Es sitzen drei Weiber zu weben
C. Sinding
Es sitzen drei Weiber zu weben,
Sie weben und wirken mein Leben,
Die erste, die zweite woben fein
Gesponnenes Gold und Seide hinein;
Die dritte durchzog es mit langen,
Gifttriefenden Ottern und Schlangen.
Sie liessen die Schifflein sausen,
Die goldigen Fäden nach aussen;
Nach aussen das schillernde Farbenspiel,
Der grässliche Einschlag nach innen fiel;
Nun krümme Dich, Seele, nun leide
Im heimlichen Nessuskleide.
Und fragt ihr, warum so strenge
Den Mantel ich um mich hänge?
Warum ich mit offenen Armen nie
Die Liebste, den Freund an's Herze zieh?
Warum keines Tags ich geniesse
Und immer mich einsam verschliesse?
Gewahrtet ihr, wie ich von Bissen
Der bösen Gewürme zerrissen,
Mit Hjob und Lazarus müsst' ich zur Stund
Der dritte Geächtete sein im Bund.
Lasst ab, mich zu laden, zu werben.
Lasst schweigen mich gehen und sterben.