Der Königssohn II

C. Kreutzer

Es steht ein hoher, schroffer Fels,

Darum die Adler fliegen,

Doch wagt sich keiner drauf herab,

Den Drachen sehen sie liegen.

In alten Mauern liegt er dort

Mit seinem goldnen Kamme,

Er rasselt mit der Schuppenhaut,

Er hauchet Dampf und Flamme.

Der Jüngling, ohne Schwert und Schild,

Ist keck hinaufgedrungen,

Die Arme wirft er um die Schlang

Und hält sie fest umrungen.

Er küßt sie dreimal in den Schlund,

Da muß der Zauber weichen,

Er hält im Arm ein holdes Weib,

Das schönst' in allen Reichen.

Die herrliche, gekrönte Braut

Hat er am Herzen liegen,

Und aus den alten Trümmern ist

Ein Königsschloß gestiegen.