Die Feen

Wagner, Richard

Responsief blok lib/tran/syn

Die Feen Libretto

DER FEENKÖNIG (Bass)

ADA, FARZANA, ZEMINA, Feen (Sopran, Alt, Sopran)

ARINDAL, König von Tramond (Tenor)

LORA, seine Schwester (Sopran)

DROLLA, deren Zofe (Sopran)

GERNOT, Arindals Freund (Bass)

MORALD, Arindals Freund und Loras Geliebter (Bariton)

GUNTHER, am Hof von Tramond (Tenor)

HARALD, Arindals Feldherr (Bass)

GROMA, ein Zauberer (Bass)

EIN BOTE (Bariton)

CHORFeen, Geister, Krieger, Kinder, Volk

SYSTEMERSTER AKT

Feengarten. Chor der Feen, unter ihnen Farzana und Zemina. Ballett

CHORSchwinget euch auf,

CHORschwinget euch nieder,

CHORglücklicher Feen zarte Gestalten!

CHORDenn unvergänglicher Schöne

CHORnie verblühender Hauch

CHORdurchweht die herrlichen Welten,

CHORatmet froh dieser Kreis.

Farzana und Zemina treten hervor

FARZANAWarum, Zemina, seh ich dich so traurig?

ZEMINASoll ich, wie du, mich dieser Feste freun,

ZEMINAda ihre Zier für immer bald verschwunden?

FARZANASchon für verloren hältst du unsre Ada,

FARZANAweil sie, um den verweg'nen Sterblichen,

FARZANAdem sie in toller Liebe zugetan,

FARZANAfür immer zu besitzen,

FARZANAfreiwillig der Unsterblichkeit entsagt?

ZEMINADu weisst, dass sie noch sterblich werden kann,

ZEMINAda sie entsprossen zwar von einer Fee,

ZEMINAein Sterblicher jedoch ihr Vater ist.

FARZANADoch weisst du auch, was ihr und ihrem Gatten

FARZANAvom Feenkönig auferlegt?

FARZANAGlaub mir, nicht kann's der Sterbliche erfüllen,

FARZANAUnd Groma selbst, der Zauberer, sein Freund

FARZANAsoll weichen unsrer Macht,

FARZANAund dann kehrt Ada ewig uns zurück!

ZEMINALass uns vereint dann streben, sie zu retten!

ZEMINAZEMINA und FARZANA

ZEMINAIhr Feen all!

ZEMINAIhr Geister all!

ZEMINAVernehmt, was wir verlangen!

Die Feen und Geister versammeln sich um beide

ZEMINAReicht Hilfe uns zu unsrem Werk!

ZEMINADen Sterblichen zu trennen

ZEMINAvon der geliebten Fee!

CHORWir geben Hilf

CHORund Beistand euch!

CHORUnsterblich soll sie bleiben!

CHORFARZANA und ZEMINA

CHORReicht Hilfe uns zu unsrem Werk,

CHORden Sterblichen zu trennen

CHORvon der geliebten Fee!

CHORWir helfen euch bei eurem Werk,

CHORden Sterblichen zu trennen

CHORvon der geliebten Fee!

Alle ab.

Verwandlung: Wilde Einöde mit Felsen. Gernot kommt von der einen, Morald und Gunther von der anderen Seite

GERNOTWas seh ich? Morald, ihr, und Gunther, du?

MORALDWie, Gernot?

GUNTHERO komm in meine Arme!

GERNOTWas Teufel, sagt, wie kommt ihr doch hierher?

GUNTHERErzähle du, wie dir's ergangen ist.

MORALDJa, Gernot, melde eilig mir,

MORALDwo ist dein Herr, wo Arindal?

MORALDVon unsrer Heimat komm ich her,

MORALDwo alles traurig ich gelassen.

MORALDDer greise König starb dahin

MORALDaus Gram um den verschwund'nen Sohn.

MORALDDer wilde Murold, unser Feind,

MORALDverwüstet fürchterlich das reich,

MORALDbegehrt die Schwester Arindals,

MORALDdie heissgeliebte teure Lora!

MORALDDas einz'ge Mittel ist geblieben:

MORALDIhn, der jetzt König ist, zu suchen,

MORALDund dazu bot Groma uns die Hand,

MORALDer, der seit alten Zeiten her

MORALDBeschützer ist des Königstamms;

MORALDer lehrt uns, Arindal zu finden.

MORALDDoch sage du, was ist geschehn?

GUNTHERErzähle, Freund, erzähle uns!

GERNOTNun denn, so hört mir beide zu!

GERNOTIhr wisst, schon ist's acht Jahre her,

GERNOTdass ich mit Arindal verschwand.

GERNOTZum Jagen zogen wir hinaus,

GERNOTund schon begann die Nacht zu dämmern,

GERNOTals eine Hirschin sich uns zeigte,

GERNOTso schön, als nimmer man gesehn.

GERNOTDer jagte Arindal nun nach

GERNOTmit unermüdlichem Bestreben,

GERNOTund als er nimmer sie erreichte,

GERNOTgelangten wir an einen Fluss,

GERNOTin dem die Hirschin uns entschwand.

GERNOTVerzweiflungsvoll stand Arindal,

GERNOTbis eine Stimme wir vernahmen,

GERNOTdie mit entzückend holdem Klang

GERNOTden König mächtig nach sich zog.

GERNOTDa sprang er plötzlich in die Fluten,

GERNOTund ich, als treuer Diener, nach.

GUNTHERUnglaublich!

MORALDFahrt fort, mein Freund!

GERNOTVor Schrecken wär ich fast gestorben;

GERNOTdoch als ich endlich mich gefasst,

GERNOTwar ich in einem schönen Schloss,

GERNOTund Arindal lag hingegossen

GERNOTzu eines schönen Weibes Füssen.

GERNOTSie sprach zu ihm hinabgewandt:

GERNOT"Ich liebe dich, wie du mich liebst,

GERNOTdoch eh ich ganz dein Eigen bin,

GERNOThast du noch viel zu überstehn.

GERNOTVor allem magst acht Jahre lang

GERNOTdu nimmer fragen, wer ich sei!"

GERNOTTrotz meinem grössten Widerstreben

GERNOTging Arindal das Bündnis ein!

GERNOTWer sie getraut, ich weiss es nicht,

GERNOTdoch schon zwei Kinder zeugten sie.

GERNOTAcht Jahre flossen so dahin,

GERNOTund ob ich schon nach Haus mich sehnte,

GERNOTlebt ich in Freud und Herrlichkeit,

GERNOTbis gestern der verliebte Prinz,

GERNOTvon heftiger Begier getrieben,

GERNOTin seine Gattin drang, zu sagen

GERNOTwer und woher sie sei.

GERNOTDa hörten plötzlich Donner wir erschallen:

GERNOTverschwunden war sie, und mit ihr

GERNOTdas Schloss und ihre Dienerinnen.

GERNOTIn diese öde Felsengegend

GERNOTsind wir versetzt, und Arindal

GERNOTsucht in Verzweiflung seine Gattin.

GUNTHERO Wunder über alle Wunder!

GERNOTDoch, saget endlich denn auch mir:

GERNOTlebt meine liebe Drolla noch?

GUNTHERSie lebt und weinet oft um dich!

MORALDUnd dass du bald sie wiedersiehst,

MORALDmuss Arindal mit dir uns folgen!

GERNOTO seht, dort naht er schon!

GERNOTWie ein Besess'ner sieht er aus!

MORALDSo eilen wir von hier hinweg,

MORALDund du, verschweig ihm unsre Gegenwart!

indem er mit Gernot und Gunther abgeht...

MORALDDenn wisse: Groma lehrte uns

MORALDwie wir von hier hinweg

die letzten Worte hinter der Bühne...

Arindal kommt

ARINDALWo find ich dich, wo wird mir Trost?

ARINDALEntflohn bist du, und all mein Glück mit dir!

ARINDALIn jede Gegend, in jeden Raum

ARINDALhab ich mein spähend Auge gerichtet;

ARINDALin jedes Tal, in jede Höhe

ARINDALdrang meiner glüh'nden Sehnsucht Seufzer!

ARINDALWeh mir, vergebens all' Bemühen!

ARINDALDie Wildnis tönt von ihrem Namen,

ARINDALdas Echo spottet meiner Qual,

ARINDALnur " Ada! Ada! " ruft es aus!

ARINDALUnd keine Antwort nennet " Arindal "!

ARINDALDein auge leuchtet mir nicht mehr!

ARINDALDein Busen, ach, erwärmt mich nicht!

ARINDALKein Kuss stillt meiner Lippen Durst!

ARINDALDein Arm umfängt mich nimmermehr,

ARINDALnur Todeskälte haucht mich an!

ARINDALWeh mir!

ARINDALWar alles denn ein Traum?

ARINDALWo bist du, ach, wo bist du,

ARINDALwo weilst du fern von mir?

ARINDALWohin send ich den Blick,

ARINDALder dich erreichen soll?

ARINDALBei dir ist meine Sonne,

ARINDALbei dir allein ist Leben,

ARINDALdoch fern von dir ist Tod

ARINDALund grausenvolle Nacht.

ARINDALAch! Lass mich das Leben finden,

ARINDALlös mich von Todesangst!

