Marias Lob
Brahms, Johannes
Maria, wahre Himmelsfreud',
der Welt Ergötzlichkeit!
Wer wollt' dich nicht lieben?
Du stehst mir geschrieben,
ja mir gegraben
mit tiefen Buchstaben
in meinem Herzelein!
Wie schmelzet ein Karfunkelstein
im Lorbeerkränzelein,
so geht es mir eben,
mein' Seel' und mein Leben
vor Lieb' sich zertrennen
und in sich verbrennen
bei deinem Nennen!
Der ganzen Schöpfung reiche Zier
vergleicht sich nicht mit dir.
Es dürfen die Blumen
ihr' Schönheit nicht rühmen,
sie müssen sich schämen,
du tuest benehmen
all' ihre Zierlichkeit.
Des Himmels Sternenangesicht
und aller Sonnen Licht,
samt Edelgesteinen,
sie dürfen nicht scheinen,
die Perlen, Korallen,
Gold, Silber, sie fallen
vor dir in Finsternis.
Maria, o mein' höchste Freud',
die Welt ist mir verleidt,
ich suche zu sterben;
du woll'st mir erwerben
nur Gottes Gnaden,
auf höheren Pfaden
so scheid' ich fröhlich hin.