Zum Evangelium und Credo
Schubert, Franz
Noch lag die Schöpfung formlos da,
Nach heiligem Bericht;
Da sprach der Herr: »Es werde Licht!«
Er sprach's, und es ward Licht.
Und Leben regt, und reget sich,
Und Ordnung tritt hervor,
Und überall, allüberall
Tönt Preis und Dank empor.
Der Mensch auch lag in Geistesnacht,
Erstarrt von dunklem Wahn;
Der Heiland kam, und - es ward Licht!
Und heller Tag bricht an.
Und seiner Lehre heil'ger Strahl
Weckt Leben nah' und fern;
Und alle Herzen pochen Dank,
Und preisen Gott den Herrn.
Doch warnend spricht der Heil'ge Mund:
»Nicht frommt der Glaub' allein,
Nur die Erfüllung eurer Pflicht
Kann Leben ihm verleih'n.« -
Drum gib ein gläubiges Gemüth!
Und gib auch uns, o Gott,
Ein liebend Herz, das fromm und treu
Stets folget dem Geboth!
Verleih' uns Kraft und Muth, daß wir
Nicht nur die Wege seh'n,
Die der Erlöser ging, daß wir
Auch streben nachzugeh'n.
Laß so Dein Evangelium
Uns Himmels Bothschaft seyn,
Und führ' uns, Herr, durch Deine Huld
Ins Reich der Wonnen ein.