ARINDALWo bist du, ach, wo weilst du,

ARINDALwo weilst du fern von mir?

ARINDALO ende meine Qual,

ARINDALund nimm mich auf zu dir!

Gernot kommt und betrachtet Arindal

GERNOTDa steht Ihr nun, so recht bejammernswert!

GERNOTWas wird wohl all das Klagen euch noch helfen?

GERNOTVerlasst den Ort, und folgt zur Heimat mir!

ARINDALIch sollte meine Gattin lassen? Schweig!

GERNOTIhr Eure Gattin? Liess sie Euch nicht sitzen?

GERNOTSie war so lang für Euch, als ihr's beliebte;

GERNOTjetzt, da sie Eurer satt, läuft sie davon!

ARINDALWelch albernes Geschwätz!

GERNOTMit einem Wort, die, die Ihr Gattin nennt,

GERNOTist eine Hexe, so eine alte böse Zauberin!

ARINDALSei still!

GERNOTDeshalb verliesst Ihr Reich und Land,

GERNOTweil Ihr in eine Hirschkuh Euch verliebt?

ARINDALDu Lästermaul!

GERNOTJa, wie Ihr sie nachher gesehn,

GERNOTdas war nur Lug und Trug!

ARINDALO diese Schönheit also zu verhöhnen!

GERNOTO welche Schönheit! Nächstens seh ich Euch

GERNOTwohl selbst mit einem stattlichen Geweih!

ARINDALDu reizest meinen Zorn!

GERNOTAuf einen Hirsch darf ich nun nicht mehr jagen,

GERNOTdenn wer steht dafür, dass so 'nen König ich erlege?

ARINDALHalt ein, du frecher Bursch!

ARINDALZu meiner Qual kann deiner Scherze Rohheit nimmer passen!

GERNOTHabt von der Dilnovaz Ihr schon gehört?

ARINDALWas soll dies hier?

GERNOTHört zu, ich will's erzählen!

Arindal sinkt erschöpft auf einem Felsenblock

SYSTEMRomanze

GERNOTWar einst'ne böse Hexe wohl,

GERNOTFrau Dilnovaz genannt,

GERNOTdie war so hässlich und so alt,

GERNOTals es nur je bekannt!

GERNOTDoch trug sie einen Ring am Finger,

GERNOTder machte jung und schön,

GERNOTals hätte man in seinem leben

GERNOTnicht Schöneres gesehn.

GERNOTSie kam zu einem König so,

GERNOTbetört ihn allzumal;

GERNOTer machte sie zur Königin,

GERNOTer nahm sie zum Gemahl!

GERNOTEr war so blind in sie vernarret,

GERNOTdass er nicht hört' und sah,

GERNOTund dass er nimmermehr gewahrte,

GERNOTwas um ihn her geschah.

GERNOTEinst traf er sie in fremdem Arm

GERNOTin arger Liebesglut;

GERNOTda zog er seinen Degen schnell

GERNOTund hieb nach ihr voll Wut!

GERNOTDoch traf er nur den kleinen Finger,

GERNOTan dem sie trug den Ring;

GERNOTda sah er bald in der Geliebten

GERNOTein altes hässlich Ding.

Gunther kommt in der Gestalt eines alten, ehrwürdigen Priesters, indem er seine Maske durch gravitätischen Gang und Gesang begleitet.

GUNTHERArindal!

ARINDALO welch ehrwürdige Gestalt!

ARINDALSag an, wer bist du, was begehrst du?

GUNTHERO welcher Schelmenstreich!

GUNTHERWer mag den Schalk erkennen?

GUNTHERDen heiligen Priester nennt man mich

GUNTHERund Liebe treibt mich her zu dir!

ARINDALIch staune! Rede, heilger Greis!

GERNOTIch möcht ihn selbst für heilig halten!

GUNTHERO König, du bist übel dran,

GUNTHERvon einem bösen Weib umstrickt!

GUNTHERIch kam hieher, dich zu ermahnen,

GUNTHERaus ihren Banden dich zu retten:

mit grossen Pathos

GUNTHERWer sich für immer ihr ergibt,

GUNTHERfällt ab von Gott und seinem Reich!

ARINDALEntsetzlich! Was muss ich vernehmen!

GERNOTWas macht der Kerl für schöne Worte!

GUNTHERDu siehst die wilden Tiere wohl,

GUNTHERdie sich in diesen Klüften bergen!

GUNTHERSie waren Menschen einst, doch jetzt

GUNTHERsind sie von diesem Weib verdammt.

GUNTHERFolgst du mir nicht sogleich von hier,

GUNTHERdroht gleiches Schicksal dir!

GERNOTIhr wisst, ihr wisst! Das Hirschgeweih!

ARINDALO Himmel, wär es möglich,

ARINDALich sei von ihr getäuscht?

GERNOTHaha! Das ist zum Lachen,

GERNOTsolch närrischer Betrug!

GUNTHERWirst du sogleich mir folgen,

GUNTHERsollst du gerettet sein!

GUNTHERWenn du noch länger zögerst,

GUNTHERso musst du untergehn.

ARINDALSo soll ich ihr entfliehn,

ARINDALdie ich so heiss geliebt.

Indem Arindal von Gunther fortgezogen wird, wird dieser unter Donner und Blitz plötzlich wieder in seine eigene Gestalt verwandelt.

ARINDALWas seh ich! Gunther du?

GERNOTWas Teufel!

GUNTHERO weh! Was ist mir geschehn?

GERNOTNun ist der ganze Spass vorbei!

ARINDALWelch unerhörte Freveltat,

ARINDALso jämmerlich mich zu betrügen!

ARINDALO dank, geliebte Ada,

ARINDALnoch liebst du sicher mich!

ARINDALDen Trug seh ich vernichtet,

ARINDALdurch deiner Liebe Macht!

GERNOTNun ist schon halb verloren

GERNOTdie gutgemeinte List!

GERNOTEr bleibt bei seinem Sinne

GERNOTund folgt uns sicher nicht.

Die Dämmerung ist eingebrochen: Morald tritt auf, in der Gestalt von Arindals verstorbenem Vater.

MORALDArindal!

ARINDALGott, was erblick ich!

ARINDALDort mein Vater!

ARINDALWelch neue Täuschung findet statt?

ARINDALGUNTHER und GERNOT

ARINDALWie täuschen ist das wesen, die Gestalt!

ARINDALSag an, bist du mein Vater nicht?

MORALDDein Vater bin ich nimmermehr,

MORALDich bin nur deines Vaters Geist!

MORALDIch starb dahin aus Gram um dich,

MORALDda ich dich für verloren hielt!

ARINDALHier waltet keine Täuschung mehr!

ARINDALO Gott, mein Vater ist dahin!

ARINDALGUNTHER und GERNOT

ARINDALMich fasst fürwahr ein Grausen an,

ARINDALso ähnlich sieht er seinem Vater!

MORALDAls Geist komm ich, dich zu ermahnen,

MORALDdieweil dein Reich in arger Not!

MORALDDer wilde König Murold fiel

MORALDnach meinem Tod in unser Reich;

MORALDverwüstet ist es rings umher,

MORALDnur eine Stadt ist noch geblieben;

MORALDsie wird von deiner Schwester jetzt

MORALDmit ihrer letzten Kraft beschützt,

MORALDderweil du in verliebtem Wahn

MORALDdem trägen Müssiggange fröhnst!

ARINDALO, welch entsetzliches Geschick!

ARINDALDein Vorwurf, Vater, trifft mich schwer!

ARINDALGUNTHER und GERNOT

ARINDALWie's ihn ergreisst! Nur zu! Nur zu!

MORALDDarum verlasse diesen Ort

MORALDund folge mir nach deinem Reich!

MORALDDein Arm gebricht dem Vaterland

MORALDund deine Schwester ruft zu dir!

ARINDALO Himmel, wär es möglich?

ARINDALMich trifft so schwer Geschick!

MORALDWirst du sogleich mir folgen,

MORALDso rettest du dein Reich!

MORALDWenn du noch länger zögerst,

MORALDmuss alles untergehn!

ARINDALSo muss ich sie verlassen,

ARINDALmich ruft die harte Pflicht!

ARINDALGUNTHER und GERNOT

ARINDALDies wird ihn wohl erweichen,

ARINDALer folgt nun sicher uns.

Als Arindal im Begriff ist, Morald zu folgen, wird dieser unter Donner und Blitz plötzlich wieder in seine eigene Gestalt verwandelt.

ARINDALWie? Morald? Wiederum Betrug?

ARINDALGUNTHER und GERNOT

ARINDALO weh! Auch ihm ist es missglückt!

ARINDALNun ist der ganze Spass vorbei!

ARINDALO, Morald, teurer Freund,

ARINDALauch du verspottest mich durch solchen Trug?

MORALDO Herr verzeih! Die beste List

MORALDist jetzt durch fremde Macht vereitelt.

MORALDErzürne nicht, und lass als Freund

MORALDzum teuren Freunde jetzt mich sprechen!

ARINDALSo ist es wahr, mein Vater starb?

MORALDAus bittrem Kummer über dich.

ARINDALO hartes Schicksal! Wehe mir!

