Das Sträusschen
H. Esser
O Liebe, schlüpft' durch's Pförtchen verborgen gern der Welt,
O Liebe, schleicht in's Herze, von Weisheit sonst erhellt;
So laßt mich zieh'n in's Grüne, dort wo das Bächlein rinnt,
Ein Sträußchen mir zu pflücken zum Maien für mein Kind.
Die Primel will ich pflücken, des Lenzes Erstlingszier,
Und will die Nelke pflücken, der Blumen liebste ihr,
Ihr selbst der Frauen-Nelke, wie keine süß und lind, --
Und Alles in das Sträußchen zum Maien für mein Kind.
Ich will die Rose pflücken im Morgensonnenschein,
Ein Kuß von ihrem Munde -- so soll das Knöspchen sein!
Im himmelblauen Kleide dich treue Hyazinth' --
Und Alles in das Sträußchen zum Maien für mein Kind!
Die reine, keusche Lilie, die will ich brechen kühn,
An ihrem süßen Busen da soll die Lilie glüh'n;
Maaßliebchen spricht zum Herzen, das treu-beständig minnt --
Und Alles in das Sträußchen zum Maien für mein Kind.
Vom Weißdorn will ich pflücken die Locke silbergrau,
Wie eines greifen Schäfers, betropft vom Morgenthau;
Doch du im Busch, o Sänger, was fließt du so geschwind --
Will nur ein Sträßchen pflücken zum Maien für mein Kind!