Lebewohl
E. Breslaur
Schon schwindet fern an Ostens Rand
und winkt mir Abschiedgrüße her
die Küste dein im kühlen Meer,
mein teures Vaterland.
Die Wogen all', die heimwärts eilen,
um dort am lieben Strand zu weilen,
sie bringen dir
den Gruß von mir!
Mein Gruß durchfliegt den weiten Raum,
o Heimat, wo der Knabe sprang
und wo der Jüngling selig sang
der ersten Liebe Traum.
Nun möcht' ich dir auf Sturmesschwingen
die Lieder meiner Sehnsucht bringen,
und möcht' allein
bei dir nur sein!
Wohl Mancher spricht mit leichtem Ton:
Ich zieh' hinaus, die Welt zu seh'n!
So kann nur, Heimat, von dir geh'n
ein undankbarer Sohn!
Doch wüsst' er, wie der Sehn sucht Schmerzen
ihm ohne Ruhe glüh'n im Herzen,
ihn führte fort
kein rasches Wort!
Wie mir, so wär' ihm hoch und hehr
der Heimat Sitte und Natur,
sein Lied der Hoffnung Dolmetsch nur
auf frohe Wiederkehr.
Doch weh', der Leier Saiten sprangen!
Du darfst nicht weilen, nicht umfangen,
was lieb und wert
am trauten Herd!
Leb wohl, leb wohl, mein Heimatland!
Was in dir edel, gut und groß,
das hält, wie immer fällt mein Los,
mein Herz mit holdem Band.
Mein Stolz und meine Jugendliebe,
du bleibst, wenn mir auch nichts mehr bliebe,
mein Lebenspol;
leb wohl, leb wohl!