Hans Sachs

G. Rauchenecker

Zu Nürnberg lebt' ein Schuster,

ein fleißiger Gesell',

dem war's, ob rings viel Duster,

im Oberstübchen hell.

Mit Sang und Klang und Melodei'n

schuf Werke er für groß und klein,

und immer mit Bedacht

dabei das Sprüchlein angebracht:

Kühn und keck!

Fest vom Fleck!

Der Teufel soll euch holen!

Ich lernte das Versohlen!

War auch ein Held der Feder,

schrieb deutsch und kerngesund,

zog immer fest vom Leder,

wo er 'was flicken kunnt'.

Schont Fürsten nicht noch Pfäffelein,

wie Hagelwetter schlug er d'rein,

focht siegreich aus jedwede Schlacht,

weil weislich er vorherbedacht.

Kühn und keck

etc.

Kein and'rer hat besungen

je schöner Lieb' und Treu'!

Wie golden hat geklungen

sein Lied von Lenz und Mai!

Laut fuhr ins Volk, wie Jubelschall,

sein' „Wittenberger Nachtigall“!

Wie Psalter rauschte weit und breit

sein sonnig' Wort in trüber Zeit.

Kühn und keck

etc.

Tät' jeder, der hier schustert

an Versen oder Schuh'

nur halb so viel, wenn's dustert,

fürs Volk, Hans Sachs, wie du,

dann ständ's weit besser in der Welt,

die Köpfe würden dann erhellt;

dann ging' es, Donner Doria!

durch Nacht zum Licht! Viktoria!

Kühn und keck

etc.