Sind es Schmerzen, sind es Freuden

Brahms, Johannes

Sind es Schmerzen, sind es Freuden,

Die durch meinen Busen ziehn?

Alle alten Wünsche scheiden,

Tausend neue Blumen blühn.

Durch die Dämmerung der Tränen

Seh' ich ferne

Sonnen stehn, -

Welches Schmachten! welches Sehnen!

Wag' ich's? soll ich näher gehn?

Ach, und fällt die Träne nieder,

Ist es dunkel um mich her;

Dennoch kömmt kein Wunsch mir wieder,

Zukunft

ist von Hoffnung leer.

So schlage denn, strebendes

Herz,

So fließet denn, Tränen, herab

Ach, Lust ist nur tieferer Schmerz,

Leben ist dunkeles

Grab, -

Ohne Verschulden

Soll ich

erdulden?

Wie ist's, daß mir im Traum

Alle Gedanken

Auf und nieder schwanken!

Ich kenne mich noch kaum.

O, hört mich, ihr gütigen Sterne,

O höre mich, grünende Flur

Du, Liebe, den heiligen

Schwur:

Bleib' ich ihr ferne,

Sterb' ich gerne.

Ach, nur im Licht von

ihrem Blick

Wohnt Leben und Hoffnung und Glück!