Ein bleiches Weib da drüben steht

A. Vogel

Ein bleiches Weib da drüben steht,

Könnt' es nur einmal weinen,

So lang' die Sterne scheinen,

Bis ganz die stille Nacht vergeht.

Süß ist der jungen Küsse Lust,

Süß alle Wonnen trinken,

In Seligkeit versinken

An Liebchens glutherfüllter Brust.

Gar schön ist Schlaf, gar süß der Tod,

Wenn Röslein ist geknicket,

Wenn Schand' und Kummer drücket,

Zerstörten Herzens Pein und Noth.

Gebrochen ist des Weibes Herz,

Die Ruhe gar verloren,

Die Thräne eingefroren,

Geblieben nur der dumpfe Schmerz.

Drück' zu, die trüben Augen zu,

Laß' Glücklichen das Weinen,

Laß' all die Sterne scheinen,

Geh' armes Weib! geh' heim zur Ruh'!