Untreue

A. Mayer

Nimmer kann ich untreu werden,

Gute Götter, wahrlich nie,

Denn im Himmel und auf Erden

Seh' ich stets nur sie, nur sie.

Bei dem Reize jeder Andern,

-- Müßt ich selbst ihn eingestehn, --

Würd' ich kalt vorüber wandern,

Glaubt ich nicht stets sie zu sehn.

Jede Lippe, schön geröthet,

Scheint die ihre mir zu sein,

Wann ein Stimmchen silbern flötet

Fällt ihr Stimmchen nur mir ein.

Ihrer muß ich stets gedenken

Bei der schwarzer Locken-Nacht,

Wenn sich Grübchen lieblich senken

Seh' ich wie sie schelmisch lacht.

Wo zwei Augen strahlend leuchten,

Blickt aus ihnen sie mich an,

Und wenn Thränen sie befeuchten,

Rinne ihre Thräne dann.

Wo die Grazie nur waltet,

SYSTEMIst ihr Bildniß eingedrückt,

Alles ist gleich ihr gestaltet,

Was der Schönheit Gürtel schmückt.

Kann ich's hindern, wenn nicht selten

Mir das Blut dann schneller fließt,

Weil das Schönste aller Welten

Sich in ihre Formen gießt?

Nein! im Himmel und auf Erden

Wird kein andrer Reiz mir neu:

Könnt ich selbst ihr untreu werden,

Blieb ich ihr doch immer treu.