Böser Traum

H. Brune

Jüngst hatt' ich einen bösen Traum:

Mein Leben war verwettet,

Der Strang hing schon für mich am Baum,

Und ich war schlimm verkettet.

Da sprengt' ein Reiter: "Hört mich! hört!"

Rief er mit raschem Winken,

"Singuf ist frei, wenn er verschwört

Das Küssen oder das Trinken!"

O Marterbosheit! solche Qual

Noch in der letzten Stunde!

Schon halb gehängt und noch die Wahl

Zwischen Becher und rothem Munde!

"Ach was! und wenn ich hängen muß!

Ich kann mich nicht entscheiden,

Den Strick um Hals! will Trunk und Kuß

Und Kuß und Trunk nicht meiden!"

Die Leiter knarrt, -- da wacht' ich auf,

Von schwerem Alp befreiet,

Getröstet, daß mein Lebenslauf

Mir annoch gut gedeihet.

Doch hat mich in der Morgenruh

Gemahnt des Traums Versinken:

Ich soll, eh' es zu spät dazu,

Mehr küssen und auch mehr trinken.