Die Meistersinger von Nürnberg

Wagner, Richard

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Die Meistersinger von Nürnberg Libretto

SYSTEMDIE MEISTERSINGER VON NUERNBERG

Prima assoluta 21.6.1868 Munich

RICHARD WAGNERCast:

DAVIDNuernberg, Deutschland, XVI. Jahrhundert

SYSTEMVorspiel

SYSTEMERSTER AUFZUG

DAVIDErste Szene

(Die Bühne stellt das Innere der

Katharinenkirche in schragein on

Durchschnitt dar; von dem Hausptschiff,

welches links ab dem Hintergrund zu, szeh

ausdehnend anzunehmen ist, sind nur noch

die letzten Reihen der Kirchenstuhlbünke

sichtbar. In der letzten Reihe der

Kirchstühle sitzen Eva und Magdalena;

Walther von Stolzing steht, in einiger

Entfernung, zur Seite an eme Säule

zntergelehnt, die Blicke auf Eva heftend,

die sich wiederholt zu ihm umkehrt. Beide

wechseln Blicke und Gebürden aus

während des folgenden Chorals)

SYSTEMDIE GEMEINDE

DAVIDDa zu dir der

DAVIDHeiland kam,

DAVIDwillig seine Taufe nahm,

DAVIDweihte sich dem Opfertod,

DAVIDgab er uns des Heils Gebot:

DAVIDdas wir durch sein' Tauf uns weihn,

DAVIDseines Opfers wert zu sein.

DAVIDEdler Täufer!

DAVIDChrists Vorläufer!

DAVIDNimm uns gnädig an,

DAVIDdort am Fluß Jordan!

(Die Gemeinde erhebt sich. Alles wendet

sich dem die Kirche. - Walther heftet

in höchster Spannung semen Blick auf

Eva, welche ihren Sitz langsam verlaßt

und, von Magdalene gefolgt, langsam in

seine Nähe kommt. Da Walther Eva sich

nähern sieht, drangt er sich gewaltsam,

durch die Kirchgünger durch, zu ihr.)

WALTHERVerweilt! - Ein Wort ­

WALTHERein einzig Wort!

sich schnell zu Magdalene umwendend

EVAMein Brusttuch... schau!

EVAWohl liegt's im Ort.

SYSTEMMAGDALENE

EVAVergeßlich Kind!

EVANun heißt es: such!

Sie geht nach den Kirchstühlen zurück.

WALTHERFräulein!

WALTHERVerzeiht der Sitte Bruch!

WALTHEREines zu wissen,

WALTHEREines zu fragen,

WALTHERwas müßt ich nicht zu brechen wagen?

WALTHEROb Leben oder Tod?

WALTHEROb Segen oder Fluch?

WALTHERMit einem Worte sei mir's vertraut: -

WALTHERmein Fräulein, - sagt...

SYSTEMMAGDALENE

wieder zurückkommend

WALTHERHier ist das Tuch.

EVAO weh! Die Spange?

SYSTEMMAGDALENE

EVAFiel sie wohl ab?

Sie geht abermals suchend nach hinten.

WALTHEROb Licht und Lust,

WALTHERoder Nacht und Tod?

WALTHEROb ich erfahr,

WALTHERwonach ich verlange.

WALTHERob ich vernehme, wovor mir graut:

WALTHERMein Fräulein - sagt...

SYSTEMMAGDALENE

wieder zurückkommend

WALTHERDa ist auch die Spange.

WALTHERKomm, Kind!

WALTHERNun hast du Spang' und Tuch...

WALTHERO weh, da vergaß ich selbst mein Buch!

Sie geht nochmals eilig nach hinten.

WALTHERDies eine Wort,

WALTHERIhr sagt mir's nicht?

WALTHERDie Silbe, die mein Urteil spricht?

WALTHERJa oder nein! ­

WALTHERein flücht'ger Laut:

WALTHERmein Fräulein, sagt ­ seid Ihr schon Braut?

SYSTEMMAGDALENE

(die zurückgekehrt ist und

sich vor Walther verneigt)

WALTHERSieh da! Herr Ritter?

WALTHERWie sind wir hochgeehrt:

WALTHERmit Evchens Schutze

WALTHERhabt Ihr Euch gar beschwert!

WALTHERDarf den Besuch des Helden

WALTHERich Meister Pogner melden?

leidenschaftlich

WALTHERO, betrat ich doch nie sein Haus!

SYSTEMMAGDALENE

WALTHEREi! Junker, was sagt Ihr da aus?

WALTHERIn Nürnberg eben nur angekommen,

WALTHERwart. Ihr nicht freundlich aufgenommen?

WALTHERWas Küch und Keller,

WALTHERSchrein und Schrank

WALTHEREuch bot, verdient es keinen Dank?

EVAGut, Lenchen, ach!

EVAdas meint er ja nicht;

EVAdoch von mir wohl wünscht er Bericht, -

EVAwie sag ich's schnell?

EVAVersteh ich's doch kaum!

EVAMir ist, als wär ich gar wie im Traum! -

EVAer frägt, - ob ich schon Braut?

SYSTEMMAGDALENE

heftig erschrocken

EVAHilf Gott!

EVASprich nicht so laut!

EVAJetzt laß uns nach Hause gehn; -

EVAwenn uns die Leut hier sehn!

WALTHERNicht eh'r, bis ich Alles weiß!

zu Magdalene

EVAS'ist leer, die Leut sind fort.

SYSTEMMAGDALENE

EVADrum eben wird mir heiß!

EVAHerr Ritter,

EVAan andrem Ort!

(David tritt aus der Sakristei ein und

macht sich daran, schwarze Vorhänge zu

schließen, wodurch das Schiff gänzlich

vom Chor abgeschlossen wird.)

WALTHERNein! Erst dies Wort!

bittend zu Magdalene

EVADies Wort!

SYSTEMMAGDALENE

(erblickt David und hält an;

zärtlich für sich)

EVADavid? Ei! David hier?

zu Magdalene

EVAWas sag ich? Sag du's mir!

SYSTEMMAGDALENE

(zerstreut, öfter nach

David sich umsehend)

EVAHerr Ritter,

EVAwas Ihr die Jungfer fragt,

EVAdas ist so leichtlich nicht gesagt.

EVAFürwahr ist Evchen Pogner Braut -,

lebhaft unterbrechend

EVADoch hat noch keiner

EVAden Bräut'gam erschaut!

SYSTEMMAGDALENE

EVADen Bräut'gam wohl noch niemand kennt,

EVAbis morgen ihn das

EVAGericht ernennt,

EVAdas dem Meistesinger erteilt den Preis...

EVAUnd selbst die Braut ihr reicht das Reis.

WALTHERDem Meistersinger?

bang

EVASeid Ihr das nicht?

WALTHEREin Werbgesang?

SYSTEMMAGDALENE

WALTHERVor Wettgericht.

WALTHERDen Preis gewinnt?

SYSTEMMAGDALENE

WALTHERWen die Meister meinen.

WALTHERDie Braut dann wählt?...

sich vergessend

EVAEuch - oder keinen!

(Walther wendet sich, in großer Erregung

auf und ab gehend zur Seite.)

SYSTEMMAGDALENE

sehr erschrocken

EVAWas, Evchen! Evchen! Bist du von Sinnen?

EVAGut, Lene,

EVAlaß mich den Ritter gewinnen!

SYSTEMMAGDALENE

EVASahst ihn doch gestern zum ersten Mal?

EVADas eben schuf mir so schnelle Qual,

EVAdaß ich schon längst ihn im Bilde sah!

EVASag, trat er nicht ganz

EVAwie David nah?

SYSTEMMAGDALENE

EVABist du toll! Wie David?

EVAWie David im Bild.

SYSTEMMAGDALENE

EVAAch! - meinst du den König mit der Harfen

EVAund langem Bart

EVAin der Meister Schild?

EVANein! Der, des Kiesel den Goliath warfen,

EVAdas Schwert im Gurt,

EVAdie Schleuder zur Hand,

EVAdas Haupt von lichten Locken umstrahlt,

EVAwie ihn uns Meister Dürer gemalt!

SYSTEMMAGDALENE

laut seufzend

EVAAch, David! David!

(der hinausgegangen und jetzt wieder

zurückkommt, ein Lineal im Gürtel und

ein großes Stück weißer Kreide an einer

Schnur schwenkend)

DAVIDDa bin ich: wer ruft?

SYSTEMMAGDALENE

DAVIDAch, David!

DAVIDWas Ihr für Unglück schuft!

beiseite

DAVIDDer liebe Schelm!

DAVIDWüsst er's noch nicht?

laut

DAVIDEi, seht, da bat er uns gar verschlossen?

zürtlich, zu Magdalene

DAVIDIns Herz Euch allein!

SYSTEMMAGDALENE

beiseite

DAVIDDas treue Gesicht! -

laut

DAVIDEi, sagt!

DAVIDWas treibt Ihr hier für Possen?

DAVIDBehüt es! Possen? Gar ernste Ding:

DAVIDfür die Meister hier

DAVIDricht ich den Ring.

SYSTEMMAGDALENE

DAVIDWie? Gäb es ein Singen?

DAVIDNur Freiung heut:

DAVIDder Lehrling wir da losgesprochen,

DAVIDder nichts wider die Tabulatur verbrochen:

DAVIDMeister wird,

DAVIDwen die Prob nicht reut.

SYSTEMMAGDALENE

DAVIDDa wär der Ritter ja am rechten Ort! -

DAVIDJetzt, Evchen, komm!

DAVIDWir müssen fort!

schnell zu den Frauen sich wendend

WALTHERZu Meister Pogner

WALTHERlaßt mich euch geleiten!

SYSTEMMAGDALENE

WALTHERErwartet den hier, er ist bald da.

WALTHERWollt Ihr Evchens,

WALTHERHand erstreiten,

WALTHERrückt Zeit und Ort das Glück Euch nah. -

(Zwei Lehrbuben kommen

dazu und tragen Bänke herbei.)

WALTHERJetzt eilig von hinnen!

WALTHERWas soll ich beginnen?

SYSTEMMAGDALENE

WALTHERLaßt David Euch lehren

WALTHERdie Freiung begehren. -

WALTHERDavidchen! Hör, mein lieber Gesell:

WALTHERden Ritter hier bewahr mir wohl zur Stell!

WALTHERWas Fein's aus der Küch

WALTHERbewahr ich für dich,

WALTHERund morgen begehr du noch dreister,

WALTHERwird hier der Junker heut Meister.

Sie drängt Eva zum Fortgehen.

zu Walther

EVASeh ich Euch wieder?

WALTHERHeut abend gewiß!

WALTHERWas ich will wagen,

WALTHERwie könnt ich's sagen?

WALTHERNeu ist mein Herz,

WALTHERneu mein Sinn,

WALTHERneu ist mir Alles,

WALTHERwas ich beginn.

WALTHEREines nur weiß ich,

WALTHEREines begreif ich:

WALTHERmit allen Sinnen

WALTHEREuch zu gewinnen!-

WALTHERIst's mit dem Schwert nicht,

WALTHERmuß es gelingen,

WALTHERgilt es als Meister

WALTHEREuch zu ersingen.

WALTHERFür Euch Gut und Blut,

WALTHERfür Euch

WALTHERDichters heil'ger Mut!

mit großer Wärme

EVAMein Herz, sel'ger Glut,

EVAfür Euch liebesheil'ge Hut!

SYSTEMMAGDALENE

EVASchnell heim!

EVASonst geht's nicht gut!

(der Walther verwunderungsvoll

gemessen)

DAVIDGleich Meister?

DAVIDOho! Viel Mut!

(Magdalene zieht Eva eilig durch die

Vorhänge nach sich fort. Walther wirft

sich aufgeregt und brütend. in einen

erhöhen. kathederartigen Lehnstuhl,

welchen zuvor zwei Lehrbuben von der

Wand ab, mehr nach der Mitte zu

gerückt hatten.)

DAVIDZweite Szene

(Noch mehrere Lehrbuben sind

eingetreten: sie tragen und stellen

Bänke und richten alles zur Sitzung

der Meistersinger her)

SYSTEMZWEITER LEHRBUBE

DAVIDDavid! Was stehst?

SYSTEMERSTER LEHRBUBE

DAVIDGreif an's Werk!

SYSTEMZWEITER LEHRBUBE

DAVIDHilf uns richten das Gemerk!

DAVIDZu eifrigst war

DAVIDich vor euch Allen;

DAVIDschafft nun für euch,

DAVIDhab ander Gefallen!

SYSTEMLEHRBUBEN

DAVIDWas der sich dünkt! -

DAVIDDer Lehrling Muster!

DAVIDDas macht, weil ein Meister ein Schuster! -

DAVIDBeim Leisten sitzt er mit der Feder!-

DAVIDBein Dichten

DAVIDmit Draht und Pfriem -

DAVIDSein Verse schreibt er auf rohes Leder.-

DAVIDDas - dächt ich - gerbten wir ihm!

(sie machen sich lachend

an die fernere Herrichtung.)

(nachdem er den sinnenden

Ritter eine Weile betrachtet)

DAVIDFanget an!

verwundert

WALTHERWas soll's?

noch stärker

DAVIDFanget an! ­

DAVIDSo ruft der Merker: -

DAVIDnun sollt Ihr singen!

DAVIDWißt Ihr das nicht?

WALTHERWer ist der Merker?

DAVIDWißt ihr das nicht?

DAVIDWart ihr nie bei 'nem

DAVIDSinggericht?

WALTHERNoch nie, wo die Richter Handwerker.

DAVIDSeid ihr ein Dichter?

WALTHERWär ich's doch!

DAVIDSeid Ihr ein Singer?

WALTHERWüsst ich's noch?

DAVIDDoch "Schulfreund" wart Ihr,

DAVIDund "Schüler" zuvor?

WALTHERDas klingt mir alles fremd vorm Ohr.

DAVIDUnd so grad hin wollt Ihr Meister werden?

WALTHERWie machte das so große Beschwerden?

DAVIDO Lene! Lene!

WALTHERWie Ihr doch tut!

DAVIDO Magdalene!

WALTHERRatet mir gut!

DAVIDMein Herr! Der Singer Meisterschlag

DAVIDgewinn sich nicht an einem Tag.

DAVIDIn Nüremberg der größte Meister

DAVIDmich lehrt die Kunst Hans Sachs;

DAVIDschon voll ein Jahr mich unterweis er,

DAVIDdaß ich als Schüler wachs.

DAVIDSchuhmacherei und Poeterei,

DAVIDdie lern ich da alleinerlei:

DAVIDhab ich das Leder

DAVIDglatt geschlagen,

DAVIDlern ich Vokal und Konsonanz sagen;

DAVIDwichst ich dann Draht

DAVIDerst fest und steif,

DAVIDwas sich dann reimt,

DAVIDich wohl begreif.

DAVIDDen Pfriemen schwingend

DAVIDim Stich die Ahl,

DAVIDwas stumpf, was klingend,

DAVIDwas Maß, was Zahl-

DAVIDden Leisten im Schurz,

DAVIDwas lang, was kurz,

DAVIDwas hart, was lind,

DAVIDhell oder blind,

DAVIDwas Waisen, was Milben,

DAVIDwas Klebsilben,

DAVIDwas Pausen, was Körner,

DAVIDwas Blumen, was Dörner,-

DAVIDdas Alles lernt ich

DAVIDmit Sorg und Acht:

DAVIDwie weit nun, meint Ihr,

DAVIDdaß ich's gebracht?

WALTHERWohl zu 'nem Paar recht guter Schuh?-

DAVIDJa, dahin hat's noch gute Ruh!

DAVIDEin "Bar" bat manch

DAVIDGesätz und Gebänd:

DAVIDwer da gleich die

DAVIDrechte Regel fänd,-

DAVIDdie richt'ge Naht

DAVIDund den rechten Draht,

DAVIDmit gut gefügten Stollen

DAVIDden Bar recht zu versohlen.

DAVIDUnd dann erst kommt der Abgesang,

DAVIDdaß er nicht kurz, und nicht zu lang,

DAVIDund auch keinen Reim enthält,

DAVIDder schon im Stollen gestellt.

DAVIDWer alles das merkt, weiß und kennt,

DAVIDwird doch immer noch

DAVIDnicht Meister genennt.

WALTHERHilf Gott!

WALTHERWill ich denn Schuster sein?

WALTHERIn die Singkunst lieber führ mich ein!

DAVIDJa - hätt ich's nur selbst schon zum

DAVIDSinger gebracht!

