Tannhäuser
Wagner, Richard
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Tannhäuser Libretto
HERMANN, LANDGRAF VON THÜRINGEN (Bass)
TANNHÄUSER (Tenor)
WOLFRAM VON ESCHENBACH (Bariton)
WALTHER VON DER VOGELWEIDE (Tenor)
BITEROLF (Bass)
HEINRICH DER SCHREIBER (Tenor)
REINMAR VON ZWETER (Bass)
ELISABETH, Nichte des Landgrafen (Sopran)
VENUS (Sopran)
EIN JUNGER HIRT (Sopran)
VIER EDELKNABEN (Sopran/Alt)
ALLEThüringische Grafen und Edelleute - Edelfrauen - Ältere und jüngere Pilger - Sirenen, Najaden, Nymphen, Bacchantinnen,
Pariser Fassung: Die drei Grazien, Jünglinge, Amoretten, Satyre und Faune
SYSTEMERSTER AUFZUG
Die Bühne stellt das Innere des Venusberges
Hörselberges bei Eisenach
dar. Weite Grotte, welche sich im Hintergrunde durch eine Biegung nach rechts wie unabsehbar dahin zieht. Aus einer zerklüfteten Öffnung, durch welche mattes Tageslicht hereinscheint, stürzt sich die Höhe der Grotte entlang ein grünlicher Wasserfall herab, wild über Gestein schäumend; aus dem Becken, welches das Wasser auffängt, fliesst nach dem ferneren Hintergrunde der Bach hin, welcher dort sich zu einem See sammelt, in welchem man die Gestalten badender Najaden, und an dessen Ufern gelagerte Sirenen gewahrt. Zu beiden Seiten der Grotte Felsenvorsprünge von unregelmässiger Form, mit wunderbaren, korallenartigen tropischen Gewächsen bewachsen. Vor einer nach links aufwärts sich dehnenden Grottenöffnung, aus welcher ein zarter, rosiger Dämmer herausscheint, liegt im Vordergrunde Venus auf einem reichen Lager, vor ihr das Haupt in ihrem Schosse, die Harfe zur Seite, Tannhäuser halb kniend. Das Lager umgeben, in reizender Verschlingung gelagert, die drei Grazien. Zur Seite und hinter dem Lager zahlreiche schlafende Amoretten, wild über und neben einander gelagert, einen verworrenen Knäuel bildend, wie Kinder, die, von einer Balgerei ermattet, eingeschlafen sind. Der ganze Vordergrund ist von einem zauberhaften, von unten her dringenden, rötlichen Lichte beleuchtet, durch welches das Smaragdgrün des Wasserfalles, mit dem Weiss seiner schäumenden Wellen, stark durchbricht; der ferne Hintergrund mit den Seeufern ist von einem verklärt baluen Dufte mondscheinartig erhellt
Beim Aufzuge des Vorhanges sind, auf den erhöhten Vorsprüngen, bei Bechern noch die Jünglinge gelagert, welche jetzt sofort den verlockenden Winken der Nymphen folgen, und zu diesen hinabeilen; die Nymphen hatten um das schäumende Bekken des Wasserfalles den auffordernden Reigen begonnen, welcher die Jünglinge zu ihnen führen sollte; die Paare finden und mischen sich; Suchen, Fliehen und reizendes Nekken beleben den Tanz. Aus dem ferneren Hintergrunde naht ein Zug von Bacchantinnen, welcher durch die Reihen der liebenden Paare, zu wilder Lust auffordernd, daherbraust. Durch Gebärden begeisterter Trunkenheit reissen die Bacchantinnen die Liebenden zu wachsender Ausgelassenheit hin. Satyre und Faune sind aus den Klüften erschienen, und drängen sich zur höchsten Wut. Hier, beim Ausbruche der höchsten Raserei, erheben sich entsetzt die drei Grazien. Sie suchen den Wütenden Einhalt zu tun und sie zu entfernen. Machtlos fürchten sie selbst mit fortgerissen zu werden: sie wenden sich zu den schlafenden Amoretten, rütteln sie auf, und jagen sie in die Höhe. Diese flattern wie eine Schar Vögel aufwärts auseinander, nehmen in der Höhe, wie in Schlachtordnung, den ganzen Raum der Höhle ein, und schiessen von da herab einen unaufhörlichen Hagel von Pfeilen auf das Getümmel in der Tiefe. Die Verwundeten, von mächtigem Liebessehnen ergriffen, lassen vom rasenden Tanze ab und sinken in Ermattung. Die Grazien bemächtigen sich der Verwundeten und suchen, indem sie die Trunkenen zu Paaren fügen, sie mit sanfter Gewalt nach dem Hintergrund zu zu zerstreuen. Dort nach den verschiedensten Richtungen hin entfernen sich
zum Teil auch von der Höhe herab durch die Amoretten verfolgt
die Bacchanten, Faunen, Satyren, Nymphen und Jünglinge. Ein immer dichterer rosiger Duft senkt sich herab; in ihm verschwinden zunächst die Amoretten; dann bedeckt er den ganzen Hintergrund, so dass endlich, ausser Venus und Tannhäuser, nur noch die drei Grazien sichtbar zurückbleiben. Diese wenden sich jetzt nach dem Vordergrunde zurück; in anmutigen Verschlingungen nahen sie sich Venus, ihr gleichsam von dem Siege berichtend, den sie über die wilden Leidenschaften der Untertanen ihres Reiches gewonnen
Venus blickt dankend zu ihnen
SIRENENNaht euch dem Strande,
SIRENENnaht euch dem Lande,
SIRENENwo in den Armen
SIRENENglühender Liebe
SIRENENselig Erbarmen
SIRENENstill' eure Triebe!
Der dichte Duft im Hintergrunde zerteilt sich; ein Nebelbild zeigt die Entführung der Europa, welche auf dem Rücken des mit Blumen geschmückten weissen Stieres, von Tritonen und Nereiden geleitet, durch das blaue Meer dahinfährt. Der rosige Duft schliesst sich wieder, das Bild verschwindet, und die Grazien deuten nun durch einen anmutigen Tanz den geheimnisvollen Inhalt des Bildes, als ein Werk der Liebe, an. Von neuem teilt sich der Duft. Man erblickt in sanfter Mondesdämmerung Leda, am Waldteiche ausgestreckt; der Schwan schwimmt auf sie zu und birgt schmeichelnd seinen Hals an ihrem Busen. Allmählich verbleicht auch dieses Bild. Der Duft verzieht sich endlich ganz, und zeigt die ganze Grotte einsam und still. Die Grazien neigen sich lächelnd vor Venus, und entfernen sich langsam nach der Seiten-Grotte. Tiefste Ruhe. Unveränderte Gruppe der Venus und Tannhäusers
Tannhäuser zuckt mit dem Haupte empor, als fahre er aus einem Traume auf. - Venus zieht ihn schmeichelnd zurück. - Tannhäuser führt die Hand über die Augen, als ob er ein Traumbild festzuhalten suche
VENUSGeliebter, sag, wo weilt dein Sinn?
TANNHÄUSERZu viel! Zu viel! O, dass ich nun erwachte!
VENUSSprich, was kümmert dich?
TANNHÄUSERIm Traum war mir's als hörte ich -
TANNHÄUSERwas meinem Ohr so lange fremd!
TANNHÄUSERals hörte ich der Glocken froh Geläute; -
TANNHÄUSERO, sag! Wie lange hört' ich's doch nicht mehr?
VENUSWohin verlierst du dich? Was ficht dich an?
TANNHÄUSERDie Zeit, die hier ich weil',
TANNHÄUSERich kann sie nicht ermessen: -
TANNHÄUSERTage, Monde - gibt's für mich nicht mehr,
TANNHÄUSERdenn nicht mehr sehe ich die Sonne,
TANNHÄUSERnicht mehr des Himmels freundliche Gestirne; -
TANNHÄUSERden Halm seh' ich nicht mehr, der frisch ergrünend
TANNHÄUSERden neuen Sommer bringt; - die Nachtigall
TANNHÄUSERnicht hör' ich mehr, die mir den Lenz verkünde: -
TANNHÄUSERhör'ich sie nie, seh' ich sie niemals mehr?
VENUSHa! Was vernehm ich? Welche tör'ge Klagen!
VENUSBist du so bald der holden Wunder müde,
VENUSdie meine Liebe dir bereitet? - Oder
VENUSwie? Reut es dich so sehr, ein Gott zu sein?
VENUSHast du so bald vergessen, wie du einst
VENUSgelitten, während jetzt du dich erfreust? -
VENUSMein Sänger, auf! Ergreife deine Harfe!
VENUSDie Liebe feire, die so herrlich du besingst,
VENUSdass du der Liebe Göttin selber dir gewannst!
VENUSDie Liebe feire, da ihr höchster Preis dir ward!
zu einem plötzlichen Entschlusse ermannt, nimmt die Harfe und stellt sich feierlich vor Venus hin
TANNHÄUSERDir töne Lob! Die Wunder sei'n gepriesen,
TANNHÄUSERdie deine Macht mir Glücklichem erschuf!
TANNHÄUSERDie Wonnen süss, die deiner Huld entspriessen,
TANNHÄUSERerheb' mein Lied in lautem Jubelruf!
