Der Dom

H. Sadler

Einen Dom in Wüsten fand ich,

Sah die Kerzen funkeln.

Engel schlugen feierlich

Zimbelklang im Dunkeln.

Schüttelte den Erdenstaub

Von den Wanderschuhen,

Für den Lärm des Lebens taub,

Drinnen auszuruhen.

Ampel auf die Fließen schien,

Licht, ein schwankend Gitter,

Streute am Altare hin

Weihrauch süß und bitter.

Doch auf einmal Rauch und Raum

Stufen tief versanken,

Gleich als wär der Dom ein Traum

Wirbelnder Gedanken.

Wo sind Kanzel und Altar,

Dach und Fundamente,

O, mein Dom erschrocken war,

Daß der Mensch ihn schände.

Meine Liebe nicht mehr wagt,

Neu ihn zu errichten

Und von Weltenangst gejagt

In den Dom zu flüchten.