Wir sassen am Wege

H. Kaun

Wir sassen am Wege, der Regen rann,

Wir hatten kein Dach uns zu schützen.

Ich blickte dich trüb und beklommen an,

Du starrtest hinab in die Pfützen.

Wir waren gewandert den langen Tag,

Zwei Kinder der Sorge, der grauen,

Wir suchten nach Obdach umsonst.

Wer mag landfahrendem Volke vertrauen?

Nun winkte die Stadt, schlank hoben sich

Die Türme und sandten uns Grüsse,

Doch mussten wir rasten, es trugen dich

Nicht länger die wunden Füsse.

Ich schaute dich an, ein zorniger Schmerz

Begann mir die Kehle zu engen.

Wer hiess dich mir folgen? Wer hiess dich dein Herz

An den heimatlos Irrenden hängen?

Wer hiess dich Törin um ihn,

Um ihn das Haus der Deinen verlassen,

Um unstät wie er durch die Welt zu ziehn,

Deine Heimat der Wald und die Gassen.

Dem Sohne der Not, dem Narr'n des Geschicks,

Kann Frauenliebe nicht taugen.

Da traf mich der Strahl eines seltsamen Blicks

Aus grossen schimmernden Augen.

"Ich bin ja so gern," hobst leise du an,

"Mit dir ins Elend gegangen."

Wir sassen am Wege, der Regen rann,

Wir hielten uns schweigend umfangen.