DAVIDWer glaubt wohl,

DAVIDwas das für Mühe macht!

DAVIDDer Meister Tön und Weisen,

DAVIDgar viel an Nam und Zahl,

DAVIDdie starken und die leisen,

DAVIDwer die wüßte allzumal!

DAVIDDer kurze, lang und überlang Ton,

DAVIDdie Schreibpapier, Schwarz-Dintenweis';

DAVIDder rote, blau und grüne Ton;

DAVIDdie Hageblüh-, Strohhalm-, Fengelweis';

DAVIDder zarte, der süße,

DAVIDder Rosenton;

DAVIDder kurzen Liebe,

DAVIDder vergess'ne Ton;

DAVIDdie Rosmarin, Gelbveigleinweis',

DAVIDdie Regenbogen-,

DAVIDdie Nachtigallweis';

DAVIDdie englische Zinn-,

DAVIDdie Zimmtröhrenweis',

DAVIDfrisch Pomeranzen,

DAVIDgrün Lindenblühweis';

DAVIDdie Frösch, die Kälber-,

DAVIDdie Stieglitzweis',

DAVIDdie abgeschiedne Vielfraßweis';

DAVIDder Lerchen-,

DAVIDder Schnecken-,

DAVIDder Bellerton;

DAVIDdie Melissenblümlein-,

DAVIDdie Meiranweis',

DAVIDgelb Löwenhaut-,

DAVIDtreu Pelikanweis';

DAVIDdie buntglänzende Drahtweis' ...

WALTHERHilf Himmel!

WALTHERWelch endlos Tönegeleis!

DAVIDDas sind erst die Namen;

DAVIDnun lernt sie singen,

DAVIDrecht wie die Meister sie gestellt.

DAVIDJed' Wort und Ton muß klärlich klingen,

DAVIDwo steigt die Stimm und wo sie fällt;

DAVIDfangt nicht zu hoch,

DAVIDzu tief nicht an,

DAVIDals es die Stimm erreichen kann.

DAVIDMit dem Atem spart,

DAVIDdaß ein nicht knappt,

DAVIDund gar am End überschnappt;

DAVIDvor der Wort mit der

DAVIDStimme ja nicht summt,

DAVIDnach dem Wort mit dem

DAVIDMund auch nicht brummt.

DAVIDNicht ändert an Blum und Koloratur,

DAVIDjed' Zierat fest nach des Meisters Spur.

DAVIDVerwechseltet Ihr,

DAVIDIhr würdet gar irr;

DAVIDverlört Ihr Euch,

DAVIDund kämt ms Gewirr:

DAVIDwär' sonst Euch Alles auch gelungen,

DAVIDda hättet Ihr gar versungen! -

DAVIDTrotz großem Fleiß und Emsigkeit,

DAVIDich selbst noch bracht es nicht so weit:

DAVIDso oft ich's versuch,

DAVIDund's nicht gelingt,

DAVIDdie Knieriem-Schlagweis'

DAVIDder Meister mir singt.

DAVIDWenn dann Jungfer Lene

DAVIDnicht Hilfe weiß,

DAVIDsing ich die eitel Brot-

DAVIDund Wasserweis'.

DAVIDNehmt Euch din Beispiel dran,

DAVIDund lasst vom Meisterwahn!

DAVIDDenn Singer und Dichter müßt Ihr sein,

DAVIDeh Ihr zum Meister kehret ein.

SYSTEMLEHRBUBEN

während der Arbeit

DAVIDDavid!

WALTHERWer ist nun "Dichter"?

SYSTEMLEHRBUBEN

WALTHERDavid! Kommst her?

zu den Lehrbuben

DAVIDWartet nur! Gleich! -

schnell wieder zu Walther sich wendend

DAVIDWer "Dichter" wär'?

DAVIDHabt Ihr zum Singer

DAVIDEuch aufgeschwungen,

DAVIDund der Meister Töne richtig gesungen;

DAVIDfügtet Ihr selbst nun Reim und Wort,

DAVIDdaß sie genau an Stell und Ort

DAVIDpaßten su eines Meisters Ton,

DAVIDdann trügt Ihr den Dichterpreis davon.

SYSTEMLEHRBUBEN

DAVIDHe! David!

DAVIDSoll man's dem Meister klagen?

DAVIDWirst dich bald deines

DAVIDSchwatzens entschlagen?

DAVIDOho! Jawohl!

DAVIDDenn helf ich euch nicht,

DAVIDohne mich wird Alles doch falsch gericht

ihn zurückhaltend

WALTHERNur dies noch: -

WALTHERwer wird "Meister" genannt?

DAVIDDamit, Herr Ritter, ist's so bewandt: -

DAVIDder Dichter, der aus eignem Fleiße

DAVIDzu Wort un Reimen,

DAVIDdie ein erfand,

DAVIDaus Tönen auch fügt eine neue Weise:

DAVIDder wird als

DAVIDMeistersinger erkannt.

WALTHERSo bleibt mir einzig

WALTHERder Meisterlohn!

WALTHERMuß ich singen,

WALTHERkann's nur gelingen,

WALTHERfind ich zum Vers

WALTHERauch den eignen Ton.

der sich zu den Lehrbuben gewendet hat

DAVIDWas macht ihr denn da? ­

DAVIDJa, fehl ich beim Werk,

DAVIDverkehrt nur richtet ihr Stuhl und Gemerk!

DAVIDIst denn heut Singschul?

DAVIDDaß ihr's wißt!

DAVIDDas kleine Gemerk!

DAVIDNur Freiung ist.

(Die Lehrbuben, welche in der Mitte

der Bühne ein großeres Gerüste mit

Vorhängen aufgeschlagen hatten,

schaffen auf Davids Weisung dies schnell

bei Seite und stellen dafür ebenso eilig

ein geringeres Brettergerüst auf; darauf

stellen sie einen Stuhl mit einen kleinen

Pult davor, daneben eine große schwarze

Tafel, daran die Kreide am Faden

aufgehängt wird; um das Gerüst sind

schwarze Vorhdnge angebracht, welche

zunächst hinten und an den beiden Seiten,

dann auch vorn ganz zusammengezogen

werden.)

SYSTEMDIE LEHRBUBEN

wührend der Herrichtung

DAVIDAller End ist doch David

DAVIDder Allergescheit'st;

DAVIDnach hohen Ehren

DAVIDganz sicher ein geizt.

DAVID's ist Freiung heut!

DAVIDgewiß ein freit;

DAVIDals vornehmer Singer

DAVIDer schon sich spreizt.

DAVIDDie Schlagreime fest er inne bat,

DAVIDarm Hungerweise singt ein glatt!

DAVIDDoch die harte Trittweise,

DAVIDdie kennt ein am best,

DAVIDdie trat ihm der Meister

DAVIDhart und fest.

Sie lachen.

DAVIDJa, lacht nur zu!

DAVIDHeut bin ich's nicht.

DAVIDEin andrer stellt sich zum Gericht;

DAVIDder war nicht Schüler,

DAVIDist nicht Singer,

DAVIDden Dichter - sagt ein ­

DAVIDüberspring'er;

DAVIDdenn ein ist Junker,

DAVIDund mit einem Sprung er

DAVIDdenkt ohne weitre Beschwerden

DAVIDheut hier Meister zu werden.

DAVIDDrum richtet nur fein

DAVIDdas Gemerk dem ein!

DAVIDso daß sie recht dem Merker zur Hand! -

DAVIDDorthin! Hierher!

DAVIDDie Tafel an die Wand,

zu Walther sich umwendend

DAVIDJa, ja: dem Merker! ­

DAVIDWird Euch wohl bang?

DAVIDVor ihm schon mancher Werber versang.

DAVIDSieben Fehler gibt ein Euch vor,

DAVIDdie merkt ein mit Kreide dort an:

DAVIDwer über sieben Fehler verlor,

DAVIDbat versungen und ganz vertan!

DAVIDNun nehmt Euch in Acht:

DAVIDDer Merker wacht!

DAVIDGlück auf zum Meistersingen!

DAVIDMögt Euch das Kranzlein erschwingen!

DAVIDDas Blumenkränzlein aus Seiden fein,

DAVIDwird das dem Herrn Ritter beschieden sein?

SYSTEMDIE LEHRBUBEN

(welche zu gleicher Zeit das Gemerk

geschlossen haben, fassen sich an und

tanzen einen verschlungenen Reigen um

dasselbe)

DAVIDDas Blumenkränzlein aus Seiden fein,

DAVIDwird das dem Herrn Ritter beschieden sein?

(Die Lehrbuben fahren sogleich

erschrocken außeinander, als die

Sakristei aufgeht und Pogner mit

Beckmesser eintritt; sie ziehen

sich nach hinten zurück.)

DAVIDDritte Szene

(Zur Seite rechts sind gepolsterte Bänke

in der Weise aufgestellt, daß sie einen

schwachen Halbkreis nach der Mitte zu

bilden. Am Ende der Bünke, in der Mitte

der Bühne, bel indet sich das "Gemerk"

benannte Gerüste, welches zuvor

hergerichtet worden. Zur linken Seite

steht nur der erhöhte, kathederartige

("der Singstuhl") der Versammlung

gegenüber. Im Hintergrunde, den

grossen Vorhang entlang, steht eine

lange niedere Bank für die Lehrlinge. ­

Walther, verdrießlich über das Gespött

der Knaben, hat sich auf dw vordere Bank

niedergelassen. Pogner und Beckmesser

sind im Gespräch aus der Sakristei

aufgetreten. Die Lehrbuben harren

ehrerbietig vor der hinteren Bank

stehend. Nur David stellt sich anfänglich

am Eingang bei der Sakristei auf.)

zu Beckmesser

POGNERSeid meiner Treue wohl versehen,

POGNERwas ich bestimmt,

POGNERist Euch zu Nutz:

POGNERim Wettgesang

POGNERmüßt Ihr bestehen,

POGNERwer böte Euch

POGNERals Meister Trutz?

BECKMESSERDoch wollt Ihr von

BECKMESSERdem Punkt nicht weichen,

BECKMESSERder mich - ich sag's ­

BECKMESSERbedenklich macht:

BECKMESSERkann Evchens Wunsch

BECKMESSERden Werber streichen,

BECKMESSERwas nützt mir meine

BECKMESSERMeister-Pracht?

POGNEREi sagt , ich mein vor allen Dingen

POGNERsollt Euch an dem gelegen sein?

POGNERKönnt Ihr der Tochter

POGNERWunsch nicht zwingen,

POGNERwie möchtet Ihr wohl um sie frein?

BECKMESSEREi ja! Gar wohl!

BECKMESSERDrum eben bitt ich,

BECKMESSERdaß bei dem Kind Ihr für mich sprecht,

BECKMESSERwie ich geworben zart und sittig,

BECKMESSERund wie Beckmesser

BECKMESSERgrad Euch recht.

POGNERDas tu ich gern

beiseite

BECKMESSEREr läßt nicht nach.

BECKMESSERWie wehrt ich da 'nem Ungemach?

(der, als er Pogner gewahrt, aufgestanden

und ihm entgegengegangen ist, verneigt

sich vor ihm.)

WALTHERGestatter, Meister!

POGNERWie, mein Junker?

POGNERIhr sucht mich in der Singschule hie?

wechseln Begrüßungen.

immer beiseite

BECKMESSERVerstünden's die Fraun;

BECKMESSERdoch schlechtes Geflunker

BECKMESSERgilt ihnen mehr als all' Poesie.

WALTHERHier eben bin ich am rechten Ort:

WALTHERgesteh ich's frei, vom Lande fort

WALTHERwas mich nach Nürnberg trieb,

WALTHERwar nur zur Kunst die Lieb.

WALTHERVergaß ich's gestern Euch zu sagen,

WALTHERheut muß ich's laut zu künden wagen:

WALTHERein Meistersinger möcht ich ein!

Schliesst, Meister,

WALTHERin die Zunft mich ein!

(Kunz Vogelgesang und Konrad

Nachtigall sind eingetreten.)

zu den Hinzutretenden sich wendend

POGNERKunz Vogelgesang!

POGNERFreund Nachtigall!

Hört doch, welch ganz besondrer Fall:

POGNERder Ritter hier,

POGNERmir wohl bekannt,

POGNERhat der Meisterkunst sich zugewandt.

(Vorstellungen und Begrüßungen;

andre Meistersinger treten noch dazu)

für sich.

BECKMESSERNoch such ich's zu wenden; doch,

BECKMESSERsollt's nicht gelingen,

BECKMESSERversuch ich des Mädchens Herz

BECKMESSERzu ersingen:

BECKMESSERin stiller Nacht,

BECKMESSERvon ihr nur gehört,

BECKMESSERerfahr ich,

BECKMESSERob auf mein Lied sie schwört.

Walther erblicken

BECKMESSERWer ist der Mensch? -

zu Walther

POGNERGlaubt, wie mich's freut!

POGNERDie alte Zeit dünkt mich erneut.

für sich.

BECKMESSEREr gefällt mir nicht!

POGNERWas Ihr begehrt, -

BECKMESSERWas will ein hier

POGNER...so viel an mir, -

BECKMESSERWie der Blick ihm lacht!

POGNER...sei's Euch gewährt.

POGNERHall ich Euch gern

POGNERbei des Gut's Verkauf,

BECKMESSERHolla! Sixtus!

POGNER...in die Zunft num nehm ich Euch

POGNERgleich gern aut.

BECKMESSERAuf den hab Acht!

zu Pogner

WALTHERHabt Bank der Güte

WALTHERaus tiefstem Gemüte!

WALTHERUnd darf ich denn hoffen?

WALTHERSteht heut mir noch offen,

WALTHERzu werben um den Preis,

WALTHERdaß Meistersinger ich heiß?

BECKMESSEROho! Fein sacht!

BECKMESSERAuf dem Kopf steht kein Kegel!

POGNERHerr Ritter,

POGNERdies geh nun nach der Regel.-

POGNERDoch heut ist Freiung;

POGNERich schlag Euch vor:

POGNERmir leihen die Meister ein willig Ohr!

(Die Meistersinger sind nun alle

angelangt, zuletzt auch Hans Sachs.)

SACHSGott grüß Euch, Meister

SYSTEMVOGELGESANG

SACHSSind wir beisammen?

BECKMESSERDer Sachs ist ja da!

NACHTIGALLSo ruft die Namen.

(zieht ein Liste hervor, stellt

sich zur Seite auf und ruft laut)

KOTHNERZu einer Freiung und Zunftberatung

KOTHNERging an die Meister ein' Einladung:

KOTHNERbei Nenn' und Nam',

KOTHNERob Jeder kam,

KOTHNERruf ich nun auf als letzt-Entbot'ner,

KOTHNERder ich mich nenn'

KOTHNERund bin Fritz Kothner. -

KOTHNERSeid Ihr da, Veit Pogner?

POGNERHier zur Hand!

Er setzt sich.

KOTHNERKunz Vogelgesang?

SYSTEMVOGELGESANG

KOTHNEREin sich fand.

Setzt sich.

KOTHNERHemmann Ortel?

ORTELImmer am Ort.

Setzt sich.

KOTHNERBalthasar Zorn?

ZORNBleibt niemals fort.

Setzt sich.

KOTHNERKonrad Nachtigall?

NACHTIGALLTreu seinem Schlag.

Setzt sich.

KOTHNERAugustin Moser?

MOSERNie fehlen mag.

Setzt sich.

KOTHNERNiklaus Vogel? - Schweigt?

SYSTEMEIN LEHRBUBE

von der Bank aufstehend

KOTHNERIst krank!

KOTHNERGut Bess'rung dem Meister!

SYSTEMALLE MEISTER

KOTHNERWalt's Gott!

SYSTEMDER LEHRBUBE

KOTHNERSchön' Dank!

Er setzt sich wieder nieder.

KOTHNERHans Sachs?

DAVIDDa steht er!

drohend zu David

SACHSJuckt dich das Fell? -

SACHSVerzeiht, Meister! ­

SACHSSachs ist zur Stell!

Er setzt sich.

KOTHNERSixtus Beckmesser?

BECKMESSERImmer bei Sachs,

BECKMESSERdas den Reim ich lern von

BECKMESSER"blüh' und wachs"

(Er setzt sich neben Sachs;

dieser lacht)

KOTHNERUlrich Eisslinger?

EISSLINGERHier!

Setzt sich.

KOTHNERHans Foltz?

FOLTZBin da.

Setzt sich.

KOTHNERHans Schwarz?

