Das Gebet des Herrn
Schubert, Franz
Anbethend Deine Macht und Größe
Versinkt in Nichts mein bebend Ich;
Mit welchem Nahmen, Deiner würdig,
Du Unnennbarer, preis' ich Dich?
Wohl mir! Ich darf Dich Vater nennen,
Nach Deines Sohnes Unterricht;
So sprech' ich denn zu Dir, mein Schöpfer,
Mit kindlich froher Zuversicht.
O Vater, der Du bist im Himmel,
Und überall zu jeder Zeit,
Zu preisen Deinen Vaternahmen
Sey jedem Herzen Seligkeit!
O laß, durch Deine Huld und Liebe,
Erscheinen uns Dein Gnadenreich!
Und treues Thun nach Deinem Willen
Mach' auch die Erde himmelgleich!
Herr, der Du nährst die jungen Raben,
Du kennst auch Deiner Kinder Noth;
Nicht ist vergebens unser Flehen:
»Gib uns auch täglich unser Brod!« -
Vergib uns, was wir irrend fehlten,
Wenn wir die Schuld vor Dir bereu'n,
Wie wir, auf Dein Geboth, den Brüdern,
Wie wir den Feinden auch verzeih'n.
Will die Versuchung uns verlocken,
Gib Kraft, o Herr, zum Widerstand!
So vor der Seele höchstem Übel,
Vor Sünde schütz' uns Deine Hand!
Send' uns Geduld und Trost im Leiden!
Und kann's zu unser'm Heil gescheh'n,
So laß, durch Deine Vatergüte,
Den bittern Kelch vorüber geh'n! -