Die Maid von Isla

W. Sturm

O Maid von Isla, hoch vom Strand

Siehst du das meer sich nachtschwarz thürmen?

Und dort das Schiff, das muthig Stand

Der Brandung hält und trotzt den Stürmen?

Jetzt spritzt die Fluth ihm auf's Verdeck,

Jetzt himmelhoch fliegt es im Nu;

Wofür kämpft dieses Schiff so keck? --

O Maid, es strebt der Heimat zu.

Siehst Mädchen, du die Möve dort

Im Gischt die weißen Schwingen wiegen,

Bemüht, dem sichern Selfenport

Des fernen Ufers zuzufliegen?

Was gibt der Bangen diesen Muth,

Zu flattern ohne Rast und Ruh',

Was treibt sie so durch Sturm und Fluth? --

O Maid, sie strebt der Heimat zu.

Doch wie auf's Schiff der Sturmwind jetzt,

So siehst du höhnisch auf mein Werben,

Rauh, wie der Fels, von dem zerfetzt

Die Möve rückprallt in's Verderben.

Sei noch so hart, ich laß nicht ab,

Dich anzufleh'n, doch öffnest du

Mir nicht dein Herz, dann schließt das Grab

Sich über mir als Heimat zu.