MORALDWas ich in jener Truggestalt

MORALDvon deiner Heimat dir gemeldet,

MORALDsei jetzt von deinem Freunde dir

MORALDals schlimme Wahrheit wiederholt!

MORALDIn Trümmern liegt das schöne Reich!

ARINDALGenug, halt ein! Ich folge euch!

ARINDALAch, was allein zurück mich hielt,

ARINDAList mir für ewig ja entschwunden!

ARINDALGeht denn beiseit und pflegt der Ruh,

ARINDALich folge morgen euch von hinnen!

ARINDALMORALD und GERNOT

ARINDALO welches Glück, er willigt ein!

ARINDALHinweg von hier ruft mich die Pflicht!

ARINDALMORALD und GERNOT

ARINDALSein starrer Sinn hat sich erweicht!

ARINDALIch zögre länger nicht!

ARINDALIch zögre länger nun nimmermehr!

ARINDALO, wer ermisset meinen Schmerz,

ARINDALich soll die Gattin nicht mehr sehn!

GUNTHERNach meiner Heimat ziehe ich,

GUNTHERzu unsren hübschen Mädchen hin.

MORALDNach meiner Heimat ziehe ich,

MORALDzur heissgeliebten Lora hin!

GERNOTNach meiner Heimat ziehe ich,

GERNOTzu meiner treuen Drolla hin!

GERNOTMORALD und GERNOT

GERNOTO welches Glück, er willigt ein,

GERNOTsein starrer Sinn hat sich erweicht!

Die Nacht ist eingebrochen. Arindal bleibt allein zurück.

allein

ARINDALSo soll für immer ich nun von dir scheiden,

ARINDALund du, geliebte Gattin, zeigst dich nicht?

ARINDALNicht einen Kuss, nicht eine einz'ge Träne

ARINDALhast du für deinen scheidenden Geliebten!

ARINDALO Grausame, leb wohl, leb ewig wohl,

ARINDALzum Kampfe zieh ich für mein Vaterland,

ARINDALund meine Hoffnung ist allein der Tod!

Indem er sich zum Abgehen wendet, fühlt er sich plötzlich ermattet und sinkt allmählich auf einen Stein nieder.

ARINDALDoch was bemächtigt meiner Glieder sich?

ARINDALIch will hinweg, doch weigert sich mein Fuss!

ARINDALMein Auge sinkt! Ist dies der nah'nde Schlummer?

ARINDALIch fühl's! Leb wohl, mein Lieb,

ARINDALdein Gatte scheidet so! Ade!

Er entschlummert.

Die Szene verwandelt sich in einen reizenden Feengarten. Im Hintergrunde ein glänzender Palast. Ada tritt während des Ritornells aus dem Palaste im reichsten Feenschmuck.

ADAWie muss ich doch beklagen,

ADAwas sonst so hehr, so schön

ADAzu traurig hartem Lose

ADAwird mir Unsterblichkeit!

ADAWeil ihn allein ich liebe,

ADAgäb ich so gern sie hin!

ADADoch ganz ihm zu gewinnen,

ADAwie ist's so hart, so schwer!

ADAMir bleibt nun nichts als klagen

ADAund weinen um mein Los!

ADAIhn werde ich verlieren,

ADAum ewig tot zu sein!

Arindal erwacht allmählich.

ARINDALWo bin ich? Ach, in welche sel'ge Räume

ARINDALhat mich ein schöner Traum wohl hingeführt!

ARINDALUnd dort, ha, träum ich nicht, ist meine Gattin?

ADAErkennst du mich? Geliebter, Undankbarer!

ADADu wolltest mich verlassen?

ARINDALAda, dich seh ich wieder?

ARINDALÜbermass von Wonne!

ARINDALMir wird das freudige Glück,

ARINDALdich wieder ganz zu besitzen,

ARINDALall schweres, bitt'res Leid

ARINDALin deinem Arm zu vergessen!

ADAO dämpfe deine Glut,

ADAgebiete dem Entzücken!

ADAZu neuer, herber Qual

ADAbin ich dir jetzt erschienen!

ARINDALO warum Pein, o warum Qual?

ARINDALDu bist für immer mein,

ARINDALund jede Lust mit dir!

ADAUnglücklicher! Nur kurze Zeit,

ADAfür ewig dann getrennt

ADAbin ich von Arindal!

ARINDALIch lasse dich nimmermehr

ARINDALund weiche nie von dir!

mit Angst

ADANur noch ein einz'ger Tag,

ADAund du verlässest mich!

ADAADA und ARINDAL

ADANoch halt ich dich in meinen Armen,

ADAdoch dich entreisst das Schicksal mir.

ADAVerderben wird uns beiden drohen,

ADAWenn unsrer Liebe Macht nicht siegt!

Gunther, Morald, Gernot und der Chor ihrer Gefährten kommen.

MORALDAuf, Arindal, komm jetzt mit uns von hinnen!

MORALDWas seh ich? Gott, wohin sind wir versetzt?

GUNTHERUnd dort, das schöne Weib!

GERNOTIch kenne alles!

GERNOTSein Weib, die hübsche Hexe, hat er wieder;

GERNOTnun ist's vorbei, er folgt uns sicher nicht!

CHORFürwahr, welch göttlich schönes Weib!

MORALDSolch milden Zauber sah ich nie!

CHORSah ich wohl je so hohen Reiz?

MORALDIch kann den König wohl begreifen!

ARINDALWeh mir, schon hab ich es versprochen,

ARINDALnach meiner Heimat mitzugehn!

ARINDALMORALD und GERNOT

ARINDALWie blendet ihre Schönheit mich,

ARINDALwie ihrer Wangen holdes Licht!

GERNOTAch, das ist alles ja nicht echt,

GERNOTund ihre Wangen sind geschminkt!

ARINDALWeh mir, schon hab ich es versprochen,

ARINDALnach meiner Heimat mitzugehn!

ARINDALWie soll ich mein Versprechen halten!

ARINDALWie kann ich fort, wie soll ich los?

ARINDALMORALD und GERNOT

ARINDALDen König wag ich kaum zu mahnen,

ARINDALdass er von hier uns folgen soll.

ARINDALFührwahr, welch göttlich schönes Weib!

ARINDALSah ich wohl je so hohen Reiz?

ARINDALSo milden Zauber sah ich nie,

ARINDALich kann der König wohl begreifen!

ADAWeh' mir! Schon naht der Anfang meiner Leiden!

ADAMan kommt, des Vaters Tod mir zu verkünden!

Ein festlicher Zug von Feen aus Adas Reiche tritt auf, vor ihnen her Farzana und Zemina.

FARZANADein Vater hat das Los

FARZANAder Sterblichen geteilt.

ZEMINAAus deines Reiches Fernen

ZEMINAströmt alles Volk herbei,

ZEMINAzu grüssen dich als Königin!

CHORHeil unsrer Königin!

CHORHeil, schöne Ada, dir!

CHORGegrüsset sei als Herrscherin

CHORvon deines Volkes Schar!

CHORVon fern ertönt der Jubel

CHORunsrer frohen Huldigung.

CHORHeil unsrer Königin!

CHORHeil, schöne Ada, dir!

ADAO hätt ich diese Jubels Klänge

ADAwohl nimmermehr gehört!

ADAIch fühle nur die neue Fessel

ADAan mein unselig Los!

ADAZEMINA und FARZANA

ADADies fesselt sie mit neuen Banden

ADAan die Unsterblichkeit;

ADAdenn will sie wirklich sterblich werden,

ADAverliert sie auch ihr Reich.

GUNTHERHab ich wohl je etwas gesehen,

GUNTHERwas diesem Treiben gleicht!

MORALDWas soll ich wohl von allem halten,

MORALDich kann mich fassen kaum.

GERNOTDas ist nur alles toller Spuk,

GERNOTBetrug und Heuchelei!

ARINDALSag, meine Gattin, mir

ARINDALwas soll dies Treiben all?

ADADu hörst mich Königin wohl nennen,

ADAdies wisse denn, doch frage nicht!

Denn das, was Freude dir erscheint,

ADAwird mir zu schwerer Pein!

ADAIch muss von dir jetzt wieder fort,

ADAdu folg den Deine in dein Land!

ADAFür jetzt... wenn nicht für immerdar!

ADAO, könnt ich alles dir vertrauen!

ADADoch dies verbietet mein Geschick.

ARINDALSo sprich!

ARINDALWann sehe ich dich wieder?

ADASchon morgen! Bittres Wiedersehn!

ARINDALSchon morgen, morgen! Welches Glück!

ADAZu deinem Unglück siehst du mich!

beseite zu Farzana

ZEMINADu weisst, er muss ihr jetzt schwören

ZEMINAauf keinen Fall sie zu verfluchen!

beiseite

FARZANADoch da er's nimmer halten kann,

FARZANAso muss der Meineid ihn verderben!

ADAVernimm denn, was ich dir verkünde:

ADAwas du auch morgen sehen magst,

ADAwas dich für Schrecken auch bedrohn,

ADAwas dir für Unheil auch begegne,

ADAo Arindal, lass nimmer dich so weit verleiten,

ADAmich, deine Gattin, zu verfluchen!

ARINDALWas höre ich, du spottest mein!

