Bleib stehn! Dass nur ein Hauch vom Winde

H. Sommer

Bleib stehn! daß nur ein Hauch vom Winde,

Der über Deine Wangen geht,

Des durst'gen Athmers Lippen finde,

Eh' er im weiten All verweht.

Er wallt so mild wie Maienlüfte,

So würzig süß wie Blumendüfte,

Doch käm' er auch wie Eisespfeil

Hoch von der Alpen Gletscherflur,

Willkommen wär' er, brächt' er nur

Mir Deines Odems kleinsten Theil.

O zürn' ihm nicht ob seinem Raube,

Den er zu mir herüber lenkt,

Und zürn' auch mir nicht, wenn ich glaube,

Du habest ihn für mich beschenkt.

Mein Herz allein will er bethören,

Sonst Keiner kann ihn sehn und hören

Den Boten, der wie Schwalbenflug

Den einz'gen Kuß, in Luft getaucht,

Im Abendroth dahin gehaucht,

Von Deinem Mund zu meinem trug.