TANNHÄUSERNach Freude, ach! nach herrlichem Geniessen
TANNHÄUSERverlangt' mein Herz, es dürstete mein Sinn:
TANNHÄUSERda, was nur Göttern einstens du erwiesen,
TANNHÄUSERgab deine Gunst mir Sterblichem dahin. -
TANNHÄUSERDoch sterblich, ach! bin ich geblieben,
TANNHÄUSERund übergross ist mir dein Lieben;
TANNHÄUSERwenn stets ein Gott geniessen kann,
TANNHÄUSERbin ich dem Wechsel untertan;
TANNHÄUSERnicht Lust allein liegt mir am Herzen,
TANNHÄUSERaus Freuden sehn' ich mich nach Schmerzen:
TANNHÄUSERaus deinem Reiche muss ich fliehn, -
TANNHÄUSERo Königin, Göttin! Lass mich ziehn!
noch auf ihrem Lager
VENUSWas muss ich hören! Welch ein Sang!
VENUSWelch trübem Ton verfällt dein Lied!
VENUSWohin floh die Begeistrung dir,
VENUSdie Wonnesang dir nur gebot?
VENUSWas ist's? Worin war meine Liebe lässig?
VENUSGeliebter, wessen klagest du mich an?
zur Harfe
TANNHÄUSERDank deiner Huld! Gepriesen sei dein Lieben!
TANNHÄUSERBeglückt für immer, wer bei dir geweilt!
TANNHÄUSERBeneidet ewig, wer mit warmen Trieben
TANNHÄUSERin deinen Armen Götterglut geteilt!
TANNHÄUSEREntzückend sind die Wunder deines Reiches,
TANNHÄUSERden Zauber aller Wonnen atm' ich hier;
TANNHÄUSERkein Land der weiten Erde bietet Gleiches,
TANNHÄUSERwas sie besitzt, scheint leicht entbehrlich dir.
TANNHÄUSERDoch ich aus diesen ros'gen Düften
TANNHÄUSERverlange nach des Waldes Lüften,
TANNHÄUSERnach unsres Himmels klarem Blau,
TANNHÄUSERnach unsrem frischen Grün der Au,
TANNHÄUSERnach unsrer Vöglein liebem Sange,
TANNHÄUSERnach unsrer Glocken trautem Klange: -
TANNHÄUSERAus deinem Reiche muss ich fliehn, -
TANNHÄUSERO Königin, Göttin! Lass mich ziehn!
leidenschaftlich aufspringend
VENUSTreuloser! Weh! Was lässest du mich hören?
VENUSDu wagest meine Liebe zu verhöhnen?
VENUSDu preisest sie und willst sie dennoch fliehn?
VENUSZum Überdruss ist mir mein Reiz gediehn?
TANNHÄUSERO schöne Göttin! Wolle mir nicht zürnen!
TANNHÄUSERDein übergrosser Reiz ist's, den ich meide.
VENUSWeh dir! Verräter! Heuchler! Undankbarer!
VENUSIch lass' dich nicht! Du darfst von mir nicht ziehn!
TANNHÄUSERNie war mein Lieben grösser, niemals wahrer,
TANNHÄUSERals jetzt, da ich für ewig dich muss fliehn!
Venus hat mit heftiger Gebärde ihr Gesicht, von ihren Händen bedeckt, abgewandt. Nach einem Schweigen wendet sie es lächelnd und mit verführerischem Ausdrucke Tannhäuser wieder zu
mit leiser Stimme beginnend
VENUSGeliebter, komm! Sieh dort die Grotte,
VENUSvon ros'gen Düften mild durchwallt!
VENUSEntzücken böt selbst einem Gotte
VENUSder süss'sten Freuden Aufenthalt:
VENUSbesänftigt auf dem weichsten Pfühle
VENUSflieh' deine Glieder jeder Schmerz,
VENUSdein brennend Haupt umwehe Kühle,
VENUSwonnige Glut durchschwell' dein Herz.
VENUSAus holder Ferne mahnen süsse Klänge,
VENUSdass dich mein Arm in trauter Näh' umschlänge:
VENUSvon meinen Lippen schlürfst du Göttertrank,
VENUSaus meinen Augen strahlt dir Liebesdank: -
VENUSein Freudenfest soll unsrem Bund entstehen,
VENUSder Liebe Feier lass uns froh begehen!
VENUSNicht sollst du ihr ein scheues Opfer weihn, -
VENUSnein! - mit der Liebe Göttin schwelge im Verein.
aus weiter Ferne, unsichtbar
SIRENENNaht euch dem Strande,
SIRENENnaht euch dem Lande!
Tannhäuser sanft nach sich ziehend
VENUSMein Ritter! Mein Geliebter! Willst du fliehn?
auf das Äusserste hingerissen, greift mit trunkener Gebärde in die Harfe
TANNHÄUSERStets soll nur dir, nur dir mein Lied ertönen!
TANNHÄUSERGesungen laut sei nur dein Preis von mir!
TANNHÄUSERDein süsser Reiz ist Quelle alles Schönen,
TANNHÄUSERund jedes holde Wunder stammt von dir.
TANNHÄUSERDie Glut, die du mir in das Herz gegossen,
TANNHÄUSERals Flamme lodre hell sie dir allein!
TANNHÄUSERJa, gegen alle Welt will unverdrossen
TANNHÄUSERfortan ich nun dein kühner Streiter sein. -
TANNHÄUSERDoch hin muss ich zur Welt der Erden,
TANNHÄUSERbei dir kann ich nur Sklave werden;
TANNHÄUSERnach Freiheit doch verlange ich,
TANNHÄUSERnach Freiheit, Freiheit dürstet's mich;
TANNHÄUSERzu Kampf und Streite will ich stehen,
TANNHÄUSERsei's auch auf Tod und Untergehen: -
TANNHÄUSERdrum muss aus deinem Reich ich fliehn, -
TANNHÄUSERO Königin, Göttin! Lass mich ziehn!
im heftigstem Zorne
VENUSZieh hin, Wahnsinniger, zieh hin!
VENUSVerräter, sieh, nicht halt' ich dich!
VENUSIch geb' dich frei, - zieh hin! zieh hin!
VENUSWas du verlangst, das sei dein Los!
VENUSHin zu den kalten Menschen flieh,
VENUSvor deren blödem, trübem Wahn
VENUSder Freude Götter wir entflohn
VENUStief in der Erde wärmenden Schoss.
VENUSZieh hin, Betörter! Suche dein Heil,
VENUSsuche dein Heil - und find es nie!
VENUSBald weicht der Stolz aus deiner Seel',
VENUSdemütig seh' ich dich mir nahn, -
VENUSzerknirscht, zertreten suchst du mich auf,
VENUSflehst um die Zauber meiner Macht.
TANNHÄUSERAch, schöne Göttin, lebe wohl!
TANNHÄUSERNie kehre ich zu dir zurück.
verzweiflungsvoll
VENUSHa, kehrtest du mir nie zurück! . . .
VENUSKehrst du nicht wieder, ha! so sei verfluchet
VENUSvon mir das ganze menschliche Geschlecht!
VENUSNach meinen Wundern dann vergebens suchet!
VENUSDie Welt sei öde, und ihr Held ein Knecht! -
VENUSKehr wieder! Kehre mir zurück!
TANNHÄUSERNie mehr erfreu' mich Liebesglück!
VENUSKehr wieder, wenn dein Herz dich zieht!
TANNHÄUSERFür ewig dein Geliebter flieht!
VENUSWenn alle Welt dich von sich stösst? -
TANNHÄUSERVom Bann werd' ich durch Buss' erlöst.
VENUSNie wird Vergebung dir zuteil, -
VENUSKehr wieder, schliesst sich dir das Heil!
TANNHÄUSERMein Heil! mein Heil ruht in Maria!
Furchtbarer Schlag. Venus ist verschwunden
Tannhäuser steht plötzlich in einem schönen Tale, über ihm blauer Himmel. Rechts im Hintergrunde die Wartburg, links in grösserer Ferne der Hörselberg. Rechter Hand führt auf der halben Höhe des Tales ein Bergweg nach dem Vordergrunde zu, wo er dann seitwärts abbiegt; in demselben Vordergrunde ist ein Muttergottesbild, zu welchem ein niedriger Bergvorsprung hinaufführt. Von der Höhe links vernimmt man das Geläute von Herdenglocken; auf einem hohen Vorsprunge sitzt ein junger Hirt mit der Schalmei und singt
HIRTFrau Holda kam aus dem Berg hervor,
HIRTzu ziehen durch Flur und Auen;
HIRTgar süssen Klang vernahm da mein Ohr,
HIRTmein Auge begehrte zu schauen: -
HIRTda träumt' ich manchen holden Traum,
HIRTund als mein Aug' erschlossen kaum,
HIRTda strahlte warm die Sonnen,
HIRTder Mai, der Mai war kommen.
HIRTNun spiel' ich lustig die Schalmei: -
HIRTder Mai ist da, der liebe Mai!
Er spielt auf der Schalmei. Man hört den Gesang der älteren Pilger, welche, von der Richtung der Wartburg her kommend, den Bergweg rechts entlang ziehen
PILGERZu dir wall' ich, mein Jesus Christ,
PILGERder du des Sünders Hoffnung bist!
PILGERGelobt sei, Jungfrau süss und rein,
PILGERder Wallfahrt wolle günstig sein! -
PILGERAch, schwer drückt mich der Sünden Last,
PILGERkann länger sie nicht mehr ertragen;
PILGERdrum will ich auch nicht Ruh noch Rast,
PILGERund wähle gern mir Müh' und Plagen.
PILGERAm hohen Fest der Gnadenhuld
PILGERin Demut sühn' ich meine Schuld;
PILGERgesegnet, wer im Glauben treu:
PILGERer wird erlöst durch Buss' und Reu'.
Der Hirt, der fortwährend auf der Schalmei gespielt hat, hält ein, als der Zug der Pilger auf der Höhe ihm gegenüber ankommt
den Hut schwenkend und den Pilgern laut zurufend
HIRTGlück auf! Glück auf nach Rom!