SCHWARZZuletzt: Gott wollt's!

Setzt sich.

KOTHNERZur Sitzung gut und voll die Zahl.

KOTHNERBeliebt's wir schreiten zur Merkerwahl?

SYSTEMVOGELGESANG

KOTHNERWohl eh'r nach dem Fest?

zu Kothner

BECKMESSERPressiert's den Herrn?

BECKMESSERMein Stell und Amt laß ich ihm gern.

POGNERNicht doch, ihr Meister;

POGNERlaßt das jetzt fort!

POGNERFür wicht'gen Antrag bitt ich ums Wort.

(Die Meister stehen auf und

setzen sich wieder.)

KOTHNERDas habt Ihr; Meister, sprecht!

POGNERNun hört, und versteht mich recht! -

POGNERDas schöne Fest Johannistag,

POGNERihr wißt, begehn wir morgen:

POGNERauf grüner Au',

POGNERam Blumenhag,

POGNERbei Spiel und Tanz im Lustgelag,

POGNERan froher Brust geborgen,

POGNERvergessen seiner Sorgen,

POGNERein Jeder freut sich wie ein mag.

POGNERDie Singschul ernst im Kirchenchor

POGNERdie Meister selbst vertauschen;

POGNERmit Kling und Klang hinaus zum Tor

POGNERauf offne Wiese ziehn sie vor;

POGNERbei hellen Festes Rauschen

POGNERdas Volk sie lassen lauschen

POGNERdem Freigesang mit Laienohr.

POGNERZu einem Werb-

POGNERund Wettgesang

POGNERgestellt sind Siegespreise,

POGNERund beide preist man weit und lang,

POGNERdie Gabe wie die Weise.

POGNERNun schuf mich Gott zum reichen Mann;

POGNERund gibt ein Jeder, wie er kann,

POGNERso mußte ich wohl sinnen,

POGNERwas ich gäb, zu gewinnen,

POGNERdaß ich nicht käm zuschand': -

POGNERso hört denn,

POGNERwas ich fand.

POGNERIn deutschen Landen viel gereist,

POGNERhat oft es mich verdrossen,

POGNERdaß man den Bürger wenig preist,

POGNERihn karg nennt und verschlossen.

POGNERAn Höfen, wie an niedrer Statt,

POGNERdes bittren Tadels ward ich satt,

POGNERdaß nur auf Schacher und Geld

POGNERsein Merk der Bürger stellt.

POGNERDaß wir im weiten deutschen Reich

POGNERdie Kunst einzig noch pflegen,

POGNERdran dünkt ihnen wenig gelegen.

POGNERDoch wie uns das zur Ehre gereich,

POGNERun daß mit hohem Mut

POGNERwir schätzen, was schön und gut,

POGNERwas wert die Kunst,

POGNERund was sie gilt,

POGNERdas ward ich der Welt

POGNERzu zeigen gewillt;

POGNERdrum hört, Meister, die Gab,

POGNERdie als Preis bestimmt ich habe!

POGNERDein Singer,

POGNERder im Kunstgesang

POGNERvor allem Volk den Preis errang,

POGNERam Sankt-Johannis-Tag,

POGNERsei ein wer ein auch mag,

POGNERdem geb ich,

POGNERein Kunst-Gewogner,

POGNERvon Nüremberg Veit Pogner

POGNERmit all meinem Gut',

POGNERwies's geh und steh,

POGNEREva, mein einzig Kind, zur Eh'

SYSTEMDIE MEISTER

sehr lebhaft durcheinander

POGNERDas heiß ein Wort, ein Wort ein Mann!

POGNERDa sieht man, was ein Nürnberger kann!

POGNERDrob preist man Euch noch weit und breit,

POGNERden wackren Bürger, Pogner Veit!

SYSTEMDIE LEHRBUBEN

POGNERAlle Zeit!

POGNERWeit und breit!

POGNERPogner Veit!

SYSTEMVOGELGESANG

POGNERWer möchte da nicht ledig sein!

SACHSSein Weib gäb mancher gern wohl drein.

KOTHNERAuf, ledig Mann!

KOTHNERJetzt macht euch 'man!

POGNERNun hört noch,

POGNERwie ich's ernstlich mein!

POGNEREin' leblos Gabe geb ich nicht;

POGNERein Mägdelein sitzt mit zum Gericht:

POGNERden Preis erkennt die Meisterzunft;

POGNERdoch, gilt's der Eh',

POGNERso will's Vernunft,

POGNERdaß ob der Meister Rat

POGNERdie Braut den Ausschlag bat.

zu Kothner gewandt

BECKMESSERDünkt Euch das klug?

KOTHNERVersteh ich gut,

KOTHNERIhr gebt uns in des Mägdleins Hut?

BECKMESSERGefährlich das!

KOTHNERStimmt es nicht bei,

KOTHNERwie wäre dann

KOTHNERder Meister Urteil frei?

BECKMESSERLaßt's gleich wählen nach Herzens Ziel,

BECKMESSERund laßt den Meistergesang aus dem Spiel!

POGNERNicht so!

POGNERWie doch?

POGNERVersteht mich recht!

POGNERWein ihr Meister den Preis zusprecht,

POGNERdie Maid kann dem verwehren,

POGNERdoch nie einen andre begehren.

POGNEREin Meistersinger muß ein sein,

POGNERnum wen ihr krönt, den soll sie frei'n.

SACHSVerzeiht,

SACHSvielleicht schon ginget ihr zu weit.

SACHSEin Mädchenherz und Meisterkunst

SACHSerglühn nicht stets in gleicher Brunst:

SACHSder Frauen Sinn,

SACHSgar unbelehrt,

SACHSdünkt mich dem Sinn

SACHSdes Volks gleich wert.

SACHSWollt ihr nun vor dem Volke zeigen,

SACHSwie hoch die Kunst ihr ehrt,

SACHSund laßt ihr dem Kind

SACHSdie Wahl su eigen,

SACHSwollt nicht,

SACHSdaß dem Spruch es wehrt -

SACHSso laß das Volk auch Richter sein:

SACHSmit dem Kinde sicher stimmt's überein.

SYSTEMDIE MEISTER

untereinander

SACHSOho! Das Volk?

SACHSJa, das wäre schön!

SACHSAde dann Kunst und Meister-Tön'!

KOTHNERNein, Sachs! Gewiß, das hat keinen Sinn!

KOTHNERGebt Ihr dem Volk die Regeln hin?

SACHSVernehmt mich recht! Wie ihr doch tut!

SACHSGesteht, ich kenn die Regeln gut;

SACHSund daß die Zunft die Regeln bewahr,

SACHSbemüh ich mich selbst schon manches Jahr.

SACHSDoch einmal im Jahre fänd ich's weise,

SACHSdaß man die Regeln selbst probier,

SACHSob in der Gewohnheit trägem Gleise

SACHSihr' Kraft und Leben nicht sich verlier.

SACHSUnd ob ihr der Natur

SACHSnoch seid auf rechter Spur,

SACHSdas sagt euch nur,

SACHSwer nichts weiß von der Tabulatur

(Die Lehrbuben springen

auf und reiben sich die Hände.)

SYSTEMLEHRBUBEN

SACHSHa ha ha!

BECKMESSERHei, wie sich die Buhen freuen!

eifrig fortfahrend

SACHSDrum mocht' es euch nie gereuen,

SACHSdaß jährlich am

SACHSSankt-Johannis-Fest,

SACHSstatt daß das Volk man kommen läßt,

SACHSherab aus hoher Meisterwolk

SACHSihr selbst euch wendet su dem Volk.

SACHSDein Volke wollt ihr behagen;

SACHSnun dächt ich, läg es nah,

SACHSihr lisst es selbst euch auch sagen,

SACHSob das ihr zur Lust geschah!

SACHSDaß Volk und Kunst

SACHSgleich blüh und wachs,

SACHSbestellt ihr so, mein ich, Hans Sachs!

SYSTEMVOGELGESANG

SACHSIhr meint's wohl recht!

KOTHNERDoch steht's drum faul.

NACHTIGALLWenn spricht das Volk,

NACHTIGALLhalt ich das Maul.

Dein Kunst droht allweil Fall und Schmach,

KOTHNERläuft sie der Gunst des Volkes nach

BECKMESSERDein bracht er's

BECKMESSERweit, der hier so dreist:

BECKMESSERGassenhauer dichtet

BECKMESSERein meist.

POGNERFreund Sachs!

POGNERWas ich mein,

POGNERist schon neu:

POGNERzuviel auf einmal brächte Reu.

POGNERSo frag ich,

POGNERob den Meistern gefällt

POGNERGab' und Regel,

POGNERso wie ich's gestellt?

Die Meister erheben sich beistimmend.

SACHSMir genügt der Jungfer

SACHSAusschlagstimm.

für sich

BECKMESSERDer Schuster weckt doch stets mir Grimm!

KOTHNERWer schreibt sich als Werber ein?

KOTHNEREin Junggesell muß es ein.

BECKMESSERVielleicht auch ein Witwer?

BECKMESSERFragt nur den Sachs!

SACHSNicht doch, Herr Merker!

SACHSAus jüngrem Wachs,

SACHSals ich und Ihr, muß der Freier sein,

SACHSsoll Evchen ihr den Preis verleihn.

BECKMESSERAls wie auch ich? - Grober Gesell!

KOTHNERBegehrt wer Freiung, der komm zur Stell'!

KOTHNERIst jemand gemeld't der Freiung begehrt?

POGNERWohl, Meister! Zur Tagesordnung kehrt,

POGNERund nehmt von mir Bericht,

POGNERwie ich auf Meisterpflicht

POGNEReinem jungen Ritter empfehle,

POGNERder will, daß man ihn wähle,

POGNERund heut als Meistersinger frei.

POGNERMein Junker Stolzing ­

POGNERkommt herbei!

Walther tritt hervor und verneigt sich.

beiseite

BECKMESSERDacht ich mir's doch!

BECKMESSERGeht's da hinaus, Veit? -

laut

BECKMESSERMeister, ich mein, zu spät ist's der Zeit!

SYSTEMDIE MEISTER

untereinander

Der Fall ist neu: -

BECKMESSEREin Ritter gar?

BECKMESSERSoll man sich freun? ­

BECKMESSEROder war' Gefahr?

BECKMESSERImmerhin hat's ein groß Gewicht,

BECKMESSERdaß Meister Pogner für ihn spricht.

KOTHNERSoll uns der Junker willkommen sein.

KOTHNERzuvor muß ein wohl vernommen sein.

POGNERVernehmt ihn wohl!

POGNERWünsch ich ihm Glück,

POGNERnicht bleib ich doch

POGNERhinter der Regel zurück.

POGNERTut, Meister, die Fragen!

KOTHNERSo mög uns der Junker sagen:

KOTHNERIst ein frei und ehrlich geboren?

POGNERDie Frage geht verloren,

POGNERdar ich euch selbst des Bürge steh,

POGNERdaß ein aus frei und edler Eh':

POGNERvon Stolzing Walther aus Frankenland,

POGNERnach Brief und Urkund mir wohlbekannt.

POGNERAls seines Stammes letzter Sproß

POGNERverließ ein neulich Hof und Schloß,

POGNERund zog nach Nürnberg her,

POGNERdaß ein hier Bürger wär.

BECKMESSERNeu-Junkerunkraut ­

BECKMESSERtut nicht gut!

NACHTIGALLFreund Pogners Wort Genüge tut.

SACHSWie längst von den

SACHSMeistern beschlossen ist,

SACHSob Herr, ob Bauer, nichts beschließt:

SACHShier fragt sich's nach der Kunst allein,

SACHSwer will ein Meistersinger sein.

KOTHNERDrum nun frag ich zur Stell:

KOTHNERwelch Meister seid Ihr Gesell?

WALTHERAm stillen Herd

WALTHERin Winterszeit,

WALTHERwann Burg und Hof mir eingeschneit, -

wie einst der Lenz so lieblich lacht,

WALTHERund wie ein bald wohl neu erwacht, -

WALTHERein altes Buch,

WALTHERvom Ahn vermacht,

WALTHERgab das oft zu lesen:

WALTHERHerr Walther von der Vogelweid,

WALTHERder ist mein Meister gewesen.

SACHSEin guter Meister!

BECKMESSERDoch lang schon tot,

BECKMESSERwie lehrt ihn der wohl

BECKMESSERder Regeln Gebot?

KOTHNERDoch in welcher Schul das Singen

KOTHNERmocht .Euch zu lernen gelingen?

WALTHERWann dann die Flur vom Frost befreit,

WALTHERund wiederkehrt die Sommerszeit,

WALTHERwas einst in langer Wintersnacht

WALTHERdas alte Buch mir kund gemacht,

WALTHERdas schallte laut in Waldes Pracht,

WALTHERdas hört ich hell erklingen:

WALTHERim Wald dort auf der Vogelweid

WALTHERda lernt ich auch das Singen.

BECKMESSEROho! Von Finken und Meisen

BECKMESSERlerntet Ihr Meisterweisen?

BECKMESSERDas wird denn wohl auch darnach sein!

SYSTEMVOGELGESANG

zu Beckmesser

BECKMESSERZwei art'ge Stollen faßt er da ein.

BECKMESSERIhr lobt ihn, Meister Vogelgesang,

BECKMESSERwohl weil vom Vogel er lernt den Gesang?

KOTHNERWas meint ihr,

KOTHNERMeister, frag ich noch fort?

KOTHNERMich dünkt,

KOTHNERder Junker ist fehl am Ort.

SACHSDas wird sich bäldlich zeigen:

SACHSwenn rechte Kunst ihm eigen,

SACHSund gut ein sie bewährt,

SACHSwas gilt's, wer sie ihn gelehrt?

zu Walther

KOTHNERSeid Ihr bereit,

KOTHNERob Euch geriet

KOTHNERmit neuer Find' ein Meisterlied,

KOTHNERnach Dicht' und Weis' eu'r eigen,

KOTHNERzur Stunde jetzt zu zeigen?

WALTHERWas Winternacht,

WALTHERwas Waldespracht,

WALTHERwas Buch und Hain mich wiesen,

WALTHERwas Dichtersanges Wundermacht

WALTHERmir heimlich wollt erschließen;

WALTHERwas Rosses Schritt

WALTHERbeim Waffenritt,

WALTHERwas Reihentanz

WALTHERbei heitrem Schanz

WALTHERmir sinnend gab zu lauschen:

WALTHERgilt es des Lebens höchsten Preis

WALTHERum Sang mir einzutauschen,

WALTHERzu eignem Wort und eigner Weis'

WALTHERwill einig mir es fließen,

WALTHERals Meistersang ob den ich weiß,

WALTHEReuch Meistern sich ergießen.

BECKMESSEREntnahmt ihm was

BECKMESSERder Worte Schwall?

SYSTEMVOGELGESANG

BECKMESSEREi nun, er wagt's!

NACHTIGALLMerkwürd'ger Fall!

KOTHNERNun, Meister! Wenn's gefällt,

KOTHNERwerd das Gemerk bestellt.

zu Walther

KOTHNERWählt der Herr einen heil'gen Stoff?

WALTHERWas heilig mir,

WALTHERder Liebe Panier

WALTHERschwing und sing ich, mir zu Hoff'.

KOTHNERDas gilt uns weltlich. Drum allein,

KOTHNERMeister Beckmesser, schliesst Euch ein!

(erhebt sich und schreitet wie

widerwillig dem Gemerk zu)

BECKMESSEREin saures Amt,

BECKMESSERund heut zumal!

BECKMESSERWohl gibt's mit der Kreide manche Qual!

Er verneigt sich gegen Walther.

BECKMESSERHerr Ritter, wißt:

BECKMESSERSixtus Beckmesser Merker ist;

BECKMESSERhier im Gemerk

BECKMESSERverrichtet ein still

BECKMESSERein strenges Werk.

BECKMESSERSieben Fehler gibt ein Euch vor,

BECKMESSERdie merkt er mit Kreide dort an:

BECKMESSERwenn er über sieben Fehler verlor,

BECKMESSERdann versang der Herr Rittersmann.

Er setzt sich im Gemerk.

BECKMESSERGar fein er hört;

BECKMESSERdoch, daß er Euch den Mut nicht stört,

BECKMESSERsäh't Ihr ihm zu,

BECKMESSERso gibt ein Euch Ruh.

und schliesst sich gar hier ein, -

BECKMESSERläßt Gott Euch befohlen sein.

