Wundern soll's mich
E. Flügel
Wundern soll's mich, was ich dort seh',
Jenseits der hohen Fjällen?
Nun sieht das Aug', ach, nichts wie Schnee,
Drunten doch grünt es an Elv und See!
Kann mir den Wunsch nicht versagen,
Darf ich die Reise wohl wagen?
Hoch steigt der Adler mit starkem Schlag
Über die hohen Fjällen!
Fliegt durch den jungen, den kraftvollen Tag,
Sättigt den Muth in dem wilden Gejag',
Sinkt, wo er fühlet Gelüsten,
Nieder auf ferneste Küsten.
Laubreicher Apfelbaum, sag', willst auch Du
Über die hohen Fjällen?
Schenkst ihnen Schnee zu dem Schnee noch dazu,
Gnügt denn auch dir nicht des Thales Ruh?
Vögel auf Zweigen sich schaukeln,
Lieder und Duft sie umgaukeln!
Der sich gesehnet durch zwanzig Jahr
Über die hohen Fjällen,
Aber dennoch der Hoffnung bar,
Kennt sich weniger Jahr für Jahr!
Vögel durch Lüfte sich schwingen,
Hörst Du, wie selig sie singen?
Plaudernder Vogel, was wolltest du hier,
Über den hohen Fjällen?
Dort werden bessere Nester dir,
Höhere Bäume im weiten Revier.
Wolltest du Sehnsucht mir bringen,
Mir, dem versaget die Schwingen?
Komm' ich denn nimmer und nimmer hin
Über die hohen Fjällen?
[Schlägt diese Mauer mit Angst mir den Sinn,
Soll sie mit Schneeeis und Grau'n von Beginn,
Gleich einem Sarg, bis zum Ende,
Fesseln den Muth mir und Hände?]
Nein! hinaus! will hinaus, weit! weit!
Über die hohen Fjällen!
Hier schleicht so drückend, so zehrend die Zeit,
Keck ist mein Muth, ja, ist jung und bereit,
Klimmt auf die Gipfel, die hellen,
Ohne am Fels zu zerschellen!
Einmal, ich weiss es, da führt mich mein Muth
Über die hohen Fjällen!
Halb schon treibt mich die schwellende Flut.
Herr, o mein Gott, doch -- die Heimath ist gut.
Soll ich die Sehnsucht nicht stillen,
Preis ich doch
deinen
Willen!