ADASei standhaft dann und schwöre mir's,

schnell

ADAach, schwöre nicht!

ARINDALIch schwöre dir's!"

ARINDALZEMINA und FARZANA

ARINDALHabt ihr's gehört? Er hat geschworen!

ARINDALMORALD und GERNOT

ARINDALEr schwur!

wendet mit Entsetzen sich ab

ADAWeh mir, er hat geschworen!

ADAMORALD und GERNOT

ADAEin schreckenvoll Geheimnis

ADAverbirgt wohl dieser Schwur!

ADADie ihn dazu vermocht,

ADAsteht jetzt geängstet da!

ADAZEMINA und FARZANA

ADAEr hat es ihr geschworen,

ADAund kann nicht mehr zurück;

ADAder Schwur bringt ihm Verderben

ADAund trennt von Ada ihn.

ARINDALWas ich beschworen habe,

ARINDALsei treulich auch bewährt!

ARINDALSo wie ich heiss sie liebe,

ARINDALbleibt heilig auch mein Schwur.

ADAO hätt er nie geschworen,

ADAden harten Schreckenseid!

ADAEr wird ihn nimmer halten

ADAund durch ihn untergehn!

CHORDir tönet freudig unser Jubel,

CHORals unsre Fürstin sei gegrüsst!

CHOREs schall' hinauf in alle Räume

CHORder Preisgesang der Königin!

CHORHeil, schöne Ada, dir! Heil unsrer Königin!

CHORMORALD und GERNOT

CHORAuf, komm mit uns nach deinem Lande,

CHORzu deinem Reiche kehre heim,

CHORlässt du noch länger hier dich halten,

CHORmuss Land und Schwester untergehn!

CHORAuf, König, folge uns

CHORnach deiner Heimat hin!

ARINDALSo lass ich dich aus meinem Armen

ARINDALbis zum beglückten Wiedersehn;

ARINDALich schwur dir Treu und will sie halten

ARINDALund sollt ich druber untergehn!

ARINDALLeb wohl, du mein Gemahl,

ARINDALich bleibe ewig treu!

ARINDALZEMINA und FARZANA

ARINDALSo reisse dich aus seinen Armen,

ARINDALdas Volk will dich gekrönet sehn!

ARINDALLass länger nich zurück dich halten,

ARINDALder Huldigung entgegengehn!

ARINDALAuf, komm!

ARINDALAuf, Ada, folge uns

ARINDALzum frohen Feste hin!

ADASo lass ich dich aus meinen Armen,

ADAwir werden bald uns wiedersehn;

ADAo mögest deinen Schwur du halten,

ADAsonst musst du mit mir untergehn!

ADALeb wohl, mein Arindal,

ADAund bleibe ewig treu!

Ada wird in einem Triumphwagen davongezogen.

SYSTEMZWEITER AKT

Vorhalle des Palastes in der Hauptstadt des Reiches Arindals

Chor der Krieger und des Volkes

CHORWeh uns, wir sind geschlagen

CHORund flüchtig vor dem Feind!

CHORSchon tobt er vor den Mauern

CHORund droht mit Untergang!

CHORZu dir hinauf, o mächtger Gott,

CHORtönt unser Ruf aus tiefer Not!

CHORErhöre uns und steh uns bei!

CHORUns drängt die Todesangst,

CHORder Hilfe Ruf umsonst!

CHORVerderben harret uns

CHORund droht mit Qualentod!

Lora tritt auf in Waffenrüstung.

LORAWas drängt euch so mit harter Todesangst,

LORAdass ihr mit solchem Schrei die Luft erfüllt?

CHORGeschlagen sind wir wieder,

CHORdem Untergang geweiht!

LORAKleinmütige! Warum sogleich verzagen?

LORAAuf wen drängt sich mehr Missgeschick zusammen,

LORAals auf mich selbst, die ich ein schwaches Weib?

LORAMein Vater starb, mein Bruder ist entfernt,

LORAund selbst den teuren Freund muss ich vermissen!

LORAHabt ihr vergessen Gromas Weissagung,

LORAdass dieses Reich niemals verloren geh,

LORAsobald uns Arindal zurückgekehrt?

CHORDoch wer sagt dies uns an,

CHORdass je zurück er kehre?

LORASandt ich den teuren Morald selber nicht,

LORAihn aufzusuchen und zurückzubringen?

CHORUnglückliche! Wohl längst ist Arindal dahin!

LORAWas sagt ihr! Weh mir, wenn es möglich sei!

LORAIhr weckt des eignen Herzen trübe Anhnung:

LORAsie kehrten nimmer mir zurück!

LORAO musst du Hoffnung schwinden,

LORAdie du mein einz'ger Trost,

LORAdie mich in schweren Leiden

LORAmit holdem Arm umfing!

LORADen Bruder bald zu sehen,

LORAwar mir ein froher Wahn

LORAden Freund bald zu umarmen,

LORAwar höchste Wonne mir!

LORAUnd kehrte keiner wieder,

LORAwelch qualenvoll Geschick!

LORASo müsst ich, ganz verlassen,

LORAallein zu Grunde gehn!

Ein Bote tritt auf.

BOTEHeil euch! Ich bringe frohe Kunde:

BOTEmit Arindal kehrt Morald uns zurück!

CHORWas sagt er? Gott, wär's möglich?

LORAKaum trau ich meinem Ohr! Wo sahst du sie?

BOTEIch zog mit aus, den König aufzusuchen,

BOTEwir fanden und bewogen ihn zur Rückkehr!

LORASie kehren mir zurück!

LORAWie fass ich mich vor hoher Freude!

LORAWie fass ich mich vor Wonneglut!

LORADen Busen fühl ich hoch sie heben,

LORAund froh erbebt mein heisses Herz!

LORADen teuren Bruder soll ich sehn,

LORAdes Untergang ist schon beklagt!

LORAGeliebter Freund, du kehrest wieder,

LORAund eilst in deiner Treuen Arm!

CHORWelch hohe Freude wird uns wieder,

CHORder Teure kehret uns zurück,

CHORdie Hoffnung soll uns wieder heben!

CHORVoll Wonne atme jedes Herz!

Lora eilt ab und kommt mit Arindal und Morold zurück.

CHORO König, sei gegrüsst von deinem treuen Volk!

CHORDer Jubel wehrt dem Leid bei deiner Wiederkehr!

ARINDALO hemmet dieses Jubels Töne,

ARINDALmit Schreckensmahnung drängt er mich!

ARINDALDenn ach! Zum reichen Königsmantel

ARINDALwird mir des Vaters Grabgewand!

MORALDO Lora, sieh, was ich versprochen,

MORALDdas hielt ich trotz Gefahren dir:

MORALDden teuren Bruder bring ich wieder,

MORALDgedenkest du des süssen Lohns?

LORAO, welchen Lohn soll ich dir geben

LORAfür dieser Wonne Übermass!

LORADen Freund, den Bruder hab ich wieder:

LORAVorüber seh ich alles Leid!

LORALORA und MORALD

LORAIch seh dem Schicksal froh entgegen,

LORAund fühle neu gerüstet mich;

LORADenn Rettung naht dem Vaterlande

LORAund Liebe winkt in deinem Arm!

LORADahin flieht alles Leiden

LORAund alle Freuden ziehen ein!

LORALass denn zum letzten Kampf uns schreiten,

LORAder uns dem Glück entgegen führt!

ARINDALIch seh dem Schicksal bang entgegen

ARINDALund fühle fast entmutigt mich;

ARINDALso viele Not in Heimatlande

ARINDALund neue Qual noch harret mein.

ARINDALWie trage ich wohl alle Leiden,

ARINDALwie soll ich stark zum Kampfe sein!

ARINDALSchon drückt die Gegenwart mich nieder,

ARINDALdie zu noch grösserm Schrecken führt!

Alle ab.

Gernot und Gunther kommen.

GERNOTWie ist dir's, Gunther, dass du endlich wieder

GERNOTauf deinen eig'nen Füssen stehen kannst?

GUNTHERO was für eine schlimme Nacht war dies!

GUNTHERVon solchen Greueln hab ich nie geträumt!

GERNOTDoch dieser Morgen! War es nicht,

GERNOTals ob die blut'ge Sonne alles wollt versengen?

GERNOTDie Erde bebte unter meinem Fuss,

GERNOTder Blitz verdarb mir mein Gesicht,

GERNOTder Donner mein Gehör!

GUNTHERDer König selbst, wie war er doch erschüttert!

GERNOTUnd was find ich nun hier?

GERNOTVon Feinden alles voll,

GERNOTkaum noch ein Fussbreit Lands gehöret uns!

GUNTHERO böse Zeichen, böse Zeiten!

GERNOTMir ist's, als hätt ich einen tücht'gen Rausch gehabt,

GERNOTso geht der Jammer mir durch alle Glieder!

GERNOTWenn ich nur meine Drolla fänd!

GERNOTSag mir: ist sie noch jung?

GUNTHERDu fragst mich ziemlich dumm;

GUNTHERseit du von uns, ward sie acht Jahre älter,

GUNTHERdamals... war sie ein Kind!

GERNOTIch meine hübsch?

GUNTHERGewiss!

GUNTHERIch kam oft in Versuchung

GERNOTWie?

