Morgengesang
Brahms, Johannes
Wach auf, mein Kind, steh auf geschwind,
sobald der Hahn die Flügel schwingt
und dir von vier od'r fünfen kräht;
der kommt zu spät, der sich lang dreht
und wälzet in den Federn um,
faulenzend hier und dort herum.
Bei deinem leichten weißen Kleid
der Unschuld denk und Reinigkeit,
und wann dein Seel ist rein und weiß,
vor Flecken hüt dich alles Fleiß,
wasch dich in Reu und Herzeleid,
so bleibt schneeweiß dein himmlisch Kleid.
Wer blindlich rote Rosen bricht,
gar leicht sich in die Dornen sticht,
was vorgetan und nachbedacht,
hat manchen großen Schaden bracht;
denk alles vor, tu alles wohl,
als wenns dein letztes Wort sein soll.