Zu spät

A. Fries

Zu spät, zu spät sind wir begegnet

Uns auf des Lebens Dornenpfad;

Zu weit schon hat uns fortgetragen

Der Zeiten unaufhaltsam Rad.

Zu spät hat deiner tiefen Augen

Magnet'scher Blick auf mich geschaut,

Selbst unter diesen warmen Strahlen

Hat's starre Herz nicht mehr getaut.

Es überkommt mich tiefe Wehmut,

'S ist wie ein Klang aus alter Zeit,

Wie banges, namenloses Heimweh,

Voll hoffnungsloser Bitterkeit.

Auch ich bin einstens reich gewesen,

Wähnt', unerschöpflich sei mein Hab';

Leichtsinnig ist es längst verschleudert –

Es blieb das Herz ein leeres Grab.

»O wende weg die ernsten Augen!

Lass ruhigen Wegs mich weitergeh'n!

Kann Glück ich nicht mehr eigen nennen,

So will ich's wenigstens nicht seh'n!‹