GUNTHERNun, sie zu trösten!

GERNOTDas hättest du lassen können!

GERNOTblieb sie mir treu?

GUNTHERIch glaube; frag sie selbst,

GUNTHERdort kommt sie her,

GUNTHERich lass euch gern allein!

ab.

Drolla kommt.

GUNTHERDROLLA und GERNOT

GUNTHERWie? Seh ich recht, ist dies nicht Gernot? ( Drolla?)

GUNTHERDu bist's! O welche Freude!

GUNTHERAch, nach so langen Zeiten

GUNTHERdich endlich wiedersehn!

GUNTHERDich an mein Herz zu drücken,

GUNTHERist zum Entzücken ganz!

GUNTHERO sage mir, erzähle,

GUNTHERwie ists dir's doch ergangen?

GUNTHERO erzähle! O erzähle!

GERNOTMir ist's recht gut ergangen!

GERNOTIch war mit meinem Herrn so lang

GERNOTbei einer schönen Königin.

GERNOTIn ihrem Schlosse war die Wahl

GERNOTder hübschen Mädchen wahrlich schwer.

GERNOTSie waren alle wie zum Küssen,

GERNOTdie eine blond, die andre braun,

GERNOTmit blauen und mit schwarzem Augen!

DROLLAGewiss, gewiss, ganz allerliebst!

GERNOTUnd da ich auch ein hübscher Bursch,

GERNOTverliebten alle sich in mich,

GERNOTund ich, ei nun, und ich

DROLLAJetzt stockt er wahrlich mit der Sprache!

DROLLAO warte nur, du böser Schelm!

DROLLAMir dieses in Gesicht zu sagen,

DROLLAdas ist doch wahrlich unerhört!

GERNOTJetzt will ich doch von ihr erfahren,

GERNOTob sie wohl wirklich mich noch liebt.

GERNOTDie Eifersucht soll mir es sagen,

GERNOTglaubt sie, was sie von mir gehört!

DROLLASo lass auch dir von mir erzählen,

DROLLAwie mir's so lange Zeit erging!

DROLLABei Hofe war ich hier so lang

DROLLAals Loras beste Dienerin.

DROLLAUm sie zu werben zogen her

DROLLAder schönsten Ritter reiche Zahl;

DROLLAsie waren alle wie zum Küssen,

DROLLAder eine blond, der andre braun,

DROLLAmit blauen und mit schwarzen Augen.

GERNOTIch werde selber schwarz und blau!

DROLLAUnd da ich auch nicht hässlich bin,

DROLLAverliebten alle sich in mich,

DROLLAund ich, ei nun, und ich

beiseite

GERNOTJetzt stockt sie wahrlich mit der Sprache

GERNOTo warte nur, du böses Ding!

GERNOTMir dieses ins Gesicht zu sagen,

GERNOTdas ist doch wahrlich unerhört!

beiseite

DROLLAVor Ärger kann er kaum sich fassen!

DROLLAso ist es recht dem Flattergeist!

DROLLAVor Eifersucht soll er verzagen,

DROLLAglaubt er, was er von mir gehört!

DROLLADROLLA und GERNOT

DROLLAHinweg von mir, du Falscher! (Falsche!)

DROLLAIch mag dich nicht mehr sehn!

DROLLASo hieltest du die Treu,

DROLLAdie du mir oft geschworen?

DROLLAIn fremde Männer (Mädchen) sich verlieben,

DROLLAderweil ich in der Fern bin,

DROLLAdas heiss ich wahrlich doch betrügen,

DROLLAund seine Liebste (seinen Liebsten) hintergehn!

Sie laufen zu verschiedenen Seiten davon, bleiben aber an den äussersten Enden stehen und sehen sich aus der Ferne schüchtern an.

GERNOTDrolla!

DROLLAGernot?

GERNOTBist du denn noch nicht fort?

DROLLADu bist noch da?

GERNOTMich dünkt, du weinst?

DROLLAWas kümmert's dich, Treuloser!

GERNOTIch, treulos? Ach fürwahr, das bin ich nicht!

DROLLAHast du's nicht selbst erzählt?

GERNOTGelogen, ach, gelogen!

GERNOTIn mich hat keine sich verliebt,

GERNOTund ich hab nur nach dir mich hingesehnt,

GERNOTentdecken wollt ich, wie es mit dir stünd?

DROLLAUnd ich hab wahrlich auch gelogen,

DROLLAin mich hat keiner sich verliebt,

DROLLAwie ich in keinen mich.

DROLLAIch bin dir treu geblieben!

DROLLAUm dich zu strafen, log ich dir was vor.

GERNOTWas hör ich? Lass uns sogleich umarmen!

Umarmung

GERNOTVerzeihung!

GERNOTDROLLA und GERNOT

GERNOTSo sind wir denn vereint,

GERNOTum nie uns mehr zu trennen,

GERNOTkein Argwohn, kein Verdacht

GERNOTsoll je uns scheiden können!

GERNOTDu liebst mich, welche Freude,

GERNOTach, welche Seligkeit!

GERNOTErdichtet und erlogen

GERNOTwar, was uns jetzt entzweit!

GERNOTWir trennen nie uns mehr,

GERNOTum ewig froh zu sein!

Umarmung und Kuss. Beide ab.

Ada, Farzana und Zemina treten auf.

ADAO Grausame, so habt ihr kein Erbarmen

ADAund treibt mich kalt zu diesen grausen Taten?

FARZANAVerzeih, wir sind nicht Schuld an dem Geschick,

FARZANAdas dir dein eig'ner Will' bereitet hat.

ADADoch da ihr wisst, welch Los mich Ärmste trifft,

ADAwenn ich besiegt, so freut ihr euch der Qual?

ZEMINAO glaub es nicht, denn sie entlockt mir Tränen!

ZEMINADoch höre: du kannst dich allem noch entziehn,

ZEMINAsobald du jetzt dem Sterblichen entsagst!

FARZANANoch ist es Zeit und offen steht die Wahl:

FARZANAhier langer Tod und dort ein ewig Leben!

FARZANAZEMINA und FARZANA

FARZANABedenk, und deine Wahl sei dein Geschick!

Sie verschwinden.

Ada allein

ADAWeh mir, so nah die fürchterliche Stunde,

ADAdie all mein Glück und all mein Elend kennt!

ADAO warum weckt ihr noch in meiner Seele

ADAden Zweifel jener herben Wahl!

ADAUnglückliche, wohin soll ich mich wenden?

ADAWie so gewiss ist nur mein Untergang,

ADAund ach, wie ungewiss mein Sieg!

ADAIch häufe selbst die Schrecken an,

ADAdie Qualen leit ich auf ihn hin,

ADAich wecke Zweifel in ihm auf,

ADAdie nie ein Sterblicher erträgt!

ADAVon überall stürmt Unglück ein,

ADAsein letzter Stern, die Liebe, sinkt

ADANacht wird's um seine Sinne her,

ADAer rächt sich und verflucht sein Weib!

ADAWeh mir! Und dieser Fluch trennt mich von ihm,

ADAund Ewigkeiten treten zwischen uns!

ADAVerzweiflung, Wahnsinn, Tod ist dann sein Los,

ADAund meines fürchterlich: auf hundert Jahr

ADAVerwandelung in Stein!

ADAIch könnte allem mich entziehn,

ADAsteht mir's nicht frei! In ew'ger Schöne

ADAunsterblich, unverwelklich blühn?

ADAEs huldigt mir die Feenwelt,

ADAich bin ihr Glanz und ihre Zier!

ADAEs ehrt ein unvergänglich Reich

ADAmich, seine hohe Königin!

ADAIch könnte allem mich entziehn,

ADAin Feen pracht unsterblich blühn!

ADABetrogne, Unglücksel'ge!

ADAWas ist die Unsterblichkeit?

ADAEin grenzenloser, ew'ger Tod!

ADADoch jeder Tag bei ihm

ADAein neues, ewiges Leben!

ADASo sei es denn! Geschlossen ist die Wahl,

ADAfür jenes Leben opf'r ich alles hin!

ADAMein Arindal!

ADABegeistern wird auch ihn die Liebe

ADAund Mut zum Kampfe ihm verleihn;

ADAden Zweifel wird er kühn besiegen,

ADAaus meinen Banden mich befrein!

ADADie falsche Tücke sei vernichtet,

ADAdie mich von ihm zu trennen strebt!

ADAAll eu'r Bemühen sei vergebens,

ADAdas meine Liebe töten will!

ADADenn sollte er auch unterliegen,

ADAund mich der Felsen in sich schliessen,

ADAso soll die Liebe selbst den Stein

ADAder Sehnsucht Tränen weinen lassen!

ADAUnd diese Tränen fühlt mein Gatte,

ADAdieser Seufzer dringt zu ihm,

ADAder Klageruf wird ihn durchbeben,

ADAlässt ihn nicht rasten, treibt ihn her!

ADABegeistern wird auch ihn die Liebe

ADAund Mut zum Kampfe ihm verleihn,

ADAden Zweifel wird er kühn besiegen,

ADAaus meinem Banden mich befrein!

ab.

Die Bühne bleibt eine Zeitlang leer.

Der Chor des Volkes und der Krieger tritt von verschiedenen Seiten auf.

