Freizügigkeit

H. Schnaubelt

Frei wie die Welle

ist der Geselle.

Wandert mit leichtem Blut,

immer mit frohem Mut,

vogelfrei singend,

gemsengleich springend.

Frisch wie ein Fisch im Bach,

kommt ihm kein Kummer nach;

hat sich vor Schergen

nicht zu verbergen,

geht durch die ganze Welt,

brauchet kein Reisegeld,

denn wie die Welle

ist der Geselle

flüchtig und frei!

Frei wie die Welle

ist der Geselle.

Quält ihn ein Meister sehr,

nimmt er das Ränzchen her

mit seiner Habe,

greift nach dem Stabe,

trollet sich lachend fort,

sucht einen neuen Ort

sich nach Gefallen;

so macht er's allen

Meistern im weiten Land,

haltet nicht lange Stand,

denn wie die Welle

ist der Geselle

flüchtig und frei!

Frei wie die Welle

ist der Geselle.

Weist ihn ein Stadtvogt aus,

macht er sich nichts daraus;

Amt nicht und Kunden

ist er verbunden,

nicht Pension und Rang,

nicht dem Familienzwang.

Braucht nur zu eilen

wenige Meilen,

findet sein Brot zur Stund';

Handwerk ist gold'ner Grund,

macht, wie die Wellen

frei die Gesellen,

flüchtig und frei!