HIRTBetet für meine arme Seele!
tief ergriffen auf die Knie sinkend
TANNHÄUSERAllmächt'ger, dir sei Preis!
TANNHÄUSERHehr sind die Wunder deiner Gnade.
Der Zug der Pilger entfernt sich immer weiter von der Bühne, so dass der Gesang allmählich verhallt
PILGERZu dir wall' ich, mein Jesus Christ,
PILGERder du des Pilgers Hoffnung bist!
PILGERGelobt sei, Jungfrau süss und rein,
PILGERder Wallfahrt wolle günstig sein!
als der Gesang der Pilger sich hier etwas verliert, singt, auf den Knien, wie in brünstiges Gebet versunken, weiter
TANNHÄUSERAch, schwer drückt mich der Sünden Last,
TANNHÄUSERkann länger sie nicht mehr ertragen;
TANNHÄUSERdrum will ich auch nicht Ruh noch Rast
TANNHÄUSERund wähle gern mir Müh' und Plagen.
Tränen ersticken seine Stimme; man hört in weiter Ferne den Pilgergesang fortsetzen bis zum letzten Verhallen, während sich aus dem tiefsten Hintergrunde, wie von Eisenach herkommend, das Geläute von Kirchglocken vernehmen lässt. Als auch dieses schweigt, hört man von links immer näher kommende Hornrufe
Von der Anhöhe links herab aus einem Waldwege treten der Landgraf und die Sänger in Jägertracht einzeln auf. Im Verlaufe der Szene findet sich der ganze Jagdtross des Landgrafen nach und nach auf der Bühne ein
DER LANDGRAFWer ist der dort im brünstigen Gebete?
WALTHEREin Büsser wohl.
BITEROLFNach seiner Tracht ein Ritter.
der auf Tannhäuser zugegangen ist und ihn erkannt hat
WOLFRAMEr ist es!
WOLFRAMDie SÄNGER und der LANDGRAF
WOLFRAMHeinrich! Heinrich! Seh' ich recht?
Tannhäuser, der überrascht schnell aufgefahren ist, ermannt sich und verneigt sich stumm gegen den Landgrafen, nachdem er einen flüchtigen Blick auf ihn und die Sänger geworfen
LANDGRAFDu bist es wirklich? Kehrest in den Kreis
LANDGRAFzurück, den du in Hochmut stolz verliessest?
BITEROLFSag, was uns deine Wiederkunft bedeutet?
BITEROLFVersöhnung? Oder gilt's erneutem Kampf?
WALTHERNahst du als Freund uns oder Feind?
WALTHERDIE ANDEREN SÄNGER ausser Wolfram
WALTHERAls Feind?
WOLFRAMO fraget nicht! Ist dies des Hochmuts Miene? -
WOLFRAMGegrüsst sei uns, du kühner Sänger,
WOLFRAMder, ach! so lang' in unsrer Mitte fehlt!
WALTHERWillkommen, wenn du friedlich nahst!
BITEROLFGegrüsst, wenn du uns Freunde nennst!
ALLEGegrüsst! Gegrüsst! Gegrüsst sei uns!
LANDGRAFSo sei willkommen denn auch mir!
LANDGRAFSag an, wo weiltest du so lang?
TANNHÄUSERIch wanderte in weiter, weiter Fern', -
TANNHÄUSERda, wo ich nimmer Rast noch Ruhe fand.
TANNHÄUSERFragt nicht! Zum Kampf mit euch nicht kam ich her.
TANNHÄUSERSeid mir versöhnt, und lasst mich weiterziehn!
LANDGRAFNicht doch! Der Unsre bist du neu geworden.
WALTHERDu darfst nicht ziehn.
BITEROLFWir lassen dich nicht fort.
TANNHÄUSERLasst mich! Mir frommet kein Verweilen,
TANNHÄUSERund nimmer kann ich rastend stehn;
TANNHÄUSERmein Weg heisst mich nurvorwärts eilen,
TANNHÄUSERdenn rückwärts darf ich niemals sehn.
TANNHÄUSERDer LANDGRAF und die SÄNGER
TANNHÄUSERO bleib, bei uns sollst du verweilen,
TANNHÄUSERwir lassen dich nicht von uns gehn.
TANNHÄUSERDu suchtest uns, warum enteilen
TANNHÄUSERnach solchem kurzen Wiedersehn?
sich losreissend
TANNHÄUSERFort! Fort von hier!
TANNHÄUSERDie SÄNGER
TANNHÄUSERBleib! Bleib bei uns!
Tannhäuser in den Weg tretend, mit erhobener Stimme
WOLFRAMBleib bei Elisabeth!
heftig und freudig ergriffen
TANNHÄUSERElisabeth! O Macht des Himmels,
TANNHÄUSERrufst du den süssen Namen mir?
WOLFRAMNicht sollst du Feind mich schelten, dass ich ihn genannt! -
WOLFRAMErlaubest du mir, Herr, dass ich
WOLFRAMVerkünder seines Glücks ihm sei?
LANDGRAFNenn ihm den Zauber, den er ausgeübt, -
LANDGRAFund Gott verleih ihm Tugend,
LANDGRAFdass würdig er ihn löse!
WOLFRAMAls du in kühnem Sange uns bestrittest,
WOLFRAMbald siegreich gegen unsre Lieder sangst,
WOLFRAMdurch unsre Kunst Besiegung bald erlittest:
WOLFRAMein Preis doch war's, den du allein errangst.
WOLFRAMWar's Zauber, war es reine Macht,
WOLFRAMdurch die solch Wunder du vollbracht,
WOLFRAMan deinen Sang voll Wonn' und Leid
WOLFRAMgebannt die tugendreichste Maid?
WOLFRAMDenn, ach! als du uns stolz verlassen,
WOLFRAMverschloss ihr Herz sich unsrem Lied;
WOLFRAMwir sahen ihre Wang' erblassen,
WOLFRAMfür immer unsren Kreis sie mied. -
WOLFRAMO kehr zurück, du kühner Sänger,
WOLFRAMdem unsren sei dein Lied nicht fern. -
WOLFRAMDen Festen fehle sie nicht länger,
WOLFRAMaufs neue leuchte uns ihr Stern!
WOLFRAMDie SÄNGER
WOLFRAMSei unser, Heinrich! Kehr uns wieder!
WOLFRAMZwietracht und Streit sei abgetan!
WOLFRAMVereint ertönen unsre Lieder,
WOLFRAMund Brüder nenne uns fortan!
innig gerührt, umarmt Wolfram und die Sänger mit Heftigkeit
TANNHÄUSERZu ihr! Zu ihr! O, führet mich zu ihr!
TANNHÄUSERHa, jetzt erkenne ich sie wieder,
TANNHÄUSERdie schöne Welt, der ich entrückt!
Der Himmel blickt auf mich hernieder,
TANNHÄUSERdie Fluren prangen reich geschmückt.
TANNHÄUSERDer Lenz mit tausend holden Klängen
TANNHÄUSERzog jubelnd in die Seele mir;
TANNHÄUSERin süssem, ungestümem Drängen
TANNHÄUSERruft laut mein Herz: zu ihr, zu ihr!
TANNHÄUSERLANDGRAF und die SÄNGER
TANNHÄUSEREr kehrt zurück, den wir verloren!
TANNHÄUSEREin Wunder hat ihn hergebracht.
TANNHÄUSERDie ihm den Uebermut beschworen,
TANNHÄUSERgepriesen sei die holde Macht!
TANNHÄUSERNun lausche unsren Hochgesängen
TANNHÄUSERvon neuem der Gepries'nen Ohr'!
TANNHÄUSEREs tön in frohbelebten Klängen
TANNHÄUSERdas Lied aus jeder Brust hervor!
Der ganze Jagdtross hat sich im Tale versammelt. Der Landgraf stösst in sein Horn: laute Hornrufe der Jäger antworten ihm. Der Landgraf und die Sänger besteigen Pferde, welche man ihnen von der Wartburg her entgegengeführt hat. Der Vorhang fällt
SYSTEMZWEITER AUFZUG
Die Sängerhalle auf der Wartburg; nach hinten freie Aussicht auf den Burghof und das Tal
tritt freudig bewegt ein
ELISABETHDich, teure Halle, grüss' ich wieder,
ELISABETHfroh grüss' ich dich, geliebter Raum!
ELISABETHIn dir erwachen seine Lieder,
ELISABETHund wecken mich aus düstrem Traum. -
ELISABETHDa er aus dir geschieden,
ELISABETHwie öd' erschienst du mir!
ELISABETHAus mir entfloh der Frieden,
ELISABETHdie Freude zog aus dir. -
ELISABETHWie jetzt mein Busen hoch sich hebet,
ELISABETHso scheinst du jetzt mir stolz und hehr;
ELISABETHder dich und mich so neu belebet,
ELISABETHnicht länger weilt er ferne mehr.
ELISABETHSei mir gegrüsst! sei mir gegrüsst!
Wolfram und Tannhäuser erscheinen im Hintergrunde
WOLFRAMDort ist sie; nahe dich ihr ungestört!
Er bleibt, an die Mauerbrüstung des Balkons gelehnt, im Hintergrunde
ungestüm zu den Füss Elisabeths stürzend
TANNHÄUSERO Fürstin!
in schüchterner Verwirrung
ELISABETHGott! - Steht auf! Lasst mich! Nicht darf ich Euch hier sehn!
ELISABETHSie will sich entfernen
TANNHÄUSERDu darfst! O bleib und lass zu deinen Füssen mich!
sich freundlich zu ihm wendend
ELISABETHSo stehet auf!
