Die Sterbende
F. Lachner
Mutter! Mein blasses Gesicht,
nennt es den Bräutigam nicht,
den ich so eben gesehen
hier an dem Krankenbett stehen;
mir, der erkorenen Braut
hat er ganz heimlich vertraut:
"Unter den Schlumm'rern in Frieden
hab' ich ein Bett dir beschieden,
Brautkleid und Blumen dazu,
legst du dich nieder zur Ruh'."
Seine Gesellen, die sind
gleich mit dem Meister gesinnt,
schaufeln und graben die Stätte,
machen und richten das Bette,
kommen und holen die Braut;
Mutter, o Mutter, mir graut!
Fruchtlos mit Zittern und Beben
kämpf' ich um's schwindende Leben,
näher noch dringet und droht
es fasst und umschlingt mich -- der Tod.