Keinen hat es noch gereut

Brahms, Johannes

Keinen hat es noch gereut,

Der das Roß bestiegen,

Um in frischer Jugendzeit

Durch die Welt zu fliegen.

Berge und Auen,

Einsamer Wald,

Mädchen und Frauen

Prächtig im Kleide,

Golden Geschmeide,

Alles erfreut ihn mit schöner Gestalt.

Wunderlich fliehen

Gestalten dahin,

Schwärmerisch glühen

Wünsche in jugendlich trunkenem Sinn.

Ruhm streut ihm Rosen

Schnell in die Bahn,

Lieben und Kosen,

Lorbeer und Rosen

Führen ihn höher und höher hinan.

Rund um ihn Freuden,

Feinde beneiden,

Erliegend, den Held -

Dann wählt er bescheiden

Das Fräulein, das ihm nur vor allen gefällt.

Und Berge und Felder

Und einsame Wälder

Mißt er zurück.

Die Eltern in Tränen,

Ach, alle ihr Sehnen -

Sie alle verreinigt das lieblichste Glück.

Sind Jahre verschwunden,

Erzählt er dem Sohn

In traulichen Stunden,

Und zeigt seine Wunden,

Der Tapferkeit Lohn.

So bleibt das Alter selbst noch jung,

Ein Lichtstrahl in der Dämmerung.