(Er streckt den Kopf, höhnich freundlich

nickend, heraus und verschwindet hinter

dem eingezogenen Vorhange des Gemerks

gänzlich.)

zu Walther

KOTHNERWas Euch zum Liede Richt und Schnur,

KOTHNERvernehmt nun aus der Tabulatur!

(Die Lehrbuben haben die an der Wand

aufgehängte Tafel der "Leges Tabulaturae"

herabgenommen und halten sie Kothnervor;

dieser liest daraus.)

KOTHNER"Ein jedes Meistergesanges Bar

KOTHNERsteil ordentlich ein Gemäße dar

KOTHNERaus unterschiedlichen Gesätzen,

KOTHNERdie keiner soll verletzen.

KOTHNEREin Gesätz besteht aus zweenen Stollen,

KOTHNERdie gleiche Melodie haben sollen;

KOTHNERder Stoll aus etlicher Vers' Gebänd,

KOTHNERder Vers hat einen Reim am End.

KOTHNERDarauf so folgt der Abgesang,

KOTHNERder sie auch etlich Verse lang,

KOTHNERund hab sein' besondre Melodei,

KOTHNERals nicht im Stollen zu linden sei.

KOTHNERDerlei Gemäßes mehre Baren

KOTHNERsoll ein jed' Meisterlied bewahren;

KOTHNERund wer ein neues Lied gericht,

KOTHNERdas über vier der Silben nicht

KOTHNEReingreift in andrer Meister weis',

KOTHNERdes Lied erwerd sich Meisterpreis!"

(Er gibt die Tafel den Lehrbuben

zurück; diese hängen sie wieder auf.)

KOTHNERNun setzt Euch in den Singestuhl.

WALTHERHier - in den Stuhl?

KOTHNERWie's Brauch der Schul.

(besteigt den Stuhl und setzt

sich mit Widerstrebgn. Beiseite.)

WALTHERFür dich, Geliebte, sei's getan!

sehr laut

KOTHNERDer Sänger sitzt.

unsichtbar im Gemerk, sehr laut

BECKMESSERFanget an!

WALTHER"Fanget an"

WALTHERSo rief der Lenz in den Wald,

WALTHERdaß laut es ihn durchhallt:

WALTHERund, wie in fern'ren Wellen

WALTHERder Hall von dannen flieht,

WALTHERvon weit her naht ein Schwellen,

WALTHERdas mächtig näher zieht.

WALTHEREs schwillt und schallt,

WALTHERes tönt der Wald

WALTHERvon holder Stimmen Gemenge;

WALTHERnun laut und hell,

WALTHERschon nah zur Stell,

WALTHERwie wächst der Schwall!

WALTHERWie Glockenhall

WALTHERertost des Jubels Gedränge!

WALTHERDer Wald,

WALTHERwie bald

WALTHERantwortet er dem Ruf,

WALTHERder neu ihr Leben schuf:

WALTHERstimmte an

WALTHERdas süße Lenzeslied.

(Man hört aus dem Gemerk unmutige

Seufzer des Merkers und heftiges

Anstreichen mit der Kreide. Auch

Walther hat es bemerkt; nach kurzer

Störung fährt er fort.)

WALTHERIn einer Dornenhecken,

WALTHERvon Neid und Gram verzehrt,

WALTHERmußt ein sich da verstecken,

WALTHERder Winter, Grimm-bewehrt:

WALTHERvon dürren Laub umrauscht,

WALTHERer lauert da und lauscht,

WALTHERwie er das frohe Singen

WALTHERzu Schaden könnte bringen.

Er steht vom Stühle auf.

WALTHERDoch: fanget an! -

WALTHERSo rief es mit in die Brust,

WALTHERals noch ich von Liebe nicht wusst.

WALTHERDa fühlt ich's tief sich regen,

WALTHERals weckt es mich aus dem Traum;

WALTHERmein Herz mit bebenden Schlägen

WALTHERerfüllte des Busens Raum:

WALTHERDas Blut, es wallt

WALTHERmit Allgewalt,

WALTHERgeschwellt von neuem Gefühle;

WALTHERaus warmer Nacht,

WALTHERmit Übermacht,

WALTHERschwillt mit zum Meer

WALTHERder Seufzer Herr

WALTHERin wildem Wonnegewühle.

WALTHERDie Brust

WALTHERwie bald

WALTHERantwortet sie dem Ruf,

WALTHERder neu ihr Leben schuf;

WALTHERstimmt nun an

WALTHERdas hehre Liebeslied!

den Vorhang aufreißend

BECKMESSERSeid Ihr nun fertig?

WALTHERWie fraget Ihr?

BECKMESSERMit der Tafel ward ich fertig schier.

(Er hält die ganz mit Kreidestrichen

bedeckte Tafel heraus. Die

Meister brechen in ein Gelächter aus.)

WALTHERHört doch, zu meiner Frauen Preis

WALTHERgelang ich jetzt erst mit der Weis'.

das Gemerk verlassend

BECKMESSERSingt, wo Ihr wollt! Hier habt Ihr vertan!

BECKMESSERIhr Meister, schaut die Tafel euch an:

BECKMESSERso lang ich leb, ward's nicht erhört!

BECKMESSERIch glaubt's nicht,

BECKMESSERwenn ihr's all auch schwört!

WALTHERErlaubt ihr's Meister,

WALTHERdaß ein mich stört?

WALTHERBlieb ich von Allen ungehört?

POGNEREin Wort, Herr Merker!

POGNERIhr seid gereizt!

BECKMESSERSei Merker fortan,

BECKMESSERwer darnach geizt!

BECKMESSERDoch daß der Junker hier versungen hat,

BECKMESSERbeleg ich erst noch vor der Meister Rat.

BECKMESSERZwar wird's 'ne harte Arbeit sein:

BECKMESSERwo beginnen,

BECKMESSERda wo nicht aus noch ein?

BECKMESSERvon falscher Zahl,

BECKMESSERund falscher Gebänd -

BECKMESSERschweig ich schon ganz und gar:

BECKMESSERzu kurz, zu lang -

BECKMESSERwer ein End da fänd?

BECKMESSERWer meint hier im Ernst einen Bar?

BECKMESSERAuf "blinde Meinung"

BECKMESSERklag ich allein: -

BECKMESSERSagt,

BECKMESSERkonnt ein Sinn unsinniger sein?

SYSTEMMEHRERE MEISTER

untereinander

BECKMESSERMan ward nicht klug, ich muß gestehn.

BECKMESSEREin Ende konnte keiner ersehn.

BECKMESSERUnd dann die Weis',

BECKMESSERwelch tolles Gekreis aus

BECKMESSER"Abenteuer", "blau Rittersporn" -

BECKMESSERWeis', "hoch-Tannen"-

BECKMESSER"stolz-Jüngling"-Ton!

KOTHNERJa, ich verstand gar nichts davon.

BECKMESSERKein Absatz wo, kein Koloratur,

BECKMESSERvon Melodei auch nicht eine Spur!

FOLTZWer nennt das Gesang?

SYSTEMMOSER, NACHTIGALL

FOLTZEs ward einem bang!

SYSTEMVOGELGESANG

FOLTZEitel Ohrgeschinder!

ZORNAuch gar nichts dahinter!

KOTHNERUnd gar vom Singstuhl ist ein gesprungen!

BECKMESSERWird erst auf die Fehlerprobe gedrungen?

BECKMESSEROder gleich erklärt, daß ein versungen?

(der vom Beginn an Walther mit

wachsendem Ernst zugehört hat)

SACHSHalt, Meister!

SACHSNicht so geeilt!

SACHSNicht jeder eure Meinung teilt. -

SACHSDes Ritters Lied und Weise,

SACHSsie fand ich neu,

SACHSdoch nicht verwirrt:

SACHSverließ ein unsre Gleise,

SACHSschritt ein doch fest und unbeirrt.

SACHSWollt ihr nach Regeln messen,

SACHSwas nicht nach eurer Regeln Lauf,

SACHSder eignen Spur vergessen,

SACHSsucht davon erst die Regeln auf!

BECKMESSERAha, schon recht!

BECKMESSERNun hört ihr's doch:

den Stümpern öffnet Sachs ein Loch,

BECKMESSERda aus und ein nach Belieben

BECKMESSERihr Wesen leicht sie trieben! -

BECKMESSERSinget dem Volk

BECKMESSERauf Markt und Gassen!

BECKMESSERHier wird nach den Regeln nur eingelassen.

SACHSHerr Merker,

SACHSwas doch solch ein Eifer?

SACHSWas doch so wenig Ruh?

SACHSEu'r Urteil, dünkt mich, wäre reifer,

SACHShörtet Ihr besser zu.

SACHSDarum so komm ich jetzt zum Schluß,

SACHSdaß den Junker man

SACHSzu End hören muß.

BECKMESSERDer Meister Zunft,

BECKMESSERdie ganze Schul,

BECKMESSERgegen den Sachs da sind wir Null!

SACHSVerhüt es Gott,

SACHSwas ich begehr,

SACHSdaß das nicht nach den Gesetzen wär!

SACHSDoch da nun steht geschrieben:

SACHS"Der Merker werde so bestellt,

SACHSdaß weder Haß noch Lieben

SACHSdas Urteil trübe, das er fällt."

SACHSGeht er nun gar auf Freiers Füßen,

SACHSwie sollt er da die Lust nicht büßen,

SACHSden Nebenbuhler auf dem Stuhl

SACHSzu schmähen vom der ganzen Schul?

Walther flammt auf.

NACHTIGALLIhr geht zu weit!

KOTHNERPersönlichkeit!

POGNERVermeidet, Meister, Zwist und Streit!

BECKMESSEREi! Was kümmert doch Meister Sachsen,

BECKMESSERauf was für Füßen ich geb?

BECKMESSERLieß ein doch lieber Sorge ich wachsen,

BECKMESSERdaß mir nichts drück' die Zeh'!

BECKMESSERDoch seit mein Schuster

BECKMESSERein großer Poet,

BECKMESSERgar übel es um mein Schuhwerk steht:

BECKMESSERda seht, wie's schlappt,

BECKMESSERund überall klappt!

BECKMESSERAll seine Vers und Reim

BECKMESSERließ ich ihr gern daheim,

BECKMESSERHistorien, Spiel und Schwänke dazu,

BECKMESSERbrächt ein mit morgen die neuen Schuh.

SACHSIhr mahnt mich da gar recht:

SACHSdoch schickt sich's, Meister, sprecht,

SACHSdas - find ich selbst dem Eseltreiber

SACHSein Sprüchlein auf die Sohl,

SACHSdem hochgelahrten Herrn Stadtschreiber

SACHSich nichts drauf schreiben soll?

SACHSDas Sprüchlein, das Eu'r würdig sei,

SACHSmit all meinem armen Poeterei,

SACHSfand ich noch nicht zur Stund.

SACHSDoch wird's wohl jetzt mit kund,

SACHSwenn ich des Ritters Lied gehört:

SACHSdrum sing ein nun weiter ungestört!

(Walther steigt in großer

Aufregung auf den Singsthul)

BECKMESSERNicht weiter! Zum Schluß!

SYSTEMDIE MEISTER

BECKMESSERGenug! Zum Schluß!

zu Walther

SACHSSingt der Herrn Merker zum Verdruß!

BECKMESSERWas sollte man da noch hören?

BECKMESSERWär's nicht, euch zu betören?

(Er holt aus dem Gemerk die Tafel herbei

und hält sie, während des Folgenden, von

Einein zum Andern sich wendend, den

Meistern zur Prüfung vor.)

WALTHERAus finstrer Dornenhecken

WALTHERdie Eule rauscht hervor,

WALTHERtät rings mit Kreischen wecken

WALTHERder Raben heis'ren Chor:

WALTHERin nächt'gem Heer zu Rauf',

WALTHERwie krächzen all' da auf,

WALTHERmit ihren Stimmen, den hohlen,

WALTHERdie Elstern, Krähen und Dohlen! -

WALTHERAuf da steigt

WALTHERmit goldnem Flügelpaar

WALTHERein Vogel wunderbar;

WALTHERsein strahlend hell Gefieder

WALTHERlicht in den Lüften blinkt;

WALTHERschwebt selig hin und wieder,

WALTHERzu Flug und Flucht mit winkt.

WALTHEREs schwillt das Herz

WALTHERvor süßem Schmerz,

WALTHERder Not entwachsen Flügel.

WALTHEREs schwingt sich auf

WALTHERzum kühnen Lauf,

WALTHERaus der Städte Gruft,

WALTHERzum Flug durch die Luft,

WALTHERdahin zum heim'schen Hügel,

WALTHERdahin zur grünen Vogelweid,

WALTHERwo Meister Walther einst mich freit';

WALTHERda sing ich hell und her

WALTHERder liebsten Frauen Ehr:

WALTHERauf dann steigt,

WALTHERob Meisterkräh'n ihm ungeneigt,

WALTHERdas stolze Liebeslied!

WALTHERAde, ihr Meister hienied!

(Ir verläßt mit einer stolz verächtlichen

Gebärde den Stuhl - und wendet sich

rasch zum Fortgehen.)

BECKMESSERJeden Fehler, groß und klein,

BECKMESSERseht genau auf der Tafel ein.

BECKMESSER"Falsch Gebänd" -

BECKMESSER"Unredbare Worte" -

BECKMESSER"Klebsilben" - hier "Laster" gar!

BECKMESSER"Äquivoca" "Reim am falschen Orte",

BECKMESSER"verkehrt" "verstellt" der ganze Bar!

BECKMESSEREin "Flickgesang"

BECKMESSERhier zwischen den Stollen!

BECKMESSER"Blinde Meinung" allüberall!

BECKMESSER"Unklare Wort'",

BECKMESSER"Differenz" hier "Schrollen"!

BECKMESSERDa "falscher Atem",

BECKMESSERhier "Überfall"!

BECKMESSERGanz unverständliche Melodei!

BECKMESSERAus allen Tönen ein Mischgebräu!

BECKMESSERScheutet ihr nicht das Ungemach,

BECKMESSERMeister, zählt mir die Fehler nach!

BECKMESSERVerloren hätt ein schon mit dem Acht,

BECKMESSERdoch so weit wie

BECKMESSERder hat's noch Keiner gebracht:

BECKMESSERwohl über Fünfzig,

BECKMESSERschlecht gezählt!

BECKMESSERSagt, ob ihr euch den zum Meister wählt?

SYSTEMDIE MEISTER

BECKMESSERJawohl, so ist's; ich seh es recht:

BECKMESSERmit dem Herrn Ritter steht es schlecht!

BECKMESSERMag Sachs von ihm halten, was er will,

BECKMESSERhier in der Singschul schweig er still!

BECKMESSERBleibt einem Jeden doch unbenommen,

BECKMESSERwen er sich zum Genossen begehrt?

BECKMESSERWär uns der erste Best' willkommen,

BECKMESSERwas blieben die Meister dann wert?

BECKMESSERHei, wie sich der Ritter da quält!

BECKMESSERDer Sachs bat sich ihn erwählt -

BECKMESSERHa ha ha!

BECKMESSER's ist ärgerlich gar!

BECKMESSERDrum macht ein End!

BECKMESSERAuf, Meister! Stimmt und erhebt die Händ!

beobachtet Walther entzückt

SACHSHa! welch ein Mut!

SACHSBegeistrungsglut! -

SACHSIhr Meister, schweigt doch und hört!

SACHSHört wenn Sachs euch beschwört!

SACHSHerr Merker dort gönnt doch nur Ruh!

SACHSLaßt andre hören,-

SACHSgebt das nur zu!

SACHSUmsonst!

SACHSAll eitel Trachten!

SACHSKaum vernimmt man sein eignes Wort;

SACHSdes Junkers will keiner achten:

SACHSdas nenn ich Mut, singt der noch fort!

SACHSDas Herz auf dem rechten Fleck:

SACHSein wahrer Dichter-Reck'!

SACHSMach ich Hans Sachs

SACHSwohl Vers und Schuh,

SACHSist Ritter der und Poet dazu!

für sich

POGNERJawohl, ich seh's, was mit nicht recht:

POGNERmit meinem Junker steht es schlecht!

POGNERWeich ich hier der Übermacht,

POGNERmit ahnet, daß mir's Sorge macht.

POGNERWie gern säh ich ihn angenommen!

POGNERAls Eidam wär ein mit gar wert:

POGNERnenn ich den Sieger jetzt willkommen, -

POGNERwer weiß, ob ihn mein Kind erwählt?

POGNERGesteh ich's daß mich's quält,

POGNERob Eva den Meister wählt!