ELISABETHNicht sollet hier Ihr knien, denn diese Halle
ELISABETHist Euer Königreich. O, stehet auf!
ELISABETHNehmt meinen Dank, dass Ihr zurückgekehrt! -
ELISABETHWo weiltet ihr so lange?
sich langsam erhebend
TANNHÄUSERFern von hier,
TANNHÄUSERin weiten, weiten Landen. Dichtes Vergessen
TANNHÄUSERhat zwischen heut und gestern sich gesenkt. -
TANNHÄUSERAll mein Erinnern ist mir schnell geschwunden,
TANNHÄUSERund nur des Einen mussich mich entsinnen,
TANNHÄUSERdass nie mehr ich gehofft Euch zu begrüssen,
TANNHÄUSERnoch je zu Euch mein Auge zu erheben. -
ELISABETHWas war es dann, das Euch zurückgeführt?
TANNHÄUSEREin Wunder war's,
TANNHÄUSERein unbegreiflich hohes Wunder!
freudig aufwallend
ELISABETHGepriesen sei dies Wunder
ELISABETHaus meines Herzens Tiefe!
Sich mässigend, - in Verwirrung
ELISABETHVerzeiht, wenn ich nicht weiss, was ich beginne!
ELISABETHIm Traum bin ich und tör'ger als ein Kind, -
ELISABETHmachtlos der Macht der Wunder preisgegeben.
ELISABETHFast kenn' ich mich nicht mehr; o, helfet mir,
ELISABETHdass ich das Rätsel meines Herzens löse!
ELISABETHDer Sänger klugen Weisen
ELISABETHlauscht' ich sonst gern und viel;
ELISABETHihr Singen und ihr Preisen
ELISABETHschien mir ein holdes Spiel.
ELISABETHDoch welch ein seltsam neues Leben
ELISABETHrief Euer Lied mir in die Brust!
ELISABETHBald wollt'es mich wie Schmerz durchbeben,
ELISABETHbald drang's in mich wie jähe Lust:
ELISABETHGefühle, die ich nie empfunden!
ELISABETHVerlangen, das ich nie gekannt!
ELISABETHWas einst mir lieblich, war verschwunden
ELISABETHvor Wonnen, die noch nie genannt! -
ELISABETHUnd als Ihr nun von uns gegangen, -
ELISABETHwar Frieden mir und Lust dahin;
ELISABETHdie Weisen, die die Sänger sangen,
ELISABETHerschienen matt mir, trüb ihr Sinn;
ELISABETHim Traume fühlt' ich dumpfe Schmerzen,
ELISABETHmein Wachen ward trübsel'ger Wahn;
ELISABETHdie Freude zog aus meinem Herzen: -
ELISABETHHeinrich! Was tatet Ihr mir an?
hingerissen
TANNHÄUSERDen Gott der Liebe sollst du preisen,
TANNHÄUSERer hat die Saiten mir berührt,
TANNHÄUSERer sprach zu dir aus meinen Weisen,
TANNHÄUSERzu dir hat er mich hergeführt!
ELISABETHGepriesen sei die Stunde,
ELISABETHgepriesen sei die Macht,
ELISABETHdie mir so holde Kunde
ELISABETHvon Eurer Näh' gebracht!
ELISABETHVon Wonneglanz umgeben,
lacht mir der Sonne Schein;
ELISABETHerwacht zu neuem Leben,
ELISABETHnenn' ich die Freude mein!
TANNHÄUSERGepriesen sei die Stunde,
TANNHÄUSERgepriesen sei die Macht,
TANNHÄUSERdie mir so holde Kunde
TANNHÄUSERaus deinem Mund gebracht.
TANNHÄUSERDem neu erkannten Leben
TANNHÄUSERdarf ich mich mutig weihn;
TANNHÄUSERich nenn' in freud'gem Beben
TANNHÄUSERsein schönstes Wunder mein!
im Hintergrunde
WOLFRAMSo flieht für dieses Leben
WOLFRAMmir jeder Hoffnung Schein!
Tannhäuser trennt sich von Elisabeth; er geht auf Wolfram zu, umarmt ihn, und entfernt sich mit ihm
Der Landgraf tritt aus einem Seitengange auf; Elisabeth eilt ihm entgegen und birgt ihr Gesicht an seiner Brust
LANDGRAFDich treff 'ich hier in dieser Halle, die
LANDGRAFso lange du gemieden? Endlich denn
LANDGRAFlockt dich ein Sängerfest, das wir bereiten?
ELISABETHMein Oheim! O, mein güt'ger Vater!
LANDGRAFDrängt
LANDGRAFes dich, dein Herz mir endlich zu erschliessen?
ELISABETHBlick mir ins Auge! Sprechen kann ich nicht.
LANDGRAFNoch bleibe denn unausgesprochen
LANDGRAFdein süss Geheimnis kurze Frist;
LANDGRAFder Zauber bleibe ungebrochen
LANDGRAFbis du der Lösung mächtig bist. -
LANDGRAFSo sei's! Was der Gesang so Wunderbares
LANDGRAFerweckt und angeregt, soll heute er
LANDGRAFenthüllen auch und mit Vollendung krönen.
LANDGRAFDie holde Kunst, sie werde jetzt zur Tat!
Man hört Trompeten
LANDGRAFSchon nahen sich die Edlen meiner Lande,
LANDGRAFdie ich zum seltnen Fest hieher beschied;
LANDGRAFzahlreicher nahen sie als je, da sie
LANDGRAFgehört, dass du des Festes Fürstin seist.
Trompeten. - Grafen, Ritter und Edelfrauen in reichem Schmucke werden durch Edelknaben eingeführt. Der Landgraf mit Elisabeth empfängt und begrüsst sie
CHORFreudig begrüssen wir die edle Halle,
CHORwo Kunst und Frieden immer nur verweil,
CHORwo lange noch der frohe Ruf erschalle:
CHORThüringens Fürsten, Landgraf Hermann, Heil!
Die Ritter und Frauen haben die von den Edelknaben ihnen angewiesenen, in einem weiten Halbkreise erhöhten Plätze eingenommen. Der Landgraf und Elisabeth nehmen im Vordergrunde unter einem Baldachin Ehrensitze ein.
Trompeten. Die Sänger treten auf und verneigen sich feierlich mit ritterlichem Grusse gegen die Versammlung; darauf nehmen sie in der leergelassenen Mitte des Saales die in einem engeren Halbkreise für sie bestimmten Sitze ein. Tannhäuser im Mittelgrunde rechts, Wolfram am entgegengesetzten Ende links, der Versammlung gegenüber
erhebt sich
LANDGRAFGar viel und schön ward hier in dieser Halle
LANDGRAFvon euch, ihr lieben Sänger, schon gesungen;
LANDGRAFin weisen Rätseln wie in heitren Liedern
LANDGRAFerfreutet ihr gleich sinnig unser Herz. -
LANDGRAFWenn unser Schwert in blutig ernsten Kämpfen
LANDGRAFstritt für des deutschen Reiches Majestät,
LANDGRAFwenn wir dem grimmen Welfen widerstanden
LANDGRAFund dem verderbenvollen Zwiespalt wehrten:
LANDGRAFso ward von euch nicht mindrer Preis errungen.
LANDGRAFDer Anmut und der holden Sitte,
LANDGRAFder Tugend und dem reinen Glauben
LANDGRAFerstrittet ihr durch eure Kunst
LANDGRAFgar hohen, herrlich schönen Sieg. -
LANDGRAFBereitet heute uns denn auch ein Fest,
LANDGRAFheut, wo der kühne Sänger uns zurück
LANDGRAFgekehrt, den wir so ungern lang' vermissten.
LANDGRAFWas wieder ihn in unsre Nähe brachte,
LANDGRAFein wunderbar Geheimnis dünkt es mich;
LANDGRAFdurch Liedes Kunst sollt ihr es uns enthüllen,
LANDGRAFdeshalb stell' ich die Frage jetzt an euch:
LANDGRAFkönnt ihr der Liebe Wesen mir ergründen?
LANDGRAFWer es vermag, wer sie am würdigsten
LANDGRAFbesingt, dem reich' Elisabeth den Preis:
LANDGRAFer fordre ihn so hoch und kühn er wolle,
LANDGRAFich sorge, dass sie ihn gewähren solle. -
LANDGRAFAuf, liebe Sänger! Greifet in die Saiten!
LANDGRAFDie Aufgab' ist gestellt, kämpft um den Preis,
LANDGRAFund nehmet all im voraus unsren Dank!
Trompeten
der Ritter und Edelfrauen
CHORHeil! Heil! Thüringens Fürsten Heil!
CHORDer holden Kunst Beschützer Heil!
Alle setze sich. Vier Edelknaben treten vor, sammeln in einem goldenen Becher von jedem der Sänger seinen auf ein Blättchen geschriebenen Namen ein und reichen ihn Elisabeth, welche eines der Blättchen herauszieht und es den Edelknaben reicht. Diese, nachdem sie den Namen gelesen, treten feierlich in die Mitte und rufen:
VIER EDELKNABENWolfram von Eschenbach, beginne!
Tannhäuser stützt sich auf seine Harfe und scheint sich in Träumereien zu verlieren. Wolfram erhebt sich
WOLFRAMBlick' ich umher in diesem edlen Kreise,
WOLFRAMwelch hoher Anblick macht mein Herz erglühn!
WOLFRAMSo viel der Helden, tapfer, deutsch und weise, -
WOLFRAMein stolzer Eichwald, herrlich, frisch und grün.
WOLFRAMUnd hold und tugendsam erblick' ich Frauen, -
WOLFRAMlieblicher Blüten düftereichsten Kranz.
