An Prinzessin Cathia von Schönaich Carolath
C. Ansink
An Prinzessin Cathia von Schönaich Carolath
Verehrteste Frau Prinzessin,
seit fünf Tagen bin ich in Paris, und seit vorgestern weiss ich die schwere
und bange Nachricht; ich weiss sie nicht allein,
sie liegt ganz auf mir in diesen zwei Tagen; ich trug sie mit mir herum,
als hätt ich keinen Ort, sie hinzustellen. Ich versuche die wehe Erfahrung,
die auch mir zugemutet worden ist, so gross als möglich zu fassen
und zu erleben. Indem ich wehmütig und weh bei den Erinnerungen verweile,
in denen die Gestalt des Verewigten mir teuer und lebendig ist,
ahne ich schon die Versetzung und Verwandlung jener Beziehung
ins Unbedrohte: denn wenn etwas una fortgenommen wird,
womit wir tief und wunderbar zusammenhängen,
so ist viel von uns selber mit fortgenommen. Gott aber will,
dass wir uns wiederfinden, reicher um alles Verlorene
und vermehrt um jeden unendlichen Schmerz.