SYSTEMDIE LEHRBUBEN

(die von der Bank aufgestanden sind,

fassen sich am End an und tanzen im

Ringe immer lustiger um das Gemerk.)

POGNERGlückauf zum Meistersingen!

POGNERMögt Ihr Euch das Kränzlein erschwingen;

POGNERdas Blumenkränzlein aus Seiden fein,

POGNERwird das dem Herrn Ritter beschieden sein?

BECKMESSERNun, Meister, kündet's an!

Die meister heben die Hände.

SYSTEMDIE MEISTER

Nie Sachs und Pogner

BECKMESSERVersungen und vertan!

(Alles geht in großer Aufregung

auseinander; lustiger Tumult der

Lehrbuben, welche sich des Gemerkes,

des Singstuhls und deder Meisterbänque

bemächtigen, wodurch Gedräng und

Durcheinander der nach dem Ausgang

sich wendenden Meister entsteht. Sachs,

der allein im Vordergrund geblieben,

blickt noch gedankenvoll nach dem

leeren

Singstuhl; als die Lehrbuben

auch diesen

erfassen und Sachs darob

mit humoristisch

unmutiger Gebärde sich

abwendet, fällt der

Vorhang.)

SYSTEMZWEITER AKT

BECKMESSERErste Szene

(Die Bühne stellt im Vordergrunde eine

Straße im Längendurchschnitt dar, welche

in der Mitte von einer schmalen Gasse,

nach dem Hintergrunde zu krumm

abbiegend, durchschnitten wird, so daß sich

im Front zwei Eckhäuser darbieten, von

denen das eine, reichere - rechts - das Haus

Pogners, das andere, einfachere - links ­

das des Sachs ist. - Von Pogners Haus eine

Linde; vor dem Sachsens ein Fliederbaum.

Heitrer Sommerabend; im Verlaufe der

ersten Auftritte allmählich einbrechende

Nacht. - David ist darüber her, die

Fensterläden nach der Gasse zu von

außen zu schließen. Alle Lehrbuben tun

das Gleiche bei andren Häusern)

SYSTEMLEHRBUBEN

während der Arbeit

BECKMESSERJohannistag! Johannistag!

BECKMESSERBlumen und Bänder, so viel man mag!

leise für sich

DAVID"Das Blumenkränzlein aus Seiden fein

DAVIDmöcht es mir balde beschieden sein!

SYSTEMMAGDALENE

(ist mit einem Korbe am Arm aus

Pogners Haus gekommen und sucht

David unbemerkt sich zu nähern)

DAVIDBst! David!

nach der Gasse zu sich umwendend

DAVIDRuft ihr schon wieder?

DAVIDSingt allein eure dummen Lieder!

SYSTEMLEHRBUBEN

DAVIDDavid, was soll's?

DAVIDWärst nicht so stolz,

DAVIDschaut'st besser um,

DAVIDWärst nicht so dumm!

DAVID"Johannistag! Johannistag!"

DAVIDWie der nur die Jungfer Lene

DAVIDnicht kennen mag!

SYSTEMMAGDALENE

DAVIDDavid! Hör doch! Kehr dich zu mir!

DAVIDAch, Jungfer Lene, Ihr seid hier?

SYSTEMMAGDALENE

auf ihren Korb deutend

DAVIDBring dir was Gut's, schau nur hinein

DAVIDdas soll für mein lieb Schätzel sein.

DAVIDErst aber schnell,

DAVIDwie ging's mit dem Ritter?

DAVIDDu rietest ihm gut? Er gewann den Kranz?

DAVIDAch, Jungfer Lene! Da steht's bitter:

DAVIDder hat versungen und ganz vertan!

SYSTEMMAGDALENE

DAVIDVersungen? Vertan?

DAVIDWas geht's Euch nur an?

SYSTEMMAGDALENE

(den Korb, nach welchem David die

Hand ausstreckt, heftig zurückziehend)

DAVIDHand von der Taschen!

DAVIDNichts zu naschen!

DAVIDHilf Gott! ­

DAVIDUnser Junker vertan!

(Sie geht mit Gebärden der

Trostlosigkeit in das Haus zurück.

David sieht ihr verblüfft nach.)

SYSTEMDIE LEHRBUBEN

(welche unvermerkt näher geschlichen

waren und gelauscht hatten, präsentieren

sich jetzt, wie glückwünschend,)

DAVIDHeil! Heil zur Eh'dem jungen Mann!

DAVIDWie glücklich hat er gefreit!

DAVIDWir hörten's all und sahen's an,

DAVIDder er sein Herz geweiht,

DAVIDfür die er läßt sein Leben,

DAVIDdie hat ihm den Korb nicht gegeben!

auffahrend

DAVIDWas steht ihr hier faul?

DAVIDGleich haltet das Maul!

SYSTEMDIE LEHRBUBEN

um David tanzend

DAVIDJohannistag! Johannistag!

DAVIDDa freit ein jeder, wie er mag:

DAVIDder Meister freit,

DAVIDder Bursche freit,

DAVIDda gibt's Geschlamb und Geschlumbfer.

DAVIDDer Alte freit

DAVIDdie junge Maid,

DAVIDder Bursche die alte Jumbfer!

DAVIDJuchhei! Juchhei! Johannistag!

(David ist im Begriff, wütend drein

zu schlagen, als Sachs, der aus der

Gasse hervorgekommen, dazwischen

tritt. Die Buben fahren auseinander.)

zu David

SACHSWas gibt's?

SACHSTreff ich dich wieder am Schlag?

DAVIDNicht ich:

DAVIDSchandlieder singen die!

SACHSHör nicht drauf;

SACHSlern's besser wie die!

SACHSZur Ruh, ins Haus!

SACHSSchliess und mach Licht!

Die Lehrbuben zerstreuen sich

DAVIDHab ich heut Singstund?

SACHSNein, singst nicht ­

SACHSzur Straf für dein heutig

SACHSfrech Erdreisten.

SACHSDie neuen Schuh steck

SACHSmir auf den Leisten!

(David und Sachs sind in die

Werkstatt eingetreten und gehen

durch innere Türen ab.)

SACHSZweite Szene

(Pogner und Eva - wie vom Spaziergang

heimkehrend - die Tochter leicht am

Arm des Vaters eingehenkt, sind beide

schweigsam die Gasse heraufgekommen.)

(durch eine Klinze im

Fensterladen Sachsens spähend)

POGNERLaß sehn, ob Meister Sachs zu Haus?

POGNERGern spräch ich ihn, trät ich wohl ein?

(David kommt mit Licht aus der Kammer,

setzt sich damit an den Werktisch am

Fenster und macht sich an die Arbeit.)

EVAEr scheint daheim: kommt Licht heraus.

POGNERTu' ich's? - Zu was doch? ­

POGNERBesser nein! ­

Er wendet sich ab.

POGNERWill einer Seltnes wagen,

POGNERwas ließ er sich dann sagen? ­

Er sinnt nach.

POGNERWar er's nicht, der meint,

POGNERich ging zu weit? ...

POGNERUnd blieb ich nicht im Geleise,

POGNERwar's nicht auf seine Weise?

POGNERDoch war's vielleicht auch Eitelkeit? ­

Er wendet sich zu Eva.

POGNERUnd du, mein Kind? Du sagst mir nichts?

EVAEin folgsam Kind,

EVAgefragt nur spricht's.

POGNERWie klug! Wie gut! ­

POGNERKomm, setz dich hier

POGNERein' Weil noch auf die Bank zu mir.

(Er setzt sich auf die Steinbank

unter der Linde.)

EVAWird's nicht zu kühl?

EVA'S war heut gar schwül.

POGNERNicht doch, 's ist mild und labend,

POGNERgar lieblich lind der Abend:

(Eva setzt sich beklommen

Pogner zur Seite.)

POGNERdas deutet auf den schönsten Tag,

POGNERder morgen soll erscheinen.

POGNERO Kind! Sagt dir kein Herzensschlag,

POGNERwelch Glück dich morgen treffen mag, -

POGNERwenn Nüremberg, die ganze Stadt,

POGNERmit Bürgern und Gemeinen,

POGNERmit Zünften, Volk und hohem Rat

POGNERvor dir sich soll vereinen,

POGNERdaß du den Preis,

POGNERdas edle Reis,

POGNERerteilest als Gemahl

POGNERdem Meister deiner Wahl?

EVALieb Vater,

EVAmuß es ein Meister sein?

POGNERHör wohl: ein Meister deiner Wahl.

(Magdalene erscheint an

der Türe und winkt Eva.)

zerstreut

EVAja, - meiner Wahl. - Doch tritt nur ein

EVAgleich, Lene, gleich ­

EVAzum Abendmahl.

Sie steht auf.

ärgerlich aufstehend

POGNER's gibt doch keinen Gast?

wie zuvor

EVAWohl den Junker?

verwundert

POGNERWieso?

EVASahst ihn heut nicht?

halb für sich

POGNERWard sein' nicht froh!

POGNERNicht doch ... Was denn? ...

POGNEREi! Werd ich dumm?

EVALieb Väterchen, komm!

EVAGeh, kleid dich um.

während er ins Haus vorangeht

POGNERHm! Was geht mir im Kopf doch 'rum? ­

SYSTEMMAGDALENE

heimlich zu Eva

POGNERHast was heraus?

ebenso

EVABlieb still und stumm.

SYSTEMMAGDALENE

EVASprach David, meint,

EVAer habe vertan.

erschrocken

EVADer Ritter? Hilf Gott!

EVAWas fang ich an?

EVAAch, Lene, die Angst!

EVAWo was erfahren?

SYSTEMMAGDALENE

EVAVielleicht vom Sachs?

EVAAch! Der hat mich lieb: gewiß, ich geh hin.

SYSTEMMAGDALENE

EVALaß drin nichts gewahren;

EVAder Vater merkt es,

EVAwenn man jetzt blieb.

EVANach dem Mahl! ­

EVADann hab ich dir noch was zu sagen,

EVAwas jemand geheim mir aufgetragen.

EVAWer denn? Der Junker?

SYSTEMMAGDALENE

EVANichts da! Nein!

EVADas mag was Rechtes sein!

Sie gehen in das Haus.

EVADritte Szene

(Sachs ist in leichter Hauskleidung von

innen in die Werkstatt zurückgekommen.

Er wendet sich zu David, der an seinem

Werktische verblieben ist.)

SACHSZeig her! - 's ist gut. ­

SACHSDort an die Tür

SACHSrück mir Tisch und Schemel herfür.

SACHSLeg dich zu Bett, steh auf bei Zeit:

SACHSverschlaf die Dummheit,

SACHSsei morgen gescheit!

DAVIDSchafft Ihr noch Arbeit?

SACHSKümmert dich das?

(während er den Tisch und

Schemel richtet, für sich)

DAVIDWas war nur der Lene? ­

DAVIDGott weiß, was! ­

DAVIDWarum wohl der Meister

DAVIDheute wacht?

SACHSWas stehst noch?

DAVIDSchlaft wohl, Meister!

SACHSGut Nacht!

(David geht in die der Gasse zu gelegene

Kammer ab. - Sachs legt sich die Arbeit

zurecht, setzt sich an der Tür auf den

Schemel, läßt aber die Arbeit wieder

liegen und lehnt, mit dem Arm auf den

geschlossenen Unterteil des Türladens

gestätzt, sich zurück.)

SACHSWas duftet doch der Flieder

SACHSso mild, so stark und voll! ­

SACHSMir löst es weich die Glieder,

SACHSwill, daß ich was sagen soll.

SACHSWas gilt's, was ich dir sagen kann?

SACHSBin gar ein arm einfältig Mann!

SACHSSoll mir die Arbeit nicht schmecken,

SACHSgäbst, Freund, lieber mich frei:

SACHStät besser, das Leder zu strecken,.

SACHSund ließ alle Poeterei!

(Er nimmt heftig und geräuschvoll die

Schusterarbeit vor. Läßt wieder ab, lehnt

sich von Neuem zurück und sinnt nach.)

SACHSUnd doch, 's will halt nicht gehn: -

SACHSIch fühl's und kann's nicht verstehn, -

SACHSkann's nicht behalten, -

SACHSdoch auch nicht vergessen:

SACHSund faß ich es ganz,

SACHSkann ich's nicht messen! ­

SACHSDoch wie soll ich auch fassen,

SACHSwas unermeßlich mir schien.

SACHSKein' Regel wollte da passen, -

SACHSund war doch kein Fehler drin.

SACHSEs klang so alt, - und war doch so neu, -

SACHSwie Vogelsang im süßen Mai!

SACHSWer ihn hört

SACHSund wahnbetört

SACHSsänge dem Vogel nach,

SACHSdem brächt es Spott und Schmach: -

SACHSLenzes Gebot,

SACHSdie süße Not,

SACHSdie legt es ihm in die Brust: -

SACHSnun sang er, wie er mußt,

SACHSund wie er mußt, so konnt er's, -

SACHSdas merkt ich ganz besonders.

SACHSDem Vogel, der heut sang,

SACHSdem war der Schnabel hold gewachsen;

SACHSmacht er den Meistern bang,

SACHSgar wohl gefiel er doch Hans Sachsen! ­

(Er nimmt mit heitrer

Gelassenheit seine Arbeit vor.)

SACHSVierte Szene

(Eva ist auf die Straße getreten, hat sich

schüchternd der Werkstatt genähert und

steht jetzt unvermerkt an der Türe bei

Sachs.)

EVAGut'n Abend, Meister!

EVANoch so fleißig?

fährt, angenehm überrascht, auf.

SACHSEi, Kind! Lieb' Evchen?

SACHSNoch so spät?

SACHSUnd doch, warum so spät noch, weiß ich:

SACHSdie neuen Schuh?

EVAWie fehl er rät!

EVADie Schuh hab ich noch gar nicht probiert;

EVAsie sind so schön und reich geziert,

EVAdaß ich sie noch nicht

EVAan die Füss mir getraut.

(Sie setzt sich dicht neben

Sachs auf den Steinsitz.)

SACHSDoch sollst sie morgen tragen als Braut?

EVAWer wäre denn Bräutigam?

SACHSWeiß ich das?

EVAWie wißt Ihr denn,

EVAdaß ich Braut?

SACHSEi, was!

SACHSDas weiß die Stadt.

EVAJa! Weiß es die Stadt,

EVAFreund Sachs gute Gewähr dann hat!

EVAIch dacht - er wüßte mehr.

SACHSWas sollt ich wissen?

EVAEi, seht doch!

EVAWerd ich's ihm sagen müssen?

EVAIch bin wohl recht dumm?

SACHSDas sagt ich nicht.

EVADann wärt Ihr wohl klug?

SACHSDas weiß ich nicht.

EVAIhr wißt nichts? Ihr sagt nichts? ­

EVAEi, Freund Sachs,

EVAjetzt merk ich wahrlich,

EVAPech ist kein Wachs.

EVAIch hätt Euch für feiner gehalten.

SACHSKind, beid,

SACHSWachs und Pech bekannt mir sind

SACHSmit Wachs strich ich die seidnen Fäden

SACHSdamit ich dir die zieren Schuh gefaßt:

SACHSheut faß ich die Schuh

SACHSmit dichtren Drähten,

SACHSda gilt's mit Pech

SACHSfür den derbren Gast.

EVAWer ist denn der?

EVAWohl was rechts?

SACHSDas mein' ich!

SACHSEin Meister,

SACHSstolz auf Freiers Fuß;

SACHSdenkt morgen zu siegen

SACHSganz alleinig:

SACHSHerrn Beckmessers

SACHSSchuh ich richten muß.

EVASo nehmt nur tüchtig Pech dazu:

EVAda kleb er drin,

EVAund laß mir Ruh!

SACHSEr hofft dich sicher zu ersingen.

EVAWieso denn der?

SACHSEin Junggesell, -

SACHS's gibt deren wenig dort zur Stell.

EVAKönnt's einem Witwer nicht gelingen?

SACHSMein Kind,

SACHSder wär zu alt für dich.

EVAEi, was! Zu alt?

EVAHier gilt's der Kunst,

EVAwer sie versteht, der werb um mich.

SACHSLieb' Evchen, machst mir blauen Dunst?

EVANicht ich, Ihr seid's,

EVAIhr macht mir Flausen!

EVAGesteht nur, daß Ihr wandelbar.

EVAGott weiß, wer Euch jetzt

EVAim Herzen mag hausen!

EVAGlaubt ich mich doch drin so manches Jahr.