WOLFRAMEs wird der Blick wohl trunken mir vom Schauen,
WOLFRAMmein Lied verstummt vor solcher Anmut Glanz. -
WOLFRAMDa blick' ich auf zu einem nur der Sterne,
WOLFRAMder an dem Himmel, der mich blendet, steht:
WOLFRAMes sammelt sich mein Geist aus jener Ferne,
WOLFRAMandächtig sinkt die Seele in Gebet.
WOLFRAMUnd sieh! Mir zeiget sich ein Wunderbronnen,
in den mein Geist voll hohen Staunens blickt:
WOLFRAMaus ihm er schöpfet gnadenreiche Wonnen,
WOLFRAMdurch die mein Herz er namenlos erquickt.
WOLFRAMUnd nimmer möcht' ich diesen Bronnen trüben,
WOLFRAMberühren nicht den Quell mit frevlem Mut:
WOLFRAMin Anbetung möcht' ich mich opfernd üben,
WOLFRAMvergiessen froh mein letztes Herzensblut. -
WOLFRAMIhr Edlen mögt in diesen Worten lesen,
WOLFRAMwie ich erkenn' der Liebe reinstes Wesen!
in beifälliger Bewegung
DIE RITTER UND FRAUENSo ists! So ist's! Gepriesen sei dein Lied!
der gegen das Ende von Wolframs Gesange wie aus dem Traume auffuhr, erhebt sich schnell
TANNHÄUSERAuch ich darf mich so glücklich nennen
TANNHÄUSERzu schaun, was, Wolfram, du geschaut!
TANNHÄUSERWer sollte nicht den Bronnen kennen?
TANNHÄUSERHör, seine Tugend preis' ich laut! -
TANNHÄUSERDoch ohne Sehnsucht heiss zu fühlen
TANNHÄUSERich seinem Quell nicht nahen kann:
TANNHÄUSERDes Durstes Brennen muss ich kühlen,
TANNHÄUSERgetrost leg' ich die Lippen an.
TANNHÄUSERIn vollen Zügen trink' ich Wonnen,
TANNHÄUSERin die kein Zagen je sich mischt:
TANNHÄUSERdenn unversiegbar ist der Bronnen,
TANNHÄUSERwie mein Verlangen nie erlischt.
TANNHÄUSERSo, dass mein Sehnen ewig brenne,
TANNHÄUSERlab' an dem Quell ich ewig mich:
TANNHÄUSERund wisse, Wolfram, so erkenne
TANNHÄUSERder Liebe wahrstes Wesen ich!
Elisabeth macht eine Bewegung, ihren Beifall zu bezeigen; da aber alle Zuhörer in ernstem Schweigen verharren, hält sie sich schüchtern zurück
erhebt sich
WALTHER VON DER VOGELWEIDEDen Bronnen, den uns Wolfram nannte,
WALTHER VON DER VOGELWEIDEihn schaut auch meines Geistes Licht;
WALTHER VON DER VOGELWEIDEdoch, der in Durst für ihn entbrannte,
WALTHER VON DER VOGELWEIDEdu, Heinrich, kennst ihn wahrlich nicht.
WALTHER VON DER VOGELWEIDELass dir denn sagen, lass dich lehren:
WALTHER VON DER VOGELWEIDEder Bronnen ist die Tugend wahr.
WALTHER VON DER VOGELWEIDEDu sollst in Inbrunst ihn verehren
WALTHER VON DER VOGELWEIDEund opfern seinem holden Klar.
WALTHER VON DER VOGELWEIDELegst du an seinen Quell die Lippen,
WALTHER VON DER VOGELWEIDEzu kühlen frevle Leidenschaft,
WALTHER VON DER VOGELWEIDEja, wolltest du am Rand nur nippen,
WALTHER VON DER VOGELWEIDEwich' ewig ihm die Wunderkraft!
WALTHER VON DER VOGELWEIDEWillst du Erquickung aus dem Bronnen haben,
WALTHER VON DER VOGELWEIDEmusst du dein Herz, nicht deinen Gaumen laben.
WALTHER VON DER VOGELWEIDEDie ZUHÖRER
in lautem Beifall
WALTHER VON DER VOGELWEIDEHeil Walther! Preis sei deinem Liede!
sich heftig erhebend
TANNHÄUSERO Walther, der du also sangest,
TANNHÄUSERdu hast die Liebe arg entstellt!
TANNHÄUSERWenn du in solchem Schmachten bangest,
TANNHÄUSERversiegte wahrlich wohl die Welt.
TANNHÄUSERZu Gottes Preis in hoch erhabne Fernen,
TANNHÄUSERblickt auf zum Himmel, blickt zu seinen Sternen!
TANNHÄUSERAnbetung solchen Wundern zollt,
TANNHÄUSERda ihr sie nicht begreifen sollt!
TANNHÄUSERDoch was sich der Berührung beuget,
TANNHÄUSEReuch Herz und Sinnen nahe liegt,
TANNHÄUSERwas sich, aus gleichem Stoff erzeuget,
TANNHÄUSERin weicher Formung an euch schmiegt, -
TANNHÄUSERdem ziemt Genuss in freud'gem Triebe,
TANNHÄUSERund im Genuss nur kenn' ich Liebe!
Grosse Aufregung unter den Zuhörern
BITEROLFsich mit Ungestüm erhebend
BITEROLFHeraus zum Kampfe mit uns allen!
BITEROLFWer bliebe ruhig, hört er dich?
BITEROLFWird deinem Hochmut es gefallen,
BITEROLFso höre, Lästrer, nun auch mich!
BITEROLFWenn mich begeistert hohe Liebe,
BITEROLFstählt sie die Waffen mir mit Mut;
BITEROLFdass ewig ungeschmäht sie bliebe,
BITEROLFvergöss' ich stolz mein letztes Blut.
BITEROLFFür Frauenehr' und hohe Tugend
BITEROLFals Ritter kämpf' ich mit dem Schwert;
BITEROLFdoch, was Genuss beut' deiner Jugend,
BITEROLFist wohlfeil, keines Streiches wert.
BITEROLFDie ZUHÖRER
in tobendem Beifall
BITEROLFHeil, Biterolf! Hier unser Schwert!
in stets zunehmender Hitze aufspringend
TANNHÄUSERHa, tör'ger Prahler, Biterolf!
TANNHÄUSERSingst du von Liebe, grimmer Wolf?
TANNHÄUSERGewisslich hast du nicht gemeint,
was mir geniessenswert erscheint.
TANNHÄUSERWas hast du Ärmster wohl genossen?
TANNHÄUSERDein Leben war nicht liebereich,
TANNHÄUSERund was von Freuden dir entsprossen,
TANNHÄUSERdas galt wohl wahrlich keinen Streich!
Zunehmende Aufregung unter den Zuhörern
von verschiedenen Seiten
RITTERLasst ihn nicht enden! - Wehret seiner Kühnheit!
zu Biterolf, der nach dem Schwerte greift
LANDGRAFZurück das Schwert! Ihr Sänger, haltet Frieden!
erhebt sich in edler Entrüstung. Bei seinem Beginn tritt sogleich die grösste Ruhe wieder ein
WOLFRAMO Himmel, lass dich jetzt erflehen,
WOLFRAMgib meinem Lied der Weihe Preis!
WOLFRAMGebannt lass mich die Sünde sehen
WOLFRAMaus diesem edlen, reinen Kreis!
WOLFRAMDir, hohe Liebe, töne
WOLFRAMbegeistert mein Gesang,
WOLFRAMdie mir in Engels-Schöne
WOLFRAMtief in die Seele drang!
WOLFRAMDu nahst als Gottgesandte,
WOLFRAMich folg' aus holder Fern', -
WOLFRAMso führst du in die Lande,
WOLFRAMwo ewig strahlt dein Stern.
in höchster Verzückung
TANNHÄUSERDir, Göttin der Liebe, soll mein Lied ertönen!
TANNHÄUSERGesungen laut sei jetzt dein Preis von mir!
TANNHÄUSERDein süsser Reiz ist Quelle alles Schönen,
TANNHÄUSERund jedes holde Wunder stammt von dir.
TANNHÄUSERWer dich mit Glut in seinen Arm geschlossen,
TANNHÄUSERwas Liebe ist, kennt er, nun er allein: -
TANNHÄUSERArmsel'ge, die ihr Liebe nie genossen,
TANNHÄUSERzieht hin, zieht in den Berg der Venus ein!
Allgemeiner Aufbruch und Entsetzen
ALLEHa, der Verruchte! Fliehet ihn!
ALLEHört es! Er war im Venusberg!
ALLEDie EDELFRAUEN
ALLEHinweg! Hinweg aus seiner Näh'!
Sie entfernen sich in grösster Bestürzung unter Gebärden des Abscheus. Nur Elisabeth, welche dem Verlaufe des Streites in furchtbar wachsender Angst zuhörte, bleibt von den Frauen allein zurück, bleich, mit dem grössten Aufwand ihrer Kraft an einer der hölzernen Säulen des Baldachins sich aufrecht erhaltend. Der Landgraf, alle Ritter und Sänger habe ihre Sitze verlassen und treten zusammen. Tannhäuser zur äussersten Linken verbleibt noch eine Zeitlang wie in Verzückung
ALLELANDGRAF, RITTER und SÄNGER
ALLEIhr habt's gehört! Sein frevIer Mund
ALLEtat das Bekenntnis schrecklich kund.
ALLEEr hat der Hölle Lust geteilt,
ALLEim Venusberg hat er geweilt! -
ALLEEntsetzlich! Scheusslich! Fluchenswert!
ALLEIn seinem Blute netzt das Schwert!
