Monte testaccio
H. Sommer
Ich weiß nicht, was da noch werden soll?
Schon dämmert's im feuchten Grunde,
Die Fledermaus macht ahnungsvoll
Um den alten Stadtwall die Runde,
Am Scherbenberg wird's öd und still,
Ich glaub', die alte Wirthin will
Bereits die Schenke verschließen.
Ein Käuzlein hör' ich drüben schrei'n,
Wo die Grabcypressen trauern,
Campagnanebel ziehen herein,
Verhüllt steh'n Thor und Mauern;
Es wogt und wallt wie ein Geisterheer
Um Cestius Pyramide her,
Was mögen die Todten wollen?
Jetzt zuckt und flammt um den Berg ein Licht,
Die grauen Wolken verfliegen;
Es kommt mit neidisch gelbem Gesicht
Der Vollmond aufgestiegen.
Er scheint so grell, er scheint so fahl,
Er scheint mir mitten in Weinpokal,
Das kann nichts Gutes bedeuten.
Und wer von der Liebsten scheiden gemüßt,
Dem wird sie nur um so lieber,
Und wer zu lang in der Nachtluft sitzt,
Bekommt in Rom das Fieber.
Schon löscht die Wirthin die Lampen aus --
Felice notte!
ich geh' nach Haus,
Die Zeche bezahl' ich morgen.