Irene und der Graf Ludwig von Württemberg
F. Silcher
Die Kaiserin Irene
In Hohenstaufens Saal,
Sie weinet Thrän' an Thräne
In ihrer Wittwenqual.
Ihr Herr der liegt erschlagen,
Den todtgebornen Sohn
Hat man ihr fortgetragen,
Verloren ist die Kron.
Und Fürsten und Vasallen
Sind zogen von ihr aus,
Sie dachten unter Allen
Nur an ihr eigen Haus,
Nicht an die bleiche Rose
Vom morschen Kaiserstamm,
Nicht an die Heimathlose,
An das verfolgte Lamm.
Nur Einer ist geblieben.
Ob Feindes Trug und Muth
Um seine Burgen trieben,
Ihn kümmert nicht sein Gut.
Blieb eines doch sein eigen,
Das ist die deutsche Treu',
Die hat er jetzt zu zeigen,
Die blüht ihm ewig neu.
Er schirmt der Herrin Mauer,
Er schirmet ihren Geist,
Den er aus seiner Trauer
Zur Freude droben weist.
Da trägt sie immer bleicher
Und stiller ihre Noth.
Er macht sie immer reicher,
Er macht ihr froh den Tod.
Die frühe Leiche senkt er
Zu ihren Vätern ein,
Er betet, ihrer denkt er,
Auf ihrem kalten Stein.
Die Fürsten und Vasallen,
Sie loschen ruhmlos aus,
Noch blühet über allen
Des treuen Grafen Haus.