Lora, Drolla, Arindal, Gunther, Morald und Gernot kommen.

ALLEHört ihr des Sturmes Brausen,

ALLEdas vor den Mauern tobt?

ALLEEs sind des Feindes Scharen

ALLEzu neuer Wut erwacht!

ARINDALWie bang erfüllt ist meine Brust!

LORAAuf denn, ihr Freunde, zieht hinauas!

ARINDALO wie ertrag ich alle Not!

LORABefreiet uns von dieser Not!

DROLLASo ziehet froh hinaus

DROLLAzu dem Befreiungskampf!

CHORSo ziehen wir hinaus

CHORzum letzten Todeskampf!

ARINDALZu kämpfen, ach, vermag ich nicht!

MORALDIhr Krieger, kommt, ich führe euch!

ab mit dem Kriegern

LORAWie, Bruder, du vermöchtest es,

LORAdem heil'gen Kampf dich zu entziehn?

ARINDALO Lora, krank ist meine Seele,

ARINDALund siech liegt aller Lebensmut!

ARINDALDROLLA und GERNOT

ARINDALSeht ihr des Königs trüben Blick,

ARINDALwie er umsonst nach Fassung ringt?

ARINDALWie soll ich Härt'res noch ertragen,

ARINDALda diese Not das Schwerste mir?

LORAWie soll ich seine Stimmung deuten,

LORAdie ihn so schwer darnieder drückt!

Als sich Arindal abwendet, tritt ihm Ada entgegen.

ADAWeh dir, wenn dies das Schwerste dir erscheint!

ARINDALO Himmel, meine Gattin!

ALLEWie, dies ist seine Gattin?

Ada gibt ein Zeichen; ihre beiden Kinder erscheinen und stürzen sich in Arindals Arme.

ADAJetzt, Arindal, gedenke deines Schwurs!

CHORO seht die holden Kleinen,

CHORwie lieblich anzuschaun!

GERNOTDas sind die hübschen Dinger,

GERNOTdie ihm von ihr geschenkt!

ARINDALAch, meine Kinder seh ich wieder,

ARINDALwelch freudig unverhofftes Glück!

ARINDALIch lasse sie mir nimmer rauben,

ARINDALund kein Geschick entreisst sie mir!

ALLESeht, o seht die holden Kleinen,

etc.

ADAO hättest du sie nie gesehn!

ADAZum Jammer wird ihr Anblick dir!

Auf ihren Wink öffnet sich ein feuriger Schlund.

ADAGUNTHER und GERNOT

ADAWas, Teufel, seh' ich da?

CHOREntsetzen! Was geschieht?

ARINDALHa, was beginnst du?

ADAGib meine Kinder mir zurück!

ARINDALHa nimmermehr! Was soll gescheh'n?

ADALass mich, noch sind sie nicht ganz dein!

Entreiss ihm die Kinder

ARINDALEntsetzliche! Sie sind nicht mein?

ADADer Feuerschlund soll sie empfangen!

CHORHa, was beginnet die Verweg'ne!

CHORGreift an und haltet sie zurück!

ADAZurück von mir, Verweg'ner!

ARINDALO Weib, ich lass dich nicht gewähren!

ARINDALUnd ihr hinab!

Sie wirft die Kinder in den Schlund, der sogleich verschwindet.

ALLEO Gott, was haben wir gesehn?

ALLEWar es nur Täuschung, war es Wahrheit?

ALLEEntsetzlich Weib, was tatest du?

ALLEKann man dich eine Mutter nennen?

ARINDALWie mächtig wühlt's in meiner Brust,

ARINDALes paart sich Vorwurf und Verdacht!

ADAWie mächtig wühlt's in seiner Brust!

ADAO Himmel, schütz ihn vor Verdacht!

Flüchtlinge vom Chor der Krieger kommen.

CHOREntflieht, wir sind besiegt!

ALLEWelch neues Unheil stürmt auf uns

ALLEund drohet uns mit Untergang!

ADADies Unheil trifft mich mehr als ihn!

ADAEs weihet mich dem Untergang!

ARINDALHier Zwietracht, draussen Untergang,

ARINDALwelch neues Unheil!

ARINDALAch, Ada, weisst du keinen Trost

ARINDALfür mich in diesen schweren Leiden?

ADAZu deinem Troste kam ich nicht,

ADAzu deiner Qual bin ich erschienen!

ARINDALSie weiset kalt mich sich von ab.

ARINDALWie könnte sie den Gatten trösten,

ARINDALdem sie die Kinder mordete!

LORAAll meine letzte Hoffnung sinkt!

LORADer treue Harald bleibet aus mit seiner Hilfe,

LORAdie er versprach, vom Nachbarlande herzuschaffen!

LORAO, Hilfe jetzt und niemals mehr!

CHORSchon näher dringt der Sturm,

CHORhört ihr den grausen Lärm?

Neue Flüchtlinge kommen.

CHOR DER KRIEGERVerloren, ach verloren!

CHOR DER KRIEGERNichts kann uns mehr erretten!

LORAIhr Feigen, was entflieht ihr,

LORAführt euch der tapfere Morald nicht?

CHOR DER KRIEGEREr ist verschwunden uns,

CHOR DER KRIEGERgefangen oder tot!

mit einem Schrei

LORATot!

ALLEZu Trümmern stürze alles hin,

ALLEder Beste ist gefallen!

ADANoch ahnt er nicht, dass ich die Schuld

ADAan allem seinen Elend bin!

CHORSeht, dort kommt Harald her,

CHORder Hilfe uns versprach!

ARINDALDer letzte Hoffnungsschein!

ADAWird mir zum Untergang!

LORASag an, wo sind die Krieger,

LORAdie du zur Hilfe bringst?

HARALDWeh euch, ich bringe nichts!

HARALDVernichtet ist mein Werk!

ALLEWas sagt er? Keine Hilfe,

ALLEnur neuer Untergang?

HARALDDie besten Krieger hatte ich geworben,

HARALDund schon nicht fern mehr waren wir der Stadt,

HARALDda stellt sich uns ein Kriegsheer in den Weg,

HARALDan seiner Spitze ein gewaffnet Weib.

HARALDSie griff uns an mit unerhörter Macht,

HARALDund alles war in kurzer Zeit zerstreut.

HARALDDann sprach das Weib: " Geh heim zu Arindal,

HARALDsag ihm, ich sei Ada, die Königin!"

für sich

ADAO, muss ich dieses noch ertragen!

ARINDALWas sagst du? Ist es diese,

ARINDALdie dir den Auftrag gab?

HARALDMein König, ja, sie ist's!

ALLEEntsetzlich! Seine Gattin

ALLEist mit dem Feind in Bund!

ARINDALHa, furchtbar tagt's ib mir!

ARINDALIch war von je betrogen!

ARINDALHa, schändlich Weib, so bist du jetzt entlarvt,

ARINDALund deiner argen Tücke Ziel ist da!

ARINDALVon jenen Zauberinnen bist du eine,

ARINDALdie zum Verderben uns mit Lieb' umstricken!

ARINDALDu hieltest mich in schnöden Banden fest,

ARINDALverlocktest mich mit bösem Trug!

ADAMein Arindal!

ARINDALUm grausam mich zu quälen,

ARINDALgabst meinen Kindern du den Feuertod,

ARINDALzertrümmertest mit arger List mein Reich,

ARINDALich selbst bin der Verzweiflung preisgegeben!

ADAHalt ein!

ARINDALZu was dich länger schonen,

ARINDALum dich zu strafen, gabst du mir die Macht!

ARINDALVerruchtes Weib, sei denn verflucht!

ADAArindal, halt ein! Ah!

entsetzlicher Schrei

ADAMeineidiger, was tatest du!

Zemina und Farzana erscheinen.

ADAZEMINA und FARZANA

ADAAda, die Bande sind gelöst,

ADAunsterblich bleibst du, wie zuvor!

ALLEO Gott, was hören wir,

ALLEwas hat das zu bedeuten?

mit wütendem Schmerz

ADAEntsetzlicher! So hieltest du den Schwur?

ADAMit solchem Mut bewährtest du die Treu?

ADAVerloren, ach verloren! Weh, unglücklich

ADAhast du für Ewigkeit dein Weib gemacht!

ADASo wisse denn, wie gross die Freveltat!

ADAVon einem Sterblichen und einer Fee

ADAbin ich erzeugt und so der Mutter gleich unsterblich.

ADADa sah ich dich, und dir Meineidigen

ADAwandt ich all meine heisse Liebe zu!

ADASie war so gross, dass ich, um dein zu sein,

ADAfreiwillig der Unsterblichkeit entsagte!

ADADer Feenkönig zürnte mir darum,

ADAund da den Rücktritt er nicht wehren konnte,

ADAsucht er ihn dadurch zu erschweren mir,

ADAdass er mir dieses als Bedingnis gab:

ADAacht Jahr dir zu verschweigen, wer ich sei,

ADAund dann den letzten Tag auf dich so viel

ADAder Qualen und der Schrecken aufzuhäufen,

ADAals dich verleiten könnte, mir zu fluchen!

ADANur, wenn dein Herz standhaft aus Liebe sei

ADAsoll ich das Los der Sterblichkeit erhalten.