ALLEZum Höllenpfuhl zurückgesandt,
ALLEsei er gefemt, sei er gebannt!
Alle stürzen mit entblössten Schwertern auf Tannhäuser ein, welcher eine trotzige Stellung einnimmt. Elisabeth wirft sich mit einem herzzerreissenden Schrei dazwischen und deckt Tannhäuser mit ihrem Leibe
ELISABETHHaltet ein! -
Bei ihrem Anblick halten alle in grösster Betroffenheit an
ELISABETHLANDGRAF, RITTER und SÄNGER
ELISABETHWas seh' ich? Wie, Elisabeth!
ELISABETHDie keusche Jungfrau für den Sünder?
ELISABETHZurück! Des Todes achte ich sonst nicht!
ELISABETHWas ist die Wunde eures Eisens gegen
ELISABETHden Todesstoss, den ich von ihm empfing?
ELISABETHLANDGRAF, RITTER und SÄNGER
ELISABETHElisabeth! Was muss ich hören?
ELISABETHWie liess dein Herz dich so betören,
ELISABETHvon dem die Strafe zu beschwören,
ELISABETHder auch so furchtbar dich verriet?
ELISABETHWas liegt an mir? Doch er, - sein Heil!
ELISABETHWollt ihr sein ewig Heil ihm rauben?
ELISABETHLANDGRAF, RITTER und SÄNGER
ELISABETHVerworfen hat er jedes Hoffen,
ELISABETHniemals wird ihm des Heils Gewinn!
ELISABETHDes Himmels Fluch hat ihn getroffen;
ELISABETHin seinen Sünden fahr' er hin!
Sie dringen von neuem auf Tannhäuser ein.
ELISABETHZurück von ihm! Nicht ihr seid seine Richter!
ELISABETHGrausame! Werft von euch das wilde Schwert
ELISABETHund gebt Gehör der reinen Jungfrau Wort
ELISABETHVernehmt durch mich, was Gottes Wille ist! -
ELISABETHDer Unglücksel'ge, den gefangen
ELISABETHein furchtbar mächt'ger Zauber hält,
ELISABETHwie? sollt' er nie zum Heil gelangen
ELISABETHdurch Reu' und Buss' in dieser Welt?
ELISABETHDie ihr so stark im reinen Glauben,
ELISABETHverkennt ihr so des Höchsten Rat?
ELISABETHWollt ihr des Sünders Hoffnung rauben,
ELISABETHso sagt, was euch er Leides tat?
ELISABETHSeht mich, die Jungfrau, deren Blüte
ELISABETHmit einem jähen Schlag er brach, -
ELISABETHdie ihn geliebt tief im Gemüte,
ELISABETHder jubelnd er das Herz zerstach: -
ELISABETHIch fleh' für ihn, ich flehe für sein Leben,
ELISABETHzur Busse lenk' er reuevoll den Schritt!
ELISABETHDer Mut des Glaubens sei ihm neu gegeben,
ELISABETHdass auch für ihn einst der Erlöser litt!
nach und nach von der Höhe seiner Aufregung und seines Trotzes herabgesunken, durch Elisabeths Fürsprache auf das heftigste ergriffen, sinkt in Zerknirschung zusammen
TANNHÄUSERWeh! Weh mir Unglücksel'gem!
TANNHÄUSERLANDGRAF, RITTER und SÄNGER
allmählich beruhigt und gerührt
TANNHÄUSEREin Engel stieg aus lichtem Äther,
TANNHÄUSERzu künden Gottes heil'gen Rat. -
TANNHÄUSERBlick hin, du schändlicher Verräter,
TANNHÄUSERwerd inne deine Missetat!
TANNHÄUSERDu gabst ihr Tod, sie bittet für dein Leben;
TANNHÄUSERwer bliebe rauh, hört er des Engels Flehn?
TANNHÄUSERDarf ich auch nicht dem Schuldigen vergeben
TANNHÄUSERdem Himmels-Wort kann ich nicht widerstehn.
TANNHÄUSERZum Heil den Sündigen zu führen,
TANNHÄUSERdie Gott-Gesandte nahte mir:
TANNHÄUSERdoch, ach! sie frevelnd zu berühren
TANNHÄUSERhob ich den Lästerblick zu ihr!
TANNHÄUSERO du, hoch über diesen Erdengründen,
TANNHÄUSERdie mir den Engel meines Heils gesandt,
TANNHÄUSERerbarm dich mein, der ach! so tief in Sünden
TANNHÄUSERschmachvoll des Himmels Mittlerin verkannt!
nach einer Pause
LANDGRAFEin furchtbares Verbrechen ward begangen: -
LANDGRAFes schlich mit heuchlerischer Larve sich
LANDGRAFzu uns der Sünde fluchbeladner Sohn. -
LANDGRAFWir stossen dich von uns, - bei uns darfst du
LANDGRAFnicht weilen; schmachbefleckt ist unser Herd
durch dich, und dräuend blickt der Himmel selbst
LANDGRAFauf dieses Dach, das dich zu lang' schon birgt.
LANDGRAFZur Rettung doch vor ewigem Verderben
LANDGRAFsteht offen dir ein Weg: von mir dich stossend,
LANDGRAFzeig' ich ihn dir: - nütz ihn zu deinem Heil! -
LANDGRAFVersammelt sind aus meinen Landen
LANDGRAFbussfert'ge Pilger, stark an Zahl:
LANDGRAFdie ält'ren schon voran sich wandten,
LANDGRAFdie jüng'ren rasten noch im Tal.
LANDGRAFNur um geringer Sünde willen
LANDGRAFihr Herz nicht Ruhe ihnen lässt,
LANDGRAFder Busse frommen Drang zu stillen
LANDGRAFziehn sie nach Rom zum Gnadenfest.
LANDGRAFLANDGRAF, RITTER und SÄNGER
LANDGRAFMit ihnen sollst du wallen
LANDGRAFzur Stadt der Gnadenhuld,
LANDGRAFim Staub dort niederfallen
LANDGRAFund büssen deine Schuld!
LANDGRAFVor ihm stürz dich darnieder,
LANDGRAFder Gottes Urteil spricht;
LANDGRAFdoch kehre nimmer wieder,
LANDGRAFward dir sein Segen nicht!
LANDGRAFMusst' unsre Rache weichen,
LANDGRAFweil sie ein Engel brach:
LANDGRAFdies Schwert wird dich erreichen,
LANDGRAFharrst du in Sünd und Schmach!
ELISABETHLass hin zu dir ihn wallen,
ELISABETHdu Gott der Gnad' und Huld!
ELISABETHIhm, der so tief gefallen,
ELISABETHvergib der Sünden Schuld!
ELISABETHFür ihn nur will ich flehen,
ELISABETHmein Leben sei Gebet;
ELISABETHlass ihn dein Leuchten sehen
ELISABETHeh' er in Nacht vergeht!
ELISABETHMit freudigem Erbeben
ELISABETHlass dir ein Opfer weihn!
ELISABETHNimm hin, o nimm mein Leben:
ELISABETHnicht nenn' ich es mehr mein!
TANNHÄUSERWie soll ich Gnade finden,
TANNHÄUSERwie büssen meine Schuld?
TANNHÄUSERMein Heil sah ich entschwinden,
TANNHÄUSERmich flieht des Himmels Huld.
TANNHÄUSERDoch will ich büssend wallen,
TANNHÄUSERzerschlagen meine Brust,
TANNHÄUSERim Staube niederfallen, -
TANNHÄUSERZerknirschung sei mir Lust:
TANNHÄUSERo, dass nur er versöhnet,
TANNHÄUSERder Engel meiner Not,
TANNHÄUSERder sich, so frech verhöhnet,
TANNHÄUSERzum Opfer doch mir bot!
aus dem Tale heraufschallend
DIE JÜNGEREN PILGERAm hohen Fest der Gnadenhuld
DIE JÜNGEREN PILGERin Demut sühnet eure Schuld!
DIE JÜNGEREN PILGERGesegnet wer im Glauben treu:
DIE JÜNGEREN PILGERer wird erlöst durch Buss' und Reu'.
Alle haben innegehalten und mit Rührung dem Gesange zugehört
dessen Züge von einem Strahle schnell erwachter Hoffnung erleuchtet werden, eilt ab mit dem Rufe:
TANNHÄUSERNach Rom!
ihm nachrufend
ALLENach Rom!
Der Vorhang fällt schnell
SYSTEMDRITTER AUFZUG
Tal vor der Wartburg, links der Hörselberg, - wie am Schlusse der ersten Aufzugs, nur in herbstlicher Färbung. Der Tag neigt neigt sich zum Abend. Auf dem kleinen Bergvorsprunge rechts, vor dem Marienbilde, liegt Elisabeth in brünstigem Gebete dahingestreckt. Wolfram kommt links von der waldigen Höhe herab. Auf halber Höhe hält er an, als er Elisabeth gewahrt
WOLFRAMWohl wusst' ich hier sie im Gebet zu finden,
WOLFRAMwie ich so oft sie treffe, wenn ich einsam
WOLFRAMaus wald'ger Höh' mich in das Tal verirre. -
WOLFRAMDen Tod, den er ihr gab, im Herzen,
WOLFRAMdahingestreckt in brünst'gen Schmerzen,
WOLFRAMfleht für sein Heil sie Tag und Nacht: -
WOLFRAMo heil'ger Liebe ew'ge Macht! -
WOLFRAMVon Rom zurück erwartet sie die Pilger, -
WOLFRAMschon fällt das Laub, die Heimkehr steht bevor: -
WOLFRAMkehrt er mit den Begnadigten zurück?
WOLFRAMDies ist ihr Fragen, dies ihr Flehen, -
WOLFRAMihr Heil'gen, lasst erfüllt es sehen!
