Neuer Frühling

E. Meyer

Die Wonne des Lenzes in Berg und Thal

Kam leise auf duftenden Schwingen,

Die schlummernde Erde mit einemmal

Erweckt sie durch Zwitschern und Singen.

Und wie's in die sonnigen Lüfte schallt,

Laut jubelnd aus tausend Kehlen,

Da lockt es die Spröde mit süßer Gewalt,

Dem Frühling sich zu vermählen.

Und feurig nach lang entbehrtem Genuß

Umschlingt sie den Bräutigam wieder,

Sehnsüchtig empfängt sie den warmen Kuß

Und Wonne durch strömt ihre Glieder.

Der grämliche Winter erwartet sein End',

In düsteren Klüften verborgen,

Dort macht er verdrießlich sein Testament,

Ihm graust vor dem strahlenden Morgen.

Ringsum aber jubelt im festlichen Chor

Die Erde ihr Hochzeitcarmen, --

O schwinge auch du dich zum Lichte empor,

Mein Herz, deinen Lenz zu umarmen!