Wie soll ich die Freude

Brahms, Johannes

Wie soll ich die Freude,

Die Wonne denn tragen?

Daß unter dem Schlagen

Des Herzens die Seele nicht scheide?

Und wenn nun die Stunden

Der Liebe verschwunden,

Wozu das Gelüste,

In trauriger Wüste

Noch weiter ein lustleeres Leben zu ziehn,

Wenn nirgend dem Ufer mehr Blumen erblühn?

Wie geht mit bleibehangnen Füßen

Die Zeit bedächtig Schritt vor Schritt!

Und wenn ich werde scheiden müssen,

Wie federleicht fliegt dann ihr Tritt!

Schlage, sehnsüchtige Gewalt,

In tiefer, treuer Brust!

Wie Lautenton vorüberhallt,

Entflieht des Lebens schönste Lust.

Ach, wie bald

Bin ich der Wonne mir kaum noch bewußt.

Rausche, rausche weiter fort,

Tiefer Strom der Zeit,

Wandelst bald aus Morgen Heut,

Gehst von Ort zu Ort;

Hast du mich bisher getragen,

Lustig bald, dann still,

Will es nun auch weiter wagen,

Wie es werden will.

Darf mich doch nicht elend achten,

Da die Einz'ge winkt,

Liebe läßt mich nicht verschmachten,

Bis dies Leben sinkt!

Nein, der Strom wird immer breiter,

Himmel bleibt mir immer heiter,

Fröhlichen Ruderschlags fahr' ich hinab,

Bring' Liebe und Leben zugleich an das Grab.