Verheissung

H. Hermann

Hör, was ich sage:

Wenn die Sonne heut

Mit müden Schritt aus unsrer Flur gegangen,

Erwart' ich dich.

In wildem Geisblatt birgt sich eine Bank

Im Waldesgrund, rings Buchengrün und Farren,

Dort find'st du mich!

Dort rufe nicht! Geh heimlich durch das Laub,

Daß nicht die Vögel aus dem Schlummer schrecken

In ihrem Nest,

Daß nicht der Wind erwacht, der athemlos

Vom tollen Lauf, betäubt und sonnenmüde

Schläft im Geäst.

Leis lachend reck' ich meine Hände aus

Und ziehe dich durch das Gewirr der Ranken

Zu mir herein,

Verträumte Blüthen nicken über uns,

Grüngoldne Dämmrung spinnt mit weichem Schleier

Uns Beide ein.

Dann küsse mich! Sieh, meine Seele schläft,

Ein willenloses Kind auf meinen Lippen --

Dein ist die Macht!

Reiß sie empor aus ihrem dumpfen Traum,

Laß sie hineinschaun in das heiße Leben

Und dann -- sei Nacht!