ADAWenn nicht, so sollte ich unsterblich bleiben

ADAund dann noch mein Begehren dadurch büssen,

ADAdass ich auf hundert Jahr in einen Stein verwandelt sei!

ADANun denn, du kennst mein Los!

ARINDALO Gott, wie braust's in meinem Hirn!

ARINDALSag an, bist du nicht schuld an meines Reiches Not?

ADASie endet schneller noch als sie bereitet!

ARINDALNun denn, sind jene Krieger nicht erschlagen,

ARINDALdie dieser mir zu Hilfe brachte?

ADAIch tat's! Es waren deines Feindes Krieger,

ADAmit denen Harald dich verraten wollte.

Harald wird ergriffen und abgeführt.

ARINDALUnd Morald, fiel er nicht, war es nur Schein?

ADADurch meine Macht besiegt er jetzt den Feind!

ARINDALWas frag ich noch? Schon fasst mich Wahnsinn an!

ARINDALDoch meiner Kinder Mord verdammet dich!

Auf das Zeichen kommen ihre beiden Kinder und stürzen sich in Arindals Arme.

ADAVon ihrer Geburt gereinigt, nimm sie hin,

ADAder Erde schönstes Los beglücke sie;

ADAnur mich nimmt grenzenloses Elend auf!

sinkt zu Adas Füssen zusammen

ARINDALNun denn, Verzweiflung, dir gehör ich an!

hinter der Bühne

CHOR DER KRIEGERTriumph! Wir sind befreit,

CHOR DER KRIEGERerschlagen ist der Feind!

Morald kommt mit den Kriegern.

MORALDIch bringe Sieg und Freude,

MORALDvernichtet ist der Feind!

ALLEWas hör ich! Wir sind befreit!

CHORErtönet, Jubelklänge

CHORzum Himmel hoch empor,

CHORdes Sieges Hochgesänge

CHORerschallen jetzt allein!

CHORLORA und MORALD

CHORIch drücke dich als Sieger

CHORan meine frohe Brust!

CHORWelch unnennbare Freude,

CHORvon dir befreit zu sein!

Dich Holde zu befrein!

CHORZEMINA und FARZANA

CHORSo ist sie denn gerettet,

CHORzurückgegeben uns.

CHORNach der Verbannung Leiden

CHORwird sie unsterblich sein!

ADAHinweg von mir, Verräter!

ADAIch stosse dich von mir!

ADANoch eh der Tag sich endet,

ADAumschliesset mich der Stein!

Arindal windet sich zu Adas Füssen.

ARINDALAch Ada, hab Erbarmen,

ARINDALstoss mich nicht ganz von dir!

ARINDALVerzweiflung muss mich fassen,

ARINDALWahnsinn mein Ende sein!

Die Bühne verfinstert sich, Ada versinkt mit Zemina und Farzana unter Donner und Blitz. Dann fällt der Vorhang schnell.

SYSTEMDRITTER AKT

Festliche Halle. Morald und Lora auf dem Thron, Drolla, Gernot und Gunther neben ihnen. Chor von Männern und Jungfrauen, festlich geschmückt. Siegesreigen.

CHORHeil sei dem holden Frieden

CHORim sanften Himmelsglanz!

CHORHeil sei dem hohen Siege,

CHORder uns den Frieden gab!

CHORDer du zum Siege uns geführt,

CHORsei uns als König jetzt gegrüsst!

CHORDie du im Leiden unser Trost,

CHORsei jetzt als Königin gegrüsst!

CHORHeil, siegesreicher Morald dir!

CHORHeil, tugendreiche Lora dir!

CHORHeil sei euch!

MORALDGenug, o endet dieser Feste Jubel!

MORALDVor Freude nicht, vor Wehmut bebt mein Herz!

MORALDNoch gilt eu'r froher Königsgruss nicht mir!

MORALDDenn der mir seine Würde übertrug,

MORALDist dem unseligsten Geschick verfallen.

MORALDDes Wahnsinns graue Nacht umhüllet ihn,

MORALDund hält die leidenvolle Seel umfangen.

MORALDWenn auch sein Wille mich zum König machte,

MORALDso ehrt doch nur so lange mich als Herrscher,

MORALDals Arindal dem düstren Wahn erliegt!

LORAAch Bruder! Welch beklagenswert Geschick!

LORAJetzt, da die Freude jeden Busen schwellt,

LORAmuss ich dein fürchterliches Los beweinen!

CHORWir ehren euren Schmerz!

CHORDie Freude halte ein!

CHORLORA und MORALD

CHORAllmächtiger,

CHORin deine Himmel

CHORsend ich mein brünstig Flehn hinauf!

CHORLass weichen aus des

CHOR(Bruders) (Freundes) (Königs) Sinnen

CHORdes Wahnes schreckenvolle Macht!

CHOREin Strahl aus deinem Glanz

CHORerleuchte seiner Seele Nacht!

ARINDALHallo! Lasst alle Hunde los!

ARINDALDort, dort! Die Hirschin! Seht!

ARINDALHerbei!

ARINDALIhr Jäger herbei!

ARINDALDu, Waidmann, wandre voran!

ARINDALJuche, es schmettert das Horn!

ARINDALO seht, schon müde wird das Tier!

ARINDALPackt an! Ich sende den Pfeil!

ARINDALSeht wie er fliegt! Ich zielte gut!

ARINDALHaha! Das traf in's Herz!

ARINDALO seht, das Tier kann weinen!

ARINDALDie Träne glänzt in seinem Aug'!

ARINDALO, wie's gebrochen nach mir schaut!

ARINDALWie schön sie ist!

ARINDALEntsetzen! Ha, es ist kein Tier,

ARINDALseht her! Es ist mein Weib!

ARINDALIch seh den Himmel dort sich öffnen,

ARINDALdie lichten Tore springen auf!

ARINDALO welcher Duft, o welcher Glanz!

ARINDALBin ich ein Gott, dies zu empfinden?

ARINDALBeschwingt hebt sich mein Geist empor!

ARINDALHa, wie der Staub nach unten sinkt!

ARINDALEs reicht sich eine Hand mir dar,

ARINDALvoll Liebe führt sie mich hinauf,

ARINDALich atme milde Götterluft!

ARINDALWas soll's? Noch bin ich Mensch!

ARINDALDu seist verflucht!

ARINDALHaha! So ist's vollbracht!

ARINDALJetzt bin ich wieder Staub!

ARINDALLeg dich zur Ruhe, Staub,

ARINDALdie Erde birgt dich gern!

ARINDALHa, wie es um dich dämmert!

ARINDALEs ist die milde Nacht.

ARINDALO schaurig, süsse Luft,

ARINDALbefängst du meine Seele?

ARINDALIch lag in deinem Arme,

ARINDALso sanft war meine Ruhe,

ARINDALich kann dich nicht umfangen,

ARINDALdu bist so fern, so fern!

ARINDALUnd dennoch nahst du mir,

ARINDALja, ja, ich sehe dich!

ARINDALWarum den tiefen Schmerz

ARINDALim tränenvollen Blick?

ADAMein Gatte Arindal,

ADAwas hast du mir getan?

Es schliesst ein kalter Stein

ADAdie heisse Liebe ein.

ADADie Träne nur erweicht

ADAder rauhen Hülle Zwang,

ADAdurch alle Schranken dringt

ADAdie Liebe noch zu dir,

ADAund hörest du die Klage,

ADAso eile her zu mir!

GROMAAuf, Arindal, was zauderst du?

GROMASieh, jenen Schild und jenes Schwert

GROMAkann dich dem Sieg, doch jene Leier

GROMAnoch grösser'm Glück entgegenführen.

GROMABist du von Mut und Lieb' erfüllt,

GROMAso wirst das Höchste du erreichen!

FARZANASo wäre unsre Ada denn gerettet,

FARZANAund der Unsterblichkeit zurückgegeben!

FARZANAWohlan, vollenden wir das letzte Werk,

FARZANAdamit kein Rückschritt je zu denken sei:

FARZANAden Sterblichen dem sichern Tod zu weihn!

ZEMINAFürwahr, mich jammert Arindals Geschick;

ZEMINAschon büsst er durch des Wahnsinns Schrecken

ZEMINAden Meineid schwer.

FARZANAO nicht der Meineid bloss, seine Vermessenheit

FARZANAweiht ihn dem Tod!

FARZANASoll ungestraft ein kühner Sterblicher

FARZANAdes Feenreiches Stolz uns rauben wollen?

FARZANAWir führen auf den Weg zu Ada ihn;

FARZANAsie zu befrein, sei er von uns ermuntert.

ZEMINAWas willst du tun? Ihn auf den Weg geleiten,

ZEMINAauf dem er wirklich sie erlösen kann?

FARZANAWas fürchtest, Törin, du? Da er als Mensch

FARZANAzu siegen nicht vermocht, wie sollt er da

FARZANAbewähren sich, wo Feenkraft nur siegt?

FARZANAIm Kampfe wird er sicher unterliegen!

FARZANAZEMINA und FARZANA

FARZANAAuf! Erwache, Arindal!

ARINDALWer ruft mich? Ha, wohin

ARINDALhat mich ein wilder Wahn getragen?

