Sehnsucht im Frühling
A. Mayer
Wenn die Blätter sproßen,
Sproßt der Sehnsucht Keim.
Kehrt die Schwalbe heim
Ist in sanftem Weh
Auch das Herz erschlossen.
Unbestimmt Verlangen
Hält es mild befangen.
Wenn die Blätter dehnen
Aus der Hülle sich,
Und schon nachbarlich
Bei einander stehn,
Wächst das bange Sehnen,
Leise Wünsche kommen,
Ängstlich und beklommen.
Wenn mit Blüthen Duft
Alles sich erfüllt,
Weiß das Grün verhüllt
Und der Wohlgeruch
Woget in den Lüften,
Muß das Herz erglühen
Und die Sehnsucht blühen.
Wenn sich nun zu Lauben
Wölbt der Blätter Dach,
Wird's im Busen wach,
Will uns Rast und Ruh
Fernhinstrebend rauben,
Und es wölbt den Herzen
Sich ein Grab von Schmerzen.
Dann wenn alles girret
In der Liebe Lust,
Trägts nicht mehr die Brust,
Und ein wilder Wahn
Uns den Sinn verwirret,
Bis vom Lieb' umwunden
Wieder wir gefunden.