Lilian
H. Proch
I
Luft'ge Sylphe Lilian,
duft'ge Sylphe Lilian,
wenn ich ihr mein Herz verpfände,
klatscht sie in die winz'gen Hände,
lacht und nimmt's nicht an.
Sagt nicht, dass sie Lieb' empfände,
böse kleine Lilian.
II
Will mein Liebesklagen
ich ihr seufzend sagen,
schaut sie mir zur größten Pein
durch und durch ins Herz hinein,
lacht und spricht kein Wort.
Die schwarzen Perlenaugen funkeln
so listig fromm durch den Schleier, den dunkeln,
so erzunschuldig verschlagen,
bis in den jungen Rosen der Wangen
sich lächelnde, blitzende Grübchen gefangen,
und dann läuft sie fort.
III
Wein', o wein', Mai Lilian,
Scherz ohn' Ernst hat seine Klippen,
langweilt mich Mai Lilian;
dieses silberhelle Lachen,
Trillern von den Purpurlippen,
dieses kann mich rasend machen!
Wein', o wein', Mai Lilian!
IV
Sieh, ich bitte, was ich kann.
Sollt' dies Bitten mir nicht glücken,
würd' ich dich, Mai Lilian,
wie ein Rosenblatt zerdrücken,
dich, du Sylphe Lilian!