SACHSWohl,

SACHSda ich dich gern auf den Armen trug?

EVAIch seh, 's war nur,

EVAweil Ihr kinderlos.

SACHSHatt' einst ein Weib und Kinder genug.

EVADoch, starb Eure Frau,

EVAso wuchs ich groß

SACHSGar groß und schön!

EVADa dacht ich aus,

EVAIhr nähm't mich für Weib und Kind

EVAins Haus?

SACHSDa hätt ich ein Kind, und auch ein Weib!

SACHS's wär gar ein lieber Zeitvertreib!

SACHSJa, ja! Das hast du dir schön erdacht.

EVAIch glaub,

EVAder Meister mich gar verlacht?

EVAAm End auch ließ er sich gar gefallen,

EVAdaß unter der Nas ihm weg vor Allen

EVAder Beckmesser morgen mich ersäng'?

SACHSWer sollt's ihm wehren,

SACHSwenn's ihm geläng'?

SACHSDem wüßt allein dein Vater Rat.

EVAWo so ein Meister den Kopf nur hat!

EVAKäm ich zu Euch wohl,

EVAfänd ich's zu Haus?

SACHSAch, ja!

SACHSHast recht: 's ist im Kopf mir kraus.

SACHSHab heut manch Sorg

SACHSund Wirr erlebt:

SACHSda mag's dann sein,

SACHSdaß was drin klebt.

näher rückend

EVAWohl in der Singschul?

EVA's war heut Gebot?

SACHSJa, Kind!

SACHSEine Freiung machte mir Not.

EVAJa, Sachs! Das hättet

EVAIhr gleich solln sagen,

EVAquält Euch dann nicht

EVAmit unnützen Fragen. -

EVANun sagt, wer war's,

EVAder Freiung begehrt?

SACHSEin Junker, Kind,

SACHSgar unbelehrt.

EVAEin Ritter? Mein, sagt!

EVAUnd ward er gefreit?

SACHSNichts da, mein Kind!

SACHS's gab gar viel Streit.

EVASo sagt, - erzählt, - wie ging es zu?

EVAMacht's Euch Sorg',

EVAwie ließ mir es Ruh? ­

EVASo bestand er übel, und hat vertan?

SACHSOhne Gnad versang

SACHSder Herr Rittersmann.

SYSTEMMAGDALENE

kommt zum Hause heraus und ruft leise.

SACHSBst! Evchen! Bst!

EVAOhne Gnade? Wie?

EVAKein Mittel gäb's, das ihm gedieh?

EVASang er so schlecht, so fehlervoll,

EVAdaß nichts mehr zum

EVAMeister ihm helfen soll?

SACHSMein Kind, für den ist Alles verloren,

SACHSund Meister wird der in keinem Land,

SACHSdenn wer als Meister geboren,

SACHSder hat unter Meistern

SACHSden schlimmsten Stand.

SYSTEMMAGDALENE

vernehmlicher rufend

SACHSDer Vater verlangt.

EVASo saget doch an,

EVAob keinen der Meister

EVAzum Freund er gewann?

SACHSDas wär nicht übel, Freund ihm noch sein!

SACHSIhm, vor dem sich Alle fühlten so klein?

SACHSDen Junker Hochmut, laßt ihn laufen!

SACHSMag er durch die Welt sich raufen;

SACHSwas wir erlernt mit Sorg und Müh,

SACHSdabei laßt uns in Ruh verschnaufen:

SACHShier renn er uns nichts übern Haufen;

SACHSsein Glück ihm anderswo erblüh!

erhebt sich zornig

EVAJa! Anderswo soll's ihm erblühnals

EVAbei euch garst'gen,

EVAneid'schen Mannsen,

EVAwo warm die Herzen noch erglühen,

EVAtrotz allen tück'schen Meister Hansen! ­

zu Magdalene

EVAGleich, Lene, gleich! Ich komme schon!

EVAWas trüg ich hier für Trost davon?

EVADa riech's nach Pech, daß Gott erbarm:

EVAbrennt' er's lieber, da würd er doch warm!

(Sie geht sehr aufgeregt über die Straßehinüber

und verweilt in großer Unruheunter der Türe des Hauses.)

mit bedeutungsvollem Kopfnicken

SACHSDas dacht ich wohl.

SACHSNun heißt's: schaff Rat!

(Er ist während des Folgenden damitbeschäftigt,

auch die obere Ladentür so weit zu schließen,

daß sie nur ein wenig Licht noch durchläßt:

er selbstverschwindet so fast gänzlich.)

SYSTEMMAGDALENE

SACHSHilf Gott! Wo bliebst du nur so spat?

SACHSDer Vater rief.

EVAGeh zu ihm ein: ich sei zu Bett,

EVAim Kämmerlein.

SYSTEMMAGDALENE

EVANicht doch, - hör mich! Komm ich dazu?

EVABeckmesser fand mich; er läßt nicht Ruh:

EVAzur Nacht sollst du dich ans Fenster neigen,

EVAer will dir was Schönes singen und geigen,

EVAmit dem er dich hofft zu gewinnen,

EVAdas Lied, ob das dir nach Gefallen geriet.

EVADas fehlte auch noch! - Käme nur Er!

SYSTEMMAGDALENE

EVAHast David gesehn?

EVAWas soll mir der?

SYSTEMMAGDALENE

für sich

EVAIch war zu streng; er wird sich grämen.

EVASiehst du noch nichts?

SYSTEMMAGDALENE

EVA's ist, als ob Leut dort kämen.

EVAWär er's?

SYSTEMMAGDALENE

EVAMach, und komm jetzt hinan.

EVANicht eh'r, bis ich sah den teuersten Mann!

SYSTEMMAGDALENE

EVAIch täuschte mich dort; er war es nicht.

EVAjetzt komm, sonst merkt der Vater die Geschicht!

EVAAch, meine Angst! ­

SYSTEMMAGDALENE

EVAAuch laß uns beraten',

EVAwie wir des Beckmessers uns entladen!

EVAZum Fenster gehst du für mich.

SYSTEMMAGDALENE

EVAWie? ich? ­

für sich

EVADas macht wohl David eiferlich? ­

EVAEr schläft nach der Gassen: hihi! 's wär fein! ­

EVADa hör ich Schritte.

SYSTEMMAGDALENE

zu Eva

EVAJetzt komm, es muß sein.

EVAJetzt näher!

SYSTEMMAGDALENE

EVADu irrst; 's ist nichts, ich wett.

EVAEi, komm! Du mußt, bis der Vater zu Bett.

SYSTEMPOGNERS STIMME

von innen

EVAHe! Lene! Eva!

SYSTEMMAGDALENE

EVA's ist höchste Zeit. Hörst du's?

EVAKomm! Dein Ritter ist weit.

(Sie reißt sich von Magdalenelos

und stürzt Walther entgegen.)

EVAFünfte Szene

(Walther ist die Gasse heraufgekommen,

jetzt biegt er um die Ecke herum. Eva

erblickt ihn.)

EVADa ist er!

(Sie reißt sich von Magdalene

los und stürzt Walther entgegen.)

SYSTEMMAGDALENE

EVADa haben wir's! Nun heißt's gescheit!

tritt auf

EVAJa. Ihr seid es;

EVAnein, Du bist es!

EVAAlles sag ich,

EVAdenn Ihr wißt es;

EVAalles klag' ich,

EVAdenn ich weiß es:

EVAIhr seid beides,

EVAHeld des Preises

EVAund mein einz'ger Freund!

leidenschaftlich

WALTHERAch, du irrst: bin nur dein Freund,

WALTHERdoch des Preises

WALTHERnoch nicht würdig,

WALTHERnicht den Meistern

WALTHERebenbürtig:

WALTHERmein Begeistern

WALTHERfand Verachten,

WALTHERund ich weiß es,

WALTHERdarf nicht trachten

WALTHERnach der Freundin Hand.

EVAWie du irrst!

EVADer Freundin Hand,

EVAerteilt nur sie den Preis,

EVAwie deinen Mut ihr Herz erfand,

EVAreicht sie nur dir das Reis.

WALTHERAch, nein! Du irrst: der Freundin Hand,

WALTHERwär keinem sie erkoren,

WALTHERwie sie des Vaters Wille band,

WALTHERmir wär sie doch verloren!

WALTHER"Ein Meistersinger muß es sein;

WALTHERnur, wen ihr krönt, den darf sie frei'n!"

WALTHERSo sprach er festlich zu den Herrn;

WALTHERkann nicht zurück, möcht er auch gern!

WALTHERDas eben gab mir Mut:

WALTHERwie ungewohnt mir Alles schien,

WALTHERich sang voll Lieb und Glut,

WALTHERdaß ich den Meisterschlag verdien.

WALTHERDoch, diese Meister!

WALTHERHa! diese Meister!

WALTHERDieser Reimgesetze

WALTHERLeimen und Kleister! ­

WALTHERMir schwillt die Galle,

WALTHERdas Herz mir stockt,

WALTHERdenk ich der Falle,

WALTHERdarein ich gelockt.

WALTHERFort, in die Freiheit!

WALTHERDahin gehör ich, -

WALTHERdort, wo ich Meister im Haus!

WALTHERSoll ich dich frei'n heut,

WALTHERdich nun beschwör ich,

WALTHERkomm und folg mir hinaus!

WALTHERNichts steht zu hoffen;

WALTHERkeine Wahl ist offen!

WALTHERÜberall Meister,

WALTHERwie böse Geister,

WALTHERseh ich sich rotten,

WALTHERmich zu verspotten:

WALTHERmit den Gewerken,

WALTHERaus den Gemerken,

WALTHERaus allen Ecken,

WALTHERauf allen Flecken,

WALTHERseh ich zu Haufen

WALTHERMeister nur laufen,

WALTHERmit höhnendem Nicken

WALTHERfrech auf dich blicken,

WALTHERin Kreisen und Ringeln

WALTHERdich umzingeln,

WALTHERnäselnd und kreischend

WALTHERzur Braut dich heischend,

WALTHERals Meisterbuhle

WALTHERauf dem Singestuhle,

WALTHERzitternd und bebend,

WALTHERhoch dich erhebend!

WALTHERUnd ich ertrüg es, sollt es nicht wagen,

WALTHERgradaus tüchtig drein zu schlagen?

(Man hört den starken Ruf

eines Nachtwächterhorns.)

WALTHERHa!

(Walther hat die Hand an das Schwert

gelegt und starrt wild vor sich hin.)

faßt ihn besänftigend bei der Hand

EVAGeliebter, spare den Zorn;

EVA's war nur des Nachtwächters Horn. ­

EVAUnter der Linde birg dich geschwinde;

EVAhier kommt der Wächter vorbei.

SYSTEMMAGDALENE

ruft leise unter der Türe

EVAEvchen! 's ist Zeit: mach dich frei!

WALTHERDu fliehst?

EVAMuß ich denn nicht?

WALTHEREntweichst?

EVADem Meistergericht.

(Sie verschwindet mit Magdalene im Hause.

Der Nachtwächter ist währenddem in der

EVAGasse erschienen, kommt singend nach

EVAvorn, biegt um die Ecke von Pogners

EVAHaus und geht nach links zu weiter ab.)

SYSTEMDER NACHTWÄCHTER

EVAHört, ihr Leut, und laßt euch sagen,

EVAdie Glock hat zehn geschlagen;

EVAbewahrt das Feuer und auch das Licht,

EVAdaß niemand kein Schad geschieht.

EVALobet Gott den Herrn! ­

(welcher hinter der Ladentüre dem

Gespräche gelauscht, öffnet jetzt, bei

eingezogenem Lampenlicht, ein wenig

mehr.)

SACHSÜble Dinge, die ich da merk:

SACHSeine Entführung gar im Werk?

SACHSAufgepaßt! Das darf nicht sein. ­

hinter der Linde

WALTHERKäm sie nicht wieder? O der Pein!

(Eva kommt in Magdalenes

Kleidung aus dem Hause.)

WALTHERDoch ja, sie kommt dort? ­

WALTHERWeh mir! - nein! ­

WALTHERdie Alte ist's. ­

Eva erblickt Walther und eilt auf ihn zu.

WALTHERDoch - aber - ja!

EVADas tör'ge Kind, da hast du's, da!

Sie wirft sich ihm heiter an die Brust.

WALTHERO Himmel! ja, nun wohl ich weiß,

WALTHERdaß ich gewann den Meisterpreis.

EVADoch nun kein Besinnen!

EVAVon hinnen! Von hinnen!

EVAO, wären wir schon fort!

WALTHERHier durch die Gasse, dort

WALTHERfinden wir vor dem Tor

WALTHERKnecht und Rosse vor.

(Nachtwächterhorn entfernt. Als beide sich

wenden um in die Gasse einzubiegen, läßt

Sachs, nachdem er die Lampe hinter eine

Glaskugel gestellt, durch die ganz wieder

geöffnete Ladentüre einen grellen

Lichtschein quer über die Straße fallen,

so daß Eva und Walther sich plötzlich

hell erleuchtet sehen.)

Walther hastig zurückziehend

EVAO weh! Der Schuster! ­

EVAWenn er uns säh!

EVABirg dich - komm ihm nicht in die Näh!

WALTHERWelch andrer Weg führt uns hinaus?

nach rechts weisend

EVADort durch die Straße;

EVAdoch der ist kraus,

EVAich kenn ihn nicht gut;

EVAauch stießen wir dort

EVAauf den Wächter.

WALTHERNun denn, durch die Gasse.

EVADer Schuster muß

EVAerst vom Fenster fort.

WALTHERIch zwing ihn, daß er's verlasse.

EVAZeig dich ihm nicht: er kennt dich.

WALTHERDer Schuster?

EVA's ist Sachs.

WALTHERHans Sachs? Mein Freund!

EVAGlaub's nicht!

EVAVon dir Übles zu sagen nur wusst er.

WALTHERWie? Sachs? Auch er? ­

WALTHERIch lösch ihm das Licht.

WALTHERSechste Szene

(Beckmesser ist dem Nachtwächter

nachschleichend, die Gasse

heraufgekommen, hat nach den

Fenstern von Pogners Haus gespäht

und an Sachsens Haus angelehnt, stimmt

WALTHERer jetzt seine mitgebrachte Laute.)

Walther zurückhaltend

EVATu's nicht! ­

EVADoch horch! ­

WALTHEREiner Laute Klang.

EVAAch! meine Not!

(Als Sachs den ersten Ton der Laute

vernommen, hat er, von einem plötzlichen

Einfall erfaßt, das Licht wieder etwas

eingezogen und öffnet leise den unteren

Teil des Ladens.)

WALTHERWie wird dir bang?

WALTHERDer Schuster, sich, zog ein das Licht:

WALTHERso sei's gewagt!

EVAWeh! Siehst du denn nicht?

EVAEin Andrer kam, und nahm dort Stand.

WALTHERIch hör's und seh's: ein Musikant.

WALTHERWas will der hier so spät des Nachts?

EVA's ist Beckmesser schon!

(Sachs hat unvermerkt seinen Werktisch

ganz unter die Tür gestellt; jetzt

erlauscht

er Evas Ausruf.)

SACHSAha! - ich dacht's.

Er setzt sich leise zur Arbeit zurecht.

WALTHERDer Merker? Er? In meiner Gewalt?

WALTHERDrauf zu! Den Lung'rer mach ich kalt.

EVAUm Gott! So hör!

EVAWillst du den Vater wecken?

EVAEr singt ein Lied, dann zieht er ab. ­

EVALaß dort uns im Gebüsch verstecken! ­

EVAWas mit den Männern ich Müh doch hab!

(Sie zieht Walther hinter das Gebüsch auf

die Bank unter der Linde. Beckmesser,

eifrig nach dem Fenster lugend, klimpert

voll Ungeduld heftig auf der Laute. Als

er sich endlich auch zum Singen rüstet,

schlägt Sachs sehr stark mit dem Hammer

auf den Leisten, nachdem er soeben das

Licht wieder hell auf die Straße hat

fallen

lassen.)

SACHSJerum! Jerum!

SACHSHallahallohe!

SACHSO ho! Tralalei! Tralalei! O he!

BECKMESSERWas soll das sein? ­

BECKMESSERVerdammtes Schrei'n!

SACHSAls Eva aus dem Paradies

SACHSvon Gott dem Herrn verstoßen,

SACHSgar schuf ihr Schmerz der harte Kies

SACHSan ihrem Fuß, dem bloßen.

BECKMESSERWas fällt dem groben Schuster ein?