WOLFRAMBleibt auch die Wunde ungeheilt, -
WOLFRAMo, würd' ihr Lindrung nur erteilt!
Als er weiter hinabsteigen will, vernimmt er aus der Ferne den Gesang der älteren Pilger sich nähern; er hält abermals an
erhebt sich, dem Gesange lauschend
ELISABETHDies ist ihr Sang, - sie sind's, sie kehren heim!
Ihr Heil'gen, zeigt mir jetzt mein Amt,
ELISABETHdass ich mit Würde es erfülle!
während der Gesang sich langsam nähert
WOLFRAMDie Pilger sind's, - es ist die fromme Weise,
WOLFRAMdie der empfangnen Gnade Heil verkündet. -
WOLFRAMO Himmel, stärke jetzt ihr Herz
WOLFRAMfür die Entscheidung ihres Lebens!
mit welchem diese anfangs aus der Ferne sich nähern, dann von dem Vordergrunde rechts her die Bühne erreichen, und das Tal entlang der Wartburg zu ziehen, bis sie hinter dem Bergvorsprunge im Hintergrunde verschwinden
PILGERBeglückt darf nun dich, o Heimat, ich schauen,
PILGERund grüssen froh deine lieblichen Auen;
PILGERnun lass' ich ruhn den Wanderstab,
PILGERweil Gott getreu ich gepilgert hab'.
PILGERDurch Sühn' und Buss' hab' ich versöhnt
PILGERden Herren, dem mein Herze frönt,
PILGERder meine Reu' mit Segen krönt,
PILGERden Herren, dem mein Lied ertönt.
PILGERDer Gnade Heil ist dem Büsser beschieden,
PILGERer geht einst ein in der Seligen Frieden!
PILGERVor Höll' und Tod ist ihm nicht bang,
PILGERdrum preis' ich Gott mein Lebelang.
PILGERHalleluja in Ewigkeit!
Elisabeth hat von ihrem erhöhten Standpunkte herab mit grosser Aufregung unter dem Zuge der Pilger nach Tannhäuser geforscht. - Der Gesang verhallt allmählich; - die Sonne geht unter
in schmerzlicher, aber ruhiger Fassung
ELISABETHEr kehret nicht zurück!
Sie senkt sich mit grosser Feierlichkeit auf die Knie
ELISABETHAllmächt'ge Jungfrau, hör mein Flehen!
ELISABETHZu dir, Gepriesne, rufe ich!
ELISABETHLass mich im Staub vor dir vergehen,
ELISABETHo, nimm von dieser Erde mich!
ELISABETHMach, dass ich rein und engelgleich
ELISABETHeingehe in dein selig Reich! -
ELISABETHWenn je, in tör'gem Wahn befangen,
ELISABETHmein Herz sich abgewandt von dir -
ELISABETHwenn je ein sündiges Verlangen,
ELISABETHein weltlich Sehnen keimt' in mir -
ELISABETHso rang ich unter tausend Schmerzen,
ELISABETHdass ich es töt' in meinem Herzen!
ELISABETHDoch, konnt'ich jeden Fehl nicht büssen,
ELISABETHso nimm dich gnädig meiner an,
ELISABETHdass ich mit demutsvollem Grüssen
ELISABETHals würd'ge Magd dir nahen kann:
ELISABETHum deiner Gnaden reichste Huld
ELISABETHnur anzuflehn für seine Schuld! -
Sie verbleibt eine Zeitlang mit verklärtem Gesicht gen Himmel gewendet; als sie sich dann langsam erhebt, erblickt sie Wolfram, welcher sich genähert und sie mit inniger Rührung beobachtet hat. - Als er sie anreden zu wollen scheint, macht sie ihm eine Gebärde, dass er nicht sprechen möge
WOLFRAMElisabeth, dürft' ich dich nicht geleiten?
Elisabeth drückt ihm abermals durch Gebärden aus, - sie danke ihm und seiner treuen Liebe aus vollem Herzen; ihr Weg führe sie aber gen Himmel, wo sie ein hohes Amt zu verrichten habe; er solle sie daher ungeleitet gehen lassen, ihr auch nicht folgen. - Sie geht langsam auf dem Bergwege, auf welchem sie noch lange in der Entfernung gesehen wird, der Wartburg zu
ist zurückgeblieben; er hat Elisabeth lange nachgesehen, setzt sich links am Fusse des Talhügels nieder,
ergreift die Harfe, und beginnt nach einem Vorspiele
WOLFRAMWie Todesahnung Dämmrung deckt die Lande,
WOLFRAMumhüllt das Tal mit schwärzlichem Gewande;
WOLFRAMder Seele, die nach jenen Höhn verlangt,
WOLFRAMvor ihrem Flug durch Nacht und Grausen bangt: -
WOLFRAMda scheinest du, o lieblichster der Sterne,
WOLFRAMdein sanftes Licht entsendest du der Ferne;
WOLFRAMdie nächt'ge Dämmrung teilt dein lieber Strahl,
WOLFRAMund freundlich zeigst den Weg du aus dem Tal. -
WOLFRAMO du, mein holder Abendstern,
WOLFRAMwohl grüsst' ich immer dich so gern:
WOLFRAMvom Herzen, das sie nie verriet,
WOLFRAMgrüss sie, wenn sie vorbei dir zieht,
WOLFRAMwenn sie entschwebt dem Tal der Erden,
WOLFRAMein sel'ger Engel dort zu werden!
Es ist Nacht geworden. - Tannhäuser tritt auf. Er trägt zerrissene Pilgerkleidung, sein Antlizt ist bleich und entstellt; er wankt matten Schrittes an seinem Stabe
TANNHÄUSERIch hörte Harfenschlag - wie klang er traurig!
TANNHÄUSERDer kam wohl nicht von ihr. -
WOLFRAMWer bist du, Pilger, der du so einsam wanderst?
TANNHÄUSERWer ich bin?
TANNHÄUSERKenn' ich doch dich recht gut; - Wolfram bist du,
TANNHÄUSERder wohlgeübte Sänger.
WOLFRAMHeinrich! Du?
WOLFRAMWas bringt dich her in diese Nähe? Sprich!
WOLFRAMWagst du es, unentsündigt wohl den Fuss
WOLFRAMnach dieser Gegend herzulenken?
TANNHÄUSERSei ausser Sorg', mein guter Sänger! -
TANNHÄUSERNicht such' ich dich noch deiner Sippschaft einen.
TANNHÄUSERDoch such' ich wen, der mir den Weg wohl zeige,
TANNHÄUSERden Weg, den einst so wunderleicht ich fand --
WOLFRAMUnd welchen Weg?
mit unheimlicher Lüsternheit
TANNHÄUSERDen Weg zum Venusberg!
WOLFRAMEntsetzlicher! Entweihe nicht mein Ohr!
WOLFRAMTreibt es dich dahin?
TANNHÄUSERKennst du wohl den Weg?
WOLFRAMWahnsinn'ger! Grauen fasst mich, hör' ich dich!
WOLFRAMWo warst du? Sag, zogst du denn nicht nach Rom?
wütend
TANNHÄUSERSchweig mir von Rom!
WOLFRAMWarst nicht beim heil'gen Feste?
TANNHÄUSERSchweig mir von ihm!
WOLFRAMSo warst du nicht? - Sag, ich beschwöre dich!
nach einer Pause, wie sich besinnend, mit schmerzlichem Ingrimm
TANNHÄUSERWohl war auch ich in Rom. -
WOLFRAMSo sprich! Erzähle mir, Unglücklicher!
WOLFRAMMich fasst ein tiefes Mitleid für dich an.
nachdem er Wolfram lange mit gerührter Verwunderung betrachtet hat
TANNHÄUSERWie sagst du, Wolfram? Bist du nicht mein Feind?
WOLFRAMNie war ich es, so lang' ich fromm dich wähnte! -
WOLFRAMDoch sprich! Du pilgertest nach Rom?
TANNHÄUSERWohl denn!
TANNHÄUSERHör an! Du, Wolfram, du sollst es erfahren.
Er lässt sich erschöpft am Fusse des vorderen Bergvorsprunges nieder. Wolfram will sich an seiner Seite niedersetzen
TANNHÄUSERBleib fern von mir! Die Stätte, wo ich raste,
TANNHÄUSERist verflucht. - Hör an, Wolfram, hör an!
Wolfram bleibt in geringer Entfernung vor Tannhäuser stehen
TANNHÄUSERInbrunst im Herzen, wie kein Büsser noch
TANNHÄUSERsie je gefühlt, sucht' ich den Weg nach Rom.
TANNHÄUSEREin Engel hatte, ach! der Sünde Stolz
TANNHÄUSERdem Übermütigen entwunden: -
TANNHÄUSERfür ihn wollt' ich in Demut büssen,
TANNHÄUSERdas Heil erflehn, das mir verneint,
TANNHÄUSERum ihm die Träne zu versüssen,
TANNHÄUSERdie er mir Sünder einst geweint! -
TANNHÄUSERWie neben mir der schwerstbedrückte Pilger
TANNHÄUSERdie Strasse wallt', erschien mir allzuleicht: -
TANNHÄUSERbetrat sein Fuss den weichen Grund der Wiesen,
TANNHÄUSERder nackten Sohle sucht' ich Dorn und Stein;
TANNHÄUSERliess Labung er am Quell den Mund geniessen,
TANNHÄUSERsog ich der Sonne heisses Glühen ein; -
TANNHÄUSERwenn fromm zum Himmel er Gebete schickte,
TANNHÄUSERvergoss mein Blut ich zu des Höchsten Preis; -
TANNHÄUSERals das Hospiz die Wanderer erquickte,
TANNHÄUSERdie Glieder bettet' ich in Schnee und Eis: -
TANNHÄUSERverschlossnen Aug's, ihr Wunder nicht zu schauen,
TANNHÄUSERdurchzog ich blind Italiens holde Auen: -
TANNHÄUSERich tat's, - denn in Zerknirschung wollt' ich büssen,
TANNHÄUSERum meines Engels Tränen zu versüssen! - -
TANNHÄUSERNach Rom gelangt' ich so zur heil'gen Stelle,
TANNHÄUSERlag betend auf des Heiligtumes Schwelle; -
TANNHÄUSERder Tag brach an: - da läuteten die Glocken,
TANNHÄUSERhernieder tönten himmlische Gesänge;
TANNHÄUSERda jauchzt' es auf in brünstigem Frohlocken,
TANNHÄUSERdenn Gnad' und Heil verhiessen sie der Menge.
