Der Morgen
F. Rust
Komm, heiter wie der Morgen,
Der auf den Hügeln lacht!
Der Liebe süße Sorgen
Verlängerten die Nacht.
Komm, Doris, sieh von ferne
Die Morgenröthe glühn!
Sieh, mit dem Heer der Sterne,
Nacht, Gram und Kummer fliehn.
Vom frischen Thau gekühlet,
Erwartet uns das Thal;
Was lebt, wird reg' und fühlet
Der Liebe süße Qual.
Laß uns der Stadt entfliehen,
Die Freude winkt uns zu;
Hier siehst du Rosen blühen,
Unschuldigschön, wie du.
Die Stunden sind verloren,
Die wir der Lust nicht weihn;
Zum Glück sind wir geboren!
Drum laß uns glücklich seyn.
Mein Lied und unsre Triebe
Singt Echo leise nach,
Und Liebe, lauter Liebe
Rauscht jener Silberbach.
Beklagst du nicht die Nelken,
Die dort dein Aug' erblickt?
Sie sinken, sie verwelken
Betrübt und ungepflückt.
Was frommt das Glück des Lebens,
Wenn man es nicht genießt?
Die Jugend blüht vergebens,
Betrübt und ungeküßt.
Laß stolze Fürsten streiten,
Und prächtig elend seyn!
Für wahre Zärtlichkeiten
Bleibt stets ihr Herz zu klein.
Dem schönsten aller Triebe
Will ich die Jugend weihn;
Ich küsse, was ich liebe:
Die ganze Welt ist mein!