. . . Nur eines bleibt

Rihm, Wolfgang

... Nur eines bleibt:

Die Träne hat uns die Natur verliehen,

Den Schrei des Schmerzens, wenn der Mann zuletzt

Es nicht mehr trägt—Und mir noch über alles—

Sie ließ im Schmerz mir Melodie und Rede,

Die tiefste Fülle meiner Not zu klagen:

Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,

Gab mir ein Gott, zu sagen wie ich leide.

... Du stehest fest und still,

Ich scheine nur die sturmbewegte Welle.

Allein bedenk' und überhebe nicht

Dich deiner Kraft! Die mächtige Natur,

Die diesen Felsen gründete, hat auch

Der Welle die Beweglichkeit gegeben.

Sie sendet ihren Sturm, die Welle flieht

Und schwankt und schwillt und beugt sich schäumend über.

In dieser Woge spiegelte so schön

Die Sonne sich, es ruhten die Gestirne

An dieser Brust, die zärtlich sich bewegte.

Verschwunden ist der Glanz, entflohn die Ruhe.

Ich kenne mich in der Gefahr nicht mehr,

Und schäme mich nicht mehr es zu bekennen.

Zerbrochen ist das Steuer, und es kracht

Das Schiff an allen Seiten. Berstend reißt

Der Boden unter meinen Füßen auf!

Ich fasse dich mit beiden Armen an!

So klammert sich der Schiffer endlich noch

Am Felsen fest, an dem er scheitern sollte.