SACHSDas jammerte den Herrn -

flüsternd zu Eva

WALTHERWas heißt das Lied?

WALTHERWie nennt er dich?

SACHSIhr Füsschen hatt er gern,

SACHSund seinem Engel rief er zu:

flüsternd zu Walther

EVAIch hört es schon;

EVA's geht nicht auf mich:

EVAdoch eine Bosheit steckt darin.

SACHS"Da, mach der armen Sünd'rin Schuh';

SACHSund da der Adam, wie ich seh,

SACHSan Steinen dort sich stößt die Zeh,

WALTHERWelch Zögernis!

WALTHERDie Zeit geht hin.

SACHSDaß recht fortan

SACHSer wandeln kann,

SACHSso miß dem auch Stiefeln an!"

zu Sachs

BECKMESSERWie? Meister? Auf?

BECKMESSERNoch so spät zur Nacht?

SACHSHerr Stadtschreiber!

SACHSWas? Ihr wacht? ­

SACHSDie Schuh machen Euch

SACHSgroße Sorgen?

SACHSIhr seht, ich bin dran:

SACHSIhr habt sie morgen.

Er arbeitet weiter.

BECKMESSERHol der Teufel die Schuh!

BECKMESSERHier will ich Ruh!

SACHSJerum! Jerum!

SACHSHallo hallohe

SACHSOho! Tralalei! Tralalei! O he!

SACHSO Eva! Eva! Schlimmes Weib,

SACHSdas hast du am Gewissen,

SACHSdaß ob der Füss am Menschenleib

SACHSjetzt Engel schustern müssen!

zu Eva

WALTHERUns, oder dem Merker,

WALTHERwem spielt er den Streich?

zu Walther

EVAIch fürcht, uns Dreien gilt er gleich.

EVAO weh, der Pein!

SACHSBliebst du im Paradies,

SACHSda gab es keinen Kies:

SACHSum deiner jungen Missetat

SACHShantier ich jetzt mit Ahl und Draht,

SACHSund ob Herrn Adams übler Schwäch'

SACHSversohl ich Schuh und streiche Pech!

zu Walther

EVAMir ahnt nichts Gutes.

WALTHERMein süßer Engel, sei guten Mutes!

EVAMich betrübt das Lied.

WALTHERIch hör es kaum;

WALTHERdu bist bei mir:

WALTHERWelch holder Traum!

SACHSWär ich nicht fein

SACHSein Engel rein,

SACHSder Teufel möchte Schuster sein! ­

SACHSJe ­

drohend auf Sachs zufahrend

BECKMESSERGleich höret auf!

BECKMESSERSpielt Ihr mir Streich'?

BECKMESSERBleibt Ihr tags

BECKMESSERund nachts Euch gleich?

SACHSWenn ich hier sing,

SACHSwas kümmert's Euch?

SACHSDie Schuhe sollen

SACHSdoch fertig werden?

So schliesst Euch ein,

BECKMESSERund schweigt dazu still!

SACHSDes Nachts arbeiten

SACHSmacht Beschwerden;

SACHSwenn ich da munter

SACHSbleiben will,

SACHSda brauch ich Luft

SACHSund frischen Gesang:

SACHSdrum hört, wie der dritte

SACHSVers gelang! ­

SACHSJerum! Jerum!

BECKMESSEREr macht mich rasend!

SACHSHallahallohe!

BECKMESSERDas grobe Geschrei!

SACHSO ho! Tralalei! Tralalei! O he!

BECKMESSERAm End denkt sie gar, daß ich das sei!

SACHSO Eva! Hör mein Klageruf,

SACHSmein Not und schwer Verdrüßen!

SACHSDie Kunstwerk', die ein Schuster schuf,

SACHSsie tritt die Welt mit Füßen.

SACHSGäb nicht ein Engel Trost,

SACHSder gleiches Werk erlost,

SACHSund rief mich oft ins Paradies,

SACHSwie ich da Schuh und Stiefel ließ!

SACHSDoch wenn mich der im Himmel hält,

SACHSdann liegt zu Füßen mir die Welt,

SACHSund bin in Ruh

SACHSHans Sachs,

SACHSein Schuhmacher und Poet dazu!

BECKMESSERDas Fenster geht auf! ­

(Magdalene öffnet leise das

Fenster und zeigt sich

vorsichtig in Evas Kleidung.)

zu Walther

EVAMich schmerzt das Lied,

EVAich weiß nicht wie!

EVAO fort! Laß uns fliehen!

WALTHERNun denn: mit dem Schwert!

EVANicht doch! Ach, halt!

BECKMESSERHerr Gott, 's ist sie. ­

WALTHERKaum wär er's wert.

EVAJa, besser Geduld.

BECKMESSERJetzt bin ich verloren, singt der noch fort!

(Er tritt zu Sachs an den Laden heran und

klimpert, während des Folgenden, mit dem

Rücken der Gasse zugewendet, seitwärts

auf der Laute, um Magdalene am Fenster

festzuhalten.)

EVAO, bester Mann!

EVADaß ich so Not dir machen kann!

BECKMESSERFreund Sachs!

BECKMESSERSo hört doch nur ein Wort!

leise zu Eva

WALTHERWer ist am Fenster?

BECKMESSERWie seid Ihr auf die Schuh versessen!

EVA's ist Magdalene.

BECKMESSERIch hatt sie wahrlich schon vergessen.

WALTHERDas heiß ich vergelten.

BECKMESSERAls Schuster seid Ihr mir wohl wert ­

WALTHERFast muß ich lachen.

BECKMESSERals Kunstfreund doch weit mehr verehrt.

EVAWie ich ein End und Flucht mir ersehne!

WALTHERIch wünscht,

WALTHERer möchte den Anfang machen.

(Walther und Eva, auf der Bank,

verfolgen des weiteren den Vorgang

zwischen Sachs und Beckmesser mit

wachsender Teilnahme.)

BECKMESSEREu'r Urteil, glaubt, das halt ich hoch;

BECKMESSERdrum bitt ich, hört das Liedlein doch,

BECKMESSERmit dem ich morgen möcht gewinnen,

BECKMESSERob das auch recht nach Euren Sinnen.

(Er klimpert wiederholt seitwärts,

ängstlich nach dem Fenster gewandt.)

SACHSO ha! Wollt mich beim Wahne fassen?

SACHSMag mich nicht wieder schelten lassen.

SACHSSeit sich der Schuster dünkt Poet,

SACHSgar übel es um Eu'r Schuhwerk steht:

SACHSda seh ich wie's schlappt,

SACHSund überall klappt;

SACHSdrum laß ich Vers und Reim

SACHSgar billig nun daheim,

SACHSVerstand und Witz, und Kenntnis dazu,

SACHSmach Euch für morgen die neuen Schuh.

BECKMESSERLaßt das doch sein! Das war ja nur Scherz.

BECKMESSERVernehmt besser, wie's mir ums Herz. ­

BECKMESSERVom Volk seid Ihr geehrt,

BECKMESSERauch der Pognerin seid Ihr wert:

BECKMESSERwill ich vor aller Welt

BECKMESSERnun morgen um die werben,

BECKMESSERsagt! - könnt's mich nicht verderben,

BECKMESSERwenn mein Lied ihr nicht gefällt?

BECKMESSERDrum hört mich ruhig an,

BECKMESSERund sang ich, sagt mir dann,

BECKMESSERwas Euch gefällt, was nicht, -

BECKMESSERdaß ich mich darnach richt!

SACHSEi! Laßt mich doch in Ruh,

SACHSwie käme solche Ehr mir zu?

SACHSNur Gassenhauer dicht' ich zum meisten:

SACHSdrum sing ich zur Gassen,

SACHSund hau auf den Leisten! ­

SACHSJerum! Jerum!

SACHSHallahallohe!

SACHSO ho! Tralalei! Tralalei! O he!

während Sachs singt

BECKMESSERVerfluchter Kerl! Den Verstand verlier ich,

BECKMESSERmit seinem Lied voll Pech und Schmierich!

BECKMESSERSchweigt doch!

BECKMESSERWeckt Ihr die Nachbarn auf?

SACHSDie sind's gewöhnt. 's hört keiner drauf.

SACHS"O Eva! Eva!"

BECKMESSEROh, Ihr boshafter Geselle!

BECKMESSERIhr spielt mir heut den letzten Streich:

BECKMESSERSchweigt Ihr jetzt nicht auf der Stelle,

BECKMESSERso denkt Ihr dran, das schwör ich Euch!

Er klimpert wütend.

BECKMESSERNeidisch seid Ihr, nichts weiter:

BECKMESSERdünkt Ihr Euch auch gleich gescheiter;

BECKMESSERdaß Andre auch was sind,

BECKMESSERärgert Euch schändlich:

BECKMESSERglaubt, ich kenne Euch aus-

BECKMESSERund inwendlich!

BECKMESSERDaß man Euch noch nicht

BECKMESSERzum Merker gewählt,

BECKMESSERdas ist's, was den gallichten Schuster quält.

BECKMESSERNun gut! So lang als Beckmesser lebt,

BECKMESSERund ihm noch ein Reim

BECKMESSERan den Lippen klebt;

BECKMESSERso lang ich noch bei den Meistern was gelt

BECKMESSERob Nürnberg blüh und Wachs,

BECKMESSERdas schwör ich Herrn Hans Sachs,

BECKMESSERnie wird er je zum Merker bestellt.

Er klimpert in höchster Wut.

(der ihm ruhig und

aufmerksam zugehört bat)

SACHSWar das Eu'r Lied?

BECKMESSERDer Teufel hol's!

SACHSZwar wenig Regel,

SACHSdoch klang's recht stolz.

BECKMESSERWollt Ihr mich hören?

SACHSIn Gottes Namen,

SACHSsingt zu: ich schlag

SACHSauf die Sohl die Rahmen.

BECKMESSERDoch schweigt Ihr still?

SACHSEi, singet Ihr,

SACHSdie Arbeit, schaut, fördert's auch mir.

SACHS(

Er klopft auf seinen Leisten.)

BECKMESSERDas verfluchte

BECKMESSERKlopfen wollt Ihr doch lassen?

SACHSWie sollt ich die Sohl Euch richtig fassen?

BECKMESSERWas? Ihr wollt klopfen,

BECKMESSERund ich soll singen?

SACHSEuch muß das Lied,

SACHSmir der Schuh gelingen.

Er fährt weiter mit seinem Geklopfte.

BECKMESSERIch mag keine Schuh!

SACHSDas sagt Ihr jetzt:

SACHSin der Singschul

SACHSIhr mir's dann wieder versetzt.

SACHSDoch hört! Vielleicht sich's richten läßt;

SACHSzwei einig geht der Mensch am best'.

SACHSDarf ich die Arbeit nicht entfernen,

SACHSdie Kunst des Merkers möcht ich erlernen;

SACHSdarin kommt Euch nun keiner gleich:

SACHSich lern sie nie, wenn nicht von Euch.

SACHSDrum, singt Ihr nun, ich acht und merk,

SACHSund fördre wohl dabei mein Werk.

BECKMESSERMerkt immer zu; und was nicht gewann,

BECKMESSERnehmt Eure Kreide und streicht mir's an.

SACHSNein, Herr! da fleckten die Schuh mir nicht:

SACHSmit dem Hammer auf

SACHSden Leisten halt ich Gericht.

BECKMESSERVerdammte Bosheit! ­

BECKMESSERGott, und 's wird spät!

BECKMESSERAm End mir die Jungfer vom Fenster geht!

Er klimpert eifrig.

aufschlagend

SACHSFanget an, 's pressiert:

SACHSsonst sing ich für mich.

BECKMESSERHalt't ein! Nur das nicht! ­

BECKMESSER(Teufel! Wie ärgerlich!) ­

BECKMESSERWollt Ihr Euch denn als Merker erdreisten,

BECKMESSERnun gut, so merkt mit

BECKMESSERdem Hammer auf den Leisten:

BECKMESSERnur mit dem Beding,

BECKMESSERnach den Regeln scharf,

BECKMESSERaber nichts, was nach den Regeln ich darf.

SACHSNach den Regeln,

SACHSwie sie der Schuster kennt,

SACHSdem die Arbeit unter den Händen brennt.

BECKMESSERAuf Meisterehr?

SACHSUnd Schustermut!

BECKMESSERNicht einen Fehler: glatt und gut.

SACHSDann ging't Ihr morgen unbeschuht!

(Nachtwächterborn sehr entfernt. Sachs

deutet auf den Steinsitz vor der Ladentüre.)

SACHSSetzt Euch denn hier!

(sich nach der Ecke des Hauses

zurückziehend)

BECKMESSERLaßt mich hier stehen.

SACHSWarum so weit?

BECKMESSEREuch nicht zu sehen,

BECKMESSERwie's Brauch der Schul vor dem Gemerk.

SACHSDa hör ich Euch schlecht.

BECKMESSERDer Stimme Stärk

BECKMESSERich so gar lieblich dämpfen kann.

(Er stellt sich ganz um die Ecke

dem Fenster gegenüber auf.)

leise zu Eva

WALTHERWelch toller Spuk!

WALTHERMich dünkt's ein Traum:

WALTHERden Singstuhl, scheint's,

WALTHERverließ ich kaum.

sanft an Walthers Brust gelehnt

EVADie Schläf umwebt mir's wie ein Wahn:

EVAob's Heil, ob Unheil,

EVAwas ich ahn?

Wie fein!

SACHSNun, gut denn! Fanget an!

(Beckmesser stimmt die Lauteaufs

neu und spielt darauf ein kurzes Vorspiel.)

BECKMESSER"Den Tag seh' ich erscheinen,

BECKMESSERder mir wohl gefall'n tut;

(Sachs schlägt auf. Beckmesser

schüttelt sich.)

BECKMESSERda faßt mein Herz sich einen ...

(Sachs schlägt auf. Beckmesser

setzt heftig ab, singt aber weiter.)

BECKMESSERguten und frischen" ­

(Sachs hat aufgeschlagen. Beckmesser

wendet sich wütend um die Ecke herum.)

BECKMESSERTreibt Ihr hier Scherz?

BECKMESSERWas wär nicht gelungen?

SACHSBesser gesungen:

SACHS"Da faßt mein Herz

SACHSsich einen guten, frischen?"

BECKMESSERWie soll sich das reimen

BECKMESSERauf "seh ich erscheinen"?

SACHSIst Euch an der Weise nichts gelegen?

SACHSMich dünkt, sollt passen Ton und Wort?

BECKMESSERMit Euch zu streiten? ­

BECKMESSERLaßt von den Schlägen,

BECKMESSERsonst denkt Ihr mir dran!

SACHSJetzt fahret fort!

BECKMESSERBin ganz verwirrt! ­

SACHSSo fangt noch mal an:

SACHSdrei Schläg ich jetzt pausieren kann.

beiseite

BECKMESSERAm besten, wenn ich ihn gar nicht beacht: -

BECKMESSERwenn's nur die Jungfer nicht irre macht!

BECKMESSER"Den Tag seh ich erscheinen,

BECKMESSERder mir wohl gefall'n tut;

BECKMESSERda faßt mein Herz sich einen

BECKMESSERguten und frischen Mut:

BECKMESSERda denk ich nicht an Sterben,

Sachs schlägt.

BECKMESSERlieber an Werben

BECKMESSERum jung Mägdeleins Hand.

Sachs schlägt.

BECKMESSERWarum wohl aller Tage

Schlag

BECKMESSERschönster mag dieser sein?

Schlag

BECKMESSERAllen hier ich es sage:

BECKMESSERweil ein schönes Fräulein

zwei Schläge

BECKMESSERvon ihrem lieb'n Herrn Vater,

BECKMESSERwie gelobt hat er,

viele kleine Schläge

BECKMESSERich bestimmt zum Eh'stand.

Schläge

BECKMESSERWer sich getrau,

Schlag

BECKMESSERder komm und schau.

Schlag

BECKMESSERDa steht die hold lieblich Jungfrau,

Schläge

BECKMESSERauf die ich all mein Hoffnung bau,

BECKMESSERdarum ist der Tag so schön blau,

viele Schläge

BECKMESSERals ich anfänglich fand."

BECKMESSERSachs! Seht, Ihr bringt mich um!

BECKMESSERWollt Ihr jetzt schweigen?

SACHSIch bin ja stumm!

SACHSDie Zeichen merkt ich;

SACHSwir sprechen dann:

SACHSderweil lassen die Sohlen sich an.

