Isola bella

G. Rauchenecker

Die gold'nen Abendwolken nah'n,

der Tag neigt sich zur Ruh';

durch vblaue Wogen fliegt mein Kahn

dem trauten Eiland zu.

Isola bella!

Sie taucht empor voll Majestät

gleich jener holden Fee,

der schaumgebor'nen heheren Maid

Anadyomene.

Isola bella!

Ein ros'ger Sonnenstrahl umflicht

das Haupt ihr kronengleich,

zu ihren Füßen schmiegt sich dicht

die Welle, perlenreich.

Isola bella!

Und Zephirlüfte, dufterfüllt,

von Blütenträumen schwer,

umgaukeln rings das Götterbild

als Amorettenheer.

Isola bella!

Ein heil'ger Zauber uns umweht,

d'raus alle Wonne bricht,

und leis' der Mund, wie im Gebet,

voll tiefster Andacht spricht:

Isola bella!