Liebe kam aus fernen Landen

Brahms, Johannes

Liebe kam aus fernen Landen

Und kein Wesen folgte ihr,

Und die Göttin winkte mir,

Schlang mich ein mit süßen Banden.

Da begann ich Schmerz zu fühlen,

Tränen dämmerten den Blick:

"Ach! was ist der Liebe Glück"

Klagt' ich, "wozu dieses Spielen?"

"Keinen hab' ich weit gefunden,"

Sagte lieblich die Gestalt,

"Fühle du nun die Gewalt,

Die die Herzen sonst gebunden."

Alle meine Wünsche flogen

In der Lüfte blauen Raum,

Ruhm schien mir ein Morgentraum,

Nur ein Klang der Meereswogen.

Ach! wer löst nun meine Ketten?

Denn gefesselt ist der Arm,

Mich umfleucht der Sorgen Schwarm;

Keiner, keiner will mich retten?

Darf ich in den Spiegel schauen,

Den die Hoffnung vor mir hält?

Ach, wie trügend ist die Welt!

Nein, ich kann ihr nicht vertrauen.

O, und dennoch laß nicht wanken,

Was dir nur noch Stärke gibt,

Wenn die Einzge dich nicht liebt,

Bleib nur bittrer Tod dem Kranken.