(gewahrend, daß Magdalene

sich vom Fenster entfernen will)

BECKMESSERSie entweicht? Bst! Bst! ­

BECKMESSERHerr Gott, ich muß!

(um die Ecke herum die

Faust gegen Sachs ballend)

BECKMESSERSachs, Euch gedenk ich die Ärgernuß!

(mit dem Hammer nach

dem Leisten ausholend)

SACHSMerker am Ort -.

SACHSfahret fort!

immer stärker und atemloser

BECKMESSER"Will heut mir das Herz hüpfen,

Schläge wie vorher

BECKMESSERwerben um Fräulein jung,

BECKMESSERdoch tät der Vater knüpfen

BECKMESSERdaran ein Bedingung

BECKMESSERfür den, wer ihn beerben

BECKMESSERwill, und auch werben

BECKMESSERum sein Kindelein fein.

BECKMESSERDer Zunft ein biedrer Meister,

BECKMESSERwohl sein Tochter er liebt,

BECKMESSERdoch zugleich auch beweist er,

BECKMESSERwas er auf die Kunst gibt:

BECKMESSERzum Preise muß es bringen

BECKMESSERim Meistersingen,

BECKMESSERwer sein Eidam will sein.

BECKMESSERNun gilt es Kunst,

BECKMESSERdaß mit Vergunst,

BECKMESSERohn all schädlich gemeinen Dunst

BECKMESSERihm glücke des Preises Gewunst,

BECKMESSERwer begehrt mit wahrer Inbrunst,

(Sachs, welcher kopfschüttelnd es aufgibt

die einzelnen Fehler anzumerken, arbeitet

hämmernd fort um den Keil aus dem

Leisten zu schlagen.)

BECKMESSERum die Jungfrau zu frei'n."

über den Laden weit herausgelehnt

SACHSSeid Ihr nun fertig?

in höchster Angst

BECKMESSERWie fraget Ihr?

(hält die fertigen Schuhe

triumphierend heraus)

SACHSMit den Schuhen ward ich fertig schier. ­

SACHSDas nennt man mir echte Merkerschuh: -

SACHSmein Merkersprüchlein hört dazu! ­

SACHSMit lang und kurzen Hieben

SACHSsteht's auf der Sohl geschrieben:

SACHSda lest es klar

SACHSund nehmt es wahr,

SACHSund merkt's Euch immerdar.

SACHSGut Lied will Takt:

SACHSwer den verzwackt,

SACHSdem Schreiber mit der Feder

SACHShaut ihn der Schuster aufs Leder. ­

SACHSNun lauft in Ruh:

SACHShabt gute Schuh,

SACHSder Fuß Euch drin nicht knackt,

SACHSihn hält die Sohl im Takt!

(der sich ganz in die Gasse zurückgezogen

hat und an die Mauer mit dem Rücken

sich anlehnt, singt, um Sachs zu

übertäuben, mit größter Anstrengung,

schreiend und atemlos hastig.)

BECKMESSER"Darf ich mich Meister nennen,

BECKMESSERdas bewähr ich heut gern,

BECKMESSERweil ich nach dem Preis brennen

BECKMESSERmuß, dursten und hungern.

BECKMESSERNun ruf ich die neun Musen,

BECKMESSERdaß an sie blusen

BECKMESSERmein dicht'rischen Verstand.

BECKMESSERWohl kenn ich alle Regeln,

BECKMESSERhalte gut Maß und Zahl;

BECKMESSERdoch Sprung und Überkegeln

BECKMESSERwohl passiert je einmal,

BECKMESSERwann der Kopf ganz voll Zagen

BECKMESSERzu frei'n will wagen

BECKMESSERum jung Mägdeleins Hand.

Er verschnauft sich.

BECKMESSEREin Junggesell,

BECKMESSERtrug ich mein Fell,

BECKMESSERmein Ehr, Amt, Würd und Brot zur Stell,

BECKMESSERdaß Euch mein Gesang wohl gefällt,

BECKMESSERund mich das Jungfräulein erwähl,

BECKMESSERwenn sie mein Lied gut fand." ­

(hat den Fensterladen, dicht hinter

Beckmesser, ein wenig geöffnet und

lugt daraus hervor.)

DAVIDWer Teufel, hier? ­

Er wird Magdalene gewahr.

DAVIDUnd drüben gar?

DAVIDDie Lene ist's -, ich seh es klar!

DAVIDHerrje, der war's, den hat sie bestellt.

DAVIDDer ist's, der ihr besser als ich gefällt!

DAVIDNun warte, du kriegst's!

DAVIDDir streich ich das Fell!

Er entfernt sich nach innen.

SYSTEMNACHBARN

(erst einige, dann immer mehr,

öffnen während Beckmessers Lied in der

Gasse die Fenster und gucken heraus)

DAVIDWas heult denn da?

DAVIDWer kreischt mit Macht?

DAVIDIst das erlaubt so spät zur Nacht?

DAVIDGebt Ruhe hier! 's ist Schlafenszeit.

DAVIDMein', hört nur, wie dort der Esel schreit!

DAVIDIhr da! Seid still und schert Euch fort!

DAVIDHeult, kreischt und schreit an andrem Ort!

(Sie verlassen die Fenster und kommen

nach und nach in Nachtkleidern einzeln

auf die Straße heraus. - Sachs beobachtet

noch eine Zeitlang den wachsenden Tumult,

löscht aber alsbald sein Licht aus und

schliesst den Laden so weit, daß er,

ungesehen, stets durch eine kleine öffnung

den Platz unter der Linde beobachten kann.

Walther und Eva sehen mit wachsender

Sorge dem anschwellenden Auflaufe zu;

er schliesst sie in seinen Mantel fest an

sich und birgt sich hart an der Linde im

Gebüsch, so daß beide fast ungesehen

bleiben.)

(der mit einem Knüppel bewaffnet,

zurückgekommen ist, steigt aus dem

Fenster und wirft sich auf Beckmesser)

DAVIDZum Teufel mit dir, verdammter Kerl!

(Magdalene winkt David

heftig zurück.)

SYSTEMMAGDALENE

am Fenster, schreiend

DAVIDAch, Himmel! David! Gott, welche Not!

DAVIDZu Hilfe! Zu Hilfe!

DAVIDSie schlagen sich noch tot!

zu David

BECKMESSERVerfluchter Bursch!

BECKMESSERLäßt du mich los?

DAVIDGewiß! Die Glieder brech ich dir bloß!

(Beckmesser und David

balgen sich fortwährend.)

SYSTEMNACHBARN

an den Fenstern

DAVIDSeht nach! Springt zu!

DAVIDDa würgen sich zwei!

Sie kommen herab.

DAVID's gibt Schlägerei!

SYSTEMANDERE NACHBARN

in die Gasse laut schreiend

DAVIDHeda! Herbei! 's gibt Schlägerei:

DAVIDda würgen sich zwei.

DAVIDIhr da, laßt los! Gebt freien Lauf!

DAVIDLaßt ihr nicht los, wir schlagen drauf.

SYSTEMEIN NACHBAR

DAVIDEi, seht, auch Ihr hier?

DAVIDGeht's Euch was an?

SYSTEMEIN ZWEITER

DAVIDWas sucht Ihr hier?

DAVIDHat man Euch was getan?

SYSTEMERSTER NACHBAR

DAVIDEuch kennt man gut.

SYSTEMZWEITER NACHBAR

DAVIDEuch noch viel besser.

SYSTEMERSTER NACHBAR

DAVIDWieso denn?

SYSTEMZWEITER NACHBAR

zuschlagend

DAVIDEi, so!

SYSTEMMAGDALENE

hinabscbreiend

DAVIDDavid! Beckmesser!

SYSTEMLEHRBUBEN

(einzeln, dann mehr, von

allen Seiten dazukommend)

DAVIDHerbei! Herbei! 's gibt Keilerei!

SYSTEMEINIGE

DAVID's sind die Schuster!

SYSTEMANDERE

DAVIDNein, 's sind die Schneider!

SYSTEMDIE ERSTERBEN

DAVIDDie Trunkenbolde!

SYSTEMDIE ANDEREN

DAVIDDie Hungerleider!

SYSTEMDIE NACHBARN

auf der Gasse durcheinander

DAVIDEuch gönnt ich's schon lange

DAVIDWird euch wohl bange?

DAVIDDas für die Klage!

DAVIDSeht euch vor, wenn ich schlage!

DAVIDHat euch die Frau gehetzt?

DAVIDSchau, wie es Prügel setzt!

DAVIDSeid ihr noch nicht gewitzt?

DAVIDNun, schlagt doch! - Das sitzt!

DAVIDDaß dich Halunken

DAVIDgleich ein Donnerwetter träf!

DAVIDWartet, ihr Racker!

DAVIDMaßabzwacker! ­

DAVIDEsel! - Dummrian! ­

DAVIDDu Grobian! ­

DAVIDLümmel du! ­

DAVIDDrauf und zu!

SYSTEMLEHRBUBEN

von allen Seiten

DAVIDKennt man die Schlosser nicht?

DAVIDDie haben's sicher angericht't!

DAVIDIch glaub, die Schmiede werden's sein!

DAVIDDie Schreiner seh ich dort beim Schein! ­

DAVIDHei! Schaut die Schäffler dort beim Tanz!

DAVIDDort seh die Bader ich im Glanz;

DAVIDherbei zum Tanz!

DAVIDKrämer finden sich zur Hand

DAVIDmit Gerstenstang und Zuckerkand,

DAVIDmit Pfeffer, Zimt, Muskatennuß,

DAVIDsie riechen schön,

DAVIDdoch machen viel Verdruß;

DAVIDsie riechen schön,

DAVIDund bleiben gern vom Schuß.

DAVIDSeht nur, der Has

DAVIDhat überall die Nas!

DAVIDMeinst du damit etwa mich?

DAVIDMein ich damit etwa dich?

DAVIDImmer mehr heran!

DAVIDLustig, wacker! jetzt geht's erst recht an!

DAVIDHei, nun geht's Plauz! hast du nicht gesehn!

DAVIDHast's auf die Schnauz! ­

DAVIDHa! nun geht's: Krach! Hagelwetterschlag!

DAVIDWo es sitzt, da wächst nichts so bald nach!

DAVIDKeilt euch wacker! Keiner weiche!

DAVIDHaltet selbst Gesellen mutig stand!

DAVIDWer wich, 's wär wahrlich eine Schand!

DAVIDWacker drauf und dran!

DAVIDWir stehen alle wie ein Mann!

DAVIDWie ein Mann stehn wir

DAVIDalle fest zur Keilerei!

(Bereits prügeln sich Nachbarn und

Lebrbuben fast allgemein durcheinander.)

SYSTEMGESELLEN

(mit Knitteln bewaffnet,

von verschiedenen Seiten)

DAVIDHeda! Gesellen 'ran!

DAVIDDort wird mit Streit und Zank getan;

DAVIDda gibt's gewiß noch Schlägerei;

DAVIDGesellen, haltet euch dabei!

DAVID's sind die Weber! 's sind die Gerber!

DAVIDDie Preisverderber!

DAVIDDacht ich mir's doch gleich:

DAVIDspielen immer Streich!

DAVIDDort den Metzger Klaus

DAVIDkenn ich heraus!

DAVID's brennt manchem im Haus!

DAVID's ist morgen der Fünfte!

DAVIDZünfte heraus! ­

DAVIDHei, hier setzt's Prügel!

DAVIDSchneider mit dem Bügel!

DAVIDGürtler! - Spengler! - Zinngießer! ­

DAVIDLeimsieder! - Lichtgießer! ­

DAVIDTuchscherer! Leinweber!

DAVIDImmer dran! Immer drauf!

DAVIDSchert euch selber fort

DAVIDund macht euch heim!

DAVIDImmer drauf und dran!

DAVIDjetzt gilt's, keiner weiche hier!

DAVIDZünfte! Zünfte! Heraus! ­

SYSTEMDIE MEISTER

(und älteren Bürger, von

verschiedenen Seiten)

DAVIDWas gibt's denn da für Zank und Streit?

DAVIDDas tost ja weit und breit!

DAVIDGebt Ruh und schert

DAVIDeuch jeder gleich nach Hause heim,

DAVIDsonst schlag ein Hageldonnerwetter drein!

DAVIDStemmt euch hier nicht mehr zu Hauf,

DAVIDoder sonst wir schlagen drein!

SYSTEMNACHBARINNEN

(welche die Fenster geöffnet

haben, herausguckend)

DAVIDWas ist das für Zanken und Streit?

DAVIDDa gibt's gewiß noch Schlägerei!

DAVIDWär nur der Vater nicht dabei!

DAVID's wird einem wahrlich angst und bang!

DAVIDHeda! Ihr dort unten,

DAVIDso seid doch nur gescheit!

DAVIDSeid ihr denn Alle gleich

DAVIDzu Streit und Zank bereit?

DAVIDSeid ihr alle blind und toll?

DAVIDSind euch vom Wein denn

DAVIDnoch die Köpfe voll?

DAVIDMein! Dort schlägt sich mein Mann!

DAVIDHilfe! Der Vater! Der Vater!

DAVIDAch, sie haun ihn tot!

DAVIDHört keines mehr sein Wort!

DAVIDGott, welche Not!

DAVIDSeht dort den Christian;

DAVIDer walkt den Peter ab!

DAVIDAuf, schreit zu Hilfe: Mord und Zeter! ­

DAVIDGott, wie sie walken!

DAVIDDie Köpf und Zöpfe wackeln hin und her!

DAVIDSchafft Wasser, Wasser her! Wasser her!

DAVIDdas gießt ihn' auf die Köpf herab!

(Die Rauferei ist allgemein

geworden, Schreien und Toben.)

SYSTEMMAGDALENE

(am Fenster, verzweifelt

die Hände ringend)

DAVIDHör doch nur, David!

DAVIDSo laß doch nur den Herrn dort los,

DAVIDer hat mir nichts getan!

hinabspähend

DAVIDSo hör mich doch nur an!

DAVIDHerrgott, er hält ihn noch!

DAVIDNein! David, ist er toll?

DAVIDAch, David, hör:

DAVID's ist Herr Beckmesser!

(im Nachtgewand

oben an das Fenster)

POGNERUm Gott! Eva! Schliess zu!

POGNERIch seh, ob unt' im Hause Ruh!

(Er zieht Magdalene herein

und schliesst das Fenster.)

(der bisher mit Eva sich hinter dem

Gebüsch verborgen, faßt jetzt Eva

dicht in den linken Arm und zieht

mit der rechten Hand das Schwert.)

WALTHERJetzt gilt's zu wagen,

WALTHERsich durchzuschlagen!

(Er dringt mit geschwungenem Schwert bis

in die Mitte der Bühne vor, um sich mit Eva

durch die Gasse durchzuhauen. Da springt

Sachs mit einem kräftigen Satze aus dem

Laden, und packt Walther beim Arm.)

auf der Treppe

POGNERHe! Lene! Wo bist du?

(die halb ohnmächtige Eva

die Treppe hinaufstoßend)

SACHSIns Haus, Jungfer Lene!

(Pogner empfängt Eva und zieht sie in das

Haus. - Sachs, mit einem Knieriemen David

eines überhabend und mit einem Fußtritt

ihn voran in den Laden stoßend, zieht

Walther, den er mit der andren Hand fest

gefaßt hält, mit sich hinein und schliesst

sogleich fest hinter sich zu. - Beckmesser,

durch Sachs von David befreit, sucht sich

eilig durch die Menge zu flüchten. ­ Im

gleichen Augenblick, wo Sachs auf die

Straße sprang, hörte man einen Hornruf

des Nachtwächters. Alle suchen in eiliger

Flucht nach allen Seiten hin das Weite, so

daß die Bühne sehr bald gänzlich leer wird.

Als die Straße und Gasse leer geworden

und alle Häuser geschlossen sind, betritt

der Nachtwächter die Bühne, reibt sich die

Augen, siebt sich verwundert um und

schüttelt den Kopf.)

SYSTEMDER NACHTWÄCHTER

mit leise bebender Stimme

SACHSHört, ihr Leut,

SACHSund laßt euch sagen,

SACHSdie Glock hat

SACHSeilfe geschlagen:

SACHSbewahrt euch vor Gespenstern und Spuk,

SACHSdaß kein böser Geist eu'r Seel beruck!

SACHSLobet Gott, den Herrn!

(Hornruf. Der Vollmond tritt hervor

und scheint hell in die Gasse hinein; der

Nachtwächter schreitet langsam

dieselbe hinab und biegt um die Ecke.)