Die Spröde
H. Brune
Sie zieht mich wahrhaftig am Narrenseil
Herauf und herab die Wege,
Wohin auch bei Tag und nächtlicher Weil'
Ich immer auf Lauer mich lege.
Bald zeigt sie mir ein freundlich Gesicht,
Bald fragt sie, ob mich der Haber sticht,
Und immer ein schnippisches Nein!
Da hole der Teufel das Frei'n!
Ich habe nach ihr mir den Hals verrenkt
Und bin durch die Hecke gekrochen,
Ich hab' ihr Bänder und Borten geschenkt
Und was nicht noch Alles versprochen!
Sie dankt mir kaum, als müßt' es sein,
Und lacht mich aus noch obenein,
Und frag' ich: was krieg' denn ich?
Heißt's neckisch: wart' auf mich!
Das Warten hab' ich nun bald gelernt
Und Abends vor dem Thore
Auf jedes Geräusch, nah und entfernt,
Gehorcht mit dem einen Ohre.
Ich sah, wie im Dämmer die Schnepfe strich,
Der Marder bäumte, der Igel schlich,
Mir bebten manchmal die Knie,
Wer aber nicht kam, war sie.
Was fang' ich nun an mit der Wetterdirn,
Der so lang' ich schon nachgelaufen?
Ich weiß kein Mittel mehr, sie zu kirrn,
Die Haare möcht' ich mir raufen.
Halt! nicht beim Wege mehr seh' ich sie an,
Vielleicht von selber kommt sie mir dann.
Doch wenn sie's nun ebenso macht?
Was dann? ja dann gut Nacht!