Am Morgen
W. Weber
Ein alter Landsknecht steht auf der Wacht
mit Flamberg und langer Lanzen;
er harret wohl aus die ganze Nacht
bis das Morgenrot hell wird glanzen.
Da grüßt ihn der Sonne güld'ner Schein,
seitab ist der Mond getreten;
er spricht: Nun erheb' dich, du Herze mein,
und schicke dich an, fromm zu beten.
Und geht es etwan noch heut' zum Streit,
stell' ich mich treu in die Reihen
und denk' mir: Die Ewigkeit liegt nit weit,
Gott wird mir das Rechte verleihen.
Dann sitzen allhier noch im frohen Kreis
wir Landsknechte, freie und treue,
und singen und trinken nach uns'rer Weis',
dass sich jedes Herz d'ran erfreue.
Die Becher ha'n einen guten Klang,
denn Frömmigkeit steht hier in Ehren;
ein frommer Trunk und ein frommer Sang,
die sollen der Traurigkeit wehren.
Woll' uns der lieb' Herrgott helfen dazu,
dass alle wir guten Mut's streiten,
bis dass uns zur ewigen, seligen Ruh'
die Engelein endlich geleiten.