'nen Blicken,

Des Fischers Weib;

Der Dämon greift in täppischer Liebkosung

Nach ihrem Leib.

Wühlt in der wirren Schönheit ihres Haar's

Und zerrt von ihren schmalen, weißen Schultern

Die Falten fort,

In's Ohr ihr raunend mit der heisern Stimme

Ein dreistes Wort.

Sie hört es nicht! Sie wirft sich auf den Grund

Und reckt die Arme flehend ihm entgegen:

"Mein Mann... mein Mann!"

Dann schreit sie auf, und über ihre Glieder

Geht das Gespann.