TANNHÄUSERDa sah ich ihn, durch den sich Gott verkündigt,
TANNHÄUSERvor ihm all Volk im Staub sich niederliess;
TANNHÄUSERund Tausenden er Gnade gab, entsündigt
TANNHÄUSERer Tausende sich froh erheben hiess. -
TANNHÄUSERDa naht' auch ich; das Haupt gebeugt zur Erde,
TANNHÄUSERklagt' ich mich an mit jammernder Gebärde
TANNHÄUSERder bösen Lust, die meine Sinn' empfanden,
TANNHÄUSERdes Sehnens, das kein Büssen noch gekühlt;
TANNHÄUSERund um Erlösung aus den heissen Banden
TANNHÄUSERrief ich ihn an, von wildem Schmerz durchwühlt. -
TANNHÄUSERUnd er, den so ich bat, hub an: -
TANNHÄUSER«Hast du so böse Lust geteilt,
TANNHÄUSERdich an der Hölle Glut entflammt,
TANNHÄUSERhast du im Venusberg geweilt:
TANNHÄUSERso bist nun ewig du verdammt!
TANNHÄUSERWie dieser Stab in meiner Hand
TANNHÄUSERnie mehr sich schmückt mit frischem Grün,
TANNHÄUSERkann aus der Hölle heissem Brand
TANNHÄUSERErlösung nimmer dir erblühn!» - -
TANNHÄUSERDa sank ich in Vernichtung dumpf darnieder,
TANNHÄUSERdie Sinne schwanden mir. - Als ich erwacht,
TANNHÄUSERauf ödem Platze lagerte die Nacht, -
TANNHÄUSERvon fern her tönten frohe Gnadenlieder. -
TANNHÄUSERDa ekelte mich der holde Sang, -
TANNHÄUSERvon der Verheissung lügnerischem Klang,
TANNHÄUSERder eiseskalt mir durch die Seele schnitt,
TANNHÄUSERtrieb Grausen mich hinweg mit wildem Schritt. -
TANNHÄUSERDahin zog's mich, wo ich der Wonn' und Lust
TANNHÄUSERso viel genoss an ihrer warmen Brust! -
TANNHÄUSERZu dir, Frau Venus, kehr' ich wieder,
TANNHÄUSERin deiner Zauber holde Nacht;
TANNHÄUSERzu deinem Hof steig' ich darnieder,
TANNHÄUSERwo nun dein Reiz mir ewig lacht!
WOLFRAMHalt ein! Halt ein, Unseliger!
TANNHÄUSERAch, lass mich nicht vergebens suchen, -
TANNHÄUSERwie leicht fand ich doch einstens dich!
TANNHÄUSERDu hörst, dass mir die Menschen fluchen, -
TANNHÄUSERnun, süsse Göttin, leite mich!
WOLFRAMWahnsinniger, wen rufst du an?
WOLFRAMLeichte Nebel hüllen allmählich die Szene ein.
TANNHÄUSERHa! fühlest du nicht milde Lüfte?
WOLFRAMZu mir! Es ist um dich getan!
TANNHÄUSERUnd atmest du nicht holde Düfte?
TANNHÄUSERHörst du nicht die jubelnde Klänge?
WOLFRAMIn wildem Schauer bebt die Brust!
TANNHÄUSERDas ist der Nymphen tanzende Menge! -
TANNHÄUSERHerbei, herbei zu Wonn' und Lust!
Eine rosige Dämmerung beginnt die Nebel zu durchleuchten; durch sie gewahrt man wirre Bewegungen tanzender Nymphen
WOLFRAMWeh, böser Zauber tut sich auf!
WOLFRAMDie Hölle naht in wildem Lauf.
TANNHÄUSEREntzücken dringt durch meine Sinne,
TANNHÄUSERgewahr' ich diesen Dämmerschein;
TANNHÄUSERdies ist das Zauberreich der Minne,
TANNHÄUSERim Venusberg drangen wir ein!
In heller, rosiger Beleuchtung wird Venus, auf einem Lager ruhend, sichtbar
VENUSWillkommen, ungetreuer Mann!
VENUSSchlug dich die Welt mit Acht und Bann?
VENUSUnd findest nirgends du Erbarmen,
VENUSsuchst Liebe nun in meinen Armen?
TANNHÄUSERFrau Venus, o, Erbarmungsreiche
TANNHÄUSERZu dir, zu dir zieht es mich hin!
WOLFRAMDu Höllenzauber, weiche, weiche!
WOLFRAMBerücke nicht des Reinen Sinn!
VENUSNahst du dich wieder meiner Schwelle,
VENUSsei dir dein Übermut verziehn;
VENUSewig fliesst dir der Freuden Quelle,
VENUSund nimmer sollst du von mir fliehn!
TANNHÄUSERMein Heil, mein Heil hab'ich verloren,
TANNHÄUSERnun sei der Hölle Lust erkoren!
ihn heftig zurückhaltend
WOLFRAMAllmächt'ger, steh dem Frommen bei!
WOLFRAMHeinrich, - ein Wort, es macht dich frei -:
WOLFRAMdein Heil -!
VENUSZu mir!
zu Wolfram
TANNHÄUSERLass ab von mir!
VENUSO komm! Auf ewig sei nun mein!
WOLFRAMNoch soll das Heil dir Sünder werden!
TANNHÄUSERNie, Wolfram, nie! Ich muss dahin!
WOLFRAMEin Engel bat für dich auf Erden -
WOLFRAMbald schwebt er segnend über dir:
WOLFRAMElisabeth!
der sich soeben von Wolfram losgerissen, bleibt, wie von einem heftigen Schlage gelähmt, an die Stelle geheftet
TANNHÄUSERElisabeth!
aus dem Hintergrunde
MÄNNERGESANGDer Seele Heil, die nun entflohn
MÄNNERGESANGdem Leib der frommen Dulderin!
nach dem ersten Eintritt des Gesanges
WOLFRAMDein Engel fleht für dich an Gottes Thron, -
WOLFRAMer wird erhört! Heinrich, du bist erlöst!
VENUSWeh! Mir verloren!
Sie verschwindet, und mit ihr die ganze zauberische Erscheinung. Das Tal, vom Morgenrot erleuchtet, wird wieder sichtbar; von der Wartburg her geleitet ein Trauerzug einen offenen Sarg
MÄNNERGESANGIhr ward der Engel sel'ger Lohn,
MÄNNERGESANGhimmlischer Freuden Hochgewinn.
Tannhäuser in den Armen sanft umschlossen haltend
WOLFRAMUnd hörst du diesen Gesang?
TANNHÄUSERIch höre!
Von hier an betritt der Trauerzug die Tiefe des Tales, die älteren Pilger voran; den offenen Sarg mit der Leiche Elisabeths tragen Edle, der Landgraf und die Sänger geleiten ihn zur Seite, Grafen und Edle folgen
MÄNNERGESANGHeilig die Reine, die nun vereint
MÄNNERGESANGgöttlicher Schar vor dem Ewigen steht!
MÄNNERGESANGSelig der Sünder, dem sie geweint,
MÄNNERGESANGdem sie des Himmels Heil erfleht!
Auf Wolframs Bedeuten ist der Sarg in der Mitte der Bühne niedergesetzt worden. Wolfram geleitet Tannhäuser zu der Leiche, an welcher dieser niedersinkt
TANNHÄUSERHeilige Elisabeth, bitte für mich!
Er stirbt
auf dem vorderen Bergvorsprung einherziehend
DIE JÜNGEREN PILGERHeil! Heil! Der Gnade Wunder Heil!
DIE JÜNGEREN PILGERErlösung ward der Welt zuteil!
DIE JÜNGEREN PILGEREs tat in nächtlich heil'ger Stund'
DIE JÜNGEREN PILGERder Herr sich durch ein Wunder kund:
DIE JÜNGEREN PILGERden dürren Stab in Priesters Hand
DIE JÜNGEREN PILGERhat er geschmückt mit frischem Grün:
DIE JÜNGEREN PILGERdem Sünder in der Hölle Brand
DIE JÜNGEREN PILGERsoll so Erlösung neu erblühn!
DIE JÜNGEREN PILGERRuft ihm es zu durch alle Land',
DIE JÜNGEREN PILGERder durch dies Wunder Gnade fand!
DIE JÜNGEREN PILGERHoch über aller Welt ist Gott,
DIE JÜNGEREN PILGERund sein Erbarmen ist kein Spott!
DIE JÜNGEREN PILGERHalleluja! Halleluja!
DIE JÜNGEREN PILGERHalleluja!
in höchster Ergriffenheit
ALLEDer Gnade Heil ist dem Büsser beschieden,
ALLEer geht nun ein in der Seligen Frieden!
Der Vorhang fällt