ARINDALIch hörte meine Gattin rufen!

ARINDALO Gott, wie ist die düst're Nacht

ARINDALdurch ihren Ruf zum Tage mir erhellt!

ARINDALZEMINA und FARZANA

ARINDALNun, Arindal, erkennst du uns?

ARINDALEuch seh ich wieder, teure Feen,

ARINDALdie ihr um meine Gattin wart.

ARINDALAch, meine Gattin, wo ist sie?

ARINDALZEMINA und FARZANA

ARINDALHast du den Mut, sie zu befrein?

ARINDALWas höre ich? Sie zu befrein

ARINDALdurch meinen Mut könnt es gelingen?

FARZANAWas prahlest du von deinem Mute?

FARZANAIst sie nicht deiner Feigheit Opfer?

ARINDALO wende deine Hohn von mir!

ARINDALSagt mir, ist sie noch zu befrein?

ZEMINAIm kalten Steine eingeschlossen

ZEMINAverzweifelt sie an ihrer Rettung.

ARINDALIhr foltert mich! Ich habe Mut!

ARINDALWer leitet mich zu ihr dahin?

ARINDALZEMINA und FARZANA

ARINDALNun denn, wir führen dich zu ihr!

ARINDALO Gott, wie fass ich es, zu ihr!

ARINDALAch sie, die Gattin zu befrein,

ARINDALwie füllt es mich mit Freudenglut!

ARINDALO leitet mich dahin zu ihr,

ARINDALihr opf'r ich all mein heisses Blut!

ARINDALZEMINA und FARZANA

ARINDALHa, diese rasche Freudenglut

ARINDALwird ihn den sich'ren Tode weihn.

ARINDALWir leiten gern ihn hin zu ihr,

ARINDALdenn uns erfreut sein Untergang!

Verwandlung.

Furchtbare Kluft des unterirdischen Reiches. Erdgeister mit scheusslichen Larven durchwogen geschäftig den Ort.

CHOR DER GEISTERIhr Geister, auf, bewachet treu

CHOR DER GEISTERdie dunkle Schreckenspforte,

CHOR DER GEISTERdie diese Kluft umschliesst!

CHOR DER GEISTERDem Ungeweihten wehrt den Weg!

CHOR DER GEISTEREr führt zum höchsten Heiligtum!

CHOR DER GEISTERIhr Geister auf! Bewachet treu!

ARINDALWo führt ihr hin! Hier schmachtet meine Gattin?

CHORWer naht sich dort?

FARZANAEin Sterblicher begehrt von euch den Eintritt!

CHORWehe ihm!

ZEMINANun, Arindal! Bekämpfe jene!

ARINDALO diese schreckenvolle Überzahl!

FARZANAKleinmütiger, dir bangt?

ARINDALDie Liebe siegt!

ARINDALWeh mir, ich unterliege schon!

GROMADen Schild!

GROMAZEMINA und FARZANA

GROMAEntsetzlich, ha, er hat gesiegt!

GROMADurch fremde Macht bezwang er sie,

GROMAdoch siegen soll er nimmermehr!

ARINDALO welches Glück, der Sieg ist mein!

ARINDALDank sei, Groma, deiner hohen Macht!

ARINDALGUNTHER und GERNOT

ARINDALHeil Arindal, und fasse Mut,

ARINDALzum Siege schreitest du voran!

Die Bühne ist in einen anderen Teil des unterirdischen Reiches verwandelt. Chor von ehernen Männern: fest aneinendergereiht

Schliesst fest euch an, und haltet stark,

CHOR DER EHERNEN MÄNNERden Eingang wehren wir

CHOR DER EHERNEN MÄNNERzum höchsten Heiligtum!

CHORWas will der Fremdling hier?

ZEMINAEr trotzet eurer Kraft

ZEMINAund fordert euch zum Kampf!

CHORWehe ihm!

ARINDALMich schreckt nicht eure Erzes Schirm,

ARINDALvernichten soll euch meine Macht!

ARINDALWeh mir, den Schild verlässt die Kraft!

GROMADas Schwert!

GROMAZEMINA und FARZANA

GROMAHa, wehe uns, der Sieg ist sein!

GROMAStatt des Vermessenen Verderben

GROMAbezwecken wir sein höchstes Glück!

CHOR VON GROMAS UNSICHTBAREN GEISTERNHeil, Arindal, und fasse Mut,

CHOR VON GROMAS UNSICHTBAREN GEISTERNzum Siege schreitest du voran!

FARZANADoch jetzt erlahme seine Kraft!

ARINDALDoch sagt! Wo find ich meine Gattin?

FARZANAWohlan! Jetzt sollst du sie befrein!

ZEMINASieh, Arindal, dort schmachtet deine Gattin!

ARINDALAllmächtiger, wie trag ich diesen Anblick?

ARINDALWie nenn ich das Gefühl, das mich durchbebt?

ARINDALIst's Wonne, die mir wird durch ihre Nähe?

ARINDALIst es Entsetzen, so sie zu erblicken?

ARINDALAh, welche Wehmut füllt mein armes Herz.

ARINDALO Ada! Wie vernichte ich den Fluch?

ZEMINAWas ziemt's zu klagen hier? Sie zu befrein

ZEMINAkamst du hierher!

ARINDALO sagt, wie ich's vollende?

FARZANAEntzaubre diesen Stein, und sie ist frei!

ARINDALWeh mir! Kann Menschenkraft dies je vollbringen?

FARZANAVersuch's, doch wisse erst, was dich bedroht!

FARZANADu bist mit kühn vermess'ner Kraft

FARZANAgedrungen bis hierher

FARZANAin der Feen Heiligtum, und kannst du jetzt

FARZANAdein Werk nicht ganz vollenden,

FARZANAso büssest du das frevelnde Begehren

FARZANAmit ewiger Verwandelung in Stein!

ARINDALHa, furchtbar! Dies ist denn mein Los!

ARINDALWeh mir, es unterliegt mein Mut

ARINDALund mein Verlangen ist gelähmt.

ARINDALVollenden kann ich nicht mein Werk

ARINDALund lange Qualen sind ihr Los!

ARINDALFARZANA und ZEMINA

ARINDALHa, endlich unterliegt sein Mut

ARINDALund sein Verlangen ist gelähmt.

ARINDALVollendet er jetzt nicht sein Werk,

ARINDALso ist ein ew'ger Tod sein Los.

CHORMut, Arindal, und sei getrost,

CHORdu kannst die Gattin noch befrein!

GROMAErgreif die Leier!

ARINDALO Gott, was höre ich?

ARINDALJa, ich besitze Götterkraft!

ARINDALIch kenne ja der holden Töne Macht

ARINDALder Gotheit, die der Sterbliche besitzt!

ARINDALDu, heisse Liebe, Sehnsucht und Verlangen

ARINDALentzaubert denn in Tönen diesen Stein!

ARINDALZEMINA und FARZANA

ARINDALWeh, das ist Gromas Werk!

ARINDALO ihr, des Busens Hochgefühle,

ARINDALdie hold in Liebe sich umfah'n!

ARINDALUnd du Verlangen, heisses Sehnen,

ARINDALmit deinem wonnesüssen Schmerz!

ARINDALEuch ruf ich auf, aus meinem Busen,

ARINDALaus meiner Seele schwingt euch auf!

ARINDALZusammen fliesse all Empfinden

ARINDALin holder Töne Zaubermacht,

ARINDALund flehet an den kalten Stein:

ARINDALgib meine Gattin mir zurück!

ADAJetzt kann mich keine Macht dir rauben!

Die Szene verwandlet sich in einen herrlichen Feenpalast, von Wolken umgeben. Auf einem Thron der Feenkönig, um ihn der Chor der Feen und Geister.

FEENKÖNIGDu Sterblicher drangst ein in unser Reich,

FEENKÖNIGund die unendliche Gewalt der Liebe

FEENKÖNIGverlieh dir jene hohe Kraft, die nur

FEENKÖNIGUnsterblichen zu eigen ist verliehn!

FEENKÖNIGSo wisse denn: durch deine Schuld als Mensch

FEENKÖNIGbleibt Ada jetzt unsterblich, wie sie war;

FEENKÖNIGdoch, der sie uns mit Götterkraft entwunden,

FEENKÖNIGist mehr als Mensch, unsterblich sei, wie sie!

CHORGegrüsst sei Arindal im hohen Feenreiche,

CHORdir ist Unsterblichkeit nach deiner Kraft verliehn!

ADAEntsage deinem Erdenreich,

ADAmein Feenland beherrsche jetzt!

ARINDALNoch fühl ich sterblich mich genug

ARINDALund kann vor Wonne mich nicht fassen!

ARINDALZEMINA und FARZANA

ARINDALEntzücken kehret wieder ein,

ARINDALda beide jetzt gewonnen sind!

ARINDALEuch beiden geb ich jetzt mein Erdenland,

ARINDALein höh'res Reich ist Seligem mir verliehn!

ARINDALSeid glücklich stets, denn ich beschütze euch!

CHOREin hohes Los hat er errungen,

CHORdem Erdenstaub ist er entrückt!

CHORDrum sei's in Ewigkeit besungen,

CHORwie hoch die Liebe ihn beglückt!