Lied
F. Rust
Hier in dieser wild verworrnen
Tiefen Wüstenei voll Dornen
Kostets manchen sauren Schritt;
Ach! der Hoffnung seltne Blüthen,
Kaum entfaltet, nimmt das Wüthen
Eines Sturmes plötzlich mit.
An den hellsten Frühlingstagen
Unterbrechen tausend Klagen
Der Gebüsche Jubelschall;
Und auf blumenreicher Insel
Tönt der Scheiternden Gewinsel
In das Lied der Nachtigall.
Dennoch war, mit lindem Wehen,
Geist der Gottheit, ungesehen,
Auf dem öden stillen Meer,
Als hervor die Wälder gingen,
Hügel an zu jauchzen fingen,
Und die Ebnen ringsumher.
Gottesathem! Geist des Lebens
Und der Freude! nicht vergebens,
Als das Licht geboren ward,
Hast du Meer und Land umsäuselt,
Und das erste Blatt gekräuselt,
Und die Nachtigall gepart.
Immer noch, mit lindem Wehen,
Wallst du mächtig, ungesehen,
Tief im Herzen nur gefühlt,
Überall, wo Berg' und Auen
Sich befruchten, Wolken thauen,
Und die Well' ans Ufer spühlt.
An verlassenen Gestaden,
Mitten auf bedornten Pfaden,
Wo der matte Pilger bebt,
Ruft die Liebe den Verirrten
Freundlich unter ihre Mirten,
Die dein Gotteshauch umschwebt.
Und sein Blick, vom Weinen trübe,
Wird erheitert, und die Liebe
Flicht von ihrem Mirtenbaum,
Ihn zu trösten, neue Kränze,
Führt ihn so zum ewgen Lenze
Durch des Lebens kurzen Traum.