Wanderlos

H. Schnaubelt

Sah am Weg ein Blümchen steh'n

reizend zum Entzücken;

streckte schon die Hand darnach,

es vom Strauch zu pflücken.

Doch besinnend, dachte ich:

Lass dich nicht berücken,

den zerlumpten Wandersmann

wird es doch nicht schmücken.

Trug am Weg ein grüner Baum

gold'ne Frucht am Aste;

wollt' in seinem Schatten schon

laden mich zu Gaste.

Doch ich musste weiter zieh'n,

weil mich Bangen fasste:

Nacht und Sturm dräut ferne mir,

wenn ich weil' und raste.

Flog ein Vöglein vor mir her,

hoch, auf leichten Schwingen,

ließ bis an mein Wanderziel

froh sein Lied erklingen.

Da vergaß ich Blum' und Baum

und begann zu singen,

ließ mein Lied, dem Vöglein gleich,

hell die Nacht durchdringen.

Also zieht der Wandersmann

durch das ganze Leben.

Glanz und Pracht, selbst Herdesglück

kann er nicht erstreben.

Eins nur ward ihm als Ersatz,

froh sein Herz zu heben:

Wandernd wird ihm der Gesang

Glück und Frieden geben.